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fflnrßurg, Mittwoch, 10. August 1881

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Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blattes sowie d-Annoneen-Bureanr von S. L. Daube L Eo. in Frankfutta-M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Fermann'schc Luchhandl. daselbst; Juvaltdeudani in Berlin: L. Thienes in Elberfeld: L. Schlotte in vrrmen.

Erscheint iStzlich außer an den Werktagen nach Sonn- und geiertacen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJRnftrirte» Gonntagsbintt" durch die Expedition (R o ch'sche »uchdrusterei) bezogen Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in bei Expelrtwn zu eriheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Gambettas Programmrede in Tours.

Wiederum hat der französische Kammerpräsident eine jener berühmten Bankettreden gehalten, durch welche er es besonders liebt, von Zeit zu Zeit einen gewissen Druck auf bte öffeutlicbe Meinung in Frankreich auszuüben und seine politischen Ansichten dem Lande zu übermitteln. Es ist er- Närlich, daß das französische Volk allen öffentlichen Kund­gebungen eines Mannes, der wie Gambetta, in jeder Be­ziehung einen so gewaltigen Einfluß im Lande ausübt, ein erhöhtes Interesse entgegenbringt; in ganz besonderem Maße wird dies aber mit der Rede der Fall sein, welche Gambetta am Donnerstag vorvoriger Woche auf dem ihm zu Ehren von der Stadt Tourö gegebenen Bankett gehalten hat, denn in ihr hat der Ex - Diktator sein Programm für die am 21. August in Frankreich stattfiitt enden Wahlen zur Depu­tiertenkammer in scharfen Zügen entwickelt und da Gam­betta in dem jetzigen Wahlkampfe alles daran setzt, sich eine unbedingt ergebene Mehrheit in der Deputiertenkammer zu sichern, so ist seiner jüngsten Rede allerdings eine besondere Wichtigkeit beizulegen.

Zunächst wies Gambetta auf den blühenden Zustand der Finanzen Frankreichs hin, wie er int Laufe des ver­gangenen Jahrzehnts hervorgebracht worden sei und erinnerte dann daran, daß die militärische Größe des Landes unter den Fahnen der Republik wiederhergestellt sei. Die mo­narchischen Parteien erklärte der Kammerpräsident für be­siegt; für die Republik sei darum jetzt die Zeit gekommen, die seit langem dem Lande gemachten Versprechungen zu er­füllen U'.fcer den Präsidenten der Republik, Grevy, sprach sich Gambetta in warmen Worten aus und lenkte hierauf die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtigen Zustände in Frank­reich, wobei er natürlich sein Bedauern über die Ablehnung des Listenskrutiniums anssprach und nun zu dem eigent­lichen Kern seiner Rede, zu den von ihm als notwendig erkannten Resormvorschlägen, überging. Er sei für das Bestehen von zwei Kammern, erwarte aber, daß dieselben von Einem Geiste beseelt seien, die Wahlsystembefugnisse des Senats müßten abgeändert werden und die ersten von der Nationalversammlung als unabsetzbar gewählten Senatoren müßten sich einer Neuwahl durch den Kongreß unterziehen. Gambetta verlangt eine weitere Entwickelung des Unterrichts sowie vollständige Assoziationsfreiheit und resümierte seine Forderungen am Schlüsse der Rede dahin: Teilweise Reform der Verfassung hinsichtlich des Senats, Herstellung einer Frankreich richtig r> präsentierenden Majorität, Wiederher­stellung und Achtung der Prärogative der Administration.

