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MarSurg, Dienriag, 23. August 1881

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eigen nimmt entgegen: Äpebition d. Blattes, -!mi-d Ännoncen-Bureaux ! ib Dietrich u. Co. in 'Mel und Hannover; Th. KichinFrankturtaM.; ^-lenstem u. Vogler m M, rt a. M., Berlin, Kg, Mn ---; Rudolf ;iD<fe IN Berlin, Frank. *futt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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aisrr Wilhelm.

Zn Meinen Jahren macht man keine Reisepl5ne für ba« nächste Jahr", soll der deutsche Kaiser lächend ertob hert haben, als der jugendliche Kronprinz Rudolf von Oesterreich ihn einlud, im nächsten Jahre wiederzukommen. -a indessen Gastein alljährlich durch feine köstliche Berg- jUft teil Kaiser zur Nachkur ganz besonders kräftigt, da Ze. Majestät sich ferner bei dem herzlichen Empfange und der großen Zuneigung seitens der Bevölkerung und der Vadegäste im befreundeten Nachbarreich wohl erst fühlte und überdies Gastein, weil Franz Josef von Oesterreich gewöhnlich zur selben Zeit, in welcher Kaiser Wilhelm eintrisft, in Ischl zu verweilen pflegt, ein bequemer Ort m gegenseitiger Begrüßung und Aussprache der verbün­deten Herrscher ist, so dürfte das romantische und nunmehr historische Bergbad wohl für den Lebensabend des Kaisers nnserschen fein, ihn am Schlüsse des Hochsommers zu er­quicken. Wiesbaden, Ems, Gastein, Baden-Baden das sind neben Berlin und Schloß Babelsberg die Lieblingsorte des Kaisers, und diese Wahl ist nicht nur der Heilkraft der Quellen und der Reinheit der Luft nach nicht übel, sondern sie gelten allgemein als sogenannte »herrliche Fleckchen Erde." Wie alle Deutsche, besitzt der Kaiser eine große Liebe zumVater Rhein", und der herrliche Rhein­strom ist bekanntlich auch von der Kaiserin besonders ver- $rt Leider verlebte die Kaiserin in diesem Sommer eine schmerzensreiche Zeit und ihre Genesung schreitet nur langsam vor. Zweimal eilte der Kaiser an das Krankenbett der Gemahlin «ndDulderin, welche darauf bestand daß keinReiseprogramm" der Familienglieder ihretwegen, eine Abänderung erleide. Indessen gilt für wahrscheinlich, daß der Kaiser vor seiner Reise nach Hamburg noch einmal nach Coblenz eilt und erst von dort über Kiel, wo Se. Majestät der Ein­weihung der Garnisonskirche beiwohnt, zu den schleswig- hvlstmüschen Manövern geht; auch der Kronprinz mit Gemahlin und Kindern wird bei seiner Rückkehr von Eng­land bei der Kaiserin eintreffen. Letztere begiebt sich an- sangs September nach Baden-Baden und gedenkt, wenn es ihre Gesundheit gestattet, in Karlsruhe dem Doppelfeste der silbernen Hochzeit des großherzoglich badischen Rcgenten- paareS und der Vermählung der badischen Prinzessin Viktoria mit dem Kronprinzen Oskar von Schweden beizuwohnen. Kaiser Wilhelm hat die Absicht, am 30. September, am Geburtstage der Kaiserin, in Baden-Baden einzutreffen, woselbst dann auch der Kronprinz, sowie die badischen Herrschaft erwartet werden. Von Babelsberg aus gedenkt der Kaiser wöchentlich mehrmals in Berlin einzutreffen, um die Rcgierungsgeschäfte zu erledigen. An den Truppen­übungen der Garde gedenkt der Kaiser nur gelegentlich persönlich teilzunehmen; für das 3. Armeekorps finden nur Divisionsmanöver statt, da der kommandierende General

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

lFortskhung.)

