Einzelbild herunterladen
 

XVI, MMg

Marburg, Donnerstag, 18. August 1881

sr. 1»*

OIikcheUchk jcitmig

nimmt entgegen:

*tt

§§ Die frauzöfifche Armee im Felde.

:ten

i

für

rthe.

chorn

nulan

Hot

dl

mitzuteilen.

(Kvrtsetzmia folgt)

tzufti Kiadf

ngii ist auf

bisher stets in so besonderer Weise hervorgethan. ES ist doch wirklich stark, alle jene Wähler, welche Herrn Stöcker ihre Stimme geben wollen, von vornherein als unehrenhaft zu bezeichnen, und diese Thatsache wird schon allein hin­reichen, den Wählern des zweiten Berliner Wahlkreises gründlich die Augen zu öffnen. Daß auch Herr Ludwig Löwe im Kranze der Redner nicht fehlen würde, war vor- auözusehen. Er brachte dem bisherigen Vertreter des zweiten Wahlkreises, Rudolf Virchow,der Zierde der Nation", wie er sich auödrückte, ein Hoch dar. Die Festlichkeit endigte mit einem Konzert und die anwesenden Damen schienen froh zu sein, als sich ihre tapferen Männer nach dem politischen Festakte wieder im Garten zu ihnen gesellten. Wenn wir von dem Eindrücke reden wollten, den dies fortschrittliche Gartenfest machte, so war eS der, daß den fortschrittlichen Führern doch nicht so zu Mute zu sein scheint, wie sie es durch ihre Reden kundgeben. Es lastet offenbar das Gefühl der Unsicherheit auf ihnen und dem Auge eines aufmerk­samen Forschers konnte es nicht entgehen, daß die hiesige Fortschrittspartei denn doch bezüglich des Wahlresultats be­sorgt ist. Wenn alle antifortschrittlichen Parteien übrigens fest zusammenstehen, so muß der hiesige Fortschrittsring durchbrochen werden. Hoffen wir, daß dieser Sieg über die Partei der Negation am Wahltage zu verzeichnen sein wird. Verschiedene Zeitungen wissen zu melden, daß der Reichskanzler mit dem Plane umgehe, den Sitz der Re­gierung nun doch von Berlin fortzuverlegen und zwar handle sich um nichts Geringeres,als die Stadt Ham­burg, nach vorhergegangener Einverleibung in Preußen, zur zweiten Residenzstadt des Reiches zu machen". So sehr man auch im Interesse der Hamburger wünschen könnte, sie preußisch werden zu sehen, so scheint der Ur­heber dieser sensationellen Nachricht dieselbe doch Kreisen entlehnt zu haben, deren Mitteilungen keineswegs irgend eine Authenzität innewohnt. Es soll uns nicht wunder nehmen, wenn die gesamte fortschrittliche Presse infolge obiger Nachricht sich jetzt wieder desarmen vergewaltigten Hamburgs" annimmt und unisono für dasselbe in die Schranken tritt. Wir bedauern nur, daß augenblicklich der Reichstag nicht beisammen ist, und Herrn Eugen Richter somit die Gelegenheit zu einer seiner von ihm stets mit besonderer Vorliebe angebrachten Interpellationen entzogen ist. Selbst­verständlich ist an maßgebender Stelle von dem angeblichen Plane des Fürsten Bismarck nichts bekannt.

Berit«, 16. August. Der Kaiser besuchte heute den Fürsten Bismarck, mit dem er eine längere Konferenz hatte. Der neu ernannte Oberprästdent der Provinz Hessen-Nassau, Staatsminister Graf Botho zu Eulenburg, ist heute früh 8 Uhr zur Uebcrnahme seines neuen Postens von hier nach Kassel abgereist. Bei dem gestrigen Em­pfange des amerikanischen Gesandten White erkundigte sich der Kaiser sehr teilnehmend nach dem Befinden des Prä-

ohne die letzten Vorfälle zu ahnen, über die Aufführung des Deportierten in den anerkennensten und wärmsten Aus­drücken berichtete und dringend und herzlich seine Freilassung befürwortete.

