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JTiatfiUtfl, Frcüag, 29. Juli 1881.
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Snzeigra nimmt entgegen die Expedition d. Mattes sowie b. Annonren-Vmeaur von E-L-Daube LE».in Krankfutt a. M; JSgerHche Buchhandlung bojdbft; tzermann'schk Vachhanbl. daselbst; Invalibendant in Berlin: L Thienes in «lderseld: E. Schlotte in
Bremen-
,Srich»inr täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit btt wSSenüiLen T~T ., T~”~ _
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Die Ex-ed. d Oberh. Zeitung.
V Zvllfreiheit oder Schutzzoll 1
Ein von dem Herrn Rentner Prieger in Wiesbaden verfaßtes Flugblatt enthält über diese Frage so schätzenswerte Daten, daß es wünschenswert erscheint, einige derselben hier wiederzugeben.
Zunächst sei darauf hingewiesen, daß die Freihandelsära von 1872 bis 1879 dem deutschen Volke 8573 Millionen Mark nach amtlichen statistischen Erhebungen gekostet hat! Mit dem Verluste1 von 8573 Millionen Mark also haben wir das teure Experiment des Freihandels von 1872 bis 1879 bezahlt. Zur Zeit, als noch das gemäßigte Schutzzollsystem herrschte, von 1818 bis 1865, hatten wir meist eine Mehrausfuhr. Als jedoch 1865 durch Aufhebung und Ermäßigung vieler Eingangszölle der Uebergang zum Freihandel angebahnt wurde, verschlechterte sich das Verhältnis der Einfuhr zur Ausfuhr immer mehr, so daß schon das Jahr 1868 eine Mehreinfuhr ergab und seitdem ist die Einfuhr immer größer gewesen als die Ausfuhr bis 1879. Mit Recht kann man den Satz aufstellen: Freihandel treibt überhaupt keine zivilisierte Nation, er ist nur zu finden bei ganz wilden Völkerstämmen, wie Südsee-Jnsulanern u. a. Die Vereinigten Staaten von Nord - Amerika und Frankreich, diese beiden großen Republiken, haben ebenso wie Oesterreich-Ungarn und Rußland viel höhere Eingangszölle wie Deutschland.
Das Kaiserlich Statistische Amt hat uns bis jetzt die Mengen der Ein- und Ausfuhr von 1880 gegeben, die Werte derselben aber noch nicht. Der oben genannte Herr hat deshalb die Werte der wichtigen Industrie - Artikel berechnet und deren Werte in 1880 gegenübergestellt den gleichartigen Werten des letzten vollen Freihandelsjahrs 1878. Die folgenden Zahlen gelten für die Einfuhr in den freien Verkehr des Zollgebietes, d. h. in den inländischen Verbrauch, und die Ausfuhr aus dem freien Verkehr, d. h. die Ausfuhr der einheimischen oder im inländischen Handel entstandenen Warenmengen. Die Einfuhr der wichtigen Artikel bei Eisenwaren, Maschinen und Instrumenten, anderen Rohmetallen, Zement-, Thon- und Glaswaren, Leder und Lederwaren, Baumwoll-, Leinen-, Wollen- und Seidenwaren, Kleider, Leibwäsche und Putzwaren, Papier, Bier, Branntwein, Wein, Mehl, Stärke, Zucker, Salz, Käse und Butter betrug dem Geldwerte nach in 1878: 583, in 1880 : 402 Millionen
Mark, also in 1880 weniger 181 Millionen Mark oder 31 pZt. Die Werte der Ausfuhr derselben Artikel war 1878: 1078, in 1880 aber 1444 Millionen Mark, also in 1880 MehrauSfuhr 366 Millionen Mk. oder 33,9 pZt. Die Handelsbilanz in 1880 stellt sich allein in den wichtigeren Industrie-Artikeln um 547 Millionen Mark besser als in 1878. Für die übrigen Waren des Handelsverkehrs stellt sich die Bilanz ebenfalls günstiger, so daß wir mit Sicherheit behaupten, die Handelsbilanz Deutschlands stellt sich um mehr als 800 Millionen Mark günstiger in 1880 als sie im Durchschnitt von 1872 bis 1879 per Jahr sich ergab, mehr als 800 Millionen Mk. wurden also in 1880 dem deutschen Volke erhalten. Wahrscheinlich sogar überragt die Ausfuhr in 1880 die Einfuhr. Der bis jetzt abgelaufene Zeitraum des Jahres 1881 ergab ebenfalls bei Industrie-Erzeugnissen günstigere Resultate als die gleichen Zeiträume der Jahre 1878 oder 1879, und die Ausfuhr ist bis jetzt in 1881 größer gewesen, als in diesen beiden Freihandelsjahren. Die freihändlerische Behauptung durch den Schutzzoll würde unser Export nach dem Auslande zurückgehen, hat sich also vollständig falsch erwiesen, im Gegenteil ist die deutsche Ausfuhr seit Einführung des SchutzzolltarifeS in 1880 und 1881 ganz gewaltig gestiegen.
