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nimmt entgegen: kkmp-dition d. Blattes, d Annoncen-Bureaux <b Diet-ich u. Co. in
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Marburg, Sonnabend, 20. August 1881.
Gecheßschk ji'itunij.
XVI. Zhrzaig
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Juvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae lUnftrirtes Eanntaa-blatt" durck die Ervedition Luchd,ucker,i) »«,» SV. ■MM»*«* --- D-u-I«-» Reich,-S M.,I SO Wl ,1. ÄÄu-*S.iS?K
Für ,n der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg.^berechnet.
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Neber eine unberechtigte Forderung
schreibt die „Prov.-Corresp." folgendes:
Wir haben neulich die Forderung nach einem klaren, sachlichen Programm, welche von Seiten eines der fort- chrittlichen Richtung zuneigenden Blattes an die Regierung gestellt wurde, als eine unverständliche bezeichnet und aus- Mhrt, daß dieses Programm niemanden unbekannt, daß ja vielmehr in zahllosen Kundgebungen enthalten sei; zum Mrfluß wurde dasselbe an dieser Stelle mit kurzen, wenn auch nicht erschöpfenden Worten in seinen wesentlichsten Gmndzügen dargelegt.
Es bedurfte keiner großen prophetischen Gabe, um vor- auSzusehcn, daß die demokratisch-fortschrittliche Presse dieses Programm als weder sachlich noch klar bezeichnete. Sie irklärt dasselbe für nicht genügend, da es zu „allgemeine Wendungen" enthalte, und fordert genauere Angaben über sie beabstä tigte Art und Weise der Verwirklichung der an- gesührten allgemeinen Grundsätze im einzelnen. Ja, sie stellt sogar, um diese Forderung zu begrünten, die Behauptung auf, daß jenes Programm von jedermann unterschrieben werden könne und daß nur die Art und Weise der Ausführung die Meinungsverschiedenheiten der Parteien bedinge.
Daß daö Programm von jedem Deutschen unterschrieben und angenommen werden kann, ist allerdings ebenso richtig wie wünschenswert. Wenn dies aber der Fall, so ist nicht einzusehen, wie die Verwirklichung desselben im einzelnen den Anlaß zu bitteren Kämpfen geben kann. Vielmehr werden diejenigen, welche sich zu jenen allgemeinen Grundsätzen wirklich und ehrlich von Herzen bekennen, in der Art und Weise ihrer Verwirklichung einen hinreichenden Grund zu einer so heftigen und leidenschaftlichen Bekämpfung der Regierung nicht finden, wie wir sie leibet in letzter Zeit immer mehr haben erleben müssen.
Die Forderung nach einer genaueren Angabe der beabsichtigten Ausführung des Negierungsprogramms ist hiernach an sich sehr wenig begründet; sie ist aber auch völlig unberechtigt.
Einmal liegt es in der Natur der politischen Programme, allgemeine Grundsätze aufzustellen. Hat etwa irgend eine Partei jemals diese Regel außer Acht gelassen? Hat es jemals ein Programm gegeben, welches sich auf die Einzelheiten der Ausführung einlieh? Gerade die Parteiprogramme l-iden vielmehr in den meisten Fällen an einer sehr beklagenswerten Unbestimmcheit, welche allein eö möglich macht, daß recht verschiedenartige Elemente, die nur eines bestimmte» Zweckes halber unter einen Hut zu bringen versucht toten, sich um dieselbe Fahne scharen, obwohl die Ueber- einstimmung ihrer politischen Ueberzcugung durchaus nicht immer ganz zweifellos ist. Es ist überflüssig, hierfür ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit anzuführen.
Was die Parteien als Recht für sich in Anspruch nehmen,
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Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.)