Diese fast gleichzeitigen, sich so sehr wiedersprechenden Berichte hatten denn doch die Herrm in Petersburg stutzig gemacht, und da Herr von Pelikoff ein bekannter und all­gemein hochgeachteter Mann war, während man von seinem Nachfolger nur wenig wußte, that die Fürsprache des er- steren ihre Wirkung. Das Urteil des Angeklagten wurde dahin geändert, daß er zehn Jahre lang als Pelzjäger nach Sibirien verbannt blieb, und daß es noch so hart ausfiel, war eine Folge der scharfen Anklagen gegen ihn, und dennoch war es eine bedeutende Mllderung; denn die Strafe der Minenarbeit ist eine so schwere und schreckliche, daß wir derselben aus unser« deutschen Verhältnissen nichts an die Seite zu setzen habm. Die Verurteilten mußten unter strenger Aufsicht, mit einer Fessel zwischen den Füßen bei elender Kost in den Bleibergwerken arbeiten, wo nicht die ungewohnte, schwere Körperanstrengung das Schlimmste war, sondern die mit giftigen Dünsten gefüllte Lust böse Krankheiten hervorrief, so daß die meisten Verbrecher nach kurzem Aufenthalle an dem Schreckensorte den Tod durch Vergiftung oder Auszehrung starben. Diesem Schicksale also war Alexander entgangen und war dafür so dankbar, daß ihm die zehn Jahre der Verbannung kaum als ein großes Unglück erschienen. Doch hatte er cs noch nicht über das Herz bringen können, seinen geliebten Pflegeellern die Verlängerung seiner Strafzeit und die Ursachen derselben

nbebi ȟfie Hau.

illij fte I. W

urg,

44.

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Wenige Augenblicke später klopfte es an die verschloffme Hausthür, und ängstlich sahen sich die drei hülflosen ver­lassenen Menschen an'

Wenn nur Iwan da wäre, ich wage nicht, einen Fremden einzulassen", sagte Frau Platow.

Laß mich gehen, Mutter," sagte Olga mutig,ich werde erst fragen, wer er ist und was er will."

Aber sei ja vorsichtig!" rief ihr der Vater nach. Sie öffnete behutsam den oberen Teil der Hausthür und sah durch die Spalte, aber plötzlich prallte sie zurück wie vor einer Erscheinung, eine Helle, strahlende Freude flog über ihr eben noch so ernstes Gesicht und fast jubelnd rief sie:

Sie sind es! O, Gott sei gedankt!" Dann öffnete ffe rasch die ganze Thür und streckte dem Fremden die Hand entgegen mit dem Gruße:Seien Sie uns tausend« »al willkommen 1"

Guten Tag, Fräulein Olga", antwortete eine tiefe freundliche Männerstimme,finde ich Ihren Vater zu Hause?"

Ja, jg, kommen Sie nur!" Und sie eilte voran in das Zimmer, wo der Kranke in dieselbe herzliche Freude ausbrach wie seine Tochter, während Frau Platow, kaum von ihrer Angst erholt, verwundert von einem zum andern blickte.

Sie sind!" rief auch Platow,unser bester, treue« ffer Freund im Lande des Elends! Sophie", wandte er ffch an seine Frau,das istaber ich will Sie vorstellen und weiß selbst nicht einmal Ihren Namen", unterbrach

Deutsches Reich.

