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Jllarßu g, Sonnabend, 30. Juli 1881.
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Der Cobdeuklub.
In England existiert seit dem Jahre 1866 eine Vereinigung, die sich Cvbden-Club nennt, die die für einen Club unerhörte Zahl von 832 495 Mitgliedern hat und außerdem in den verschiedensten Laudern der Welt 337 Ehrenmitglieder besitzt. Zu letzteren gehören u. a. der General Garibaldi, Karl Braun-Wiesbaden, Gambetta, Delbrück, Ollivier, Prinz Hassan von Aegypten, Rickert u. a. mehr. Ein Club, der sich eine so interessante Gesellschaft von Ehrenmitgliedern halten kann und dazu nachweislich bestrebt ist, in allen Staaten seine Verbindungen immer weiter auszudehnen, verdient gewiß volle Beachtung. Da nun der Club erklärt hat, die Förderung der Grundsätze Cobdens zu seinem Zwecke zu haben, so verlohnt es sich der Mühe, einen Blick auf die Thätigkeit dieses ManneS, so lange er noch unter den Sterblichen wandelte, zu werfen. Der heute als Schutzpatron des genannten Vereins, wie überhaupt aller Freihändler fungierende Cobden war zu Lebzeiten Kattunfabrikant in Manchester; und zwar war er ein äußerst thätiger, im großen Maßstabe arbeitender Mann, denn ihm passierte das, was so vielen Fabrikanten auch in unserer Heimat geschehen ist: er produzierte mehr Waren, als er absetzen konnte. Cobden erkannte, daß er sein Geschäft in dem gewünschten Umfange nur würde fortbetreiben können, wenn es ihm gelänge, im Auslande seine Waren in größeren Massen abzusetzen und wenn ihm dasjenige zu Gebote stände, was heutzutage die Herren Freihändler mit dem Titel „Weltmarkt" zu glorifizieren lieben. Der Erreichung dieses Zieles stand nun, nach Cobdenö Meinung ein Umstand im Wege: die Koruzölle, die in England bei der Einfuhr ausländischen Getreides erhoben wurden. Cobden redete sich nämlich ein, daß, so lange das Ausland, insbesondere Amerika nicht die Möglichkeit hätte, ungehindert Getreide- Massen in England zu verkaufen, es seinerseits auch nicht das Cobdensche Kattun und andere englische Erzeugnisse kaufen würde. Cobden begann daher mit allen Mitteln eine Agitation für die Abschaffung der Kornzölle in's Werk zu setzen. Zur Verfolgung dieses Zieles trieb den seligen Cobden indessen noch ein anderes Motiv. Cobden war der vollkommen zutreffenden Ansicht, daß sobald erst durch den Masseniarport ausländischen Getreides der ein»
Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
lFortsetzung.)
Herr v. Geldern hielt im Anfang einen Lehrer und dann besuchte er in der nahen Stadt daö Gymnasium. Sein wunderbares Sprachtalent verhalf ihm zu einem raschen Erlernen der alten Sprachen, mit ^Begeisterung studierte er die Werke eines Homer, Virgil, Cäsar und wie die Freunde und Plagegeister unserer studierenden Jugend alle heißen. Sein lebhafter, für alles Große empfänglicher Geist erfreute sich an den wunderbaren Wegen GotteS in Welt- und Kirchengefchichte, und seine stille Vorliebe für das Deutsche, seine teure Muttersprache, zog ihu unwiderstehlich zu den Werken deutscher Dichter.
Nachdem er ein Jahr lang einen ausgezeichneten Religionsunterricht bei dem Geistlichen des zum Gute gehörigen Dorfes genossen hatte, wurve er konfirmiert, und dieser wichtige und ernste Tag wurde ihm zum bleibenden Segen. — Nun galt es aber, zu entscheiden, welchen Beruf er erwählen sollte und eö ist leicht zu erraten, auf welchen seine Wahl fiel: trotz der Bitten seiner Pflegemutter und der Abmachungen seines Pflegevaters blieb er fest bei seinem Entschlüsse, doch äußerte er ihn stets in aller Bescheidenheit und sprach dabei seine herzlichste Dankbarkeit aus — er wurde Offizier.
So sehen wir unfern Helden eines Tages in Begleitung einiger Freunde aus Petersburg hinauswandern, einem Ver- gnügungsorte zu. Erkennt Ihr den schlanken jungen Premier-Lieutenant wieder, der trotz seiner geschmeidigen hohen Gestalt ein Bild der Kraft und Jugendfrische ist? Seht Ihr, wie fröhlich und schelmisch die großen blauen Augen
heimische Landwirt ruiniert worden sei, letzterer gezwungen sein werde, seine Arbeiter zu entlassen, die dann brodloö geworden, in die Fabrikstädte strömen müßten, um dort für jeden Lohn, der sie gerade noch vorm Hungertode schützte, sich zu vermieten. Im Jahre 1844 wurden die englischen Kornzölle abgeschafft und damit der Beginn zur Verwirklichung jener Cobdenschen Grundsätze des Freihandels gemacht, die, wo immer sie bisher zur Geltung gelangten, die Landwirtschaft ruiniert, den Arbeiter zu einer willenlofen Maschine, die gerade soviel Nahrung erhält, daß sie nicht zu gründe geht, entwürdigt und endlich diejenigen Länder, die sie von England aus sich aufdrängen ließen, zu tributpflichtigen Gebieten der Manä ester-Fabrikanten gemacht haben.