Sehr richtig heißt es in dem erwähnten Flugblatt, daß unsere Theoretiker mit ihrer Freihandels - Idee hiernach einem gar nicht existierenden Traumbilde nachjagen, und daß ihre verkehrte Politik uns schon viele Milliarden gekostet hat. ES ist ja auch ganz ungerecht von einem Staate, daß er von einheimischen Produkten etwa 5 bis 10 pZt. ihres Verkaufswertes Steuern und Abgaben erhebt, während die gleichen ausländischen Produkte steuer- und zollfrei hier in Deutschland verkauft werden sollen. Deshalb mußte zum Schutz der deutschen Arbeit ein Ausgleichungs - Zoll auf fremde Waren und Produkte gelegt werden, wie es 1879 geschehen ist. Wenn wir die Früchte der beiden Systeme vergleichen wollen, so brauchen wir nur bei den beiden benachbarten gleich hochgebildeten und zivilisierten Nationen, der deutschen und französischen, die materiellen Verhältnisse zu betrachten. Die Franzosen haben durch ihre Kriegsschäden eine enorme Schuldenlast zu tragen, zahlen Gemeinde- und Staatssteuer daher dreimal so viel pro Kopf als die Deutschen. Die Summe der Produktionswerte der Land- und Forstwirtschaft und Industrie ist bei beiden Völkern ungefähr gleich. Dennoch tragen die Franzosen viel leichter ihre Schuld- und Steuerlast, als wir Deutschen die geringsten Lasten; ihr Staat giebt außerdem noch mehrere Milliarden für neue Eisenbahnen und Kanäle aus, im Durchschnitt 1878 bis 1882 jährlich 315 Mill. Franks. Nur durch ihr seit langen Jahren konsequent festgehaltenes Schutzzollsystem , welches das Geld im Lande behält und in zweiter Linie durch ihr rationell ausgebildetes System der indirekten Steuern sind die Franzosen imstande, diese bewunderns
würdigen Leistungen auszuführen. Bei uns dagegen wurden zwar viele Kanäle projektiert, aber aus Mangel an Geld kein einziger in Angriff genommen; erst nach Bewilligung hödcrer Einnahmen durch den Zolltarif 1879 konnte Minister Maybach für Preußen eine rationelle Verbesserung der Flüsse und Kanäle zur Ausführung bringen, und jetzt foll mit dem Bau deS großen Rhein - Elbe - Kanals that- kräftig begonnen werden. Durch die erhöhten Einnahmen an Zöllen hat die Leistungsfähigkeit des Staats sich vermehrt. Durch ein konsequent festgehaltenes Schutzzollsystem behalten wir das Geld im Lande. Alles Geld, was wir ins Ausland schicken für Produkte und Waren, die wir auch in Deutschland erzeugen können, ist verloren für uns und kommt nicht ein Zehntel davon zurück. Das Geld dagegen, was wir dem deutschen Landwirt oder Industriellen zahlen, bleibt in Deutschland, setzt wieder Handwerker und Kaufleute in Verdienst, bauet Häuser, Dörfer und Städte, Eisenbahnen, Kanäle und Fabriken, bezahlt Lehrer, Soldaten und Beamte, uno weckt und erhält vor allem die Liebe zum Vaterlande!
