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Marburg, Freitag, 5. August 1881.
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UM- Für die Monate August und Septem- hrr nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande die Landpostboten, Bestellungen auf unser Klatt an. — Neu zugehende Abonnenten hiesiger Stadt erhalten dasselbe vom Tage der Bestel-
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Berlin, 3. August. Der Wochenbericht der „Prov.- Korr." über das Befinben Sr. Majestät des Kaisers unb Königs lautet folgcnbermaßen: Unser Kaiser gebenkt in den nächsten Tagen nach beendigter Kur Gastein zu verlassen. Nähere Bestimmungen über beit Tag der Abreise sinb noch nicht bekannt geworben; auch war bis gestern darüber, ob bie Rückreise direkt nach Berlin erfolgen oder über Koblenz führen wird, noch nicht die letzte Entscheidung getroffen. Das Befinden des Kaisers ist ein so gleichmäßig gutes, daß selbst bei der in der vorigen Woche eingetretenen rauhen Witterung, welche eine Unterbrechung der Spaziergänge und Ausfahrten zur Folge hatte, die täglichen Bäder regelmäßig genommen werden konnten. Vor seiner Abreise wird der Kaiser noch die hohe Freude haben seinen erhabenen Freund, den Kaiser von Oesterreich, ju' begrüßen, welcher am Donnerstag (4. August) Vormittags in Gastein einzutreffen und dort bis zum nächsten Morgen zu verweilen gebenkt. — Dasselbe Blatt bringt heute einen weiteren Beitrag zur Geschichte bet Fortschrittspartei, unter der Ueberschrist „Alte Geschichten" werben außerdem dem Artikel einige Worte vorausgeschickt, bie wir hier folgen lasten: Seit einem Jahre schlägt man die Werbetrommel für die „große liberale Partei", und der ganze Lärm kommt nur der Fortschrittspartei zu statten, als der thätigsten und rücksichtslosesten unter den Verbün- bdcit. Schon einmal vor 20 Jahren hat diese Partei durch Ueberrumpeluug die Herrschaft über die ganze, sonst schwächliche „große liberale Partei" an sich gerissep und bie Zeit ihrer vermeintlichen Größe durch den Ruin des ganzen Staatswesens bezeichnet. Die Grundsätze und zum Teil die Personen sind noch jetzt die nämlichen, und erst jüngst beim 20jährigen Jubelfest der Partei hat man ihr in allen Blättern der „großen liberalen Partei" nachgerühmt, daß sie ganz dieselbe geblieben sei. Darum kommt cs darauf an, den Worten die Thaten jener Zeit gegenüber zu stellen und das jetzige Geschlecht zu warnen, daß es nicht unter dem Namen der liberalen Partei in Wahrheit die Fortschrittspartei zur Herrschaft bringe. Dies wird um so mehr zur Pflicht, je mehr die Blätter und Männer, die jene Zeiten nicht blos erlebt, sondern mit verschuldet haben, trotz ihrer anscheinenden nachherigen
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Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.)
„Ich habe reichlich Gelegenheit gehabt," nahm Elise wieder das Wort, als Alexander ehrerbietig und ein wenig beschämt schwieg, „die Folgen der napoleonischen Schreckenö- zeit für alle Schichten der Gesellschaft kennen zu lernen. Ich brachte die ganze Zeit bei einer Tante auf ihren Gütern in Schlesien zu, wo wir teils mit gleichgestellten Nachbarn und Verwandten, teils mit niedrigeren GutSangehörigen Schweres durchmachten: Krankheiten und Seuchen aller Art, Kontributionen, Einquartierungen und in ihrem Ge- fvlge für so viele Mangel, Armut, Hunger und Kummer. Außerdem durchlebten wir mit dem edlen Königshause alle beiden und Demütigungen; denn eine Verwandte von uns war Hofdame bei der hochseligen Königin Luise, und aus ihren Briefen, in denen sie uns ihr beschwertes Herz auS- ichüttete, lernten wir den ganzen Umfang jener Prüfungen kennen." Und nun fuhr sie fort, ein Bild jener Zeiten und Erlebnisse zu entwerfen, das wir hier nicht wiederholen, ba die Erinnerung daran noch zu sehr in jedem deutschen Herzen lebt, und diese Schllderungen nur allgemein Bekanntes enthalten würden.
