Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Sonntag, 31. Juli 1881

ffr. 177

I»

WchtUche jfitimij

töbeu

------- w« MWM0 W

; r. Schlotte in

JnfertionSgebühr für Pf«. berechnet.

chen

lung an.

Die Ex-ed. d. vberh. Zeit»««

bel«

ßeM

Spc«

iS«

ar

>st

,Unb ich sage, Napoleon ist der größte Lumpenhund

l"- w 'övuue uno öl

«lenken Ausreißer l"

arktgtl om ii

»nutil

enberz

groß« miebtt

Juli $ Wich frei.

Anzeigen nimmt entgegen dir «rpeditto» d. Blattes sowie b. Annoncen-Luremlk von ». L- Daube &6o. In

|gr Für die Monate August und Teptem- nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Landpostboten, Bestellungen auf unser Blatt an. Neu zugehende Abonnenten hiesiger Stadt erhalten dasselbe vom Tage der Bestel-

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli. J

ar, (Fortsetzung.)

Alexanders Unruhe steigerte sich noch, als er plötzlich die durchdringenden Blicke jenes Bauern auf sich gerichtet Mw, und als er es nicht länger ertragen konnte, setzte "sich an einen anderen Platz, wo er dem lästigen Zn- lchauer den Rücken zukehrte.

Es hatte stch ein Gespräch darüber entsponnen, wer i" größte Mann sei und was zum großen Manne mache, ^der nannte einen andern: Alexander, Cäsar, Karl der drohe, Friedrich ver Große, Luther und noch andere, Lander war natürlich Feuer und Flamme für seinm großen Kaiser Napoleon und bewies besten Größe mit Eifer, der eben so sehr dem Weinglase als seiner ^.rgeisterung entstammte. Besonders aus russischem Boden Mte er sich etwas vorsichtiger über den Nationalfeind aus. "ucken sollen; statt dessen aber machte er sich luftig über 066 russische Soldatenwesen und verglich mit der »Krande armSe.

ibitien («och'sche 1» Vk«.

V Fortschrittliche Flaust«.

Die Fortschrittspartei und ihre Presse greift zu den sonderbarsten Auskunftsmitteln, um angesichts der konser­vativen Strömung, welche die Reichshauptstadt und das gatije Reich durchzieht, ihre schwer bedrohte Stellung ju behaupten, und besonders komisch erscheint von diesen Mit­teln die fabelhafte Selbstüberschätzung, das so eigentümlich duftende Selbstlob, dem wir in neuester Zeit in den fort­schrittlichen Organen begegnen.

Da wird den Lesern vorgeflunkert, daß nur ein fort­schrittliches Regiment dem Volke frommen könnte, da die Hauptstadt Berlin den Beweis liefere, wie segensreich eine fortschrittliche Verwaltung wirke. Das Hauptorgan der Fortschrittspartei ist sogar so naiv, auszurufen, daß man an dem Beispiele Berlins sehen könnte, wie die Fort­schrittspartei natürlich wenn sie zur Herrschaft gelangen sollte im Lande Wegebauten vornehmen, wie sie den Verkehr erleichtern, wie sie die Verkehrsmittel vervielfachen und zugleich für eine Besserung des Gesundheitszustandes sorgen würde, während das Alles bei einer konservativen Verwaltung nicht möglich sej. Außerdem erklärt daS er- wühnte Blatt noch triumphierend:Und dabei zahlen wir hier nur hundert Prvcent städtische Einkommensteuer, während in vielenkonservativ" regierten Kreisen bis zu siebenhundert Procent gezahlt werden müssen, ohne daß man dort in ähnlicher Weise reformiert hätte. ES geht daraus wieder die alte Wahrheit hervor, daß liberale Ver­waltung sparsam und praktisch, konservative aber kostspielig und unpraktisch ist."

Dieser Vergleich hinkt so sehr, daß wenige Worte ge­nügen, um ihn umzustoßen. Zuvörderst ist bet demselben die hohe Berliner Mietssteuer gar nicht in Rücksicht ge­zogen und da sie 62, 3 Procent der zu zahlenden Wohnungs- Miete beträgt, so belastet sie sehr viele Kreise mit einem dreihundert-, vierhundert- und sogar fünfhundertprocentigen Zuschlag zur Staatssteuer. Am lächerlichsten aber erscheint die Behauptung,daß in konservativ regierten Kreisen bis zu siebenhundert Procent gezahlt werden müßten."

