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JUarßutfl, DoumMag, 21. Juli 1881.

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Berlin- B. Lbteael in

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vcvölkernugszuvahme und Kolouteev.

ES ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß die Männer bet abstrakten Wissenschaften ernstlich daran gehen, die Süchte ihres Studiums und Nachdenkens für das prak­tische Leben nutzbar zu machen und veraltete eingerostete Katheder-Theorieen zu zerstören. Besonders in der Volks­wirtschaft beginnt die Wissenschaft sich von dem Zopftum ber liberal-manchesterlichen Lehrsätze zu emanzipieren. Einen interessanten Belag dafür gab die am 28. Juni abgehaltene Sitzung des Vereins für Erdkunde in Jena. Herr Dr. Neuburg hielt einen Vortragüber die Bevölkerungszu­nahme in Deutschland und die Notwendigkeit deutscher Ko- lonieen." Zunächst wird darauf hingewiesen, daß bei der jetzigen Zunahme der Bevölkerung jedenfalls einmal der Zustand einer relativen Uebervölkerung eintreten müsse. Diese zwinge zu starker Auswanderung und diese sei in ihrer heutigen Gestalt ein starker Verlust für Deutschland, ba die Auswanderer wirtschaftlich, politisch und national für Deutschland verloren gehen, ja sogar zuweilen zur Machtvermehrung seiner Gegner beitragen. Die einzige naturgemäße Abhilfe seien Kolonieen. Deutschland sei bis jetzt gewöhnt an eine reiche Kolonisattonsthätigkeit im Osten Europas. Indessen sei die Fortsetzung dieser historisch überlieferten Thätigkeit nicht möglich, weil die dort vor­handenen Völker in der Kultur vorgeschritten, selbst mäch­tige Staaten bildeten und von einem starken Nationalbe­wußtsein beseelt seien. ES bleiben asso überseeische Kolonieen und zwar Ackerbau- und Handelskolonieen. Erstere seien die wichtigsten, da sich der größte Teil der Auswanderer naturgemäß von selbst dorthin wenden würde. Aber ihre Auswahl sei beschränkt, da derartige Kolonieen bestimmten Anforderungen genügen müssen, sie dürfen nicht schon dicht bevölkert sein, sich keiner höheren Kultur erfreuen, ihre natürlichen Verhältnisse, ihr Klima müssen für Europäer die Arbeit im Freien gestatten. Die geeigneten Länder hierzu seien durchweg schon besetzt und kaum eine Hoffnung für Deutschland vorhanden, solche zu erlangen. Nur ein Gebiet erwecke günstige Erwartungen, nämlich Südbra- stlien, wo sich schon eine starke deutsche Bevölkerung befinde. Zwar sei der politische Verband mit Deutschland auch hier ausgeschlossen, nur in wirtschaftlicher und nationaler Be­ziehung sei die Selbstständigkeit der Deutschen dort gesichert und könne noch durch Konsularverträge leicht vermehrt werden, da die brasilianische Regierung der deutschen auf diesem Felde überaus zuvorkommend entgegentrete. Andere Vorschläge in bezug auf Tripolis, Barka, Marokko, Neu- Guinea ober Borneo hält Referent für undurchführbar und giebt ein politisches und geographisches Charakterbild jener Länder.

Handelskolonieen schienen aus den ersten Blick ungeeig­net, da sie keine Auswanderung aufnehmen könnten, sondern

sNachdruck verboten ] Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

I. Teil.

Ein Stern, der in die Irre führt.

