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JUarßucg, Sonnabend, 13. August 1881.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlattt- sowie b. Annoncen-Bureavk von G- L- Daube L Lo. in Frankfurt a-M; Jägerisch« Buchhandlung daselvn; Hermamr'sche Kuchhaudl. daselbst; Juvalideudaui tu

Berlin: & LhirneS in «Lerfelb: 9. Schlotte tu BreVen

Erscheint tL^tch außn an.^ ^e^a^^ch ^nn- un^ zeiettagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage ,,3I*fhrtrte» «,UNta,»»latt" durch die Expedition lKochffche Buchdruck erei) bezogen Sh Wart, burchbiePostämterbeS Deutschen RncheS S Mart 50 Pf,. sexcl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pf,, gflt m der Expetitwn zu ertherlenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werben S5 Pf,, berechnet.

««.eigen nimmt emaegen: M,edttio»b.»latte», i.»ie"lnnoncen.Bureauk JJ? xh, Dietrich & So. in ,,«,i und Hannover; LH. Si'-iT'äÄ ^aieusteln & Bögler tu Ärt « M., Berlin Mg, «l» re.; Rudolf ffil Berlin. Frank.

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Eine unverständliche Forderung.

Unter dieser Ueberschrift bringt dieProv. - Corresp." folgenden Artikel:

Die fortschrittliche Presse und diejenigen Blätter, welche

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nch in dem Fahrwasser derselben bewegen, sind in den setzten Wochen eifrig bemüht gewesen, die Politik des Herrn Reichskanzlers zu verdächtigen, als ob sie das Deutsche Reich zu gründe richten müßte und die gegenwärtigen politischen Zustände Deutschlands so auszumalen, daß unsere Feinde, wenn wir solche haben, ihre Freude daran haben müßten.

Da fehlt es an keinem Vorwurf, der nicht dem lei­tenden Staatsmanne gemacht würde. Bald heißt es, er strebe nachAlleinherrschaft", bald macht man ihm den Vorwurf, daß er auf Kosten der Interessen des Reichs diejenigen Bestrebungen begünstige, welche ihren Schwerpunkt in der Erstarkung der Selbstständigkeit der Einzelstaaten suchen. Heute wendet man gegen ihn ein, daß er völlig auflösenden Plänen huldige, durch deren Verwirklichung die Sicherheit des Staates in Frage gestellt werden könne, und morgen liest man in demselben Blatte die Klage über diereaktionäre" Politik, welche unö in's Mittelalter zu- zückzuversetzen beabsichtige.

Die hierin enthaltenen Widersprüche beweisen ziemlich deutlich die Verlegenheit, in der sich die demokratischen Blätter mit ihrer oppositionellen Stellung gegen die Politik des Fürsten Bismarck befinden. Es wird eben kein Ge­danke verschmäht, welcher einigermaßen geeignet ist, die Abneigung gegen die Reformpolitik zu begründen, und man scheut selbst vor undenkbaren und widersinnigen Behaup­tungen nicht zurück, um dasUnglück" zu beleuchten, welchem Deutschland unter des Kanzlers Leitung ent­gegengehe.

Wir wollen heute nicht untersuchen, worin der wahre Grund dieser beklagenswerten, von Haß und Mißgunst genährten Richtung derjenigen Parteien liegt, welche jetzt Alles daran setzen, die Verwirklichung der Reformpolitik des Reichskanzlers zu vereiteln; das sei für ein anderes Mal Vorbehalten. Heute kommt es uns nur darauf an, die Ratlosigkeit und Verlegenheit der Opposition in ihrem Kampfe gegen die Gesamtpolitik des Kanzlers an einem recht klaren Beispiel zu zeigen.

