Markmg, Dienstag, 26. Juli 1881.
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W* Für die Monate August und September nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Landpostboten, Bestellungen auf unser Blatt an. — Neu zugehende Abonnenten hiesiger Stadt erhalten dasselbe vom Tagender Bestel-
Bor den Wahlen.
Ein Blatt, welches von jeher den besonnenen süddeutschen Liberalismus vertreten hat, der „SchwäbischeMerkur*, sprach sich kürzlich unter vorstehender Überschrift in einem beherzigenswerten Artikel über die innere Lage und über die Stellung der Parteien zu der Reformpolitik des Reichskanzlers folgendermaßen aus:
„Im Deutschen Reiche leben wir in einer merkwürdigen Uebergangözeit, welche sich in Kürze damit bezeichnen läßt, daß man sagt, die alten politischen Parteien gehen in sozial- und wirtschaftspolitische über. Den Anstoß dazu hat infolge der Attentate, des Anwachsens der Sozialdemokratie und der sonstigen Zeichen von wirtschaftlichem und sittlichem Niedergang die Bismarck'sche Zoll- und Steuerreform gegeben. Die Parteien waren so wenig vorbereitet auf diesen Umschwung, daß sie auch heute noch nicht ganz und definitiv zur Einnahme fester Stellungen, gegenüber den gänzlich veränderten Aufgaben gelangt sind, welche sich die Reichsregierung gestellt hat, um sich völlig der materiellen Fürsorge für die Nation hinzugeben. Am ungünstigsten ist bei dieser totalen Frontveränderung der BiS- marck'schen Politik die nationalliberale Partei weggekommen; auf sie mußte der Umschwung am härtesten zurückwirken, weil sie noch damals an der Spitze der Parteien marschierte. Zu sehr vertieft, um nicht zu sagen verliebt, in die Interessen der Fraktion, aus welcher man bereits im Geiste die künftigen Minister eines „parlamentarisch regierten* Kabincts hervorgehen sah, empfand sie den jähen Gang der Ereignisse und den Umschwung der Stimmung im Volk wie eine persönliche Enttäuschung. Namentlich in der Person von Führern, welche bereits die Zukunft nach gewissen Lieblingsvorstellungen sich zurechtgelegt hatten, verdichtete sich diese Enttäuschung zu dem Charakterzug des verletzten Ehrgeizes. Ueber solchen Empfindungen, an welchen da« Volk lediglich keinen inneren Anteil zu nehmen Veranlassung hatte, ging der nationalliberalen Partei der Gedanke an die sachlichen Momente der angebrochenen neuen, in jeder Beziehung mächtig mahnenden Zeit leider zu sebr verloren. Sie geriet, nachdem sie den „Zug veracht" hatte, in das Hintertreffen. An ihrer Stelle sprangen die konservativen Parteien ein, von dem ganzen Schasfens- eifer und der freudigen Empfindung beseelt, welche jede
Heimatlos.
Erzählung von I. C. Pauli.
(Fortsetzung.) e
Einen Augenblick, nachdem die Familie das Zimmer verlassen hatte, hörten alle Drei in demselben Moment rinen furchtbaren betäubenden Knall, und zugleich sahen sie Dampf und Feuerwolken hervorbrechen, während Holz, Steine und alle möglichen Geräte in die Luft flogen und ®it furchtbarem Geprassel herabstürzten. Sie standen starr bj>r Entsetzen, jedes an die Stelle gefesselt, wo sie die Wloston überraschte; da erblickte Frau Bernard ihren Mann und floh in seine Arme, denn rechts und links hinten wiederholts Knall auf Knall, gefolgt von Rauch, Nammen und Trümmern. Kaum konnten sie sich auf den -roßen freien Platz retten, so hatten die einstürzenden Wände des Hauses den Weg versperrt, den Alexander vor seinen Eltern her ein wenig freizumachen suchte, während ernard sein zitterndes Weib führte. Aber welch' ein schrecken, als sie, draußen angekommm, sich von einem Nammenmeer über schwarzen Schutthaufen umgeben sahen, Soldaten, Weiber und Kinver von der großen Ar-uee liefen und fluchend oder j mmernd durcheinander, und die gewordenen Pferde vermehrten daö Getümmel. Zwischen den Häusern sah man an Stellen, wo noch der uck in die benachbarten Straßen frei war, dunkle Ge- ! allen hin und hergleiten, wie Schatten ans der Unterwelt, den *n b*e verschonten Häuser schleudern oder :t "Was bedeutet das Alles?" siagte angstvoll Marie wren Gatten.