Alexanders eiserner, gesunder Körper, von frühester Ägend auf an Strapazen und Entbehrungen aller Art Möhnt, trotzte den mancherlei Beschwerden seines neuen Berufes, und die Kraft und Ausdauer, die er dabei mt- »icfeltc, machten cs ihm möglich, außer seiner eigenen, nicht kleinen Aufgabe auch noch den Freunden bei der ihrigen zu helfen. Dabei griff er unermüdlich im Hause i» und war durch feine Gesälligkeit und Freundlichkeit iuld der allgemeine Liebling. Sein Verkehr mit der Familie gestaltete sich täglich angene mer und herzlicher ■ -■ j n»d auf seine Bitte vertauschten bald alle das anfängliche euM ,Hxrr p. Geldern", das so wenig hierher paßte, mit dem ^traulichen „Alexander". Besonders gemütlich waren die reiz" langen Winterabende, wenn die Jäger von ihrem sauren Sägewerke n ch Hause kamen, an dem großen warmen ™ Öfen sich um den gedeckten Tisch versammelten und dann , jg M lange plaudernd mit den Frauen zusammen saßen, clni H^ant.cr immer so fortleben können ohne Sehnsucht -a hoch der Außenwelt, ohne, wie einst, vom Ehrgeiz ge- nach großen Thaten so dürsten. Das kleine Haus j seine ganze Welt, und das höchste Ziel seiner ______ , - Wünsche war, dareben ein eigenes Häuschen und i. Emen eigenen Herd zu besitzen, aber — nicht für sich . Rn, er onnte s sich nicht denken, ohne darin eine Hausfrau mit frischen, roten Wangen, sanften braunen **u8en und braunen Haaren walten zu sehen. Ost drängt T^chn, seinen Gefühlen Worte zu leihen und die Geliebte —' Blick in sein Herz thun zu lassen, und eine leise
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würde wohl auch von gerechten Beurteilern der Regierung zugestanden werden müssen.
Andererseits aber kann nicht zugegeben werden, daß das, was hier als Programm der Regierung dargelegt wurde, wie behauptet worden, der notwendigen Klarheit und Sachlichkeit entbehre; es hat einen sehr bestimmten, den Gegnern der Regierung durchaus nicht unbekannten Inhalt.
Woher stammt denn die ganze fortschrittlich-demokratische Opposition der letzten Zeit? Doch nicht aus dem Mangel eines Regierungsprogramms und auch nicht aus der Unklarheit desselben, sondern lediglich daher, daß man dieses Programm kennt und bekämpfen zu müssen glaubt! Die feindliche Stellung der fortschrittlich-liberalen Elemente ist gar nicht anders zu erklären, als dadurch, daß ihnen die Ziele der Regierung, die ihnen bekannt sind, wenn sie freilich auch nicht verstanden, eingesehen und gewürdigt werden, als ein willkommenes Kampfobjekt erscheinen. Oder sollte etwa nur wieder die alte Gewohnheit eingerissen fein, die Regierung zu bekämpfen, weil sie die Regierung ist, und ihre Absichten zu mißbilligen, obwohl man dieselben nicht kennt?
Die Forderung nach einem ausführlichen, sachlichen klaren Programm, worunter man die genaue Angabe der beabsichtigten Gesetzvorschläge mit ihren wesentlichen Einzel- bestimmungen versteht, wird bezeichnender Weise — und daö giebt zu denken — von keiner Seite erhoben, als von der Opposition. Das geschieht doch wohl nickt, um sich belehren oder bekehren zu lassen! Man will sich vielmehr, indem man hofft, die Einzelheiten der Ausführung von der Regierung wie auf einem Speisezettel anfgeführt zu erhalten, nur neue bequeme Handhaben zur Bekräftigung des WiederstandeS, zu dem man schon längst im Herzen entschlossen ist, verschaffen. Nur die Absicht, neue Gelegenheit zur fruchtbaren Ausbeutung seines oppositionellen Standpunktes zu erhalten, giebt denen', welche in der Bekämpfung der allgemeinen Grundsätze des Regierungsprogramms eine Gefahr für die eigne Partei zu erblicken anfangen, die Forderung nach neuen greifbareren Gegenständen , gegen welche sie sich wenden können, in den Mund.