Hat das Hauptorgan der Fortschrittspartei, daSBer» Mer Tageblatt", welches vor kurzem diesen Unsinn in die Well setzte, wohl eine Ahnung davon, daß die höchsten Zuschläge zur Staatssteuer, behufs Tragung der Kommu-

führen möge bis zum Tode.Solltest Du aber,"" sprach er, vorher in eine andere Hand legen, so befleckst Du nicht nur Deine Ehre, sondern auch die Deines KaisersI"" Gott sei Dank, ich kann diese Waffe aus der Hand geben, wenigstens ohne Deine Ehre zu beflecken, mein großer, herr­licher Fürst, denn um Deine Ehre zu retten war es, daß ich meine Ehre und mein Schwert einbüßte l Denke jeder, von mir, was er will," fuhr er fort, sich im Kreise um­sehend,ich schäme mich nichts meinen Degen abzugebenl Hier ist er!"

Mit diesen stolzen Worten reichte er mit edlem An­stande seine Waffe dem Manne, der hier weniger Ehre eingelegt hatte, als der, dem er die Mannes- und Sol- dattn-Ehre raubte. Er fühlte das selbst und wandte sich zum Gehen, doch flößte ihm die Haltung des Gefangenen so viel Achtung ein, daß er mit den Worten von chm ging:

Ich entlaste Sie auf Ehrenwort in Ihre Wohnung, ich weiß, mit wem ich es zu thun habe!"--

Kaum hatte der schreckliche Mann sich entfernt, so löste sich der Bann, der auf allen lag, und von allen Seiten drangen Bekannte und Unbekannte in den jungen Offizier, sich der Strafe durch die Flucht zu entziehen, ja selbst seine Kameraden wagten nicht, von Soldaten - Ehre zu sprechen, als immer wieder das jedem rustischen Unterthan so furcht­bare WortSibirien" ertönte. Alexander brach rasch auf und in düsterem Schweigen schritt die noch vor wenigen Stunden so fröhliche Gesellschaft der Stadt zu.

Alle liebten Alexander v. Geldern herzlich wegen feines frischen fröhlichen Wesens, seiner Männlichkeit und Geradheit; Treue aber war der Grundzug in seinem Charakter und darum achteten und schätzten ihn alle, die mit ihm in Berührung komm

(Fortsetzung folgt.)

rbM r.ti

B 101 10! 101 jO! 10* 6

a

Ham kaufen, rtine t d lG Mitt-z Bofm

Mi is Zrivch Minz 8 11

tiieu

««etii

"chtih Ehnltz "steil tz [236

itzt a»! u.®

zur z

,,tnen nimmt entgegen: Röpedtttond.BlatttS, LitdÄtmonem-vureaux AA, Dietrich & «o. in unb Hannover; LH.

EjjMln IC.; Äubotf i3 Berlin, freut«

**tat- M- ic

Mensch", schrie Alexander, vor Zorn und Wein glühendwenn Du ein Soldat wärest, so forderte ich Dich auf Leben und Tod, aber so ein Lump wie Du verdient nur das, und damit gab er ihm eine schallende Ohrfeige.

Sie hören von heute an auf, Offizier zu fein, ich fordere Ihren Degen und erkläre Sie für einen Ge­fangenen, bis Sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden, um die gerechte Strafe zu erhaltm für den Schimpf, den Sie Ihrem Obersten öffentlich zugefügt haben. Meine Herren, ich verpflichte Sie, stch als Zeugen einzustellen."

Währmd dieser Worte hatte der verkappte Bauer seinen Kittel abgeworfm und stand in voller Uniform vor den zum Tode erschrockenen, aber im Herzm tief ergrimmten jungen Leuten.

ES war nicht das erste Mal, daß der Oberst v. Su- rowsko feinen Offizieren auf diese Weise nachspionierte und mehrere sehr ernste Geschichten hattm sich schon aus solchen Begegnungen entwickelt, darum war er allgemein verhaßt und gefürchtet.