ES gehört wohl der höchste Grad von Selbstverleug­nung dazu, eine ungemischte Freude über das Glück anderer zu empfinden, wenn dies S zugleich für uns selbst ein großes Leid bedeutet, und wir wollen unserm jungen Freunde nicht zürnen, daß er auf halbem Wege zu diesem Gipfel der Vollkommenheit stecken blieb, ist er doch kein Korncillescher Tragödienhcld, fondern ein armes, schwaches Menschenkind, wie wir alle. Nur zu einem Gefühl rang er sich hindurch: das war ein heißer Dank dafür, daß er der Versuchung hatte wiederstehen können, die Geliebte durch ein Wort zu binden, das jetzt ohne Zweifel die ge- sürchteten Kämpfe herbeigeführt hatte, so daß sie nicht mit dieser ungeteilten Freude die Rettung hätte begrüßen können.

Nachdem sich der erste Rausch über das unverhoffte Glück gelegt hatte, nahmen alle ihre Plätze wieder ein und aller Augen hingen mit gespannter Erwartung an den Lippen des Hausherrn, von dem sie eine nähere Erklärung hofften. Tief bewegt begann er:

Endlich, endlich darf ich sprechen, denn nun weiß ich, daß ich niemand mehr schaden kann" hier wechselten die beiden jungen Leute einen bedeutungsvollen Blick »und daß mir der Weg geöffnet ist, meine Unschuld zu be­weisen ; denn der einzige Mensch auf Erden, der mir mit einem Worte dazu verhelfen kann, ist Udo von Eisen- fchwert, dessen Aufenthalt ich damals nicht entdecken durfte und später nicht konnte. Aber hört, wie daS alles zusam» wenhängt; den auch Ihr, meine Lieben," wandte er sich an Frau und Tochter,Ihr ahntet wohl etwas von der

nach seinem Sturze vom Pferde noch krank liegt. Während der Kaiser nach dem Lockstedter Lager geht, wird der Kron­prinz die übliche Inspektion der süddeutschen Truppen ab­halten. Bei schönem Wetter wird Kaiser Wilhelm 14 Tage in Baden bleiben, also vor Mitte Oktober, ungefähr zur Zeit der Reichstagswahlen, nicht in Berlin zurückerwartet werden.

Kritik etueS Liberalen über -en Liberalismus. I.

Im Verlage von Kunzes Nachfolger zu Wiesbaden ist vor kurzem eine kleine Schrift erschienen unter dem Titel:

Der extreme Liberalismus. Seine Irrtümer und sein Werk der Einigung Deutschlands verderblicher Einfluß. Nach den Erlebnissen der letztverfloffenen fünf­zig Jahre kritisch beleuchtet von einem Siebenziger. 100 S. 8.

Die Schrift trägt das geflügelte Wort Bismarcks, das er jüngst Herrn v. Bennigsen zurief, als Motto: Laß nicht vom Linken dich umgarnen." In ruhiger und klarer Darstellung übt sie an dem Liberalismus, nament­lich an der Fortschrittspartei, eine geradezu vernichtende Kritik, um so vernichtender, als ter Kritiker selbst ein libe­raler Mann ist und der nationalliberalen Partei. seit ihrem Entstehen in bösen wie in guten Tagen unverbrüchlich treu blieb. Mir empfehlen das interessante und lehrreiche Büchlein unfern Lesern auf's wärmste, indem wir einige Hauptsätze daraus mitteilcn.

Der Liberalismus ist kein deutsches Gewächs, sondern ein französisches Unkraut. Nach der Pariser Juli-Revo­lution 1830 begann in Deutschland die Schwärmerei für dasliberale" konstitutionelle Königstum nach französischer Schablone. Auch die Nachklänge der Pariser Revolution trugen bei uns ganz den welschen Charakter. So das be­kannte Hambacher Fest 1832, wo man:Fürsten zum Land hinaus, jetzt kommt der Völkerschmaus!" sang, wo neben der deutschen auch die polnische Fahne in der Luft flatterte, wo man sich im weltbürgerlichen Maulheldentum breit machte, für die vereinigten Staaten Deutschlands, auch wohl für das verbündete republikanische Europa schwärmte und zuletzt noch in der Fülle der Begeisterung den Rufzu den Waffen" erschallen ließ ein Rausch, dem freilich nur zu bald der Katzenjammer folgte. Das wahnsinnige Frankfurter Attentat (Coustabler-Wache) 1833, die Koseritz'sche Verschwörung in Württemberg und was drum und dran hing, waren Unternehmungen des radikalen, excentrischen Teils der damaligenLiberalen" so ganz nach französischem Vorbild.