In einem Blatte, welches in letzter Zeit mehr und mehr der fortschrittlichen Richtung verfallen ist, wird allen Ernstes versichert und darauf werden mancherlei nach Ansicht jenes Blattes betrübende Erscheinungen zurückge- führt es liegt seitens der Regierungkein klares sach­liches Programm" vor, es wärenkeine klaren, greifbaren, offen zugestandenen Absichten der Regierung vorhanden", zu welchen die Bevölkerung jetzt Stellung nehmen könne. «Wo meint das Blatt wäre dermalen bei uns ------------ ! i ~ -

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Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

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104 J indessen Alexanders Ueberzeugung eher befestigte als

JOOJJ erschütterte. Letzterer holte das Buch herbei, fand mit ge-

Während dieser Anrede war Alexander auch der letzte Zweifel geschwunden, daß er den Vater seiner Olga vor sich sähe; zugleich wurde ihm der ganze Zusammenhang klar und er heftete einen so durchbohrenden Blick auf Jgnatieff, daß dieser ihn nicht ertrug, doch sich nicht aus der Fassung bringen ließ. Indessen hatte der Gouverneur den Schein gelesen und fragte den Oberinspektor, wer ihn geschrieben habe.

Die Scheine füllte entweder der Herr Gouverneur oder der Sekretär aus," war die Antwort.

Erlauben Exzellenz", sagte Alexander rasch vortretend, «ich würde die Zahlen sofort erkennen."

Er ergriff das Papier, trat damit ans Fenster, betrach- lote es kopfschüttelnd und sagte:Die Zahlen habe ich geschrieben, aber diese Vier nicht." Dann hielt er das Blatt gegen das Licht und siehe da, es erschien neben der Bier ein kleines, helles Fleckchen.Es ist gefälscht!" rief Alexander und blickte den Ober-Inspektor fest an.

Wie wollen Sie das beweisen?" fragte der Gouverneur.

Sehr einfach, Exzellenz: ich mache an meine Eins ^°en ein Häkchen, an die Vier aber nicht; diese Vier war «ne Eins und das Häkchen ist wegradiert, daö sieht man ®n der dünnen Stelle im Papier: außerdem steht diese Bier viel zu nahe an der Null."

Wir brauchen ja nur mit dem Hauptbuche zu ver- gleichen", sagte jetzt Jgnatieff mit der kaltblütigsten Ruhe,

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auch nur der Schatten eines sachlichen Regierungspro- gramms zu erblicken, das der Wahlbewegung ein polüisches Ziel und einen moralischen Halt geben könnte?"

Also liegt seitens der Regierung kein klares sach­liches Programm vor? Kann eS wohl eine weniger be­gründete Behauptung, kann es wohl eine größere Ver­legenheitsphrase geben?

Dieser Einwand war von jeher im Parlament die Brücke, auf welcher sich die unzufriedenen oder unbefrie­digten Elemente aus der wohlwollenden Stimmung in daö Lager der Mißmutigen zurückzogen, wenn ihnen ihre Zu­stimmung nicht durch Erfüllung irgend einer daran ge­knüpften Bedingung abgekauft worden war. Mit der For­derung nach einem klaren Programm suchte man stets Minister zu stürzen, wenn man nicht gewillt war, lediglich um Der Sache selbst willen und im Interesse der Sache der fruchtbaren Anregungen Folge zu leisten, welche dem Parlament seitens der Regierung gegeben wurden.

Man hat eS gerade in den letzten Jahren wiederholt erlebt, daß die reformatorischen Absichten der Regierung an der Forderung nach einemumfassenden Programm", die ihnen entgegen gestellt wurde, scheiterten. Der Ruf nach einem klaren Programm war stets die äußere par­lamentarische Form für die innere Entschlosfenheit, das vorhandene, wenn auch nicht immer in Buchform gebrachte Programm zu vereiteln.

Vielleicht mag jener Ruf vor Jahren noch eine Art Berechtigung gehabt haben. Aber heute ein klares, sach­liches Programm von der Regierung fordern, das heißt doch wohl: den Wald vor Bäumen nicht sehen! Denn mit immer größerer Klarheit und Entschiedenheit hat sich dieses Programm, um welches eS sich allein handeln kann, in den letzten Jahren aus den Zeitverhältniffen, aus den wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Nothständen und aus den mancherlei mehr oder wenigen lauten Kundgebungen deS Landes und auf Grund aller dieser Umstände aus der Ueberzeugung der verbündeten Regierungen heraus ent« entwickelt. Es sino seitens der Regierung in hinreichen­dem Maßeklärende Ereignisse" in Gestalt von Vorlagen und anderweitigen Aeußerungen erfolgt, so daß daS Land darüber wahrlich nicht mehr in Zweifel sein kann. Und dennoch sollauch nicht der Schatten eines Programms vorhanden sein!"