Diese Forderungen bilden unleugbar die Hauptpunkte des gambettistischen Wahlprogramms und was Gambetta hierdnrch erstreben will, ist ganz klar. Die erste derselben, teilweiseReform" der Verfassung hinsichtlich des Senats, richtet ihre Spitze entschieden gegen diese parlamentarische

Körperschaft, im Senate sitzen die einflußreichsten Gegner Gambettaö, zu wiederholten Malen hat der Senat gezeigt, daß er kein gefügiges Werkzeug des Ex-Diktators ist, wie z. B. in der Angelegenheit des Listenskrutiniums, in der Frage deS religiösen Unterrichts in der Volksschule, und so sind deshalb die Bestrebungen des Letzteren vor allem dar- anfgerichtet, die Befugnisse des Senats möglichst zu schmälern. Hierzu soll die von Ganrbetta angestrebte Revision der Ver­fassung dienen, welche er mit Hilfe einer ihm blindlings ergebenen Kammermehrheit ins Werk zu setzen gedenkt und nur eine solche Majorität versteht Gambetta natürlich unter der Frankreich richtig repräsentierenden Majorität. Es er­klärt sich dann auch die im ersten Augenblick etwas dunkel erscheinende Phrase von der Wiederherstellung und Achtung der Vorrechte der Administration, nämlich einer Admini­stration lediglich im «Sinne Gambettas und daß derselbe mit einer von ihm abhängigen Kammermajorität imstande sein wird, die Achtung vor den Vorrechten dieser Verwal­tungwiederherzustellen", bedarf keiner weiteren Erklärung. Frankreich kennt also jetzt den FeldzngSplan Gambettas für die nächste parlamentarische Kampagne und wie die Chancen Gambettas stehen, ist nicht daran zu zweifeln, daß die überwiegende Mehrheit der Deputierten demKron­prinzen" der Republik Heeresfolge leisten wird, ob es aber Gambeita trotz seiner Machtfülle bann gelingen wird, zu­nächst den Senat zu einer politischen Null herabzudrücken, ist eine Frage, die man vorläufig noch nicht wagen darf, zu bejahen.

Deutsches Keich.

*« Berlin, 8. August. Die Dauer des Aufenthalts des Kaisers in Coblenz wird von dem Befinden der Kaiserin abhängen. Die neuesten Nachrichten lauten in dieser Be­ziehung etwas günstiger; bewähren sich dieselben, so dürfte die Rückkehr deS Kaisers nach Berlin etwa Mitte dieser Woche eintreten. Bei Gelegenheit deö Besuches des Kaisers von Oesterreich in Gastein verlieh derselbe folgende hohe Orden: dem Hofmarschall Grafen Pückler das Groß­kreuz deö Stephan-Ordens, dem General-Lieutenant von Albedyll das Großkrenz deS Leopold - Ordens, dem Wirkl. Geh. Rat von WilmowSki, dem General-Lieutenant Grafen von Lehndorff und dem General-Arzt von Lauer das Groß­kreuz der Eisernen Krone, dem Gesandten, Geh. Legations- Rat von Bülow das Großkrenz des Franz-Joscph OrdcnS, dem Flügel-Adjutanten, Oberstlieutetiant von Lindequist das Kommandeur-Kreuz deö Leopold-OrdenS, den Majoren und Flügel-Adjutantrn Graf von Wedell und von Plesfin die Eiserne Krone II. Klasse, dem Major von Elern daö Komthurkreuz deö Franz-Joseph-Ordens und dem Stabs- Arzt Dr. Tiemann daö Ritterkreuz der Eisernen Krone. Unser Kaiser verlieh dagegen seinerseits den beiden alleinigen Begleitern des Kaisers Franz Joseph, dem General-Adju­

tanten Freiherrn von Monde! das Großkrenz des Roten Adler-Ordens und dem Flügel-Adjutanten, Oberstlieutenant Baron von Wertens die Brillanten zur II. Klasse deö Kronen-Ordens. Außerdem erhielten noch einige Beamte des österreichischen Hofstaats Dekorationen. Der Geh. Kabinetsrat, Wirkt. Geheimer Rat von WilmowSki hat Se. Majestät den Kaiser bei dessen Rückreise bis Frank­furt a. M. begleitet und alsdann einen längeren Urlaub angetreten. Bei den Beratungen des Reichstages über den Entwurf eines Unfallversicherungsgesetzes und den An­trag Varubüler und Genossen, betreffend die Revision des Unterstützungswohnsitz-Gesetzes, wurde bekanntlich wiederholt auf den Mangel an einschlägigem statistischem Material hingewiesen. ES ist bereits bekannt, daß zur Abhilfe dieses Mangels die Aufnahme einer Unfallstatistik ange­ordnet worden ist. Auf Antrag des Reichskanzler« wird nun auch, wie ich höre, von den Bundesregierungen die Aufnahme einer Armee st atistik vorbereitet. Es wird sich dabei vorzugsweise um zuverlässige Nachrichten über die Zahl der dauernd und vorübergehend aus öffentlichen Armeemitteln unterstützten Personen handeln, wobei die hauptsächlich in Frage kommenden Gründe der Verarmung (Tötung oder Verletzung des Ernährers durch Unfall, Arbeitsunfähigkeit (Invalidität) des Ernährers, sowie gei­stige oder körperliche Gebrechen) besonders hervorzuheben sind. Die Ergebnisse der bezüglichen Erhebungen sind bis zum 15. November dieses Jahres dem Reichskanzler zu übermitteln.

