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Marburg, Mttwoch, 27. Juli 1881.
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«eieiatn nimmt entgegen: WpedMo« ».Blatte», ^.iedlAnnonren-Bureaur wn Ltz, Dietrich L Lo. in e-flel tmb Hannover; Th. rUtrichinäranlfurtaSL; ü-asenstnn & Bögler in Bart «• art, Berlin &g, 4611 tc.; Rudolf M in Berlin, Stent-
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Anzeigen nimmt entgegen die Lxpedittoi d. Blatte» sowie d-Annoncen-Buremq von d L. Daube L4o.il Kmnkfurt a. R; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Luchhandl. daselbst; Kvalidenbant in Berlin; B. Thiene» in «berfeld; 4. Schlotte in Bremen.
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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
- Land uud Leute iu Tunis.
Die französische Expedition gegen die KrumirS und andere räuberische tunesische Grenzstämme, welche durch ihre wiederholten Raubzüge auf algerisches Gebiet in jüngster Zeit die französisch - algerische Grenzbevölkerung immer mehr belästigten, lenkt jetzt den Blick häufiger auf jenen türkischen Vasallenstaat an der Nordküste Afrikas, welcher unter dem Namen Tunis ein Gebiet von ca. 2500 Ouadratmeilcn mit einer Bevölkerung von 2 Mill, umschließt. Tunis, welches im Norden uud Osten vom Mittelländischen Meere, im Westen von Algier im Süden von Tripolis und der algerischen Sahara begrenzt wird, gehört mit zu den fruchtbarsten Ländern Nordafrikas, wenn man von den großen, wasserarmen Ebenen im Süden des Landes absteht. Die überaus reicheVegetation trägt ganz den Charakter der Mittelmeerflora, der Boden ist besonders in den quellenreichen, gebirgigen Teilen im Norden und Westen des Landes außerordentlich ertragsfähig, indessen, wie in allen Ländern unter türkischer Oberherrlich- keit, liegt auch in Tunis der Ackerbau sehr darnieder und ungeheure Strecken des besten Mais- und Weizenbodens liegen brach, dank der türkischen Mißwirtschaft nnd auch die Industrie ist kaum nennenswert. Dagegen ist nicht zu leugnen, daß der Handel in Tunis recht schwunghaft betrieben wird und hier nimmt der Caravanenhandel die erste Stelle ein. Durch Anlegung von Eisenbahnen und Telegraphenlinien hat die Regierung des jetzigen Bey Handel und Verkehr noch mehr zu heben gestrebt und bereits wird die Hauptstadt Tunis mit den hauptsächlichsten Küstcnplätzen an der tunesischen Küste durch Telegraphenlinien verbunden.
Was nun die Bevölkerung von Tunis anbelangt, so haben wir schon bemerkt, daß dieselbe ungefähr 2 Millionen Seelen beträgt; die Bevölkerung des Nordens und der Küste ist rein arabischer Abkunft, dagegen sind die Bewohner des Innern und des Westen« Berber, zu letzterem Stamme gehören auch die zahlreichen und kriegerischen nomadisierenden Stämme an der tunesisch-algerischen Grenze, deren Züchtigung der vorläufige Zweck der französischen Expedition nach Tunis ist. Dieselben durchstreifen auf schnellsüßigen Kameclen und raschen Pferden die Wüste, um den beuteverheißenden Caravanen aufzu
lauern unb ihr Angriff geschieht meist so unerwartet, daß bcrm^e0et ,1bci bem ersten wuchtigen Anprall dlcser Rettermassen ihnen der Sieg gesichert ist. Doch auch die an Tunis grenzenden Besitzungen der algerischen Colontsten hatten und haben noch viel von den Ueber- sallen der KrumirS, Tuaregs u. s. w. zu leiden, welche, rachdem sie die Ortschaften zerstört hatten, mit dem geraubten Vreh und sonstiger Beute wieder in ihre Schlupfwinkel der wüsten felsigen Ebenen des Biled ul Dscherid sich zurückzogen, ehe die französischen Militärbehörden eine nachdrückliche Verfolgung ins Werk setzen konnten. Die jetzige französische Expedition gegen die Wüstenräuber hat daher vor Allem den Zweck, denselben durch eine ernste Züchtigung die Lust zu feineren Angriffen auf das Eigentum französischer Unterthanen zu benehmen. Indes ist dieses Unternehmen mit großen Schwierigkeiten verbunden, selbst ihre Wasserrationen muffen die Truppen mit sich führen, so daß man in Frankreich nicht ohne einige Besorgnis auf den Ausgang dieser Expedition in sehr wenig bekannten und unwirtlichen Gegenden blicken darf.
