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Marburg, Dienstag, 30. August 1881.
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(Fortsetzung folgt.)
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zelnen Staatsminister werden bezüglich ihrer Absichten und Handlungen von den liberalen Blättern dem Volke in den schwärzesten Farben geschildert, und die Thatsache steht unumstößlich fest, daß namentlich die fortschrittliche Presse eS lediglich auf eine Aufwiegelung der Massen gegen die Regierung abgesehen hat.
Wenn die konservative Journalistik diesem verwerflichen Treiben gegenüber ihre mahnende und warnende Stimme erhebt und auf die wohlmeinenden Pläne der Regierung hinweist, so erdreistet sich die liberale Reporterpresse, die gröblichsten Beschimpfungen gegen dieselbe auszustoßen und sie „als im Solde der Negierung stehend" darzustellen, als ob es überhaupt unmöglich sei, daß konservative Männer so viel Mut besitzen, offen mit ihrem Namen für die Sache ihrer Partei etnzutreten.
In den Augen des großen Publikums bemühen sich die liberalen Blätter, die gegnerischen Zeitungen als „gekauft" zu bezeichnen, während ihnen selbst oft genug der Makel des „Bezahltseins", in welcher Form ihnen die betreffende Subvention von liberaler Seite auch zu Teil werden möge, anklebt. Will die liberale Presse etwa behaupten, daß ihre Redakteure ohne Honorar, daß ihre Mitarbeiter ohne Gehalt arbeiten? Eben so gut, wie sie für ihre Arbeit ohne eine bestimmte Entschädigung in barem Gelde nicht zu existieren vermöchten, hat auch der konservative Journalist daraus zu rechnen, daß er für seine geistige Arbeit ein Honorar empfängt, von dem er seinen Lebensunterhalt zu bestreiten vermag und in diesem Sinne arbeitet er, wie jeder, der sich durch Arbeit ernähren muß, allerdings auch für Geld.
Es liegt hier nahe, an den Ausspruch eines Satyrrkerö zu erinnern, der, wie wir glauben, das Treiben eines Teiles der liberalen Presse in zutreffender Weise beleuchtet. Als derselbe einem Gespräche darüber beiwohnte, daß die fortschrittliche Presse sich in den Augen des Publikums den Anschein gebe, als ob nur die Mitglieder der konservativ en Blätter für Geld, jene der fortschrittlichen Presse dagegen für die Ehre arbeiteten, äußerte jener Satyriker sehr gelassen: „Dann darf sich die konservative Presse trösten, denn jeder arbeitet für daö, was ihm fehlt."
Wir haben diesem Ausspruche nichts hrnzuzufugen.
Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli, (gortseyuna.)
DaS war der Inhalt jenes einzigen Briefes, den Alexander erhielt, denn Platow hatte nicht gewagt, von den Angelegenheiten des jungen Mannes zu sprechen, weil diese seine Vorgesetzten in Tobolsk so nahe angingen, und wenn sie davon lasen, konnten sie leicht die Bemühungen der Freunde vereiteln. Daran dachte der Verbannte nicht, sondern nur an seine sehlgefchlagencn Hoffnungen, und fort und fort quälte ihn die Vorstellung, wie die Geliebte, von vornehmen Anbetern umringt, ihm immer mehr und mehr entfremdet ward, bis sie über kurz oder lang doch einem jener Herren die Hand reichte und den Gefährten ihres Unglücks im Glanze der Grafenkrouen vergaß. Und wenn sie ihn wirklich geliebt hatte, wie konnte sie fest genug sein, mitten in diesen Versuchungen zehn Jahre lang eurem Manne treu zu bleiben, der als bestrafter Verbrecher aus der Verbannung zurückkchrte, gebrochen an Leib und Seele, um seine Jugend betrogen und in der Einsamkeit verbittert. Das war, meinte er, mehr, als man dem treuesten Weive und dem festesten Charakter zumuten kann.
AuS diesem düsteren Brüten wurde er plötzlich aufgeweckt durch Hufschläge, die vor der Thür ertönten; erstaunt sprang er auf, um zu sehen, wer der seltene Gast rin könne, da ging auch schon die Thür auf und herein trat die hohe schlanke Gestalt eines russischen Offiziers.
„Lieutenant Ulmann, sind Sie es, oder ist es -Ihr Geist!" ries Alexander, und außer sich vor Freude nach so langer Abgeschloffenheit ein bekanntes Gesicht wieder zu sehen, flog er an die Brust deS Freundes, der ihn heiter und freundlich begrüßte.
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„Ah, sich d ," rief er fröhlich, „da komme ich gerade recht, der Wildbraten duftet sehr appetitlich und nach meinem scharfen Ritt wird es mein zusammengeschüttelter Magen dankbar anerkennen, wenn Sie mich zu Gaste laden wollen."
„Von Herzen gern! Aber sagen Sie nur, was führt Sie in die Gegend, gilt der Besuch mir oder geht es weiter?"
