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XVI. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 25. Anglist 1881.

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bloS zu bekämpfen, sondern auch zu beschimpfen." Noch drückender als die Judenfrage lastet auf dem christlichen Staate die Heidenfrage. Was wird aus den Tausenden von ungetauften Kindern werden, die jetzt schon im deut­schen Reiche umherlaufen? Wie stark der Unglaube unter Gebildeten und Ungebildeten verbreitet ist, lehrt leider die Beobachtung unserer gesellschaftlichen Zustände nur allzu deutlich. Dennoch sind die offenen Nichtchristen weit weniger gefährlich, als die verkappten,die im Staate oft in hohen Aemtern und Würden stehen, oder im Reichs­tage und in den Landtagen als gefeierte Redner beklatscht werden."

Kaum war ich indessen da, wo unsere Wege sich teilten allein, so setzte ich meinem Pferde die Sporen ein und ritt auf einem schmalen Waldpfade so rasch ich konnte der Geistereiche zu, wo mich Eisenschwert schon lange mit immer wachsender Ungeduld und Besorgnis erwartete. Es war fast ein Uhr geworden, denn wir waren des schlechten Weges halber ziemlich langsam geritten, auch wollte icb, da ich einmal mich nicht von Patkull trennen konnte, nicht durch Ungeduld und schnelles Reiten seinen Verdacht erregen. Nur dadurch war eS möglich, daß uns zu Fuß der Mörder nachschleichen konnte, denn dieser Um­stand kam später dem Reitknecht zu statten, der mein Pferd gehalten hatte; er wurde als verdächtig verhört, kam aber wieder frei; und doch bin ich überzeugt, daß er die That beging, denn er allein konnte meinen Dolch so rasch ge­funden haben, und überdies war mir bekannt, daß er früher in Patkulls Diensten gestanden hatte und von diesem nach einer derben Züchtigung für ein Vergehen entlassen worden war.

Doch ich will nicht vorgreifen.

Kaum hatte ich in fliegender Eile dem Oberstm die Papiere übergeben und einige wichtige Punkte mündlich erörtert, so hörten wir plötzlich einen lauten Ruf wie in Todesangst, und ich glaubte des Freundes Stimme zu er­kennen; schon wollte ich ihm zu Hülfe eilen, da hörte ich auf dem breiten Wege, dm wir vorhin geritten waren, das Getrappel mehrerer Pferde und die Stimmen der Gäste von Jvenak, die uns nachgeritten waren, um Unglück

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annonccn-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidcndank in Berlin: W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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mußte.

Angesichts aller dieser betrübenden Thatsachen muß jeder, den die Fraktionspolitik nicht blind gemacht hat, der Provinzial-Correspondenz" Recht geben, wenn sie in einem Artikel:Der rechte und der linke Flügel der National­liberalen" treffend sagt:Diejenigen Schichten der Be­völkerung, auf welche die Nationalliberalen sich besonders stützen, werden allerdings zu entscheiden haben, ob sie auch ferner Männern ihr Vertrauen schenken wollen, welche mit dem Schöpfer der deutschen Einheit das nationale Gemein­wesen ausbauen und das Wohl aller Klaffen fördern wollen, oder denen, die im Bunde mit Fortschrittlern und allenfalls auch Sozialdemokraten, Welfen u. f. w. jeden wirklichen Fortschritt hindern und einfach alles zu Grunde richten."

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. August. Schulzeitungen und andere öffentliche Blätter werden, wie schon im vorigen Jahre, nicht minder zu berichten haben, daß neuerdings die Kan­didatenlisten über die Volksschullehrer wieder eingesührt seien; sie variieren diese« Thema in den mannigfaltigsten Formen und verwerten es für ihre Parteizwecke. Wer sich vergegenwärtigt, daß im preußischen Volksschuldienste nahezu

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haben wird, daß das Gesetz in verstümmelter Gestalt ge­rettet wird; auf die Verwerfung des Verfaffungögesetzes hinsichtlich der Wahlperioden und der ordentlichen Einberufungen, wie es von der Reichsregierung einge­bracht und vom Bundesrath gutgeheißen wurde, ein Ge­setz, das doch jeder Unbefangene für zeitgemäß erkennen

Zum Schluß wirft unser Freund, wie er sagt, einen traurigen Blick auf das Neueste, was wir erleben mußten : auf das Stück Fraktionspolitik der nationalliberalen Partei, als sie bei der Abstimmung über das Mietsteuergesetz mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen in daS Lager der Fortschrittler und Sezessionisten überging; auf bcn Widerspruch der gesummten liberalen Fraktionen gegenüber dem schönen Gedanken der Unfallversicherung aus Reichs­mitteln, eine Opposition, welche im besten Falle die Folge daß das Gesetz in verstümmelter Gestalt ge-