Wir glauben, das Vorstehende genügt, um darzuthun, wie verderblich die Zollfreiheit bisher gewirkt hat, und wie sehr wir uns des betretenen Weges der Schutzpolitik zu freuen haben.
Deutscher Reich.
Berlin, 27. Juli. Der Wochenbericht der „Prov.- Correspondenz" über das Befinden der kaiserlichen Majestäten lautet folgendermaßen: Unser Kaiser erfreut sich deS vortrefflichsten Wohlbefindens und setzt seine Kur mit günstigem Erfolg fort. Die Vorträge des Militär- und ZivilkabinetS, sowie des in der Begleitung Sr. Majestät befindlichen Vertreters des Auswärtigen Amts nimmt der Kaiser regelmäßig entgegen. Ueber den Tag der Abreise von Gastein find feste Bestimmungen noch nicht getroffen; ebenso ist eö noch nicht entschieden, ob sofort, wie es anfänglich in Aussicht genommen war, die Rückkehr nach Berlin erfolgen, oder ob der Kaiser sich zunächst noch auf einige Zeit wieder nach Koblenz begeben wird. — Unsere Kaiserin hqt in der verflossenen Woche keine wesentliche Fortschritte in der Besserung ihres Gesundheitszustandes gemacht. Trotz des schleppenden Ganges der Wiederherstellung hat der Kräftezustand darunter nicht gelitten, sich vielmehr auf einer den Umständen nach befriedigenden Höhe erhalten ; doch wird voraussichtlich noch eine längere Zeit vergehen, ehe die Genesung so durchgreifende Fortschritte gemacht haben wird, daß die Hohe Kranke auf einige Dauer die liegende Stellung aufgeben kann, welche bisher nur auf halbe Stunden mit dem Aufenthalt auf einem Tragsefsel vertauscht werden konnte. — Die „Prov.- Korresp." fährt heute mit ihrer Geschichtsschreibung über die Fortschrittspartei fort und beschuldigt die Partei, daß
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gati^ fwd ich hoffe, Du wirst ihnen dadurch danken, daß Du A Aven allezeit nur Freude machst." Er reichte ihm die 103J v«ib zum Abschied. „Lebewohl, Alexander, Du warst mir ^lieber Weggesell, aber unsere Pfade trennen sich —> vielleicht bis auf Wiedersehen!"
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Nun wurde Alexander herbeigeholt und der Lieutenans ipvach bewegt zu ihm:
„Ich entlasse Dich Deiner Kriegsgefangenschaft -und ®*9me dafür alle Verantwortung auf mich. Herr und otttu von Geldern wollen sich Deiner ferner annehmen,
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Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.)
„Wir möchten ihnen die Gewißheit geben, wenn es sich ®it Ihren Pflichten gegenüber dem Kriegsgefangenen verträgt. Meine Frau hat den Knaben so in ihr Herz geschlossen, daß sie ihn gern hier behielte, denn wir haben k«ne Kinder, und ich glaube, an diesem jungen Menscheit würden wir rechte Freude erleben."
„Ich denke nicht blos an mich, lieber Mann, sprach Frau von Geldern, indem sie sanft ihre Hand auf seinen Ann legte, „ich möchte die Waise dem Verderben an Leib unb Seele entreißen und etwas zur Ehre Gottes aus ihnt wachen."
Der Offizier hörte diese Vorschläge mit großer Freude. »Was könnte mir lieber fein, als meinen Schützling, denn »U solchen und nicht als Kriegsgefangenen betrachte ich Hu, in so guten Händen zu wissen? Mit tausend Freuden Ahme ich Ihr Anerbieten an, Gott segne Sie für dies Werk und den Knaben auch!"
