gte. 190.
Jflatfiurg, Dienstag, 16. August 1881.
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sowie d. Ännoncm-Bureaax »on G. L. Daube & So. i» Krankfurl a. M; Jägerische Buchhandlung daselbü; Hrrmann'schr vuchhandl. daselbst; gxoeltbtxben! in Berlin: w. LhienK t» Elberfeld; C. Schlotte in
«„.ttaen nimmt emgegen: Wpedittond.vlatte». ^ied-Annoncen-Bureaur xh, Dietnch & So. in
Baflel und Hannover; LH, MtrichinFranl^rta.M.; ds'.vLr -; ip8i5, Svln ic.; Rudolf M i« Lerlm. Frank' f'.ti. k. 3R. 44.
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Deutsches Reich.
Berlin, 13. August. Oberprästdent Graf Eulenburg ist heute früh aus Ostpreußen hier eingetroffen und beab- sichtigt, sich am Montag nach Kassel zu begeben. — Die ,Kreuz-Ztg." schreibt zur Uebernahme des Oberpräsidiums seitens des Herrn Grafen Eulenburg, daß dieselbe einem ausdrücklich ausgesprochenen Wunsche des Kaisers entspreche, und daß derselbe sich diesem Wunsche schließlich nicht habe entziehen mögen, zumal er mit der Provinz Hessen-Naffau bereits durch seine frühere mehrjährige amtliche Wirkung verbunden gewesen ist. Wir brauchen wohl nicht hinzuzu- sügen, daß selbst ein Wunsch des Königs in jener vorzugsweise persönlichen Beziehung nicht hätte in Erfüllung gehen können, ohne die ausgesprochene volle Zustimmung des Präsidenten des Staatsministeriums Fürsten Bismarck. Hierdurch wird die Ansicht derer jedenfalls widerlegt, welche den Vorgängen, die den Rücktritt des Grafen zu Eulenburg vom Ministerium des Innern herbeigesührt haben die Bedeutung einer oppositionellen Stellung gegen die gegenwärtige Negierung Se. Majestät beilegen zu müssen glauben. — Fürst Bismarck trifft heute Abend hier ein. — Zur Nichtannahme eines Mandats seitens des Abg. Dr. ^Delbrück schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": „Nachdem Dr. Delbrück im Reichstage dem Fürsten Bismarck gegenüber eine oppositionelle Stellung angenommen hatte — wir erinnern namentlich an seine beklagenswerte Haltung in der Frage des Anschlusses von Hamburg, die eine im wohl verstandenen Interesse Deutschlands wünschenswerte Maßregel zu hintert: eiben suchte — konnte Hr. Dr. Delbrück unmöglich auf ein kollegiales Entgegenkommen des leitenden Staatsmannes rechnen. Fürst Bismarck hat weit mehr Recht, sich über die wenig kollegiale Art und Weise seines früheren Mitarbeiters, des Herrn Dr. Delbrück, zu beklagen, als dieser an der Haltung Anstoß zu nehmen, die der Reichskanzler ihm gegenüber nunmehr angenommen hat. Wir glauben deshalb auch nicht, daß die „Weimar- sche Zeitung" die beabsichtigte Nückhaltung des Hrn. Dr. Delbrück richtig interpretiert habe. Wir neigen zu der Ansicht, daß Herr Delbrück endlich erkannt hat, daß der Freihandel von dem gesunden und intelligenten Teil der Bevölkerung als ein überwundener Standpunkt bet Seite geschoben ist, und daß er cs Andern überlassen will, den Rückzug der geschlagenen freihändlerischen Armee zu leiten, der in Bälde in völlige Auflösung ausarten muß. DaS wahre Prinzip des Manchestertums, wie Cobden es selbst ausgesprochen hat, lautet: „Unser einziges Bestreben ist, die Interessen Englands zu fördern, ohne Rücksicht auf die Interessen anderer Nationen." Die deutschfeindliche Tendenz dieses Prinzips ist leider zu lange verborgen gehalten worden. Nachdem sie bekannt und richtig gewürdigt worden ist, müssen die Freihändler auf die Hoffnung ver