1 Auf den jungen Mann machten sie indessen einen um tieferen Eindruck, als er noch nie so Gelegenheit gehabt wtte, die ganze Tragweite jener weltgeschichtlichen Begebenheiten zu übersehen, die er wohl hatte herbeiführen helfen, °ie er aber bis jetzt nur aus einem sehr kleinen Gesichtskreise betrachtet hatte. Nun war es ihm als stände er plötzlich auf einem hohen Punkte, von dem aus er einen Ungeahnten Rundblick that, und da erschien ihm freilich gar
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Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet
Sinnesänderung jetzt wieder Alles thun, um die alten Irrtümer zu verbreiten, und weil außerdem ein neues Geschlecht, welches die Fortschrittspartei noch nicht am Werke gesehen hat, in die Teilnahme an der Politik hineingewachsen ist. Deshalb werden hier die Großthalen der Fortschrittspartei erzählt, und wenn eS der „großen liberalen Partei" nicht gefällt, so möge sie doch eingestehen, daß sie allein hierzu die Veranlassung gegeben hat und täglich giebt. — Es ist vorgckommen, daß die Dirigenten von Universitäts-Instituten außerordenttiche Zuschüsse, welche ihnen auf gründ des StaatShauShaltSetals oder aus besonderen, dem Unterrichtsminister zur Verfügung stehenden Fonds zu gewissen speziell bezeichneten Zwecken außerhalb der gewöhnlichen laufenden JnstitutSverwaltung genehmigt worden waren, von der laufenden Jnstitutödotation nicht gesondert gehalten, sondern teilweise sür die Anforderungen des gewöhnlichen Dienstes, welche ausschließlich aus der gedachten Dotation bestritten werben sollen, verwendet haben. In Anlaß dessen hat sich, nach dem „Hannov. Cour.", der Unterrichtsminister genötigt gesehen, in einem Cirknlar- erlaß an die sämtlichen Universitäts-Kuratoren auf die Unzulässigkeit eines solchen eigenmächtigen Verfahrens aufmerksam zu machen. Der Minister weist darauf hin, daß dasselbe die JnstitutSvorsteher nicht blos einer strengen Rüge für die begangene Ordnungswidrigkeit aussetzt, sondern daß sie sich auch für bett Betrag ber außerordentlichen Zuschüsse, welcher bem eigentlichen Zwecke bersclben entzogen wird, persönlich regreßpflichtig machen. Allen Vorstehern von Instituten ist auf Anordnung des Ministers Abschrift dieses Erlasses mitgeteilt. — Wie der Finanzminister sämtlichen Provinzial-Steuerdircktoren mitgeteilt, hat der BundeSrat zur Ausführung des Regulativs, welches die Zollerleichterung sür den Handel mit fremden Weinen betrifft, wegen deS Verfahrens bei Feststellung der Litermenge der in Teilungslagern zu- und abgehenden Weine nähere Bestimmungen über die Ein- und Auslagerung erlassen. Erfolgt die Auslagerung behufs Verzollung oder Weiterabfertigung mit Begleitschein in Fässern, welche von einem deutschen EichungSamte geeicht sind ober bereit Inhalt von der Zollbehörde amtlich festgestellt ist, so ist der Literinhalt nach der Eichung bez. nach der amtlichen Feststellung anzunehmm; andernfalls ist zu uuterschciben, ob der Wein in den Lagerfässcrn abgemeldet wird oder eine Umfüllung stattfindet. Im ersteren Falle hat in der Regel die trockene Vermessung der Fässer einzutreten. Sind die Fässer spundvoll, so kann der Literinhalt derselben nach Maßgabe der Feststellung bei der Einlagerung ober, wenn der Wein während der Lagerung umgefüllt worden ist, nach der Feststellung bei der Umfüllung angenommen werden und es bedarf alSdcum der nochmaligen Vermessung nicht. Findet bei der Auslagerung eine Umfüllung statt, fo wird die Litermenge entweder durch nasse Vermessung vieles in einem anderen Lichte als zuvor, und es wollte ihm recht weh und bange ums Herz werden, denn es war ihm, als wanke der Boden unter seinen Füßen, und das, worauf er sich bis jetzt so fest und sicher gestützt, breche um ihn her zusammen. Noch mehr erweiterte sich sein Blick durch ähnliche Gespräche, an denen der Gouverneur, ein hochgebildeter, geistvoller Mann, teilnahm.
