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Marburg, Freitag, 22. Juli 1881.

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«-eigen nimmt entgegen- KlBtiicMtio* dvlattts, ,^»ied!»«non«n-BmeLug Ion LH, Dietrich & So. in g.«el und Hannover; LH.

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Anzeigen nimmt' entgegen die«xpeditt0U b. Blatt tf sowie d-Sunoncen-Bureauz von G. 8-Daube L Lo. in Frankfurt a-M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'!chr vuchhanol. daselbst; Juoalidendank in Berlin: W- Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen

Erscheint täglich außer an den ffierftagen nach Sonn- und Frirrtaoen. Preis für das vuartal mit der wöchentlichen Beilage3Infhrtrte« Bauntaisblatt" durch die «rpedition («och'sche Buchdruckerri) bezogen 8h Hort, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. 38t in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psg. berechnet.

Der Korvzoll.

II.

Der in derProv.-Corr." am 13.Jnli veröffentlichte Artikel über den Kornzoll hat zahlreiche Entgegnungen hervor­gerufen. Wäre der Raum vorhanden, so könnte nichts wirksamer sein, als die sämtlichen Entgegnungen hier wieder­zugeben und dem Leser das Urteil über den Wert der vorgebrachten Gründe zu überlaffen. Bei dem Mangel an hinlänglichem Raum muß eine einzige Probe genügen. DaSBerliner Tageblatt" faßt den Artikel derProv.- Corresp." wie folgt zusammen:

Also die deutschen Landwirte werden ruiniert, weil die Kornpreise wieder niedriger werden; die deutschen Konsu­menten aber werden ausgehungert, weil die ausländische Spekulation die Kornpreise nach Möglichkeit in die Höhe schrauben wird. Von zwei Dingen Eins. Wenn die Land­wirte durch niedrige Preise ruiniert werden, so können doch die Konsumenten nicht durch hohe Preise ausgehungert werden; müssen aber die Konsumenten hohe Preise zahlen, so kömnn wiederum die Landwirte nicht durch niedrige Preise ruiniert werden."

So unerfahren stellt sich in Dingen der geschäftlichen Spekulation ein Blatt, dem man einige Sicherheit auf diesem Felde zugetraut hätte. Die Mehrzahl der Leser, auch die, welchen daö spekulative Feld sehr wenig vertraut fein möchte, werden sich vorstellen können, daß die Speku­lation niedrige Preise stellt, so lange sie eine bestimmte Konkurrenz kampfunfähig zu machen vor hat, daß aber, wenn der Sieg über diese Konkurrenz im vorliegenden Falle über die einheimische deutsche Landwirtschaft ge­lungen wäre, die Preise unter Umständen, sehr hoch ge­stellt werden können. Dies würde sicherlich der Fall sein, wenn eine Zeit käme, wo Deutschland für seinen Getreide­bedarf auf Rußland und Amerika,, und in den Jahren, wo eines dieser Länder von Mißernte getroffen würde, auf eines derselben allein angewiesen wäre. .

Es kommt nunmehr darauf an, die in der vorigen - Nummer begonnene Betrachtung einen Schritt weiter zu führen.

Es sind noch nicht zwanzig Jahre her, wo einzelnen Nationalökonomen die Grundsteuer für die naturgemäßcste und in jedem betracht zweckmäßigste Steuer galt» Man pflegte zu sagen : den Grund und Boden belasten, heißt nicht anders thuu, als dm Grundbesitzer zum Steuerer­heber für Staat und Gemeinde zu machen; denn der Grund­besitzer als Erzeuger des unentbehrlichsten Befriedigungs­mittels ist in der Lage, alle feine Auslagen in dem von ihm festgestellten Preise zurückzufordern.