zichten, in Deutschland noch fernerhin Proselyten für ihre deutschfeindlichen Lehren zu machen. Herr Dr. Delbrück, dessen Ruhe und Kaltblütigkeit wir stets anerkannt haben, wird diese Sachlage richtig erkannt haben, und dies dürfte den Entschluß bei ihm gereift haben, von der öffentlichen Bühne zurückzutreten. Es ist in seinem eigenen Interesse nur zu bedauern, daß er diesen Entschluß nicht bereits an dem Tage gefaßt hat, als er sich vom Reichskanzler trennte. Was Delbrück war und ungefähr noch ist, das ist er mit Bismarck und durch Bismarck geworden. Von Delbrück als Widersacher seines früheren Chefs wird wenig übrig bleiben. Aber es ist nur weise von Herrn Delbrück, auch dies Wenige nun nicht um ein Atom mehr vergrößern zu wollen." — In einem Artikel gegen die Fortschrittspartei, wonach letztere die Arbeiter nur irre führe, bemerkt dasselbe Blatt: „Wir sind der Ansicht, daß lediglich in der Ausführung eines Teils des sozialistischen Programms das Heilmittel gegen die Sozialdemokratie liegt. Wenn dasselbe nicht einige wahre ausführbare Punkte hätte, so würde es ganz undenkbar sein, daß es für seinen unausführbaren Teil so viel Proselyten machte. Der Staat nehme den Gemeinden und Verbänden die Lasten ab, welche ste nicht zu tragen vermögen; er sorge selbst für Schulen und Verpflegung derer, die sich nicht ernähren können und die die Gemeinde trotz aller Gesetze verhungern läßt; er schaffe die direkten Steuern ab, die den armen Arbeiter am meisten drücken; er verhindere so, daß der Steuerexekutor den letzten Rock nimmt. Das kann bei indirekten Steuern nicht vorkommen. Ja, Ihr Herren Fortschrittler und Sezes- stonisten, das sind unsere Mittel gegen die Volksverführer, die Sozialdemokratie. Ueberlegen Sie sich die einmal!"
Elberfeld, 13. Aug. Die „Elberfelder Zeitung" meldet: In der heutigen Sitzung der Deputation der Aktionäre der Bergisch - Märkischen Eisenbahn ist eine Klärung der Ansichten, ob seitens der Deputation der Generalversammlung ein bestimmter Vorschlag bezüglich der Annahme oder Ablehnung der Regierungsproposition betreffs deS Bahnerwerbs zu machen sei, noch nicht erfolgt. Der Beschluß darüber wurde einer, unmittelbar von der Generalversammlung anzuberaumenden Deputationssitzung Vorbehalten.
Stratzburg, 10. Aug. Der Jntendanturrat bei der hiesigen Korpsverwaltung, Hauptmann a. D. von Schilgen (ein Preuße), hat einen sehr vorteilhaften Ruf nach Konstantinopel angenommen. Auch einige Zoll- und Steuerbeamte des Reichslandes treten in türkische Dienste. Die Kenntnis der französischen Sprache wie der französischen Steuergesetzgebung kommt den Herren dabei natürlich sehr zugute.__
Ausland.
Wien, 13. August. In der Mitte der Stadt, in der Singerstraße, stürzte Mittags ein vierstöckiges altes
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Haus ein. Die anfängliche Befürchtung von zahlreichen Opfern scheint unbegründet; die Bewohner sind thells abwesend, theilS gerettet. Bisher ist ein Toter und sind zwei Verwundete gefunden worden. — Die „Polit. Korr." meldet aus Athen: Die internationale Kommission nahm den Antrag der Pforte, die Okkupation der zweiten Zone auf 14 Tage zu verschieben, an.
