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Jfiaröurg, Donnerstag, 28. In« 1881.

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Anzeigen nimmt «ttgege» bte Srpebitto» d. Blatte» sowie b. Annoncen-Uureanr

täglich außer an den Werktagen nach Sonn- nab Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „3I*trirte# «,aataa»»latt" durch die Srveditto» l«ock'l»e Buchdruckerri) bergen 31 «ark durch die Postämter deS Deutschen R-ich-S 3 Wert 50 Pfg. (exck. Bestellgebühr^-Mtt°nsg"b7h?" di- gespalten- K lO Pf, *

Für m der öipeltttun zu ertheüende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf,, berechnet.

MT Für die Monate August und Septem- hrr nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Landpostboten, Bestellungen auf unser Blatt an. — Neu zugehende Abonnenten hiesiger Stadt erhalten dasselbe vom Tage der Bestel­lung an.

Die Exped. I. Dberh. Zeitung.

Bei der Beantwortung der Krage „wer bezahlt die Zölle"

wird unter Hinweis auf eine Zusammenstellung über den Verbrauch eines „besser situierten Fabrikarbeiters" in einer westfälischen Stadt, die nach seinem Holbuche gefertigt sein soll, und augenblicklich durch alle fortschrittlichen Zeitungen die Runde macht, immer wieder behauptet die Reicheren würden nach dem Durchschnitt weniger belastet, wie die Amen.

Nach dieser in Rede stehenden Zusammenstellung soll

der Fabrikarbeiter

1040 Pfd. Mehl gebr. u.

das. 10,40 M. Steuern zahlen

260 „ Speck „ „

„ H,70 „ „ „

104 „ Schmalz „ „

n 5,20 „ „ „

78 „ Butter „ „

„ 4,68 n n it

■ „ 7,93 u n n

26 „ Tabak „ „

•104 Str. Petrol „ „

n 5,85 » tt n

26 Pfd. Kaffee „ „

« 0,65 „ „ „

78 „ Fleisch „ „

„ 4,68 „ „ „

Sa. 51,09 M.

Diese Zusammenstellung leidet vor allem an dem Grund- irrtume, daß sie voraussetzt, alle darin aufgeführten Artikel würden von dem Konsumenten um den Zoll teuerer bezahlt, die Staatskasse beziehe von dem Konsumenten 51,09 Mk. Zoll, welche derselbe weniger zu zahlen habe, wenn die Zölle nicht bestanden.

Dieser Grundirrtum macht die ganze Zusammenstellung eigentlich bedeutungslos. Denn darüber daß z. B. Butter unb Fleisch absolut Jgar nicht in ihren Preisen durch den Zoll beeinflußt werden, daß auch bei den Backwaaren der Preis nicht billiger wird, wenn der Kornzoll aufgehoben, daß Speck und Schmalz nicht um den Zoll teuerer ge­worden, ja daß sogar Petroleum im Detailverkaufe nicht um den Zoll verteuert ist, find alle Leute, die das prak­tische Leben kennen und richtig sehen wollen, einig. Man hebe die Zölle auf und man wird dies auf den Märkten wo Butter, Fleisch u. s. w. verkauft werden ebenso wenig merken, als man die Aufhebung der Schlacht- und Mahl­steuer an billigeren Fleisch- und Brotpreisen gemerkt hat.

Hier am Orte z. B. besteht eine Bier-, Branntwein- und Fleisch-Accise für die Stadt. Weder die genannten Getränke noch das Fleisch sind hier teuerer oder schlechter

als in Orten ohne diese Abgabe und bei Aufhebung der Abgabe blieben die Preise sicher ganz dieselben. Den Vor­teil hätten nur die Brauer, Wirte und Metzger und die Steuerzahler merkten die Aufhebung an den erhöhten di­rekten Steuern (Umlagen).

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Speck 50 Pfund.

Schmalz 50 Pfund.

Butter 350 Pfund.

Cigarren 1000 Stück.

Tabak 12 Pfund.

Petroleum 150 Liter.

Kaffee 100 Pfund Fleisch 14 Centner

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Doch kehren wir nach dieser Abschweifung wieder zurück zu der obigen Zusammenstellung, stellen wir uns einmal auf den falschen Standpunkt von dem man bei ihr ausge­gangen, und vergleichen mit ihr eine Zusammenstellung über den Verbrauch eines Haushaltes eines Wohlhabenden, und beschränken uns dabei auf dieselben Artikel, welche in der Zusammenstellung des Fabrikarbeiters enthalten sind.

Nach den Holbüchern dieser Familien sind gebraucht: Mehl 17 Centner. Es beträgt die Steuer 17,—

Sa. 159,25 M. Bei beiden Zusammenstellungen sind die „minder notwen­digen" Dinge „Zucker, Thee, Rosinen, Pflaumen" außer Ansatz geblieben. An diesen und vielen anderen im Zoll­tarif vorgesehenen Dingen ist der Konsum des Wohlhaben­den unbedingt weit bedeutender, als der des Fabrikarbeiters, und wenn diese Dinge in der Zusammenstellung ausge­nommen wären, würde die Differenz zwischen den Zollbe- trägen noch weit größer sein. Der Haushalt des in Rede stehenden wohlhabenden Mannes besteht aus Mann, Frau, vier schulpflichtigen Kindern und drei Dienstboten. Auf den Kopf des Haushaltes kommen also hier 17,5 Mark während bei dem aus 6 Personen bestehenden Haushalte des Fabrikarbeiters 8,5 Mark kommen. Wo bleibt da die durchschnittlich geringere Belastung des Wohlhabenden?