Wie an den Gestaden des Mittelländischen Meeres die Weltgeschichte zu den Zeiten der Juden, Phöniker, Chartager, der Griechen und Römer, später der Venetianer, Genuesen und der welterobernden Oömanen spielte, so ist auch Tunis mit in die Geschichte dieser Zeiten verwoben, Tunis ist sicher von den Phöniciern gekannt nnd von den Carthagern und Römern beherrscht worden. Im elften Jahrhundert fiel es sogar einem unternehmenden Normannenstamme zur Beute. Dann kam Tunis unter die Herrschaft des Araberstammes der Hanafiten, denen es 1533 der Corsar Heyreddin Barbarossa entriß und in einen berüchtigten Serräuberstaat umwandelte. Aber schon 1574 wurde Tunis der Türkei unterworfen und blieb unter deren Oberherrlichkeit, während ein Pascha oder Bey in Tunis regierte. Durch die französische Expedition nach Tunis ist die türkische Oberherrlichkeit über dieses Land allerdings in Zukunft sehr in Frage gestellt, der Bey ist ganz in die Abhängigkeit Frankreichs geraten und der türkische Halbmond wird in Tunis wohl bald der französischen Trikolere weichen müssen.
Deutsche» Reich.
♦* Berlin, 25. Juli. Die „National-Zeitung" hebt in einem Artikel über die Konvertierung des Zinsfußes der Berliner städtischen Obligationen vom 23. d. Monats mit besonderer Emphase hervor, „eö hätte in erster Linie interessieren müssen zu erfahren, auf welche gesetzliche Bestimmungen die Staatsregierung ihre Einmischung in diese städtische Angelegenheit gründe"; von der Notwendigkeit einer Genehmigung stehe „weder etwas in der Städte-Ord-
nung noch in der Verfassung." Es ist für die Auffassung der „National-Zeitung" bezeichnend, daß wenn die SlaatS- Regierung über einen an sie gerichteten ausdrücklichen Antrag der städtischen Behörden nähere Erörterungen veranlaßt, (etwas Anderes, insbesondere eine Ablehnung deS Antrages ist bisher nicht erfolgt) dies als eine „Einmischung in städtische Angelegenheiten" angesehen wird. Ebenso bezeichnend ist der in dem Artikel der „National- Zeitung" an den Tag tretende Mangel an Kenntnis der bestehenden Gesetze. Die „Gesetzgebung für die Königlich Preußischen Staaten" enthält nicht bloß die Städte-Ord- nung und die Verfassungs-Urkunde, sondern auch noch andere Gesetze und Allerhöchste Erlasse u. s. w., u. A. das Gesetz vom 17. Juni 1833 „wegen Ausstellung von Papieren, welche eine Zahlungsverpflichtung an jeden Inhaber enthalten", sowie die auf Grund des § 2 dieses Gesetzes erlassenen Allerhöchsten Privilegien wegen der Emission von Stadt- und Kreis-Obligationen. Wenn in diesen Privilegien der Zinsfuß der emittierten Obligationen ausdrücklich festgesetzt wird, so können die städtischen Behörden nicht auf eigene Hand diese Festsetzung abändern. Die willkürliche Abänderung Allerhöchster Erlasse ist der Kompetenz der Stadtverordneten-Versammlungen und Magistrate ent- zogen; nur auf demselben Weg wie die Festsetzung des Zinsfußes, kann auch dessen anderweite Normierung erfolgen. Jede einseitige Abänderung der durch einen Allerhöchsten Erlaß getroffenen Bestimmungen würde ein Ueber- griff über die Machtsphäre, welche „Städte-Ordnuna und