Prag, 13. August. Ein Telegramm des Kronprinzen an den Bürgermeister drückt den Anteil desselben an dem Unfälle des Nationaltheaters aus. Noch des Nachts eingeleitete Sammlungen ergaben 8000 Gulden, Kein Menschenleben ist verloren gegangen. Der Schaden wird auf eine Million Gulden geschätzt. Alle Blätter ohne Parteiunterschied beklagen das Unglück. Seit heute früh sind behördliche Verhöre zur Ermittelung der Ursache des Brandes angestellt; mehrere Personen sagen auS, sie hätten den Feuerherd bei den Spenglern gesehen, welche unter dem Dache an dem Blitzarbeiter arbeiteten. Das Feuer griff rasch um sich, da die Löschvorrichtungen versagten.
Jttttsbruck, 13. Aug. Kaiser Franz Joseph ist gestern Nachmittag hier eingetroffen und unter dem Jubel der Bevölkerung in die Stadt eingezogen; nachts wurde dem Kaiser ein Fackelzug und von der Liedertafel ein Ständchen vor der Hofburg gebracht.
Rom, 13. August. Die „Opinione" veröffentlicht ein langes Schreiben des Staatsratsprästdenten Senators Cadorna, worin derselbe die aus einem herzlichen Einvernehmen Italiens mit Deutschland und Oesterreich sich ergebenden Vorteile dargelegt, wobei zu vermeiden wäre, sich die französische Regierung und das französische Volk zu entfremden.
Paris, 13. August. Die Mehrzahl der gemäßigten Blätter loben Gambettas Belleviller Rede wegen ihrer Mäßigkeit und einige legen die Stelle über die auswärtige Politik sogar so aus, daß Gambetta aufrichtig den Frieden wolle: fast alle aber meinen, die Belleviller Rede sei Gambettas Ministerrede: Gambetta werde die Gewalt übernehmen, und in diesem Falle Constans das Innere, Cazot die Justiz, Ferry den Unterricht behalten, die übrigen Portefeuilles aber gleichfalls an Gambettisten verliehen werden. Ferry bleibe in Folge seiner Verständigung mit Gambetta; das Kriegs- und Marineministerium würden von Fachmännern besetzt werden. Es bleiben den engeren Freunden Gambettas noch vier Portefeuilles. Die radikalen Blätter greifen die Belleviller Rede heftig an, weil dieselbe keine ernst gemeinte Reform verheiße, und werfen dem Redner vor, er habe in seiner Rede der Senatsreform keine Erwähnung gethan. Die klerikalen Blätter tadeln Gambetta aufs Heftigste und werfen ihm vor, er fei kein Staatsmann, weil er keine anständige Erziehung genossen habe und zu grob sei. Frankreich würde nicht lange einem
Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.)
Und dennoch, dennoch; er hätte nicht tauschen mögen mit dem Alexander von damals, dem der erbleichende Stern zu zeigen schien, wie er von Gott und Menschen verlassen mar, während der jetzt heraufgestiegene Abendstern ihm Freude und Hoffnung zuwinkte. Es war ihm, als fühle er heute erst recht die Erfüllung des Gebetes, das er in jener Nacht int tiefsten Kummer zu Gott emporsandte: die Bitte um ein Menschenherz; er war nicht mehr allein, denn in seinem Innern wohnte das Bild des lieben Mäd- chens, das durch die heutigen Ereignisse lebendiger denn je geworden war. Er konnte nicht trauern und zagen, denn die Liebe war in sein Herz gezogen, und wenn eS auch swig wahr bleibt, daß „Liebe pflegt mit Leiden stets Hand m Hand zu gehen", und wenn er auch gerade heute diese Erfahrung gemacht hatte, so erfuhr er dagegen auch die wunderbare Macht der Liebe, die ihren göttlichen Ursprung verbürgt, so die Macht, ein Glück zu verleihen, das unab- hüngig ist von allen äußeren Zufällen und Wandlungen.