Dieser sagte sich, wenn der Gefangene nach vielleicht jahrelanger Verbannung mit denselben Anschauungen nach Rußland zurückkehren würde, so liefe er Gefahr, alsbald in neue Konflikte zu geraten, und da er ihn zu lieb gewonnen hatte, um ihn noch einmal von einem so traurigen Schicksal betroffen zu sehen, so hielt er eS für seine Pflicht, diese verhängnisvolle Schwärmerei mit der Wurzel auszurotten.
„Aber Exzellenz", antwortete Alexander auf solche Andeutungen bescheiden, aber lebhaft, „meine Ehre erfordert eS doch, meine Ansichten zu vertreten und zu verfechten gegen jedermann, mögen die Folgen für mich ausfallen wie sie wollen! Es wäre doch eine schmähliche Feigheit, wenn ich aus selbstsüchtigen Rücksichten schweigen wollte, wenn man der Ehre meines Kaisers zu nahe tritt!"
„Sie sind in einem Irrtum befangen, den ich Ihnen nehmen möchte, junger Freund. Es handelt sich hierum Privatanstchten, die dem Gegenstände desselben weder nützen noch schaden können, da er nicht mehr lebt, und bei solchen Dingen ist jedenfalls Mäßigung, oft sogar Schweigen das Richtigste; das ist keine egoistische Feigheit, sondern eine Klugheit, die Sie auch noch werden schätzen lernen, wenn in reiferer. Jahren sich das ungestüme jugendliche Blut ein wenig abgekühlt hat. Etwas anderes ist es um eine Ueber- zeugung, wie sie bei der Politik, mehr noch bei der Religion ins Spiel kommt; da gilt es, Farbe bekennen, und treu
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mit geeichten Maßgesäßen ober burch Berechnung nach bem Reingewicht bes Weins ermittelt.
Berlin, 3. August. Nach ber konservativen Korrespon- benz hält die Reichöregierung daran fest, die Reichstagö- wahlen zu Anfang der ersten Hälfte des Monats Oktober vornehmen zu lasten. — Der Berliner Verein der Centrums- Partei wählte eine aus 6 Mitgliedern bestehende Kommission, welche einen vom Vorsitzenden bereits abgefaßten Brief an Freiherrn v. Schorlemer-Alst begutachten und auch fonst dem Vorsitzenden bis zur Ergänzung des Vorstandes als Beirat dienen soll. In dem Schreiben an Freiherrn von Schorlemer sollen die Motive, die den Verein bewogen haben, mit den Konserwaliven wegen der bevorstehenden Reichstagswahlen in Verhandlungen zu treten, resp. Herrn Cremer die Zustimmung zu Verhandlungen zu erteilen, und die Stellung deö Vereins zur Centrumsfraktion genau dargelegt werden, um so ein Urteil deö Centrumsvorstandes über das Vorgehen des Vereins zu provoeieren. — Mit bezug auf die Ablehnung der Samoa-Vorlage schreibt die „Proviuzial-Korrespondenz": „Wenn es nun auch nicht in der Macht der Reichsregierung lag, einseitig thatsächliche Schritte zur Hebung des deutschen Verkehrs in jenen überseeischen Ländern zu thun, so hat sie dennoch im Vertrauen auf eine künftige von nationalem Geiste getragenen Mehrheit des Reichstags nicht unterlassen, der so wichtigen Angelegenheit des deutschen Ausfuhrhandels nach überseeischen Gebieten auch weiterhin die ernsteste Aufmerksamkeit zuzu- wenden.'