Verfassung" für die Stadtgemeinden abgegrenzt haben, enthalten. — Der Kultusminister hat den Provinzial-Regie- mngen Exemplare des im Verlag der Weidmann'schen Buchhandlung zu Berlin erschienenen, von dem Architekten Rudolf Springer herausgegebenen statitistischen Handbuches für Kunst- und Kunstgewerbe im deutschen Reiche für da« Jahr 1881 mit der Anweisung zugehen lassen, in geeigneter Weise zur Vervollständigung und Berichtigung der Angaben des Handbuches mitzuwirken. Zu diesem Zweck werde eö sich empfehlen, etwaige Nachträge aus den einzelnen Regierungsbezirken zu sammeln und behufs Benutzung bei der alljährlich zu erneuernden Auflage des Werkes gegen Ende jedes Jahres an den Minister einzusenden. Eine besondere Aufmerksamkeit werden die Regierungen den kleinen Kunst- und Altertumssammlungen zuzuwenden gebeten, da schon deren Bekanntwerden einen Schutz gegen ihre Zerstörung und Verwahrlosung verspreche. — In diesen Tagen wurde dem Regierungs-Provinzial-Schulrat Tyrol aus Danzig bei seiner Anwesenheit in Gastein die Ehre einer längeren Unterredung zu teil, durch welche der Kaiser denselben bei der Morgenpromonade auszeichnete. Der Umstand, daß der Genannte den vorbereitenden Unterricht zu den Universitäts-Studien des bekanntlich von Sr. Majestät besonders geschätzten Flügel-Adjutanten Generallieutenant Grafen von
„<.6I .. Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.)
Unter jenen 4000 Glücklichsten unter den Unglücklichen waren Bernard und Alexander, doch waren sie bei der wilden Flucht auseinander geraten. Am anderen Ufer an- Kkommen, blieb Alexander an dem mit Glatteis bedeckten Men Rande stehen und folgte mit angstvoller Spannung dem dritten Wagen, auf dem er seine Mutter wußte und wit den scharfen Augen der Liebe erkannte. Schon hatte der Wagen die Mitte erreicht, da drängte ein dichter Trupp von Reitern und Fußsoldaten heran, die Wagen waren ihnen im Wege. „Hinab mit ihnen ins Wasser, tönte ein ^utschrei, und schneller, als Alexanders entsetztes Auge chr n Bewegungen folgen konnte, wurde der schwer bepackte «Lagen mit Weibern und Kindern über die niedrige Blüstung hmabgestürzt.
Der Fluß war hoch angeschwollen und brauste zwischen Itnlm Ufern über Felsen hinab in jähem Falle, große EiS- ichollen trieben darauf herum, so daß die Armen rettungs- os verloren waren. Ihr herzzereißendes Geschrei rührte owlleicht nur einen Menschen in der ganzen fliehenden -vtenge — unseren Alexander. In dem Augenblicke, als seine Mutter hinabfallen sah, wollte er sich von dem Natten, hohen Ufer hinabwerfen, da hielt ihn eine kräftige
Zurück, und donnernd rief eine Sttmme hinter ihm: rnsch, bist Du toll, meinst Du, Du werdest lebend 9 nunterkommen, danke Gott, daß Du noch bist und laß tnL*'olcn ruhen!" „Sie ist nicht tot, sie lebt und ruft Uh, meine Mutter, meine Mutter, ich komme!" rief der ^rnabe und machte eine verzweifelte Anstrengung doch um
sonst. „Im Namen des Kaisers befehle ich Dir als Dein Vorgesetzter, mir zu folgen," sprach dieselbe Stimme hinter ihm, und jetzt erst sah er sich um und gewahrte einen hohen Offizier, der ihn hielt.