Dieser Schluß wäre vielleicht zulässig, wenn in die Kette desselben als unentbehrliches Glied der Satz einge- sügt wäre, daß nur der zum Steuererheber bestellte Grund-

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Und nun kommandierte der Kaiser, ließ ihn exerzieren, bald diese, bald jene Schwenkung ausführen und schien an dem kleinen Soldaten noch mehr Wohlgefallen zu finden, als an den großen.Brav, mein Sohn," sprach er endlich, Du sollst ein wirklicher Soldat werden und zwar morgen schon. Bernard, laß dem Knaben vom Regimentsschneider eine Uniform anmessen, morgen um 3 Uhr erwarte ich euch beide in den Tuillerieen, für die Waffen werde ich sorgen, Adieu I" Und mit gnädigem Kopfnicken ritt er weiter, noch heiterer als zuvor.Wenn alle Knaben Frank- reichs es dem Alexander Bernard nachthäten, würde mir rin Heer heranwachsen, mit dem ich die Welt erobern könnte, Messieurs", sagte der Kaiser zu den ihn umgeben­den Offizieren.

Mutter, Mutter," rief am folgenden Nachmittage Alexander, als er inS HauS gesprungen kam,steh, waS «ir der Kaiser geschenkt hat!" Und er schwenkte in einer Hand einen zierlich, aber dauerhaft gearbeiteten Kindcrsäbel und in der anderen eine hübsche kleine Flinte.Prächtig," tief die Mutter und schloß den Knaben mit strahlendem Gesichte in ihre Arme.WaS. sagte er denn?"O, viele«,;

war sehr freundlich. Er sagte auch, ich sollte Dich grüßen und ich würde bald Dein Vaterland kennen lernen." »D weh," tief erschrocken die deutsche Frau.Freust Du Dich nicht, Mutter," sprach verwundert der Knabe.Freuen I D, Kind, wenn mein armes Vaterland den Krieg zu er­leiden hat." ,Mieg, Krieg," jubelte Alexander, doch seine Mutter, wandte sich ab und weinte.Mutter,"

besitzer zur Konkurrenz auf dem einheimischen Markt zu- zulassen wäre. Vor zwanzig Jahren standen die Dinge noch so, daß bei der damaligen Beschaffenheit der Trans­portmittel und bei der damals weit geringer als heut ent­wickelten Getreideproduktion Rußlands und Amerikas die ausländische Konkurrenz auf dem einheimischen Getreide­markt wenig bedeutete. Seitdem sich dies völlig geändert hat, darf der Satz, daß man den Grundbesitzer zum Steuererheber machen könne, keine, auch nicht einmal eine bedingte Geltung mehr beanspruchen. Auch der vor zwei Jahren wieder eingcführte Kornzoll hat nicht den Zweck, das ausländische Getreide vom deutschen Markt auszu­schließen und wäre dazu viel zu gering bemessen. Dieser Zoll kann höchstens die Wirkung haben, ein Uebermaß aus­ländischer Zufuhr, wie es unter bestimmten Verhältniffen allerdings eintreten kann, zu vermindern.

Wenn der deutsche Landwirt also heute nicht mehr in der Lage ist, den Preis für seine Erzeugnisse nach der Größe seiner Anslagen zu stellen, so erscheint ungerecht­fertigt und schädlich, das in der Landwirtschaft arbeitende 'Kapital zum Hauptgegenstand der öffentlichen Auflagen zu machen. Dies geschieht nicht durch die kontingentierte Staatsgrundsteuer, sondern durch die ungemessenen Zu­schläge zu dieser Steuer, zu welchen die Gemeinden durch die Verhältnisse mehr oder minder gezwungen sind. Dieser auf der Landwirtschaft lastende Druck wird noch erhöht da­durch, daß das Einkommen des Landwirts außer durch Staats- und Gemeinde-Grundsteuer durch die Staats- und Gemeinde - Einkommensteuer getroffen wird. Zu diesen Steuern treten dann noch die Steuern auf besondere land­wirtschaftliche Gewerbe, tritt endlich noch der hohe Stempel für die Uebertragung von Immobilien, wie für die Auf­nahme und Uebertragung von Grundschulddokumenten.

Es wird Niemand daran denken, die Landwirtschaft von sämtlichen dieser Lasten zu befreien. Einzelne davon werden als Steuerquellen sogar noch ergiebiger gestaltet werden können und müssen. - In ihrer Gesamtheit aber bewirken diese Lasten einen Druck, unter welchem das für das Gefamdrohl des deutschen Volkes unentbehrlichste Ge­werbe mit der Zeit erliegen müßte. Was aber könnte Deutschland sein, wenn sein Boden großenteils in unfrucht­bares Kapital verwandelt, wenn die Bevölkerung, welche diesen Boden anbaut und zugleich der Verteidigung des­selben die meisten Arme liefert, moralisch wie physisch ge­schwächt, durch Auswanderung, Elend und dergleichen dezimiert wäre!