Die Erfüllung dieser Forderung würde — daö ist nicht anders zu erwarten — sofort die Opposition neu beleben. Haben wir es doch selbst in den Parlamenten erlebt, daß diejenigen Gesetzvorlagen, welche von der Regierung bereits in Auöführug ihres Programms eingebracht wurden, nur als Versuchsfeld für parlamentarische Kreuz- und Querzüge und als willkommene Gelegenheit zur Aufstellung anderweitiger und gegentheiliger Vorschläge benutzt wurden, auf die man vielleicht selbstständig und unabhängig, aus unmittelbarer freier politischer Uebetzcugung, nicht verfallen märet
Es wird selbstverständlich und hoffentlich die Zeit kommen, wo die Regierung im Parlarn nt ihre Vorschläge
bezüglich der Verwirklichung ihrer Ziele und Pläne im Einzelnen, so weit dieselben noch nicht vorliegen, macht, und da wird es sich zeigen, daß man um Gegenvorschläge nicht verlegen ist und in der Verneinung etwas zu leisten versteht. Jetzt aber auf diese Forderung eingehen, würde soviel bedeuten, als der Opposition, die ihre Aufgabe vornehmlich darin steht, die auf Grundlage jenes Programms entstehenden Entwürfe, welche Gestalt sie auch haben werden, im Einzelnen zu bekämpfen in die Hände arbeiten. ES wäre nah), zu glauben, daß das „sachliche" Programm „sachlich" bekämpft werben würde; es ist schon im Voraus verurtheilt von denen, die nur darauf lauern, neue Gelegenheit zum Angriff zu erhalten.
Was dies für einen Vortheil bringen, wie dies die Lage klären soll, ist unerfindlich, zumal von Seiten derer, welche die gegenwärtige Richtung der Regierungspolitik mit Freuden begrüßen, eine solche Klärung gar nicht verlangt worden ist. Für diese genügt eben die allgemeine Richtung , und diese allein ist maßgebend; hat es doch auch nicht an sehr deutlichen Kennzeichen der Art und Weise der Ausführung des Programms in den Parlamenten gefehlt, und es wird auch ferner nicht daran fehlen! Wer die allgemeine Richtung wirklich und aufrichtig billigt, der wird sich gewiß auch gern den Vorschlägen der Ausführung int Einzelnen anschließen und durch keinen einzigen derselben von der Weiterverfolgung der Ziele und von der Unterstützung der Regierung abschrecken lassen. So sollte eS wenigstens sein! Freilich ist dies bisher nicht immer der Fall gewesen. Aber mai wird doch an der Hoffnung festhalten können, daß sich in der Volksvertretung Männer finden werden, welche ihre politische Reife nicht dadurch betätigen zu müssen glauben, daß sie nur immer Vorschläge ausklügeln, welche als Gegengewicht gegen diejenigen der Regierung dienen und doch nur immer einen verhält- nißmäßig kleinen Teil Gleichdenkender auf sich zu vereinen vermögen, — ein Verfahren, durch welches leider die sonst im Grundsatz gebilligten Regierungsvorschläge schon des Oefteren vereitelt wurden.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Aug. Fürst Bismarck ist heute nachts von Schönhausen nach Berlin zurückgekehrt und begab sich heute früh nach Varzin. — Der Aussatz deö Staatsministers a. D Delbrück über „Die finanziellen Ergebnisse der deutschen Post- und Telcgraphenverwaltung in den Jahren 1868 bis 1880", welchen derselbe in der Zeitschrift deö königlich preußischen statistischen Bureaus veröffentlichte, hat nicht verfehlen können, auch die Aufmerksamkeit deö Reichspostamts zu erregen und eine Erwiderung desselben zu veranlaffen. Diese findet sich im neuesten Heft des „Archivs für Post und Telegraphie". Im allgemeinen ist die Postverwaltung
Stimme sagte ihm, daß er Gehör finden würde, so sorgfältig es Olga auch vermied, ihm ihre Gefinnungen kund zu geben Vielleicht würde er auch noch den Mut dazu gefunden haben, wenn nicht andere Hindernisse dazwischen getreten wären, die ihm immer unübersteiglicher erschienen.