der Ruf:Fort mit Bismarck!" die Losung geworden. (Wir bemerken ausdrücklich, daß wir nur die Worte eines Liberalen anführen!) Unser Gewährsmann erörtert nun die wirtschaftlichen Reformpläne des Fürsten Bismarck in ausführlicher Darlegung. Er schlägt alle Einwendungen dagegen siegreich zurück und macht alle die Gründe dafür geltend, die im Reichstage wie in der konservative« Presse oft genug laut geworden sind. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Er entscheidet sich sogar für das Tabaksmonopol, da dasselbe einen guten Ertrag abzuwerfen verspricht, dem armen Mann die Pfeife keineswegs verteuert, sondern ein bessere« Kraut liefert, und endlich die eigene Industrie, z. B. in der Pfalz und im Elsaß schützt. Seine Autorität ist Moritz Mohl und die betreffende Verhandlung in der württembergischen Kammer. Zur Kennzeichnung des Herrn Eugen Richter dient es, daß er fälschlich behauptet, nur die konservativen Mitglieder, Ritterschaft und Prälaten hätten dem Beschluß zugestimmt, während ganz im Gegen­teil die Minderheiteine ganz kleine und meist aus Leuten der demokratischen Partei zusammengesetzt war."Sollte sich eine Steuer finden lassen, die, ohne zu große Schädi­gung des Verkehrs und Belästigung des Publikums, daS große fluktuierende Geldkapital, das Treiben der Banken und das Börsenspiel treffen, zugleich aber einen namhaften Ertrag versprechen würde, so wäre eine solche Steuer vor allen anderen einzuführen." AIS diese Worte geschrieben wurden, war es wohl noch nicht bekannt, daß die rechte Seite deS Hauses in letzter ReichstagS-Sesston eine solche Steuer in der procentualen Börsensteuer vorschlug, aber gegen die linke Seite nicht damit durchdrang. Wieder ein Verdienst der Advokaten des Kapitals, der Börsen- und Geldmänner!

Die mit der Religion zusammenhängenden staatsrecht­lichen Fragen werden in vorliegendem Büchlein ebenfalls sehr sachlich besprochen. Der liberale Grundsatz:Freie Kirche im freien Staate" ist längst als falsch erkannt und aufgegeben. Staat und Kirche sollen mit einander Hand in Hand gehen und sich wechselseitig fördern. Unser Ideal, unsere Zukunfshoffnung ist der christliche Staat mit christ­licher Eheschließung und konfessioneller Schule. Unser Freund meint freilich, daß die bürgerliche Trauung eine natürliche Konsequenz unseres dermaligen Staatsrechtes ist, die wir fürs erste nicht ändern können, und daß die Aufhebung derselben so wie die Sachen stehen, zum mindesten keine besseren Zustände herbeigeführt haben würde. So ganz unrecht mag das nicht sein; die Zeit wird« lehren. ,, , m

In der Judenfrage äußert sich der liberale Polttlker wesentlich im Sinne Stöckers, eben so besonnen und eben so milde. Er findet e« aber unerträglich, daß Leute, die doch nur geduldete Gäste sein sollten," ihre günstige Stellung dazu mißbrauchen,unser Christenthum nicht

die Sache zu untersuchen; ich fühlte immer die Scheide fest im Gürtel, und so merkte ich nicht, daß das Meffer derselben entglitten war; ich sollte es erst Wiedersehen, als das Blut meines Freundes daran klebte.

Kaum war ich einige Schritte fort, so war Patkull auf seinem Pferde an meiner Seite; ich stieß eine laute Ver- wünschuvg aus, die die Knechte auf dem Hofe noch gehört haben, aber es gelang mir nicht, meinen Begleiter los zu werden, und so ergab ich mich in mein Schicksal und ritt schweigend und finster neben ihm her, immer darüber brütend, wie ich es anfangen sollte, den nächsten Weg nach der Geistereiche einzuschlagen, da es vom Kreuzwege aus viel weiter war und ich daran denken mußte, daß Eisen­schwert Zeit übrig bleiben mußte, um noch in derselben Nacht der Grenze so nahe als möglich zu kommen. ES war eine dunkele, unheimliche Nacht, der Wind rauschte geisterhaft in den Bäumen über unS, denn wir waren mitten im Walde, und fortwährend knackte und krachte es in den Zweigen. Dazwischen kam eS mir zuweilen vor, als ob eS dicht hinter oder neben uns in den Büschen noch anders raschle als vom Winde und wir hielten zuweilen an und lauschten, aber ohne Resultat. Die Nachtluft kühlte meine Erhitzung ab, und ein eigentümlich wehmüttges Ge­fühl beschlich mich, als ob ich den Freund heute zum letzten Male sähe. Der Gedanke, wenn nun diese Nacht einer von uns stürbe und wir schieden im Unfrieden, wurde immer lauter in mir, und endlich sprach icb selbst das Wort der Versöhnung: wir reichten uns die Hand und nahmen den herzlichsten freundschaftlichsten Abschied von einander. Dies hat mich nachher unter allem, was über mich hereinbrach, oft mit stillem Frieden erfüllt, daß unsere letzten Worte von Liebe und Eintracht eingegeben waren.