DasProgramm" liegt zwar nicht formell in einem verfassungsmäßigen Aktenstück vor, aber es ist in zahl­losen Kundgebungen enthalten, und in den weitesten Kreisen gilt dasselbe mit Recht als der Prüfstein der Gesinnung und Stellung zu der Gesammtpolitik des Kanzlers über­haupt. Eine Unklarheit in dieser Beziehung sollte man kaum noch für möglich halten.

ES gilt jetzt um es hier in kurzen, wenn auch nicht erschöpfenden Worten zu wiederholen eine nationale

Wiedergeburt und innere Erstarkung Deutschlands a uf ge­sunden wirtschaftlichen Grundlagen, die wirtschaftliche Un­abhängigkeit Deutschlands vom AuSlande, die Stärkung der Finanzkraft des Reichs durch eine gerechtere Berthe! lung der Steuerlasten, die Erleichterung der Aufbringung der nothwendtgen öffentlichen Abgaben durch Ausbildung des Systems der indirekten Steuern unter entsprechender Ver­minderung der direkten Abgaben, die Befreiung der Ge­meinden von einem wesentlichen Theil der öffentlichen Schul-, Armenpflege- und anderer Lasten, die Förderung der landwirthschaftlichen und industriellen Gewerbe, die Fürsorge für das Wohl des Handwerkerstandes und der arbeitenden Klaffen gemäß den Geboten des praktischen Christentums, kurz Schutz der wirtschaftlich Schwächeren durch den Staat, der sich seiner christlich-sittlichen Pflichten bewußt sein und die teitnamlose Ober-Aufseherrolle aus­geben soll.

Das etwa sind die Grundzüge des Programms der verbündeten Regierungen, das sind die Ziele der Politik des Reichskanzlers. Wenn cs je ein klares, sachliches Programm gegeben hat, so ist dieses ein solche«. Nur der, welcher die Bedeutung desselben wegleugnen oder nicht verstehen will, kann die Forderung nach einem klareren, sachlicheren Programm erheben.

Was aber steht demselben denn eigentlich gegenüber? Vielleicht wäre es berechtigt, die Gegner der Regierung, welche unablässig in Angriffen, Vorwürfen und Ver­dächtigungen sind, nun einmal auch nach ihremklaren und sachlichen Programm" zu fragen. Bis jetzt hat man davon weiter nichts wie gewisse Schlagworte und Phrasen zu, hören bekommen, welche aus der Rüstkammer einer früheren, hoffentlich überwundenen Zeit hervorgeholt sind und mit deren Klang sie das Volk zu begeistern suchen.

Auf der einen Seite bestimmte greifbare, echt nationale Ziele, auf der anderen unklare, sich in der Verneinung bewegende,Ideen, das sind die Programme, welche sich gegenüberüberstehen. Die demokratisch-fortschrittliche Preffe mag fortfahren, diesen Thatbestand zu verdunkeln, und alle ihre Beredsamkeit aufbietcn, um die Erfüllung jenes Pro­gramms des Reichskanzlers zu vereiteln. Dasselbe wird und muß aber, ob es früher oder später durchgeführt wird, ob eS gelingen wird, die Nation in ihren Vertretern heute oder später dafür zu gewinnen, daS Ziel deutscher Politik sein unb bleiben, und dieses Ziel wird ein solches Ver­trauen darf man zu dem deutschen Geiste haben! auch sicherlich erreicht werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Ang. DieNorddeutsche Allgem. Ztg." bringt ein an sie gerichtetes Schreiben des Professors von Schulte in Bonn, worin derselbe erklärt, den Kanossa- Artikel derAugsburger Allgem. Ztg." nicht geschrieben,

übtet Hand rasch die betreffende Seite, und sein Finger blieb bald auf einem Punkte ruhen:

Vierzig!" sagte er erregt,und dennoch ist eS falsch."