„Erbarmen, es ist ja meine Mutter," flehte der Sohn, in die Knie sinkend.
„Armes Kind," sprach der andere, „sieh hin, sie ist nicht mehrl"
In dem Augenblicke, wo Alexander sich umgewandt, hatte Marie ausgekämpft, und als regungslose Leiche trieb sie den Fluß hinab, es war kein Zweifel — sie lebte nicht mehr. Halb bewußtlos folgte Alexander dem Offizier, der für ihn Sorge trug, bis auch diesen die Reihe traf — eine Kosakenkugel machte seinem Leben ein Ende.
Jetzt erwachte in Alexander der Trieb der Selbsterhaltung, den Gott in jeden Mmschen gelegt, und da der Abend nahte, suchte er nach einem Orte, wo er wenigstens etwas Schutz vor der Kälte finden könne. Endlich entdeckte er, als die Nacht cinbrach, eine niedrige Hütte mit einer so kleinen Thür, daß er hineinkriechen mußte, denn es war — ein Schweinekofen.
„Qui vive!“ tönt es ihm plötzlich aus dem Innern entgegen. „Bon ami,“ antwortete Alexander in eben so gutem Französisch.
Nach dem ersten Schrecken waren beide froh, einen Leidensgefährten zu finden, und sie richteten sich in dem freilich nicht sehr sauberen Stroh möglichst behaglich ein, war es doch warm und geschützt.
Als sie in einigen Worten einander ihr sehr ähnliches Schicksal erzählt hatten, wollten sie sich dem ersehnten Schlaf überlassen — da ertönten plötzlich nicht weit von ihnen Schritte und Stimmen, die immer näher auf ihren
Schlupfwinkel zukamen. Voller Spannung lauschten be1 Knabe unb sein Gefährte, ein junger ftanzösischer Major, waren es Kosaken ober Freunde? Jetzt war ein ziemlich zahlreicher Trupp von Männern dicht vor dem Schweinestalle angelangt, den Gebüsche und die Dunkelheit verbargen, sie zündeten ein Feuer an, und mit Freude gewahrten unsere beiden Wanderer lauter Soldaten ihre« Heeres, und zwar lauter Gardegrenadiere, bleich und abgezehrt von Kälte und Hunger, aber voll ungebrochmen stolzen Mutes, Sie waren abenteuerlich gekleidet, lange Militärmäntel, Pelze, aus Moskaus Läden mitgenommen, Purpursammetkleider und andere Flitter aus Theaier- garderobm — eine bunte, wunderliche Schari Doch sie vergaßen bald die trostlose Gegenwart, indem sie sich, um das Feuer gelagert, an dem Ruhme der Vergangenheit sonnten.
„Weißt Du noch," begann einer, „wie wir über die Alpen ins schöne Italien hinabstiegen? Da sah eö anders aus als hier l Du halfst bei Lodi dem Kaiser ans dem Fluß an der Brücke! Mantua, Marengo, das sind Namen, bei denen ein Franzosenherz höher schlägt!"
„Und wir fochten mit bei den Pyramiden 1 Ha, wie die Engländer Fersengeld gaben! Und Abukir, Kairo, da hattm wir schöne Arbeit."
„Bei den Pyramiden," flüsterte Alexander dem Major zu, „dort erblickte ich das Licht der Welt!
Einer von den Soldaten, welcher dem Schweinrstalle den Rücken zudrehte, seufzte tief auf, als die llÄra- miden genannt wurden, doch die Kameraden achteten nicht auf ihn. w
(Fortsetzung folgt.)