Platows sprachen zu-ar niemals von ihrer Vergangenheit und von dm Schicksalen, die sie in die Verbannung geführt hatten, aber durch Iwan erfuhr Alexander doch, daß Platow ein sehr reicher und angesehener Graf gewesen fei, der eine hohe Stellung im Staate eingenommen habe, und daß er eines Mordes beschuldigt worden sei, aus einzelnen Steuerungen der Frauen Über die Politik schloß er, daß diese mit im Spiele gewesen seien. T abei blieb der treue Knecht unwandelbar dabei, daß sein Herr das nicht geihan haben könnte, dazu kenne et ihn zu gut.
„Wissen Sie was, junger Herr," sagte er einmal, „ich denke immer so in meinen bUu.mcn Gedanken, wenn der Herr nur wollte, könnte er wohl frei sein; er weiß sicher, wer der Mörder ist."
„Nein, nein," sagte Geldern kopfschüttelnd, „das wäre doch die Großmut zu weit getrieben, er leidet ja nicht allein darunter, und Frau und Kind ist er doch mehr schuldig, als einem Fremden."
„Wer weiß, was ihm dm Mund schließt," meinte Iwan achselzuckend, „wenn Sie das damals so alles mit durchgemacht hätten, so würden Sie mit vielleicht auch Recht geben.*
Mochte dem nun sein, wie ihm wollte, für schuldig konnte Alexander Platow nicht halten, den er immer höher verehrte, je nähet er ihn kennen lernte, auf diesem Herzen konnte kein Mord lastm, denn dann hätte sein Auge nicht so frei blicken, feine Stirne sich nicht so stolz heben können.
Er bemühte sich darum doppelt, dem Greise seine Hochachtung zu beweisen, und er merkte, daß Olga es ihm Dank wußte. Ihr wurde der Gedanke immer schwerer, daß auf ihrem Vater ein so finsterer Verdacht ruhte, den et nicht abschüttcln konnte, und daß er als Verbrecher ge- branbmartt war, während der junge Verbannte offen und ohne Beschämung von dem Grunde seiner Strafe sprechen durste, der ihn nicht entehrte. Es ließ ihr daher keine Ruhe, bis sie sich gegen letzteren über diesen Punkt aus- sptechen konnte und sie benutzte dazu eine Gelegenheit, al« sie einst in der Küche beschäftigt war, und Alexander ihr half ein Stück Wildpret zu häuten. Auch er ergriff mit Freuden die Veranlassung, ihr zu sagen, daß er nie an eine Schuld ihres Vaters habe glauben können, sondern nur an eine unlösliche Verkettung unglücklicher Umstände. Da sprach auch Olga zu seiner Verwunderung eine ähnliche Vermutung aus wie Iwan:
„Wit alle", sagte sie, „sind im Stillen Überzeugt, daß über der Sache ein Geheimnis schwebt und daß mein Vater nicht alle Mittel zu seiner Rechtfertigung benutzt hat, die ihm zu Gebote standen."
„Aber welcher Grund könnte ihn denn dazu antreiben, sich und seine Familie in Jammer und Elend zu stürzen, wenn es in seiner Hand lag, e« zu ändern?" sagte Alexander.
„Wer weiß denn, ob es in seiner Hand lag? Was mag er damals durchgekämpft haben, mein armer Vater, bis et den heldenmütigen Entschluß faßte, Schande und Armut einem vielleicht noch größeren Unglück votzuziehm? Vielleicht hätte er ein Verbrechen begehen müssen, um sich von einem ihm angedichteten Verbrechen rein zu waschen."
(Fortsetzung folgt.)