— Nach dem „Tageblatt" besteht in Hannover ein Kommission zur Verwaltung des WelfenfondS; an der Spitze dieser Kommiffion steht der jedesmalige Oberprä- stdeut, also jetzt Herr v. Leipziger, und Beisitzer sind Generallieutenant z. D. und Vizeoberjägermeister v. Kotze und Klosterkammer-Direktor Sauerhering. Die Verwaltung des Fonds ist nach denselben Regeln und Grundsätzen wie in allen königlichen preußischen Kaffen geordnet, nur mit dem Unterschiede, baß dem Landtage keine Rechnung gelegt wird. — Die „Kreuzzeitung" bemerkt, daß die Kombination, welche die Moskauer Reise des Zaren als eine Demonstration gegen eie Gasteiner Moüärchmbegegnung darzustellen suche, nur als Kuriosum unb Verschrobenheit bezeichnet werben kann. Das Gerücht, baß eine Beteiligung von russischer Seite an dex Gasteiner Entrevne beabsichtigt und vereitelt worden seij, ist durchaus Unbegründet. — Zum deutschen Konsul in Zürich würbe ber Fabrikant Rubolf Schöller ernannt. — Im österreichischen Botschaftshotel wurde in verflossener Nacht eingebrochen. Gestohlen haben die Diebe einm der Gräfin gehörigen Pelz mit seidenem Ueberzug; von den Sachen deö Botschafters Szechenyi fehlen etliche Orden und ein Teil des wertvollen Mag- natenschmuckeö. Daö Geldspinde, an dem die Diebe lange herumgebohrt haben, zu erbrechen, ist ihnen jedoch nicht gelungen.
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und fest bei der einmal gewählten Fahne stehen, das forber* ManneSehre und Gewissen, und wenn es die schwersten Opfer kostete; aber sich ohne Not zum Märtyrer einer Sache machen, die gar keinen Zweck hat, das verlangt niemand von uns."
Nach einigem Nachsinnen sagte Alexander ernst: „Ich danke Ihnen für diese Aufklärung eines Irrtums, der mich so viel gekostet hat, und ich fühle, daß Sie recht haben. Ich habe es bisher für Ehren- und Gewissenssache gehalten, Gut und Blut meinem Kaiser zu opfern, selbst nach seinem Tode; aber ich sehe ein, daß ich noch andere heilige Pflichten habe, bie vielleicht hier vorgehen."
„Nun, lieber Geldern," erwiderte der Gouverneur freundlich, indem er ihm die Hand reichte, „es wird Ihnen in den Augen eines edel denkenden Menschen nie zur Unehre gereichen, daß Sie in einer so schönen Begeisterung für das Ideal Ihrer Jugend gekämpft und so viel dafür gelitten haben, denn von Ihrem Standpunkte aus haben Sie recht und wahrhaft groß gehandelt, aber der Fehler ist, daß dieser Standpunkt, der ja für Sie aus den Verhält- nisten hervorgeht, nicht gerade der richtigste ist.
Mit innerer Befriedigung gewahrte der Gouverneur, mit welchem Jntereffe Alexander seinen Worten lauschte, und sagte zum Schluß:
„So viel ist gewiß, daß Napoleon seine göttliche Sendungen gehabt hat, sonst wäre ihm eben nicht so viel Macht verliehen worden. Seme erste Aufgabe war, dem blutigen Ungeheuer der Revolution den Fuß auf den Nacken zu setzen und in Frankreich eine neue Ordnung der Dinge herbeizuführen; die andere, die morschen Formen des alten Europas zu zerbrechen, die Nationen aus einem verderblichen Schlafe zu rütteln, ein Strafgericht für alte und neue
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