Alexander stand starr vor Verwunderung und blickte einen um den andern fragend an. Frau v. Geldern aber trat voll mütterlicher Liebe auf ihn zu und sagte: „Ich wünsche, daß Du Dich recht wohl in unserem Hause fühlen magst und daß Du Vertrauen zu uns gewinnst."
Etwas in dem gütigen Gesichte der Dame erinnerte ihn an seine Mutter, und mit dem Ausrufe: „Gott wie gut bist Du!" barg er plötzlich sein Gesicht in seine Hände und brach in Thränen aus. „Vater und Mutter werden Dich verlassen aber Golt wird Dich nicht verlassen!" so hatte einst Marie Bernard zu ihrem kleinen Knaben gesprochen, und während seine neuen Freunde ihm liebevoll zufpttlchen, stand ihm wie mit einem Schlage jene weihevolle Stunde vor Augen, wo er seiner Mutter gelobt hatte, seinem Heiland ewig treu zu bleiben. Voll Dank im Herzen erneuerte er jetzt dies Gelübte.
3. Ein verhängnisvoller Toast.
Jahre vergingen und der Knabe aus dem französischen Feldlager war auf Schloß Geldern immer heimischer ge- 1 worden, während ihn die Besitzer desselben immer lieber gewannen. Da sie schon immer den Wunsch gehabt hatten, einen Sohn und Erben zu besitzen, und ihnen dieser Wunsch nie erfüllt wurde, so beschlossen sie endlich beide in vollster Uebereinstimmung, Alexander, der ihnen ja längst ein liebes Kind war, zu adoptieren, und so wurde er gerichtlich als Sohn des Herrn von Geldern anerkannt und vertauschte von nun an seinen Namen Bernard mit dem seines Pflegevaters.
In der Welt hatte sich indessen vieles umgestaltet und Alexander war bat Begebenheiten mit Spannung gefotzt.
Als er damals erfahren hatte, auf welche wenig helden- und ehrenhafte Weise sein großer Kaiser Rußland verlassen, hatte er lange stumm dagesessen, aber in seinem Innern arbeitete es mächtig und ein tiefer Schmerz drückte sich auf feinem Gesichte aus. Sein Pflegevater beobachtete ihn eine Zeit lang, dann sagte er, die Gefühle des Knaben schonend: „Auch ein großer Mann hat feine schwachen Stunden."
Da blitzte es auf in seinen Augen, sein Antlitz erhellte fich und kräftig die Rechte schüttelnd rief er: „Ja mein Kaiser bleibt doch ein großer Mann, und er wird nie als ein Feigling untergehen!"
Er hatte wohl recht, aber wehe, sehr wehe ward eS ihm doch ums Herz, als er nun wirklich zuletzt an den Untergang seines herrlichen Helden glauben mußte. Oft schweiften seine Gedanken hinüber zu den Felsen von St. Helena, und lange erwartete er, Napoleon in alter Heldenkraft zurückkehren zu sehen.
Indessen floß Alexander eignes Leben ruhig und friedlich dahin, und ernste Arbeit und fröhliche Jugendbelusti- gungen wechselten mit einander ab. Er hatte trotz seines unruhigen Kinderlebens von seiner Mutter lesen und schreiben gelernt, auch hatte sie ihn in die biblische Geschichte und in die einfachsten Lehren der evangelisch-lutherischen Kirche eingeführt, der sie selbst angehörte. Oft hatte er der Mutter abends im Zelte aus der Bibel, die sie überall begleitete, vorgelesen, während ihre Genossen sich mit Trunk und Spiel ergötzten. Sein geweckter Sinn hatte bei dem Wandern durch so viele Länder mehr von Länder- und Völkerkunde und andern Wissenschaften gelernt, aU mancher Knabe auf der Schulbank.
Amtsetzuug folgt.)