Aber noch zu einer anderen interessanten Betrachtung giebt die Zusammenstellung über den Verbrauch des Fabrik­arbeiters und den daran geknüpften Lamentationen über

das „ungerechte Steuersystem" der indirekten Steuern, will­kommenen Anlaß. Es wird nämlich der vermeintlichen Heranziehung zu den Zöllen mit 51 Mk. der geringe Steuererlaß mit 2 Mk. 75 Pf. gegenübergestellt, welcher dem Fabrikarbeiter zu Teil geworden. Der Fabrikarbeiter ist danach zur Klassensteuer mit 12 M. pro Jahr veran­lagt mit einem Gesamt-Einkommen von 900—1000 Mark. Setzen wir das was die Familie nach dem Holbuche bei dem Konsumverein geholt hat, in Geld um, so hat sie da­für, gering gerechnet 650 M. zu zahlen gehabt. Es sind dafür weiter zu zahlen sw Wohnuug 250 M., Kleidung für 6 Personen 200 M., Kartoffeln 60 M., Gemüse 50

M., Milch 75 M., Eier 10 M., Kohlen 50 M., Schul­geld 15 M., Zucker, Thee rc., Gewürze, Graupen rc. 50 M., Arzt, Apotheke, Vergnügungen rc. 50 M., zusammen mindestens 800 bis 850 M„ so daß sich die Gesamtaus­gabe sicher auf 1500 Mark beziffert. Danach hätte die Familie aber gesetzlich zu 24 bis 30 Mark Klassensteuer veranlagt werden müssen, und wird ein Beamter oder Lehrer der mit 1500 Mark angestellt ist, auch sicher mit dieser Steuer veranlagt sein.

Dieses „Stück aus dem praktischen" zeigt also mal recht deutlich, wie ungerecht bei dem besten Willen der Veranlagungsbehörden die Einschätzung zur Klasiensteurr ausfällt in den Kreisen von Steuerzahlern, die kein fun­diertes Einkommen besitzen und wie gerecht dagegen die Zölle die Leute treffen die sich ausschließlich nach dem Konsum der lediglich von den Einnahmen bedingt wird, regulieren.

Wenn die Zolleinnahmen, wie es ja die WirtschaftS- politik des Fürsten Bismarck anstrebt, die Beseitigung der Klaffensteuer ermöglicht, und durch eine besondere Heran­ziehung des fundierten Einkommens zur direkten Steuer dieses wie sich gebührt mehr wie seither herangezogen wird, werden die Zölle und das System der indirekten Steuern sich unbedingt als das gerechteste Steuersystem erweisen und ohne Belästigung die Staats- und Reichskaffen in den Stand setzen die berechtigten Wünsche des Volkes zu er­füllen.

Deutsche» »eich.

V »erlitt, 25. Juli. Mit vollem Rechte ist von der konservativen Preffe stets darauf hingewiesen worden, daß es sich für den gesamten Liberalismus darum handelt, ei« „parlamentarisches Regiment" herbeizuführen und sonach dahin zu streben, daß in Deutschland und Preußen die Monarchie nur noch einer „Schattenmonarchie" gleiche. An den Aussprüchen liberaler Männer, an zahlreichen Ausführungdn liberaler Blätter, die von der konservativen Presse reproduciert worden, wurde angeknüpft und der Beweis für obige Behauptung geliefert, so das es geradezu komisch erscheint, wenn jetzt fortschrittliche Blätter mit der Erklärung hervortreten, daß der liberalen Partei stets ein „starkes" Königtum am Herzen gelegen hätte. ES wird kaum nötig sein, nochmals an den Ausspruch v. Bennigsen- auf dem vorjährigen nationalliberalen Parteitage erinnern, der bekanntlich darin gipfelte, „daß, wenn eS erst dahin gekommen sein werde, daß die parlamentarische Majorität auch die Geschäfte deS Landes leite, es besser werden würde," wohl aber dürfte eS nicht überflüssig fein, hier eines Ausspruches des „Berl. Tageblattes" zu gedenken, welches jetzt die Behauptung aufstellt, „daß der Liberalismus stets für ein „starkes" Königtum engagiert habe," jedoch noch vor kaum acht Tagen den nachfolgenden Satz leistete:

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

„Der schönste Tag war doch die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz", rief ein alter narbenbedeckter Grenadier, „da mußten zwei Kaiser vor unserm Kaiser das Feld räumen! Du, Arthur, standest neben mir, als wir in Madrid ein­zogen und als wir daS heldenmütige Saragossa als einen Trümmerhaufen erstiegen, erwarbst Du Dir Deinen Orden!"