Berlin, 8. August. Betreffs der Krankheit der Kaiserin wird derKreuz-Ztg." geschrieben:Die Hoffnung auf einen bestimmten Zeitpunkt vollständiger Genesung hat noch keinen sicheren Anhalt. Die Wunde ist geheilt; indessen die inneren Organe funktionieren noch nicht in der zur völligen Genesung erforderlichen Weise. Es treten Störungen ein, welche krampfhafte Schmerzen Hervorrufen, den Schlaf unterbrechen und den K äftezustand beeitnrächtigen, der zu­dem nicht durch den wünschenswerten Appetit gehoben wird. Zieht man dabei die Temperaturverhältnisse dieses heißen Sommers in betracht, so möchte mit diesen kurzen An­deutungen der langsame Fortgang zum Bessern erklärt feilt. Seit einigen Tagen hat die Kaiserin zu Koblenz auf den Rat der Aerzte in ihren Gemächern Versuche int Gehen gemacht. In der Regel wird Ihre Majestät auf einem Rollstuhle in den unter ihren Zimmern befindlichen Garten befördert. Außerdem verbringt sie einen großen Teil des TagcS liegend an einem offenen Fenster des großen, nach dem Rhein gelegenen Sales." Der Vorstand des Central- Vereinö der deutschen Wollwarenfabrikation hat eine Adresse an den Reichskanzler gerichtet, in welcher demselben der Dank für den Zollanschluß Hamburgs, dem wohl bald der Bremens folgen werde, ausgesprochen wird. Auf diese Adresse ist folgende Antwort des Fürsten Bismarck erfolgt:

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

i Fortsetzung.)

Während für einen edlen, ehrenhaften Mann das Weib in seiner Schwachheit und Hülflosigkeit doppelt heilig ist, so erregte es dadurch bei einem Menschen wie Jgnatieff erst recht alle bösen Triebe deö unlauteren Herzens.

Hm", fing er nach einer Weile an, die Olga wie eine Ewigkeit erschienen war,dachte ich es mir doch: nicht zehn Zobelfelle liefern, sondern vierzig!"

Vierzig", fuhr das Mädchen entsetzt auf, aber das ist ja gar nicht möglich, eine so große Anzahl Zobel hat mein Vater nie gejagt, und wie viele Mühe hat es ihm gekostet, diese zehn Stück aufzubringen; er ist alt und kränklich", fuhr sie, in Thränen ausbrechend, fort,und hat doch so viele Felle im Jahre zu schaffen; jetzt ist er zusammengebrochen und liegt krank, schwer krank! O, mein armer Vater I"

Anstatt sich durch den Schmerz des Kindes rühren. zu lassen, glitt ein triumphierendes befriedigendes Lächeln über fein Gesicht, und er sagte in einem Tone, der freundlich fein sollte, aber doch recht hämisch klang:

Nun, es steht in Deiner Hand, Deinem Vater zu helfen, wenn Du willst; ich könnte eo schon machen, daß er sogar viel weniger zu liefern hätte als bisher."