.. «Ein entsetzlicher VertridigungSplan dieser Russen,"
antwortete dieser dumpf. „Ich fange an, ihre List zu durchschauen, sie lockten uns in ihre Hauptstadt, und nun opfern sie diese selbst, um uns zu vernichten."
„Ein verzweifelter Gedanke, aber großartig durch diese Opferwilligkeit," sagte Marie, die selbst in dieser schauervollen Stunde ein Gefühl hatte für das wahrhaft Große.
„Gewiß haften sie Bomben in alle Ofen gelegt," fuhr ihr Mann fort, „und indem sie aus unsere Bedürfnisse nach Wärme und Nahrung rechneten, machten sie uns selbst zu Werkzeugen unseres Verderbens! Wahrhaftig ein klug angelegter Plan!"
„Sieh' nur," rief plötzlich Alexander, „dort ganz in der Nähe nimmt einer einen brennenden Balken und schleudert ihn auf jenes Dach. Hu, wie er aussteht, und Ketten hat er an den Händen, wer mag das sein?"
„Wahrscheinlich haben die Moskauer ihre Gefängnisse geöffnet und lassen ihre Verbrecher die Stadt in Brand legen!"
Die Familie hatte vollauf Zeit zu solchen Betrachtungen, den» es dauerte lange, ehe es ihnen gelang, durch alle den Greuel und Verwüstung hindurch, oft mit Gefahr ihres Lebens an eine geschützte Stelle zu gelangen. Alexander erwies sich dabei unermüdlich und unerschrocken, indem er den Weg bahnte, und mit einer Zähigkeit und Ausdauer wußte er die schwierigsten Hindernisse hinwegzuräumen, daß man nicht wußte, ob man sich mehr über die Willens- oder Körperkraft ein s so jungen Menschen wundern sollte.
Schon brach der Abend herein, als sie in einer der enllegentsten Straßen eine sichere Zuflucht fanden. Sie untersuchten genau die Oefen, doch zeigten diese nichts Verdächtiges, auch entdeckten sie noch Nahrungsmittel, und nachdem sie sich durch eine warme Mahlzeit erquickt hatten,
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Anzeigen nimmt entgegen die «rpeditio» b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureoux von ®. L- Daube & So. i»
Partei besitzt, die endlich ans der Zeit der Opposition in eine Zeit der positiven Thätigkeit eintritt. Die Jahre der zurückgedrängten Kraft und Initiative waren für sie nicht unfruchtbar geblieben, sie hat mehr als früher rechnen gelernt mit den wahrhaft dauernden liberalen Jdeecn und Einrichtungen, auf deren Verwirklichung die liberalen Parteien mit Recht sich stolz berufen können. ES geht heute nicht mehr an, die konservative Partei den Wählern als eine lediglich reaktionäre verdächtig zu machen. Unbefriedigt durch die zu lang getriebene Politik des Gehenlassens, haben sich ihr Elemente aus allen Volkskreisen angeschlossen, welche nicht entfernt an das Aufgeben der großen liberalen und nationalen Errungenschaften denken. So gut wie unser deutscher Einheitsgedanke siegreich über alle Anfechtungen eines ohnmächtigen Partikularisntus hinaus ist, so sind die großen Prinzipien des Liberalismus auf alle Zeiten gerettet: konstitutionelle Verfassung, Mündlichkeit der Rechtsprechung, Trennung von Justiz und Verwaltung, Preßfreiheit, Freiheit im Verkehrs- und Erwerbsleben, konfessionelle Gleichberechtigung, Selbstverwaltung u. s. w. ES handelt sich nur darum, zu diesen freiheitlichen Gütern noch andere, welche bisher über der