„Da schien die Sonne doch wärmer als hier," sprach Atthur, „ich wollte sie brennte mir jetzt ein bischen auf den Pelz". Damit hüllte er sich in seinen Pelzmantel und legte sich zur Ruhe. Allmählich verstummten die Gespräche und alle schliefen ein, auch die Insassen des Schweinekofenö.

Am andern Morgen stand die Sonne schon hoch am Winterhimmel als der Major Alexander aus dem Schlafe »ufrüttelte. „Komm mein Sohn," sagte er freundlich, „wir Mollen eilen, dies unwirtliche Land zn verlassen". Sie traten hinaus zu den Schläfern um die erloschene Feuerstätte — °vch ach, auch in diesen starken Helden war die LebenS- flamme erloschen — sie waren alle erfroren.

„Mein Gott, ich bitt um Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut,"

Murmelte der Offizier für sich, da weckte ihn plötzlich ein Sollender Aufschrei Alexanders aus seinen Gedanken, und ul- er sich umsah, erblickte er den Knaben, wie er eine der pichen umschlungen hielt und laut weinend sein Gesicht an mr Brust derselben verbarg.

„Mein Vater, mein lieber Vater", jammerte die Waise — $ war Arthur Bernhard, derselbe, der am Abend zuvor <mfftufjte, als seine Kameraden von den Pyramiden sprachen,

er hatte zum letzten Male vielleicht an sein einziges Kind und dessen trauriges Schicksal gedacht.

Vergebens versuchte der tief erschütterte Major nach einiger Zeit den Knaben zum Weitergehen zu bewegen, kein Bitten, keine Vorstellungen, keine Versprechungen fanden Ge­hör, Alexander antwortete auf alles nur:

„Ich bleibe bei meinem Vater, ich will mit ihm sterben!" Der Offizier mochte nicht Gewalt anwenden, auch wurde es für ihn die höchste Zeit zum Weiterfliehen, denn schon stieg die Sonne am winterlichen Himmel, und von allen Seiten hörte man die Schüsse und den fernen Lärm des verfolgenden Feindes. Nachdem er nochmals alles aufgeboten hatte, befahl er den Waisenknaben dem Vater derWittwen und Waisen im Himmel in einem kurzen Stoßgebet und eilte hinweg, damit nicht die Seinen zu Wittwe und Waisen werden möchten.

Ohne Empfindung und fast ohne Besinnung lag Alexander einige Stunden am schneebedeckten Boden, nur kurze Zeit vielleicht, und er wäre gleichfalls hinübergeschlummert — da ertönten Hufschläge und eine Abteilung Kosaken sprengte heran. Als sie die Erfrorenen liegen sahen, sprangen sie von dm Pferden und durchsuchten sie unter rohen Schemen, um Beute zu finden.

„Da, er ist noch warm," rief einer, und schon hob er den krummen Säbel, um Alexender zu durchbohren, da trat rasch der Offizier heran und schlug den erhobenen Arm zurück. „Unmensch," rief er, „reibt den Knaben mit Schnee und nehmt ihn mit fort."

Der Lieutenant, ein Deutscher aus den Ostseeprovinzcn, war gerade im Begriffe, in dienstlichen Angelegenheiten in jene Gegenv zu ziehen. Er war entschlossen, den Knaben zu retten und setzte, sobald dieser sich einigermaßen erholt,

durch Speise und Trank erquickt und auf ein lediges Pferd gesetzt worden war, den Weg nach seiner Heimat fort. Unterwegs ließ er sich Alexanders Schicksale erzählm unb versprach, ihn nicht als Kriegsgefangener zu behandeln, sondern sich seiner ferner anzunehmen.

Nach einigen Tagm kamen sie nach Kurland und an einem Abend stiegen sie auf einem der großen Edelhöfe ab, um dort Quartier zu nehmen. Der Lieutenant nahm unfern jungen Freund mit sich und führte ihn zu der Familie de» Schloßherrn namens Geldern.

So bleich und abgezehrt Alexander durch Sttapcqen, Mangel und Kummer auösah, so war seine Gestatt und sein Gesicht doch noch einnehmend genug, ja gerade noch mehr durch den Ausdruck tiefer Trauer in den schönen, seelenvollen, blauen Augen.

Frau von Geldern fühlte inniges Milleid mit ihm und sie und ihr Gatte lauschten am Abend, als sie im gemüt­lichen warmen Zimmer beisammen saßen, voller Tellnahrne den Erzählungen ihrer Gäste. Nachdem diese zur Ruhe ge­gangen waren, saßen die Gatten noch lange bei einander in ernsten Gesprächen und der Mittelpunkt berfeiben war — Alexander Bernard.

Am andern Morgen baten sie den russischen Offizier um eine Unterredung.

„Haben Sie irgend einen Plan in bezug auf Ihre« Schützling?" fragte Herr von Geldern.

„Ich habe viel darüber nachgedacht," erwtdette dieser, „aber ich bin augenblicklich durch den Kriegsdienst verhindert, etwas in Ausführung zu bringen; jedenfalls aber lasse ich ihn nicht von mir, bis ich Gewißheit habe, daß es chm gut gehen wirb."

(Fortsetzung folgt.)