V Berlin, 16. Aug. Die liberalen Blätter sind sehr ungehalten darüber, daß die Polizei bei dem gestrigen Garten­fest der Fortschrittspartei auf Tivoli für den politischen Festakt im Saale den Ausschluß von Damen verlangt hatte, obgleich das Versammlungs- und Vereinsgesetz durchaus keinen Zweifel darüber läßt, daß Damen politischen Ver­sammlungen nicht beiwohnen dürfen. Und daß die Herren Fortschrittler gestern ihrem politischen Fanatismus so recht von Herzen die Zügel schießen ließen, geht aus den gehal­tenen Reden genugsam hervor. Die Klagen der liberalen Presse sind also höchst unbegründet und gänzlich unange­bracht, denn die Polizei ist dazu berufen, auf Befolgung der gesetzlichen Bestimmungen zu achten. Von dem politischen Teil des Gartenfestes ist zu berichten, daß derselbe durch eineFanfare zum Wahltag" ein Festprolog von Schmidt- Cabanis eröffnet wurde, in welcher zum Zusammenstehen aller Liberalen bei der bevorstehenden Wahl aufgefordert wurde. Dann betrat Herr Eugen Richter zu einerFerien­betrachtung" das Podium; selbstredend gipfelte letztere in einer Verunglimpfung der Biömarckschen Wirtschaftspolitik und der Konservativen. Auch diesmal setzte sich der fort­schrittliche Redner über die oft genug ihm entgegengehaltenen statistischen Daten hinweg. Ferner beklagte er, daß wir noch zu wenigFreiheiten" hätten, die Entfernung der Damen aus dem Saale, während des politischen Aktes, als Beweis hierfür hinstellend. Herr Eugen Richter konnte es sich angesichts der zahlreich anwesenden Israeliten natürlich auch nicht versagen, der antisemitischen Bewegung zu gedenken und bei dieser Gelegenheit gegen Herrn Hof­prediger Stöcker seine giftigen Pfeile zu schleudern. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der fortschrittliche Fana­tiker sich nicht entblödete, die Kandidatur Stöckers im zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreise in hämischer und höhnischer Weise zu beleuchten und den Ausspruch zu thun, daß Herr Hofprediger Stöcker nicht allein die Fortschrittspartei, sondern auchalle ehrenwerte Männer" zu Gegnern haben werde. Man sieht, Herr Eugen Richter hat auch in der Ferienzeit noch nicht jene edle Dreistigkeit verlernt, durch die er sich

fecht einzutreten und hielten sich nun auch tapfer." Sanach braucht sich also die Welt vor dem stürmischen Kriegsmut der reorganisierten französischen Armee nicht allzusehr zu fürchten, eher könnte man schon Angst haben vor der Plün­derungswut der Franzosen, denn trotz aller offiziellen Ab­leugnungen haben die französischen Truppen die eroberte tunesische Stadt Sfakes furchtbar geplündert, ja selbst das spanische Konsulat nicht geschont, wie die spanische Regie­rung standhaft behauptet. Auch ist es eine Thatsache, daß Offiziere der englischen vor Sfakes liegenden Schiffe den französischen Soldaten wertvolle Beutestücke abgekauft haben.

^s-beint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes Sonutagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg-

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-

en gu> vcrd DJ ichei

Näh- Igcji Zur et in, w t. bit

P

Ä

n, Sem

bivtz

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

Will 100 101k, 102 10111 1011 10311 68 79l 96 , 105

991* 97. 75?

76 , 306.

1021 2411 128

10511 104 105*

er sich, indem er den Fremden fragend ansah, und dieser sagte lächelnd:

Alexander von Geldern."

Der Sekretär aus Tobolsk", erklärte der Kranke mit strahlenden Augen, und nun teilte sich die freudige lieber« raschung der Ihrigen auch der Frau Sophie mit und sie reichte zum herzlichen Willkommen dem Gaste ihre Hand.

Also doch nicht nach Nerdschinsk, Gott sei gelobt! Siehst Du, Olga, Deine Sorgen waren umsonst!"

Ich wußte es ja," sagte diese leise, indem sie sich errötend tief über ihre Arbeit beugte; aber Alexander war es bei diesen Worten zu Mute, als stände er statt in der ärmlichen, verschneiten Hütte in einem goldenen Königssaal und sähe alle Herrlichkeiten der Welt mit einem Blick und man sagte ihm: Dies alles ist dein! Aber bald riß ihn Platow ans seinen Träumen, beim er wollte wissen, wie das alles gekommen war, und Geldern mußte sich an sein Bett setzen und erzählen, wie er in das Gefängnis und wieder herausgekommen war.