einseitigen Richtung unserer Politik unbeachtet geblieben sind, hinzuzugewinnen. Dazu sind Konservative und Liberale gleicherweise berufen. Diese anderen Güter liegen auf dem Wege der fozialpolitischen Reform. Erringen wird sie nur, wer sich im Gegensatz zu der Manchestertheorie (der Lehre von dem gleichgültigen Gehen- und Geschehenlassen) zu einer höheren Vorstellung vom Staat bekennt, zu der Vorstellung, daß der Staat das Interesse des Ganzen und Gemeinsamen gegenüber der Macht des Einzelnen wahrzunehmen hat. Diese Macht des Individuums hat unter der Entwicklung des Kapitals und der Formen der Güterbildung und Güterverteilung zu einer Größe gelangen können, welche in Widerspruch gerät mit den ganzen übrigen Errungenschaften unserer politisch freien Zeit. Unter der Herrschaft des Manchestertums, mit dem sich die deutsche Fortschrittspartei und die Sezes- sionisten unheilbar verquickt haben, gelangt der schrankenlose Egoismus des Kapitals zur höchsten Entfaltung; der Kampf Aller gegen Alle stellt sich dar in der ungehinderten Konkurrenz, welche ruhig der Ausbeutung der Einen durch die Anderen, der Ausbeutung des eigenen Landes durch das Ausland zusieht. In einer solchen Ordnung müssen sich die Gegensätze zwischen Reichtum und Elend immer mehr erweitern, weil alles auf die Herrschaft des Einzel-Interesses und des Einzel-Kapitals gestellt ist; da muß der Staat vor Allem die Monarchie, die Macht als Träger einer sittlichen Gemeinschaft bald verlieren. Was das Gegenteil dieser allem Kulturfortschritt Hohn fprechenden Staatsauffasfung ist, ergiebt sich aus dem Gesagte» von selbst. Wer nur einigermaßen unserer gegenwärtigen geistigen Bewegung folgt, muß mit Freude wahrnehmen, wie
sich die höhere Auffassung von der Aufgabe des Staate? immer mehr Bahn bricht. Daß sich Fürst Bismarck zü dieser Auffassung bekennt, jdas ist es, was seine Stellung so unendlich stark macht und ihm die Herzen der Station zuwendet. In dieser Zeit des parlamentarischen Unvermögens und der politischen Jnteressen-Gruppierung zeigt eö sich mehr denn je, wie not uns ein starkes Königtum ist, das mit ungebrochener Kraft die Aufgabe erfüllen kann, die bedrängten Klassen zu stützen und zu erheben. Ueber ein Parlament, das sich dieser eigenttichen Aufgabe der Monarchie hindernd in den Weg stellen wollte, würde das Volk bald das Urteil gesprochen haben. Dessen ist auch Fürst Bismarck sicher, und daher gewinnt er an Mut, sich in dem Vorlegen feiner Entwürfe trotz der Erfahrungen im letzten Reichstag, keinen Augenblick aufhalten zu lasten. — Im hin- und hergehenden Kampf für und wider das aufgestellte Regierungsprogramm wird sich der Umschmelzungsprozeß der Parteien in den nächsten Jahren vollends vollziehen; in den konservativen Fraktionen so gut, wie in den liberalen und voraussichtlich auch im Centrum. In der Geschichte der national-liberalen Partei eröffnet sich aber das letzte Kapitel. Sie hat zweierlei vor sich: entweder den wichtigsten Bestandteil bet zukünftigen, noch möglichen Mittelpartei zu bilden, oder aber als Kompagnie „unsicherer Heerespflichtiger" hinter die Front deS Fortschritts und der Sezession gestellt zu werden."