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««»eigen nimmt entgegen: ^-Expedition d.Blattes, .ie d.Ännoncen-Bureaux Th. Dietrich u. Co. in g'.ffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; Nassenstein u. Vogler in Wfurt a. M., Berlin, a-jnzig, Köln ic.; Rudolf We in Berlin, Frank- 8K n furt a. M. re.

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Doch so leicht sollte es mir nicht werden, denn Patkull und die andern machten Versuche zur Versöhnung. Stellt Euch in meine Lage, wie mir der Boden unter den Füßen brannte, mein ganzes Wesen in einer kaum noch erträglichen Erregung war, und ich mich ttotz meiner Eile fortzukommcn immer von neuem aufgehalten sah. Da riß mir die Ge­duld, ich geriet in Zorn, was ich sagte erinnere ich mich so wenig wie uieiner früheren Worte, ich weiß nur, daß mein Weg frei ward und ich hinauSstürzte Unten im Hofe ließ ich mir noch rasch mein Pferd satteln, doch dmkt Euch meinen Schrecken, als ich auf einmal Patkull er« . scheinen sah und hörte, wie er befahl, auch sein Pferd vorzuführen. Unter allen Mmschen war mir jetzt deiner mehr im Wege, als er, denn er hatte fast ganz denselben Heimweg mit mir und nur kurz vor Platow trennten sich unsere Pfade; dabei kannte ich seinen geraden, loyalen Charakter zu sehr und wußte ihn dem Kaiser und seiner Partei zu ergeben, als daß ich eS wagen durste, fernen Verdacht nur im geringsten zu erregen. DaS alles wußten seine Mitverschworenen auf Jvenak ebenso genau, sie hatten unseren Streit gesehen, meine Drohworte gehört, man hatte Patkull von allen Seiten gewarnt, nicht bat einsamen Weg mit mir in der Nacht zu machen, was war natürlicher, als daß alle mich später für vm Mörder hielten; doch eS sollten noch mehr Umstände diesen Verdacht bestätigen.

Als ich mein Pferd bestieg, das mir ein Rettknecht mit der Laterne in der Hand hielt, kam es mir vor, als lockere sich mein Dolch in der Scheide, doch war ich viel zu sehr mit andern Gedanken beschäftigt, als daß es mir einfiel,

Kritik eines Liberale« über de« Liberalismus.

II.

In unserem ersten Artikel haben wir an der Hand eines liberalenSiebenzigers" einen kurzen Ueberblick über Ursprung und Entwickelung des Liberalismus gegeben. Von derselben Hand geleitet, gehen wir jetzt über zur Be­trachtung der Stellung, welche die Liberalen gegenüber den brennenden Tagesfragen einnehmen.

Die Krankheit des constitutionellen Lebens in unserer Mt ist die Fraktionspolitik. Das Programm der Fraktion steht höher als das Wohl des Vaterlandes. Die Fraktion will nicht bloß beraten und beschließen, fie will herrschen daS Widerspiel des gesunden Parlamentarismus. Und was würde uns beispielsweise daS Fraktionsprogramm deS Fortschritts und feiner Anhängsel Gutes bringen? Die Berliner Kommune, die Alleinherrschaft des Kapitals, den Nichts-als Freihandel", den preußischen und hanseatischen Partikularismus.

Der-sociale Schaden der Gegenwart besteht in der Herrschaft des großen Kapitals, der Börsen und Banken, des Manchestertums in Verbindung mit der Fabrikindustrie, welche beide einander erzeugen und bedingen, die Kluft zwischen Armen und Reichen mehr und mehr in Schrecken erregender Weise erweitern, so daß sie, wenn nicht vorge­sorgt wird, die staatliche Ordnung zu verschlingen droht. Ein erster Akt solcher Vorsorge sollte da« Unfallversiche- rungS-Gesetz sein. Der Reichskanzler hat dengroßen socialen Gedanken" der Armen-Unterstützung aus Staats­mitteln gefaßt, d. h. derjenigen Maßnahmen, die den Zweck haben, von Staatswegen Fürsorge zu treffen, daß der kleine Mann" unter keinerlei Umständen ohne sein Ver­schulden der Armut und dem Elende zum Opfer fallen kann. Auch hier war es der linke Flügel der liberalen Partei (Fortschritt), derGalle in den Wein goß", indem er dem Reichskanzler unlautere Motive unterlegte und ihn beschuldigte, den Socialdemokraten zu Gefallen zu handeln! Desgleichen hat die Regierung in ihren Bestrebungen zur Hebung des Handwerks in den großen Geldmächten,die ihre stets schlagfertigen Vertreter im Reichstage, zumal auf der linken Seite desselben haben", ihre Gegner gefunden.

Die Wirtschafts- und Steuerreform hat bei den Män­nern des Fortschritts deshalb so viel böseö Blut gemacht, weil sie das Schooßkind dieser Partei, da« Freihandels- Prinzip so unsanft berührt, und seitdem ist von dieser Seite

frrfrfieint täalid» außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SouutagSblatt durch die Expedition <K o ch fche $ Buchdruckerei) bezogen 81/* Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.! Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

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