Wer hat diese Scheine und das Buch in die Hände bekommen?" fragte der Gouverneur.

Herr v. Pelikoff, der Sekretär und meine Wenigkeit," antwortete der Ober-Inspektor lauernd.

Und Sie wollen behaupten, es sei gefälscht?" fuhr der Gouverneur den jungen Mann an.

Ich bleibe dabei, i^zellenz," erwiederte dieser achsel­zuckend.

Wiffen Sie auch, daß Sie damit Ihre Vorgesetzten beschimpfen? Vielleicht haben Sie selbst hier die Hand im Spiele und wälzen*

Exzellenz" brauste hier Alexander auf, aber hielt rasch ein, als der alte Platow die Hand auf seinen Arm legte u d ihn mit einem flehenden Blicke ansah. Jetzt hielt eS auch Jgnatieff für geraten, der Sache eine andere Wendung zu geben, und sagte in einer kriechenden Weise:

Es bleibt noch eine andere Annahme übrig, die wohl die wahrscheinliche ist, denn Geldern kann kein Interesse daran haben, den Platows zu schaden, die er ja gar nicht kennt." Bei diesen Worten wurde eS Alexander schwer, ruhig zu bleiben, doch beherrschte er sich.Jedenfalls hat Herr von Pelikoff seine guten Gründe gehabt, die Strafe zu verschärfen, wozu er ja Machtvollkommenheit genug besaß."

Dies leuchtete dem Gouverneur ein, und es war ihm am bequemsten, die Geschichte auf diese Weise zum Abschluß zu bringen.Natürlich sagte er,und es bleibt dabei, Ihr schafft die übrigen 15 Stück und für nächstes Mal wieder 40. Mein Vorgänger hat wohl gewußt, was ein

Jäger leisten kann, und der Staat schickt seine Verbreche* nicht nach Sibirien, damit sie spazieren gehen."

Bei dem WorteVerbrecher" durchzuckte es den unglück­lichen alten Mann wie ein elektrischer Funken: die zu­sammengefallene Gestalt richtete sich hoch auf, seine Hände ballten sich krampfhaft, die Augen sprühten ein Feuer, wie man es in diesem Körper nicht mehr gesucht hätte und die Lippen öffneten sich zu einem raschen Worte; doch nur ein Moment, und mit einer furchtbaren Willensanstrengung beherrschte er sich und schwieg. Indessen war dies leiden­schaftliche Aufblitzen, so rasch es vorüber war, dem Gou­verneur nicht entgangen und reizte ihn aufs äußerste.

Hinaus!" tief er im heftigsten Zorn,oder ich laffe die Wache rufen!"

Der Greis warf einen Blick der tiefsten Verzweiflung gen Himmel, seufzte halblaut:Gott, erbarme Dich!" und verließ das Zimmer gebrochner und bekümmerter als er eS betreten hatte.

Nur mit Aufbietung aller feiner Willenskraft war Alexander bis jetzt Herr feiner Erregung geblieben, aber als er den Vater des geliebten Mädchens, beten Züge er in diesem wieder zu finden glaubte, so mißhandelt sah, hielt er sich nicht länger, und kaum hatte sich die Thür ge­schloffen, so brach er loS:

Nimmermehr Hai sich Herr v. Pelikoff einer solchen Härte und schreienden Ungerechtigkeit gegen einen kranken, alten Mann schuldig gemacht, daß er eine so unerhörte Strafe auferlegt hätte! Wer diese Zahlen gefälscht hat, der wollte seine elende Rache kühlen, und ich glaube, der Thä- ter und seine Beweggründe wären nicht schwer zu finden", und drohend blickte er den Ober-Jnspekter an, waS indessen der Gouvemeut nicht bemerkte. (Forts, fotzt.)