Ihm wurde auf einmal so wohl und leicht umS Herz, daß er in fast jauchzendem Tone auSrief: „O, Ihr glaubtet, mich unter die Füße zu treten und zu verderben, und ich danke es Euch nun, daß Ihr mich hinauStreibt--“
In diesem Augenblicke raffelte ein Schlüffelbund an der Thür, die ein wenig aufging, und plötzlich stürzte eine große dunkle Gestalt herein, die Alexander in der Dunkelheit nicht gleich zu erkmnen vermochte, da fühlte er die Tatzen seines Hundes auf der Schulter und feine Zunge 'm Gesicht während das treue Tier laute Freudentöne
„Rino, mein Rino!" rief der Gefangene, indem er das Tier umarmte wie einen Menschen, „wer schickt Dich mir?"
„Das darf ich nicht verraten," sagte hier eine Stimme an der Thür, „Sie würden es sich schon denken können, meinte man", und Geldern erriet den Lieutenant Ulrnann. Indessen war ein alter Mann, der Gefängniswärter, eingetreten mit einer Lampe, Brot und Wasser und einen Stoß Holz, womit er sofort ein helles Feuer im Karnin anbrannte.
„Das ist recht, Niklas," sagte Alexander heiter, „jetzt fühle ich erst, wie kalt es hier ist."
„So vergnügt im Gefängnis," sagte kopfschüttelnd der andere, „das ist mir noch nicht oft vorgekommen."
„Warum soll ich denn den Kopf hängen, Alter," antwortete jener lachend, „denkt Ihr denn, ste sperren mich bis an mein Lebensende hier in dieses Loch?"
„Das nicht, aber wiffen Sie denn, wohin eö dann geht?"
„Nun, ich weiß wenigstens, wohin eS nicht geht, und damit bin ich sehr zufrieden. Und wohin soll ich denn anders gehen als hinaus in die Steppe zu den Füchsen und Mardern? Glaubt Ihr, ich fürchte mich davor? Nichts lieber als das!"
Der Wärter sah den jungen Mann mit einem Blicke voll Teilnahme und Kummer an, schüttelte bedenklich dm Kopf, kratzte sich hinter die Ohren und sagte nach einigem Räuspem zögernd: „Könnte auch anders kommen".
„Anders!" rief Alexander überrascht, ;„was wißt Ihr, Niklas, sprecht!"
„Nun, ich weiß gerade nichts, aber ich habe nur erzählen hören, der — Jgnatieff, der ... , nun ich will mich lieber nicht anSsprechm — wäre jetzt sehr obenauf
und guter Laune, und er soll beim Weine gesagt haben: Ich werde nicht ruhen, bis ich den Geldern mit aufgeschlitzter Nase auf dem Wege nach Nertschinsk sehe! — Sie wissen wohl, daß in Nertschinsk die Bleigruben sind, und daß die Minenarbeiter so schrecklich gezeichnet werden, damit man sie gleich erkennt, wenn sie entspringen."
Der Gefangene erbleichte und sein mutiges Herz bebte, denn er wußrc von dieser Strafe nur zu viel, und hierzu war ihm noch kein Gedanke gekommen, aber er kannte feinen Feind zu wohl, um das Schlimmste von ihm zu erwarten. Da wandte er sein Auge nach dem Stern, der noch ebenso verheißend blinkte, und er wurde wieder ruhiger. Er wies mit der Hand hinauf und sagte zu NiklaS:
„Seht Ihr den schönen Stem da oben? Der Gott, der ihn dahin gestellt hat, daß wir arme Menschenkinder unsere Freude daran haben sollen, der will unS auch nicht mehr auflegen, als wir ertragen können. Und er, der eine Welt regieren kann, hält auch mein Schicksal in seiner Hand und weiß meinen Weg!"
4. Kapitel. -
Gerettet.
Ungefähr 30 Meilm nördlich von Tobolsk, da wo die großm Steppen anfangen, sich bis an das Eismeer aus- zubreitm, lag die Hütte, die Platow mit den Seinen bewohnte. Im Sommer war die Gegend nicht ganz reizlos dmn einige Hügelketten durchzogen die Steppe, die sich im Frühling rasch mit Gras, Haidekraut und Blumen bedeckte, um nur zu bald wieder das bunte Kleid mit dem weißm Wintergewande zu vertausche«. (Forts, folgt.)