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Sritäglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartel mit der wöchentlichen Beilag« „älxtrtxte« Conntaglblatt“ durch die Expedition lAoch'lche Vnchdrnckerei) bezogen Kart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Kart 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf>.
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Deutscher «eich.
Berlin, 23. Juli. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Betrachtungen in der heutigen Morgenausgabe der „National-Zeitung", welche gestern den hier am Orte weilenden Finanzminister Bitter in Kissmgen eintreffen und dort am Bahnhofe empfangen ließ, gehören, was dessen Thätigkeit in der Verstaatlichungsfrage von Privateisenbahnen, dessen Verhältnis zu dem Minister der öffentlichen Arbeiten und seine angeblich bedrohte oder, wie es früher hieß, erschütterte Stellung anbetrifft, einer Konjektur«!- Politik an, wie diese unrichtiger kaum gedacht werden kann. Es würde in der Thal interessant fein, wenn die „NatioM- Zeitung" gleichzeitig mit solchen Bemerkungen bekannt machen könnte und wollte, aus welcher trüben Quelle ihr derartige Mitteilungen zugegangen sind, die in den that- sächlich vorliegenden Verhältnisfen nicht den geringsten Anhalt finden. — Mit Bezug auf die Angriffe der „Nordd. Allg. Ztg." gegen den Hausminister Grafen Schleinitz bemerkt die „Kreuzzeitung": „WaS den Angriff selbst anlangt, so wird es genügen, auf die königlichen Worte hinzuweifen, mit denen die vor zwei Jahren erfolgte Erhebung des Freiherrn v. Schleinitz in den Grafenstand in dem betreffenden Diplom begründet wird. Eö wird darin bekundet, daß die Verleihung der gräflichen Würde an ihn erfolge „in Würdigung der treuen Dienste, welche derselbe, dankten sie auf ihren Knieen Gott für ihre Rettung, ehe sie ihre müden Glieder zur Ruhe auöstreckten.
In den nächsten Tagen wütete das Feuer in den meisten Straßen Moskaus, das an allen Ecken brannte, selbst der Kreml stand in Flammen und Napoleon flüchtete sich entsetzt und im Innersten tief erschüttert auf ein kaiserliches Schloß in der Nähe. Erst am vierten Tage gab er die Stadt seinem Heere zur Plünderung preis und nun steigerten sich die Greuelszenen von Tag zu Tage. Die beiden Bernards blieben auf Mariens inständige Bitten in ihrem Hänschen, wohin die Verwüstung nicht drang, wenn sie auch fortwährend in Angst vor den fliegenden Bränden und Funken und vor den plündernden Soldaten schwebten. Nach und nach erloschen die Brandstätten durch einen fortwährend herabströmenden Regen, und manche Quartiere blieben infolge dessen von dem furchtbaren Elemente verschont, desto schlimmer aber hausten gerade hier acht Tage lang die Krieger der großen Armee.
Wie ein Blitz drang die Nachricht von Napoleon» Niederlage durch Europa und es war umsonst, daß er in seinen Friedensunterhandlungen mit dem Zaren den Sieger, der die Bedingungen diktiert, heraus zu stecken suchte; Kaiser Alexander hatte geschworen, die Waffen nicht niederzulegen, so lange ein Soldat der napoleonischen Armee noch lebend sich auf russischem Boden befinde. So mußte Napoleon die Unterhandlungen, die nur kostbare Zeit geraubt hatten, abbrechen ohne den geringsten Erfolg. Und kostbar war die Zeit allerdings, die so nutzlos vergeudet worden, denn schon rückte der russische Winter heran, der sich in diesem Jahre ungewöhnlich bald einstellte.
Die Schrecken diefeö winterlichen Feldzuges sind so oft beschrieben worden, daß wir nur der Familie Bernard durch
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