„Ihnen, mein Freund, und Sie sollen alles hören, denn es sind bei uns in Tobolsk wunderbare Dinge vorgegangen; aber erst geben Sie mir ein Glas Rum, die Zunge klebt mir am Gaumen! Ah," sagte er tief aufatmend, als er das Glas mit einem Zuge geleert, „nun sind meine Lebensgeister wieder aufgefrischt. Drehen Sie nur ihren Braten, so will ich Ihnen erzähle». Aber," hier warf er einen schelmischen Seitenblick auf den vor Erwartung glühenden Hausherrn, „zuerst will ich Ihnen einen Gruß auftragen von der schönen Gräfin Olga; Wetter, das i|t ein Mädchen, wie man sie hier in Sibirien nicht alle Tage zu sehen bekommt!"
Alexander zuckte zusammen, als ihr Name genannt wurde und eine solche Flut von Vorstellungen und Gedanken brach über ihn herein, daß er noch nicht das rechte Worr zu einer Frage finden konnte, als der Lieutenant in heiterem Tone fortfuhr:
„Ich war Ihnen sehr dankbar, daß Sie den guten Einfall gehabt hatten, die Familie an meine Wenigkeit zu empfehlen, und ich habe es mir Mühe genug kosten lasten, den Angenehmen zu spielen. Aber ach! ich verschoß all mein Pulver umsonst, denn das Herz der holden Gräfin war eine uneinnehmbare Festung, und ihre rotgeweinten Augen, die so wmig zu ihrem Wege zu Freiheit und
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Anzeigen nimmt entgegen - die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux eon® L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin: W. Thienes in Elberfeld- C- Schlotte tn
Bremen.
und auch keineswegs wesentlich. Unter einer Revision der Steuern auf Lebensmittel könne aber der Getreidezoll keinesfalls mit einbegriffen sein, da derselbe die Preise der Lebensmittel nicht erhöhe und seine Einführung auch nicht auf fiskalischen, sondern auf sozialpolitischen Erwägungen zur Erhaltung einer selbständigen, sich gedeihlich entwickelnden Ackerbaubevölkerung beruhe. Ein erweitertes Verwendungsgesetz werde dem nächsten Landtage zugehen; für die Minderung der Ueberweisung von direkten Steuern an die Kommune sei die Negierung in Uebereinstimmung mit den Wünschen der Nationallibcralen stets mit aller Kraft eingetreten. — Dasselbe Blatt hebt hervor, daß sie schon unter der Autorität dcö Ministers Delbrück oft in direktester Form ihren Widerspruch gegen das Prinzip des laisser faire, gegen das Manchestertum auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiete bezeugt hat. Das Blatt schreibt: „Wir sagen es zur Begründung unserer Versicherung, daß die von dem Fürsten Bismarck inaugurierte Sozialpolitik uns nicht unvorbereitet getroffen hat, daß wir, um dieselbe auf publizistischem Wege zu fördern, keinen äußerlichen Antrieb nötig hatten, sondern nur dem eigenen, aus unserer unzweifelhaften Ueberzeugung entspringenden Impulse zu folgen brauchten. Es ist eine- rein aus der Lust gegriffene Behauptung des sortschrittlichen Liberalismus, daß wir in den wirtschaftlichen Fragen Farbe gewechselt haben. Wir haben niemals eine Schwärmerei für den Freihandel gezeigt, denn wir meinen es ernst mit der nationalen Politik, welche ihr: „Deutschland, Deutschland über alles" nicht bloö als poetische und musikalische Phrase gelten lasten will." — Anknüpfend an die Bekämpfung der Arbeiterversicherung mit regelmäßigem Staatszufchuste durch die „Germania", weist die „Nordd. Allgem. Ztg." auf die zuverlässigen ernsten konservativen Elemente deö CentrumS hin, denen mit der fortschrittlichen Dlegcition, der Untergrabung und Bekämpfung der Regierung nicht gedient sei, und fährt alS- .dann fort: Man habe von einer so kategorischen Absage bei den letzten Reichstagsverhandlungen über dieses Thema seitens des Centrums nichts vernommen. Wenn eine solche jetzt erfolge, würde man hierin den Ausdruck der Furcht erkennen, daß die gegenwärtig mit Rom schwebenden Verhandlungen eine thatsächliche Annäherung herbeiführen könnten. Politikern, welche dem Kirchenstreite und einem Kampfe gegen die Regierung allein ihre Bedeutung und ihren Einfluß im Parlamente verdanken, sei es natürlich nicht erwünscht, wenn Anzeichen der Versöhnlichkeit zwischen der Staats- und Kirchengewalt hervortrcten, wie tn Osnabrück, Paderborn und demnächst voraussichtlich in Trier, und die Vorbereitungen zur Aufhebung der Wirkungen deS Sperrgesetzes, die möglichste Heilung der sozialen Schäden uno Krankheiten durch das praktische Christentum sei die Aufgabe, welche auf Unterstützung der katholischen wie der evangelischen Christen Anspruch habe, und wenn die „Ger-
Glanz paßten, ließen mich so ein bischen ahnen, wer der Kommandant der Festung sein könnte."