Wir haben bisher ganz wörtlich angeführt. Wie aber nennt sich jener radikale, excentrische Teil der Liberalen heute? Fortschritt._______________________________________

Wahrheit, daö habe ich wohl gemerkt, aber Ihr konntet und durftet die Hauptsache eben so wenig wissen als andere. So will ich Euch denn in die Zeit zurückführen, die unser r Verbannung kurz voranging.

Ihr Alle wißt, daß unser hochseliger Kaiser Alexander ein edler, vortrefflicher Fürst war; aber auch er war, wie alle Großen in der Welt, nicht frei von der Schwäche, fein Ohr einzelnen Günstlingen zu leihen und diese zwischen sich und sein Volk treten zu lassen, in dem blinden Vertrauen, daß sie sein und seiner Untertanen Bestes im Sinne bitten, während sie doch dabei nur an Vergrößerung ihrer Macht und ihres Reichtumes dachten. Seit den Freiheits­kriegen war ein neuer Geist in alle Völker Europas ge­drungen, und die Ideen der französischen Revolution, ge­klärt und veredelt durcli das Unglück der Zeiten, hatten in allen Ländern Wurzeln geschlagen, überall entstand ein Verlangen und Ringen nach Freiheit von altverjährten Fesseln und Gewohnheiten, und der Trieb nach geistiger Entwicklung und Fortschritten auf allen Gebieten des Wiffens und des Lebens erwachte in allen Schichten der Gesellschaft. Wohl trug Alexander dem Geiste der neuen Zeit Rechnung, indem er Universitäten und viele Schulen aller Art gründete, aber leider verwechselte er, wie manche der europäischen Fürsten, den Drang seines Volkes nach Aufklärung und freierer Entfaltung seiner Kräfte mit den unseligen Gelüsten der französischen Pöbelherrschaft, und so kam es, daß der so milde und menschenfreundliche Kaiser mit Härte und Strenge gegen die besten Stützen seines Reiches wütete. Dabei unterstützten ihn. besonders einige jener Günstlinge, von denen ich vorhin sprach, die Alexanders strafenden Ann mißbrauchten, um ihre Privatrache zu kühlen. Dennoch hatten sie selbst unter den Edelsten und

Im Februar 1848 jagten die Franzosen ihrenBürger­könig mit dem Regenschirm" weg und machten sich eine Republik zurecht. Sofort brannte es in Deutschland an allen Ecken.März-Ministerien" wurden errichtet, Bürger­wehr, Geschworenen-Gerichte, unbeschränkte Preßfreiheit kurz, das ganze Rüstzeug des französischen Liberalismus war wie durch einen Zauberschlag herbeigeschafft. In Heidelberg hielten die Liberalen eine Versammlung, wähl­ten sieben Vertrauensmänner, diese beriefen dasVorpar­lament" nach Frankfurt a. M. zusammen, welches bald in der PanlSkirche daselbst tagte. In der aus direkten Wahlen hervorgegangenenNational-Versammlung" ge­wannen bald die französisch-liberalen, ja radikalen Elemente, bereit Losungswort dieVolkösouveränetät" war, die Oberhand. Wir wissen, welche politische Weis­heit in Frankfurt ausgekramt wurde. Die liberalen Herren meinten es herzlich gut, konnten aber doch nur ein totes; Kind zur Welt befördern. Sie fingen das Haus der deutschen Einheit von oben an zu bauen, schmückten den Giebel mit Freiheitsbäumen und bunten Bändern gar stattlich aus, vergaßen aber, ein solides Fundament zu legen, und so stürzte der ganze Bau kläglich zusammen. Geblieben sind dem deutschen Volke von jenen Tagen her einige Stücke von denGrundrechten", einige Fetzen Frei­heit nach französischem Geschmack von teilweise sehr zweifel­haftem Wert. Die Schuld am Mißlingen deS Werkes möchten die Fortschrittler wenigstens allein den Fürsten, besonders dem Könige Friederich Wilhelm IV. ausbürden. Allein unser liberaler Gewährsmann sagt: Die Schuld, trifft zunächst die excentrische Partei, die Demokraten und Radikalen, die ja von Anfang an nichts wollten, als Frei- . heilen nach jeder Richtung und ganz nach französischem Geschmack. Die Schuld trifft aber die Liberalen über­haupt, die unpraktisch den rechten Zeitpunkt versäumten, und dafür ihre Weisheit bei Feststellung derGrundrechte" auskramten, wie ihre Nachkömmlinge, die Fortschrittsherren,, sammt ihrem Anhang von der Linken im Reichstag zu Berlin es heute noch thun.