Wenn die Länder, deren Erzeugnisse mit unseren Land­wirtschaft konkurrieren, sich dafür zu Abnehmern für unsere Jndustrieerzeugnisse machen wollten, so wäre das Berhält- niß keineswegs unbedingt gefahrlos und wünschenswert, aber die Anbahnung eines solchen Zustandes erschiene wtnig- . stenS nicht als ein Frevel.

schmeichelte der Knabe, und sein weiches, deutsches Gemüt gewann die Oberhand über das französische Feuer,meine doch nicht I"Mein Kind, sieh, ich liebe mein Land so sehr wie Du mich liebst," fügte sie nach kurzer Pause mit hervorbrechendem Heimweh hinzu,o, mein liebes, schönes Deutschland I"Ist denn Deutschland nur mein Vaterland?" fragte nachdenklich der Kleine,oder bin ich ein Franzose?"Nein, nein, Du bist kein Franzose," rief die Mutter bewegt und drückte ihn an sich,Du bist mein Kind, und ich bin eine Deutsche, Deutschland ist Dein Mutterland."Aber mein Vater Ist ein Franzose I"Ja, aber Du bist nicht in Frankreich geboren."Nun so bin ich ein Egypter."Nein, nein, bewahre."Aber wo ist denn meine Heimat, Mutter?"Bel Gott im Himmel, liebes Kind," sprach feierlich Frau Bernard;auf Erden sind wir alle Wanderer und Pilgrime. Das vergiß nie, Alexander, daß Du auf der Wanderung nach der himm­lischen Heimat bist, aber Du wirst sie nicht erreichen, wenn Du Dein Herz mehr an die Dinge dieser Welt hängst, als an Deinen Herrn und Heiland. Willst Du mir versprechen, daß Du ihn stets mehr als alles lieben wirst, mehr als alle Menschen auf der ganzen Welt?"Auch mehr als Dich, Mutter?" fragte Alexander und schmiegte sich-an sie an.Auch mehr als Vater und Mutter, denn diese werden Dich einst verlaffen, aber Gott verläßt Dich nie! Willst Du eS mir versprechen?" Die junge Mütter sah so ernst und feierlich aus, ihre großen schönen blauen Augen blickten mit so wunderbarem Glanze, daß dem Knaben war wie in der Kirche.Ich will eS versuchen," sprach er.Gott helfe Dir, Amen!" schloß die Mutter die« Gespräch, daS einen tiefen unauslöschlichen Eindruck aus das Kind machte, obwohl eS die ganze Bedeutung desselben noch nicht ver-

Wenn aber dieselben Länder, welche sich anschicken unsere Landwirtschaft zu erdrücken, zugleich durch Prohibi­tivzölle unserer Industrie den bloßen Versuch unmöglich machen, dort einen Absatz zu finden, so ist eS in der That schwer zu begreifen, wie man eine Zoll- und Steuerpolitik empfehlen kann, welche die Landwirtschaft unb Industrie zugleich sich selbst, das heißt dem sichern Untergang über­läßt, daS Ende der Landwirtschaft aber außerdem durch un­natürlich gehäufte Auflagen beschleunigt.

Deutscher «eich.