Olga erhob rasch das Gesicht aus den Händen; ihre lugen leuchteten, ihre Wangen glühten, und sie war chöner als je; freudig rief sie:O mein Herr, ich will a alles, alles thun, verlangen Sie von mir, was Sie wollen; wenn ich nur meinem lieben Vater die geringste Erleichterung verschaffen kann, ist mir kein Opfer zu groß l"

Er trat an sie heran und sagte: Es freut mich, daß Du so bereitwillig bist; es ist auch besser, als wenn Du Dich lange zierst", und damit griff er nach ihrer Hand. Olga erbebte und wurde bleich, als sie in die Augen des schrecklichen Manneö sah, in dessen Gewalt sie war, aber nur einen Augenblick ließ sie dem Schrecken Raum, dann siegten andere Gefühle; zornig entriß sie ihm die Hand, trat zurück, und indem sie sich hoch und stolz anf- richtete und ihre sonst so sanften Augen blitzten, sagte sie gebieterisch:

Zurück, wagen Sie nicht, die Gräfin Platow zu beleidigen!"

Die edle Hoheit d:s gekränk'en WeibeS imponierte einige Augenblicke fern Elenden, doch bald besann et sich, daß er erzwingen könne, waö ihm nicht freiwillig ward, und höhnisch auflachend rief er:

Gräfin Platow! Ha, ha, allerliebst! Nur schade, daß wir in Sibirien sind, da gelten keine Grafenkronen mehr, mein Kind! Nicht Gräfin bist Du, sondern weiter nichts als die Tochter eines Verbrechers eines Mörders.

Schweigen Sie!" rief , Olga, aufs äußerste erregt, tasten Sie die Ehre meines Vaters nicht an! Mag er zehnmal nach Sibirien verbannt fein, mögen noch so viele Beweise gegen ihn zeugen, so ist er doch schuldlos; eher könne die Sonne schwarz werden, als daß Graf Platow das Verbrechen beginge, das man ihm zur Last legt!"

Darüber wollen wir jetzt nicht rechten", sagte er und näherte sich ihr wieder; sie eilte der Thür zu um zu fliehen, aber er vertrat ihr den Weg und sagte hohnlachend,: Hilft Dir nichts, Du bist meine Gefangene!"

In ihrer Herzensangst stieß sie einen lauten Hülferus aus und in demselben Augenblick wurde von außen die

Thür aufgerissen und herein trat Alexander, der sofort die Sachlage begriff und, vor Zorn erglühend, mit einem niederschmetternden Blick auf Jgnatieff rief:Was geht hier vor?"

O, schützen Sie mich, mein Herr!" flehte Olga, jetzt wieder bas schüchterne, schwafle Mädchen wie erst.

Kommen Sie mit mir, es soll Ihnen nichts geschehen", sagte Alexander achtungsvoll, aber mit warmer Teilnahme, und mit der Höflichkeit, die er einer Dame bewiesen hätte; geleitete er sie hinaus und zurück zu Iwan, der sofort ahnte, waö geschehen war und seinem Zorne in ingrimmigen Reden Luft machte.

Wir wollen machen, daß wir hier fortkommen, Fräu­lein Olga", brummte er zuletzt,Sie haben doch den Schein?"

Den Schein, um Gotteswillen, der ist ja dort ge­blieben!" rief sie erbleichend rind blickte unwillkürlich wie Hülfe suchend auf Geldern, rasch antwortete der:Haben Sie keine Sorge, ich werde Ihnen das Papier verschaffen", und mit geflügelten Schritten, von den wiedersprechendsten Gefühlen bestürmt, eilte er der Expedition zu.

Jgnatieff, ebenso feige, wo er Wiederstand fand, al« frech, wo er sich im Vorteil sah, hatte nicht mit einem Worte gewagt, den jungen Mann zu hindern, als er Olga hinausführte, ja er konnte nicht einmal das Auge aufschlagen, als jener mit edlem Zorne zwischen ihn und sein Opfer trat. Kaum aber hatte sich die Thüre hinter den jungen Leuten geschlossen, so ging eine rasche Ver­änderung mit ihm vor: sein unschönes Gesicht nahm einen triumphierenden Ausdruck an, und mit schademfrohen Lächeln murmelte er: ' '