Für die revolutionären Exzesse und blutigen Thorheiten der Heckerschen Freischaren wollen wir zwar die Fortschritts­partei nicht verantwortlich machen. Aber Herr Virchow hat dieguten Revolutionäre" im deutschen Reichstage vertei­digt und Herr Bamberger hat als Freischärler mitgekämpft. Der süddeutsche Patriot, dem wir meist wörtlich folgen, hat wohl recht, wenn er die Jahre 1848/49 mit ihren grauen­vollen Reden und frevelhaften Thaten, mit ihren teils unheimlichen, teils lächerlichen Szenen eine Zeit der poli­tischen Trunkenheit nennt.

In den Jahren von 18611866 waren die Liberalen zwar nicht mehr trunken, aber unklug genug, daß sie dem Könige Wilhelm und seinem Bismarck so feindselig entgegen­traten. Der Fortschrittspartei gingen auch nach der Schlacht

Besten des Landes einen großen Anhang, weil auch diese alle Freiheitsgelüste als revolutionäre Gesinnungen ansahen, und so gab es fast im ganzen Reiche zwei große Parteien, eine, die zähe am Alten hing, wie das ja von jeher in Rußland war, und eine, die dem neuen Zeitgeiste huldigte, und zu dieser gehörte ich. Zu der Zeit, von welcher ich sprechen will, hatte die erste Partei die Oberhand und an ihrer Spitze standen die Günstlinge, deren Namen ich nicht nennen will, unter bereit feindlichen Gesinnungen unsere Partei aber schwer zu leiden hatte. Darum entstand all­mählich aus der weitverbreiteten Unzufriedenheit eine wohl organisierte Verschwörung zum Sturze jener Männer, aber unsere Bestrebungen blieben für alle ein so tiefes Geheim­nis, daß selbst unsere Familien nichts davon ahnten."-

Wenn ich das gewußt hätte", rief Frau Sophie, keine ruhige Stunde hätte ich geh bt; habe ich doch Sorge genug ausgestanden,daß Tu so offen zu der Partei bet Unjuftiebenen hieltest."

Das that ich aus vollster Uebetzeugung, unb biefe habe ich allezeit vertreten! Unsere geheimen Pläne waten enblich so weit gebiehen, baß wir nur noch auf bie Mit­teilungen einiget Miigliebet bet Verschwörung im Auslande warteten, um loszubrechen. Zu diesen Freunden sollte ein vertrauter Bote geschickt werden, und mir wat der Auftrag geworden, demselben die nötigen Papiere einzuhändigen, was bei einem Parteigenossen auf Schloß Jvenak vor sich gehen sollte. So ritt ich denn ganz allein dorthin gerade an dem Tage, wo mein Freund Patkull durch Mötdethand fiel aber nicht durch meine, wie man so überzeugt war, daß man mich auf Lebenszeit hierher verbannte.

(Fortsetzung folgt.)