Berlin, 20. Juli. DieProvinzial - Korrespondenz" eröffnet eine Reihe von ArtikelnZnr Geschichte der Fort­schrittspartei" mit einemDie erste That der Fortschritts­partei" betitelten Artikel, worin der Verfasser nachweist, daß die erste That der Fortschrittspartei der Stnrz der neuen Aera" (unter den Ministern Anerswald und Schwerin) gewesen. Auch damals sei die Fortschrittspartei, wie jetzt wieder, zuerst nur unter dem Schutze der großen liberalen Gesamtpartei aufgetreten, um bald alle gemäßigten liberalen Parteien zu verdrängen. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 2. Juli d. I. bezüglich der Fristen für die Kreditierung und die Rückvergütung der Rüben­zuckersteuer folgendes beschlossen: 1. Die Rübenzuckersteuer für die während der Zeit von Anfang März bis znm Ende des Betriebsjahres verarbeiteten Rüben darf nicht über den Monat August hinaus kreditiert werden. 2. Kreditierte Rübenzuckersteuer ist bis zum 25. Tage des Monats, mit welchem die Kreditfrist abläuft, einzuzahlen oder durch fällige Bonifikations-Anerkenntnisse abzulösen. 3. Für den vom 1. August 1881 ab zur Ausfuhr gelangenden oder in Niederlagen aufzunehmenden Zucker darf die Barzah­lung der Steuervergütung oder bereit Anrechnung auf zu entrichtende Rübenzuckersteuer, falls bie Ausfuhr beö Zuckers ober Jbic Aufnahme desselben in bie Niederlage Währeno der Zelt vom 1. August bis Ende Februar erfolgt ist, nicht vor dem 25. Tage des sechsten Monats nach dem Monnat der Ausfuhr oder Niederlegung, falls dieselb aber während der Zeit vom 1. März bis zum 31. Juli statt- gefunden hat, nicht vor dem 25. August stattfinden. Heber die Einstellung von Nichtraucher - KoupecS in die Personenzüge hat der Minister für öffentliche Arbeiten unterm 7; b. M. folgenbe Verfügung erlassen:Erneute Beschwerben für unzureichende Einstellung von Nichtraucher- Konpees geben mir Veranlassung, ben königlichen Eisen- bahnbirekttonen, unter Hinweis auf ben Erlaß vorn 10. Ang. v. I. wiederholt besonders zur Pflicht zu machen, darauf zu halten, baß bem Bedürfnisse des reisenden Publikums nach derartigen KoupeeS stets mit thunlichstem Entgegen­kommen Rechnung getragen werde. Namentlich ist dafür zu sorgen, daß auf denjenigen Routen, welche zur Reise nach und von Bave- und Kurorten benutzt werden, Nicht-

st >nd. Oft stand ihm dieser Augenblick in seinem Leben vor der Seele und daS Gelübde wurde zu einem Bande, daS ihn zu allen Zelten an feinen Heiland knüpfte und später Immer fester und enger wurde.

Der Kaiser hielt fein Versprechen, den Alexander in fein Mutterland zu führen, daS sie zwar als Freunde durchzogen, aber als höchst nnwillkommene. Leider war es Marie Bernard nicht vergönnt, gerade die Gegend wieder zu sehen, wo sie geboren und ausgewachsen war, denn unaufhaltsam ging es weiter bis zur Kaiserstadt Wien. In der kurz daraus folgenden Drei - Kaiserschlacht bei Austerlitz sah Alexander die Kaiser von Rußland und Oesterreich so nahe, wie es nur die Stellung der Armeen erlaubte. Infolge des Preßburger Friedens blieb eine französische Besatzung in Süddeutschland zurück, und bei derselben finden wir die Familie Bernard, bi« Napoleon wlederkam, um seine Truppen gegen Preußen zu führen, doch folgte ihm dann das Regiment nach Spanien. So wuchs Alexander im Lager heran unter ben Wechseln unb der Unruhe bes Krieges, erstarkte am Körper unb ent­wickelte sich geistig rasch, ba er so vieles hörte unb sah, wovon andere Kinder seines Alters kaum etwas ahnen. Trotzdem er fortwährend unter ben rauhen Soldaten lebte, bewahrte er sich ein reines unb empfängliches Gemüt, was bcfonberS daher kam, baß er mit der innigsten Liebe an feiner Mutter hin. Die Solbaten hatten ben munteren Knaben gern, unb er war fast im ganzen Lager bekannt, sogar den Offizieren. Alexanber ober fühlte bie größte Verehrung für Napoleon, ber ihm, wie fast all feinen Sol­daten, wie ein Halbgott erschien. Doch war er dem Kaiser in den letzten Jahren nicht wieder persönlich nahe getreten.

(Fortsetzung folgt.)