Alexander stand im ersten Augenblicke bleich und starr da wie eine Bildsäule, dann schnallte er langsam den Degen ab und hielt ihn in Gedanken versunken in der Hand. Der Ausdruck seines Gesichtes, seine ganze Haltung zeugten so von dem tiefen Kummer, den heftigen Kämpfen in seinem Innern, daß es selbst den Obersten bewegte und er ihm einige Augenblicke Zeit ließ, während alles rings­umher in tiefem Schweigen auf den armen, jungen Offizier blickte.

Da Plötzlich flammte es in feinem Antlitz auf, er richtete sich hoch empor uno mit erhobenem Haupte und lauter, fester Stimme rief er:Kaiser Napoleon selbst gab mir dies Schwert mit eigenen Händen, auf daß ich es

Zusammenkunft mit dem Kaiser Franz Josef von Oester­reich wird daselbst Anfangs August stattfinden. Die Ab­reise unseres Kaisers Wilhelm von Gastein erfolgt bald nach dieser Zusammenkunft und zwar zunächst nach Koblenz, wo Ihre Masestät die Kaiserin noch immer an das Kranken­bett gefesselt ist. Kann daS Krankenlager auch täglich auf kurze Zeit mit dem Tragsessel vertauscht werden, so sind die Aussichten auf eine baldige gänzliche Wiederherstellung Ihrer Majestät doch nicht so günstig, wie dies früher an­genommen wurde. Die hohe Frau bedarf noch längere Zeit der größten Schonung und ist daher auch von einer Ueberstedelung nach Babelsberg vorläufig Abstand genom­men. Eine solche soll erst stattfiuden, wenn in dem Be­finden Ihrer Majestät weitere Fortschritte zur Befferuug zu conftatieren find.

Im deutschen Reiche kommt die Wahlbewegung mehr und mehr in Fluß und namentlich giebt sich in der libe­ralen Presse eine fieberhafte Thätigkeil kund. DaS Verhalten des Vorsitzenden desSozialen Reichsvereins" Dr. Henrici, wird von derselben selbstredend noch immer nach bester Kraft auSgebeutet, doch ohne nennenswerten Erfolg, da die Majorität der Mitglieder des genannten Vereins zum Frieden geneigt ist und sich jedenfalls am Wahltage nicht von den Konservativen trennen wird.

Der Kaiser von Oesterreich wird nach der Zusammen­kunft mit dem Kaiser Wilhelm in Gastein von dort au8 eine Reise nach dem Bodensee unternehmen und auf dieser Reise noch mit mehreren Fürstlichkeiten zusammentreffen.

In Frankreich bereitet sich alles zum Wahlkampfe vor. Auch Gambetta begiebt stch demnächst auf Agitationsreisen. Wegen Verleihung des Offizierkreuzes der Ehrenlegion an Bleichröver erfährt der Minister des Auswärtigen die heftigsten Angriffe in der radikalen Presse. DieJustice" sagt über Barthelemy Saiut-Hilaire, man soll diesen preu­ßischen Agenten wegjagen. Auch daS neue garnbetiistische BlattParis" setzt seine Deutschenhetze fort. Nach Algerien gehen noch immer weitere Truppen ab.

Die italienische Regierung sowohl als daS italienische Volk scheinen von der Wahrheit durchdrungen zu fein, daß es über kurz oder lang mit Frankreich zum Bruch kommen muß und daß man daher rechtzeitig sich nach Allianzen umzusehen hat. Man bedauert aufrichtig, daß die Leitung der auswärtigen Politik durch Cairoli das gute Einver­nehmen zwischen Italien und Oesterreich sehr beeinträchtigt hat, und die Nachricht ist sicher nicht unbegründet, dqß an der Wiederherstellung desselben eifrig gearbeitet wird. Wenn aber behauptet werde, daß Cairoli sich augenblicklich in be­sonderer Mission in Kissingen befinde, so ist diese Nachricht unbegründet, da Cairoli sich demPopolo Romano" zu­folge in Spa aufhält.

Die Auffindung von zehn Höllenmaschinen in Liverpool hat in ganz England eine wahre Panik hervorgerufen. Dir

$

.ji » ryc Die Gia;er zufammenria _

«5 ö4uey am Nebentische und rief laut:

,ft Iv jj.,«, juyt, yiupvnvH l[l uti gtvyic cuuiytiiyuiiv

: bet Sonne und St. Helma war viel zu gu* fit so

vchei hesS :SarW erst

Seine Kameraden gaben ihm in Vielem Recht und ®?ten ganz bereit, anzustoßen, als Geldern aufstand und

, "Senern Glase ausrief:

f Napoleon ist der größte Mann unter der Sonne, alle Szetn sind neben ihm wie die Sterne neben dem Monde. 7?. ab er auf Helena schmachten mußte, so bleibt er doch o^Ber, als seine Kerkermeister. Er lebe hoch!"