Die Entdeckung der Höllenmaschine« in Liverpool.
Ueber die Entdeckung der aus Amerika nach Liverpool gebrachten Höllenmaschinen bringen „Daily News" einen ausführlichen Bericht, dem wir folgendes entnehmen:
„Es war bereits seit einiger Zeit geargwöhnt worden, daß durch die Vermittelung von in Liverpool domizilierten Personen ein schwunghafter Handel mit Explosionsstoffen zwischen Amerika und Großbritannien betrieben worden war, ohne daß diese Leute die zu einer derartigen Thätigkeit erforderliche Erlaubnis von den Behörden eingeholt hatten. In jüngster Zeit gelang es, genauere Informationen zu erhalten, die dann sofort zu einer eingehenden Untersuchung aller von den Vereinigten Staaten in Liverpool eintreffen- den Waren führte. Major Greg, der Chef der 'Liverpooler Polizei, und Ober-Inspektor Williams, von der Detektiv- Abteilung wurden mit den Nachforschungen beauftragt und ebenso erhielt Herr Gardiner, der Hauptzolleinnehmer in Liverpool, seitens des Präsidenten des Zollamtes, Sir Charles du Cane, den Auftrag, sämtliche eintreffende Waren einer genauen Besichtigung zu unterziehen und zur Aufklärung der Sache beizutragen. Die erhaltene Information besagte, daß eines der größten Schiffe von einer der bedeutendsten Dampferlinien zwischen den Vereinigten Staaten und Liverpool eine Anzahl Höllenmaschinen nach Großbritannien bringen werde, Die mit Dynamit geladen seien. ES wurden infolge deffen mehrere Schiffe untersucht, bis dahin aber ohne jeden Erfolg, erst als der zur Cunard-Linie gehörige Dampfer „Malta" eintraf, gab ein besonderer Teil der Ladung zu Argwohn Veranlassung. Dies war nämlich eine Anzahl von Fässern mit Zement, da Zement nach Liverpool bringen so viel heißt, wie Kohlen in Newcastle importieren. Die Zementfäffer wurden daher angehalten, und um über die ganze Angelegenheit so wenig wie möglich verlauten zu lassen, beschloß man, jene Fässer während der Nacht einer Untersuchung zu unterwerfen. Diese Untersuchung fand auf einem der Lagerplätze des Huskrsfon-Docks statt und waren bei derselb n nur Beamte der Zollbehörde zugezogen. Von den Fässern waren bereits sechs oder sieben
blitzen? Jetzt bleibt er stehen, nimmt die Uniform Mütze ab und fahrt sich mit der Hand durch die goldblonden Locken, denn es ist ein warmer Sommertag.
Neben ihm schreitet majestätisch ein großer, schöner Neufundländer mit den tiefschwarzen lockigen Haaren, dem langen, prächtigen Schweife, die großen klugen Augen auf seinen stehenbleibenden Herrn gerichtet.
„Ja, Rino," sagt dieser fröhlich lachend, „du follst auch merken, daß der Herr Papa Zuschuß geschickt hat, wir wollen seinen Geburtstag nach Kräften feiern, die aller- schönste Bratwurst sollst du bekommen, bist du es zufrieden!"
„Wenn ich nicht Lieutenant v. Hufeldt wäre, möchte ich Dein Hund sein," lachte ein Kamerad, „der hat es besser als mancher Mensch."
„Ist auch mehr wert als mancher Mensch", sagte Alexander, „aber Ihr sollt darum nicht zu kurz kommen; leben und leben lassen heißt es, denn man ist nur einmal jung! Wie schön ist die Welt, was geht über das Soldatenleben l"
„Nun nun“, sprach neckend ein anderer, „sollte man doch denken, der Alex von Geldern wäre so ein Sausewind und Thunichtgut. Wenn Dich jetzt der Oberst hörte, würde er Dich gewiß nicht dem Offizierkorps zum Muster vorstellen I"
„Bleibt mir nur jetzt mit dem Obersten vom Leibe“, rief Alexander übermütig, „im Dienst die Amtsmiene, aber im Kreise der Brüder beim perlenden Wein, da streift man einmal die Fesseln ab!"