Alexander wendete seinen Braten mit einem wahren Feuereifer am Spieße, während es in seinem Herzen wie lauter Sonnenschein und Maigrün auösah, aber er antwortete nichts. ....
„Der arme Braten!" lachte sein Gast, „er kriegt ja keinen Augenblick Ruhe, wann soll er denn braun werden, mein Magen rebelliert schon gewaltig. Doch hören Sie weiter! Graf Platow gab sich in Tobolsk die größte Mühe, über die Geschichte mit Jgnatieff das Nähere zu erfahren, und ich mußte ihm so viele Details über die Herren da oben liefern als ich nur konnte. So ausgerüstet, zog er nun in Petersburg, im Verein mit Herrn v. Pelikoff, gegen die Gouverncmentöregierung zu Felde, und das Ende vom Liede war, daß man uns eine Kommission auf den Hals schickte, die an Ort und Stelle genaue Untersuchungen vornahm, denn Pelikoff scheint seinen alten Argwohn gegen den Oberinspektor geäußert zu haben, und sq sah man diesem sehr genau auf die Finger. „Dem Alten, Sie wissen wohl noch, daß wir den Gouverneur so nennen, schien das eine sehr angenehme Ueberraschung zu sein —"
„Angenehm!" rief Alexander verwundert, „aber er war ja selbst mit im Spiele und wird sich schwerlich weiß waschen können!" ,
„Und dennoch wird ihm daö alles lieber fein, als Jg- natieffs sogenannte Freundschaft, denn dieser Mensch hatte eine solche Gewalt an sich gerissen, daß selbst der Gouverneur nicht mehr den Mut hatte, energisch gegen ihn
Deutsches Reich.
»erlitt, 27. Aug. Die „Nordd. Allgem. Ztg.", deu Artikel der „Köln. Ztg." über die Stellung der National- liberalen zu den Finanzplänen der Regierung besprechend, bezeichnet die Punkte, welche von dem ausgestellten Programme der Nationalliberalen mit den bisher bekannten Absichten der Regierung übereinstimmen, und die Punkte, I welche davon abweichen; letztere seien der Zahl nach gering
ft-rfcfaeint täalick außer an den Werltagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis ür das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SountagSblatt durch d,e Expedition (Kochfche Erscheint läglttyauperanoen^riiagc a! Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsert.onsgebühr für die gespalten- Beile 10 Pfg.
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Die liberale Presse.
Der Artikel der neuesten „Provinzial-Korrespondenz", welcher sich gegen die Beschimpfungen richtet, welche die der Regierung feindlich gesinnten Blätter gegen Andersdenkende schleudern, wird überall da, wo der rohe, aufreizende Ton der liberalen Presse nicht ohne Beachtung geblieben ist, zweifellos mit Genugthuung ausgenommen worden sein, weil derselbe den Beweis liefert, daß der ungebührliche Ton der liberalen Blätter auch an maßgebender Stelle seine richtige Würdigung findet.
Es gewinnt in der That den Anschein, als sei den liberalen Zeitungen die Fähigkeit einer sachlichen Polemik bereits gänzlich abhanden gekommen und als handle es sich lediglich nur noch darum, durch persönliche Angriffe einen Kampf anzufachen, der schließlich nur noch mit dem Revolver anözufechten sein würde, wenn dem so widrigen Ge- bahren nicht in anderer Weise ein Ziel gesetzt wird. .
Die liberale Presse hat, seitdem die Sache, für die sie Eintritt, int Volke mehr und mehr au Boden verlor, wohl erkannt, daß eine sachliche Erörterung das der liberalen Partei verloren gegangene Terrain nicht wiederzugewinnen vermag und mit ganz besonderem Eifer warf sie sich daher auf das persönliche Gebiet, hoffend, daß ihr mit Hilfe persönlicher Verleumdungen der Streich gelingen werde, wieder festeren Boden zu fasten.
Die verwerflichsten Mittel wurde» hierzu in Anwendung gebracht und in erster Linie konzentrierten sich die Angriffe auf die Person unseres hochverdienten Reichskanzlers Fürsten Bismarck. ,
Nicht allein, daß man seine Verdienste um die Wieder- erstehung des deutschen Reichs zu schmälern und , in den Staub zu ziehen sich anschickte, mau ging auch so weit, seine ferneren Ziele und Absichten, welche lediglich der Wohlfahrt des deutschen Volkes und unseres großen Vaterlandes gelten, als mit derselben in Widerspruch stehend zu verdächtigen, um auf diese Weise dem großen Staatömanne, der seine ganze Kraft, seine Gesundheit dieser Wohlfahrt geopfert hat, die Herzen deö Volkes zu entfremden. In öffentlichen Versammlungen wagten eö liberale Demagogen, die Politik des Fürsten Bismarck zu verhöhnen und die liberale Presse hatte nichts Eiligeres zu thun, als dieser Verhöhnung mit den bekannten verleumderischen Ergänzungen weitere Verbreitung zu geben.
Aber nicht Fürst Bismarck allein ist seit längerer Zett der Zielpunkt der liberalen Zeitungsangriffe, auch die ein-
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