Der Gouverneur hatte in der That noch an demfelben Tage, wo die oben erzählten Ereignisse vorfielm, mit Hülfe JguatieffS einen Bericht abgefaßt, in dem das ganze Be­tragen des Gefangenen seinen Vorgesetzten, besonders dem Ober-Inspektor gegenüber, in ein so unvorteilhaftes Licht gesetzt worden war, daß der am Schluffe ausgesprochene Vorschlag, den Angeklagten in die Bleiminen zu schicken, den obersten Behörden in Petersburg nur als eine wohl­verdiente Strafe erschienen war. Schon sollte ein dahin lautendes Urteil ausgefertigt werden, da war im rechten Augenblick, wie von Gott gefügt, an dieselbe Behörde eine Eingabe des Herrn v. Pelikoff angekommen, worin dieser,

veli w» NlMMl enkgegrn.

ilun? »"Äeditwn d. Blattes, Itter 1 "«iMnnoncen-Bure-mx ? Dietrich u. Co. m 5;nd Hannover; Th. Echin Frankfurt aM,; mtein u. Vogler in rtfutt a. M., Berlin, feSjWta «; Rudolf ö 3 in Berlin, Frank- furt °. M. rc.

Der Feldzug der Franzosen in Tunis sollte, wie man vielfach aus den französischen Zeitungen merken konnte, der Mbicrstein für die Tüchtigkeit der französischen Armee im fein, doch hat, wie sich nunmehr herausgestellt hat, gerade die französische Expedition nach Tunis eine Menge L[er der französischen Armee und auch eine ziemliche Un- Sflfeit des französischen Oberkommandos in bezug auf die Anwendung richtiger Kampfmittel und Soldaten auf dem afrikanischen Kriegsschauplätze ergeben. Der französische Eriegsminister hat nach Tunis und auch nach Algier Truppen -esandt, die gar nicht im stände sind, auf afrikanischem geben zu kämpfen, d. h. die meisten dort kämpfenden fron« Mchen Offiziere und Soldaten hatten keine Ahnung von der arabischen Kampfweise und von den Schwierigkeiten auf dem afrikanischen Boden und die französische Heeresleitung halle also einen der größten Fehler begangen, den die mo­derne Kriegsführung überhaupt kennt, denn neben strammer Disziplin und schneidigem Waffendienste gilt es als eine unerläßliche Vorbedingung des Sieges, daß eine Armee die Schwierigkeiten kennen und an dieselben gewöhnt sei, die sie auf feindlichem Boden zu überwinden hat. Ein sachkundiger Berichterstatter derTimes" schreibt aber über das Auf­treten des französischen Heeres in Afrika folgendes:Die französische Armee ist in vieler Beziehung besser geworden und vielleicht! auf einem europäifchen Kriegsschauplätze zu gebrauchen. Die Offiziere und Soldaten find eifrig und diszipliniert, auch unterziehen sie sich ohne Murren großen Anstrengungen und Beschwerden, doch ist die französische

lchha« Armee nur eine gute Truppe, was den Garnisonsdienst an« belangt, denn die Wahrheit für den Felddienst ist, daß es außerordentlich schwer war, die französischen Soldaten in Afrika unter dem Feuer ruhig zu halten und wenn sie auch nicht geradezu die Flucht ergriffen, so zogen sie sich doch mit unbezwinglichem Eifer hinter die kleinsten Erhöhungen zurück, die irgend einen Schutz beten. Die französischen Truppen fittb ausgezeichnete Rekruten, aber keine Soldaten. Man hatte ihnen erzählt, daß die Krumirs furchtbar seien, sie sahen einzelne ihrer Kameraden, welche in die Hände der Feinde gefallen waren, furchtbar verstümmelt und jeden Flintenschuß glaubten sie auf sich gerichtet. Bei Sfakes lehnte der Admiral ab, die französische, Infanterie zu landen; er traute ihr nicht gegenüber dem Feind, der gedeckt hinter Wellen lag und entschlossen war, bis zum letzten Manu auszuhalten. Es waren Matrosen, gediente Veteranen, die an das Feuer gewöhnt waren, welche die feindlichen Batterien mit dem Bajonett nahmen, die sich des Thores bemächtigten und so den Ehrgeiz der Infanterie entflammten. Zuletzt, als ein Schiffslieutenant ruhig mitten im Feuer erschien, die grüne Flagge wegriß und die Trikolore auf; pflanzte, verlangten auch die Linienregimenter in das Ge-

1 vtte

UUij