„Wenn nur der alte Fuchs nicht wieder einmal herumschleicht in wer weiß welcher Verkappung, man ist ja nirgends sicher vor ihm, und keiner von uns weiß, ob er nicht heute in acht Tagen auf dem Wege nach Sibirien
geöffnet worden, ohne daß man das geringste gefunden hätte, bis man dann schließlich ein Faß aufbrach, welches, wie eine später angestellte Untersuchung ergab, ein schwarzes Kreuz an der Außenseite trug, ein Merkzeichen, das den übrigen bisher geöffneten Fässern fehlte. In diesem Fasse fand man sechs Zinkbüchsen, die sich bei genauerer Prüfung als Höllenmaschinen mit gut gearbeitetem Uhrwerk und mit einem Stoffe gefüllt erwiesen, der zum Gebrauch fertiger Dynamit zu sein schien. Dr. Campbell Brown, der mit der Untersuchung dieses Stoffes beauftragt wurde, erklärte, derselbe sei thatsächlich Dynamit. Jede Büchse enthielt etwa 3 Pfund der Mischung und eine oder zwei dieser Büchsen enthielten überdies etwas Nytroglycerin. Man holte sodann einen Uhrmacher herbei, um demselben die Uhrwerke zur Prüfung zu überweisen; derselbe konstatiert, daß diese Werke sehr einfacher aber sehr wirksamer Art seien. Sobald das betreffende Werk in Bewegung gesetzt werde, laufe es sechs Stunden, setze sodann eine sehr kräftige Feder in Bewegung, die alsbald eine Perkussions- Vorrichtung abfeuere, wodurch bann die Explosion bewirkt werde. Während der Untersuchung setzte einer der Beamten unvorsichtiger Weise eins der Uhrwerke in Bewegung, doch brachte man dasselbe natürlich wieder rasch zum Stillstände.
Der Dampfer „Malta" hatte nahezu 200 Passagiere an Bord, und schrecklich ist der Gedanke an baS, was hätte geschehen können, wenn eine bieser Maschinen burch irgend einen Zufall auf der Reise explodiert wäre. Das Ministerium des Innern wurde sofort von dem Ergebnis der Untersuchung verständigt und eine der Maschinen nach Entfernung des Dynamits zur weiteren Prüfung nach London gesandt.
Einige Tage nach Ankunft der „Malta" traf bet Ley- land-Dampfer „Bavarian" mit einigen Passagieren, meistens aber mit Vieh in bemfelben Dock ein. Auch bieses Schiff hatte an die gleiche Adresse konsignierte Fässer mit Zement an Bord. Man untersuchte die Fässer und in einem derselben wurden sechs weitere nach dem gleichen Plane konstruierte Höllen-Maschinen entdeckt, von denen jede 8 Pfund irgend eines explosiven Materials enthielt. In etlichen der Fässer wurden einige den Namen O'Donovan Ross» tragende Rechnungsformulare gefunden und wenn dieselben nicht einfach in die Fässer gepackt worden waren, um von der Spur der richtigen Absender abzuleiten, so dürfte Rossas Großsprecherei, nach welcher die „Dotterel" durch seine und seiner Partei Mitwirkung zerstört worden ist, sich leider nicht alS leere Behauptung erweisen. Es ist unglücklicher Weise fast als gewiß anzusehen, daß die verbrecherischen Urheber der Versendung von Höllenmaschinen dem Arme deS Gesetzes entheben werden, da eS nicht möglich ist, irgend eine Anklage gegen die Absender der Fässer zu erheben, welche sie den Bestimmullgen des Auslieferungsvertrags unterstellen würde, und was die Empfänger in Großbritannien aube-
ist. Unser armer Freud N. hat sich voriges Jahr um diese Zeit auch nicht träumen lassen . . ."
„Hui, verdirb mir nicht den schönen, warmen Tag mit dem kalten, grausigen Sibirien", rief Alexander, indem er mit der Hand Rinos Kopf streichelte, „nicht war Rino nach Sibirien wollen wir nicht! Weg mit den Grillen heute heißt es fröhlich fein!"
Und fröhlich war die Gesellschaft, trotz aller sibirischen Erinnerungen. Das Leben des kleinen Kreises ging aber von Alexander aus, der heute den Wirt machte und sorgte, daß die Weingläser nicht lange leer blieben. Da wurde manche Gesundheit getrunken und mancher gute ober fabe Witz belacht, so daß der Offizierstisch bald allgemeine Aus- merksamkeit erregte, und jeder freute sich sichtlich an dem frischen Jugendmute und der sprudelnden Lebenslust.
Nur ein Gesicht behielt seine griesgrämigen Falten, ja die grauen buschigen Augen in demselben blicktm unmutig und finster von dem nahen Tische hinüber zu den jungen Leuten.
Der Besitzer dieses unliebenswürdigen Gesichtes war ein alter Bauer in schlichtem, blauen Rocke, der hinter seinem Glase Rum saß und alles um sich her scharf beob- achtete, obgleich niemand Notiz von ihm nahm.
Alexander v. Gelbem, wie wir ihn nach seiner Adoption nennen müssen, war heute erregter als sonst bei solchen Gelegenheiten; der Wunsch, seine Gäste zu beleben und zum Trinken anzufeuern, mochte ein Grund fein, aber ohne daß er sich selbst darüber klar war, bemeifterte sich seiner feit jenem Gespräche unterwegs eine ihm unerklärliche Unruhe, ein Mißbehagen, das er durch fleißiges Trinken zu verscheuchen suchte.
(Fortsetzung folgt.)