- Dach ehe die Gläser zusammmklangen, erhob stch der

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Bann- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage31M«ttrtei Canntaaftllart" durch die Erve! Suchbruckerei) bezogen Sb »ark durch die Postämter des Deutschen Reichs 8 Waxl 50 W«7(eicl.SefriW-"e bie gespaltene Ae Für m bet Expedition zu erthe,lende Auskunft und Annahme von Adressen werde» S5 Vf«, berechnet.

senil

mit j lsbald; r.

hm.

nallasten, gerade in jener Gegend erhoben werden, wo die Wiege der Fortschrittspartei gestanden hat und wo letztere auch heute noch ihre meisten Anhänger besitzt, nämlich in Ostpreußen? Wenn Berlin bei dem fortschrittlichen Regi­ment in der Kommunal-Berwaltung angeblich eine Aus­nahme macht, so ist die« nur dadurch erklärbar, daß der fortschrittliche Scribent bei seinen Lobeserhebungen uner­wähnt gelaffen hat, wie gerade die minder gut situierten BevölkernngSklaffen einen ganz erheblichen Procentsatz zu den VerwaltungSkosten durch die zu zahlende Mietssteuer aufbringen, hier also wieder die Thatsache so recht grell zu Tage tritt, daß man den Aermeren daö Fell über die Ohren zieht, aber den Wohlhabenderen, namentlich dem von seinen Renten lebenden Privatmann, der nur eine kleine Wohnung inne hat, von einer verhältnismäßig gleichen Bei­steuer zu dem Kommunallasten freiläßt.

: Wir glauben, daß die Fortschrittspartei in ein Wespen­nest sticht, wenn sie die Sparsamkeit der fortschrittlichen Ver­waltung so sehr betont; denn sollte eS in dieser Beziehung eines Beweises für daS gerade Gegenteil bedürfm, so dürste eS genügen, auf die Zustände in der Haupt- und Residenz­stadt Königsberg i. Pr. hinzuweisen. Hier existiert seit vielen Jahren eine fortschrittliche Verwaltung; fortschritt­liche Doktoren der Medicin, Kaufleute u. s. w. entscheiden über die wichtigsten baulichen Anlagen rc., so daß z. B. die Wasserleitung, durch Schuld dieses fortschrittlichen Regi­ments, der Bürgerschaft Millionen gekostet hat, ohne den erhofften Erfolg aufweisen zu können. DaS Straßenpflaster ist entsetzlich und die Annehmlichkeiten, welche einige Plätze in der Stadt der Bürgerschaft darbieten, sind durch Privat- thätigkeit geschaffen. Mit Recht verwünscht die Bürger­schaft dieser Stadt das fortschrittliche Regiment in der Kommunalverwaltung und es erhellt daraus, daß denn doch nicht überall so rosig mit einem solchen Regimente bestellt ist, wie e« daSBerliner Tageblatt" seinen Lesern glauben machen möchte.

Auch die forffchritllichen Flausen werden daher bei dem denkenden Leser ntchl verfiMM. Fortschritten in

der KommnnalverwaltUW: h«t die PAitik absolut nichts zu thun. Ob fortschrittsiche, ob conservative Verwaltung, die­selbe wird nur dann eine erfolgreiche Thätigkeil zu ent­falten vermögen, wenn ihre Träger von ächtem Bürgersinn, von selbstlosem Streben und uneigennütziger Hingebung für das Ganze durchdrungen sind. Fortschrittliche Prahlerei und Flausenmacherei thun es wahrlich nicht.

Woche« - Ueoerstcht.

Es erregt selbstverständlich in allen Kreisen große Be­friedigung, daß Se. Majestät der Kaiser in Gastein sich des besten Wohlseins erfreut und daß auch die rauhere Witterung der letzten Tage auf den Gesundheitszustand Allerhöchstdeffelben nicht nachteilig eingewirkt hat. Die