1. DaS Kind des Lager«.

Die Schlacht bei den Pyramiden war geschlagen, die Franzosen hatten die Erwartungen nicht getäuscht, die ihr großer Feldherr Napoleon ihnen in den Worten aussprach: .Von der Höhe dieser Pyramiden blicken 40 Jahrhunderte auf Euch!" Und diese Pyramiden, die so viel Wechsel der Zeiten und Herrschaften erlebt, hatten gesehen, wie die Franzosen ihren Erbfeind, die Engländer, schlugen und ben erstaunten Aegyptern gotbne Berge verhießen. Jetzt ruhen die tapferen, wettergebräunten Krieger im Schatten bet Pyramtben und verquicken sich an Datteln und Maisbrot, während sie, in Gruppen gelagert, von den Ereignissen der Schlacht plaudern ober in ben Zelten hingestreckt ruhen. Doch aus einem ber Zelte erschallen Töne, die man nicht auf einem Schlachtfelde in einem Kriegslager zu suchen pflegt, am wenigsten in unserer Zeit das Geschrn eines neugeborenen Kindes, allerdings mit so kräftigen Lauten, daß man gleich merkt, es muß ei« Soldatenkind sein. Treten wir in das Zelt, da sehen wir einen jungen schwarz­haarigen Franzosen mit fröhlich blitzenden Augen, auf den Armen das von wenig Hüllen bedeckte Kind, doch schaut dies aus so echt deutschen blauen Augen in die Welt, daß 6>it gleich sehen, die glückliche Mutter dort auf dem Stroh­iger ist eine Deutsche. Aber wie, werdet Ihr fragen, tommt eine deutsche Frau in das französische Kriegslage!

Aegypten - Das ging so zu. _

nur politisch beherrscht und wirtschaftlich ausgebeutet wer­den sollten. Durch ihren Erwerb könne aber die Aus­wanderung ganz vermieden werden, da durch den Besitz eines solchen gesicherten Absatzgebietes unsere Industrie, die sonst überall auf Hindernisse stoße, in der Lage sei, unseren Bevölkerungszuwachs nützlich zu verwenden. Es würde nicht ein einmaliger, sondern ein dauernder Aufschwung zu erwarten fein. Die Frage, ob eine solche Steigerung un­seres Exports nicht durch einfachere Mittel, besonders Handelsverträge, zu erreichen sei, ist durch die Praxis widerlegt. Halb und ganz barbarischen Völkern gegenüber, mit denen der Verkehr gerade am gewinnbringendsten sei, müsse die Aufrechterhaltung derselben immer mit Waffen­gewalt erzwungen werden und dann sei es unmöglich, auf die wirtschaftliche Entwickelung der Länder direkt einzuwirkm und dadurch den Absatz dahin zu steigern. Der Referent giebt ferner die Wege an, welche eine praktische Kolonial­politik betreten müsse, und widerlegt sehr überzeugend die bekannten Einwände gegen dieselben, vorzüglich denjenigen, daß Deutschland zu arm dazu sei. ES fei nicht nötig, gleich ein ganzes Kolonialreich zu gründen, sondern wir müssen allmählich durch kleineren und weniger kostspieligen Besitz unsere Kraft stärken. Gerade in dieser Richtung ist die Möglichkeit einer Kolonialpolitik noch vorhanden. Cen­tral-Afrika, Madagaskar, Teile von Borneo, Neu-Guinea und zahlreiche Inselgruppen Mckanesteus und Polynesiens böten eine günstige Gelegenheit. Der deutsche Handel habe bereits vorgearbeitet, mache aber bei dem jetzigen System wie statistisch nachweisbar Rückschritte. Es sei immer aufs neue zu bedauern, daß der erste Versuch einer praktischen Kolonialpolitik, die bekannte Samoavorlage, im Reichstage gescheitert sei.

Herr Professor Dr. Schaefer war bet einzige in bet Versammlung, welcher die alte manchesterliche Schule ver­trat. Er führt die Auswanderung auf psychische Gründe und lokale Ursachen zurück. Äckerbaukvlonieen will er nicht, weil möglicherweise ein Zwang der Regierung auf die Auswanderer ausgeübt werden könnte und Handels­kolonieen seien überflüssig, weil Handelsverträge dasselbe erreichten. Den Beweis für letztere Behauptung blieb der Herr Professor schuldig. Er wurde in seinen Vehauptungen vom Referenten glänzend widerlegt, dem sich auch im Laufe der Debatte die Herren Pastor Kurze und Dr. Martin anschlossen. Besonders letzterer sprach sich mit Wärme für bie Begründung deutscher Kolonieen aus und schilderte aus eigener Erfahrung während seines langjährigen Aufenthaltes in Südamerika, daß bei dem jetzigen System die allseitigen Interessen unserer Landsleute jenseits des OceanS nicht gewahrt werden können, und daß diejenigen Handeltreibenden, welche sich des Schutzes nationaler Kolonieen erfreuten, in allen Geschäften den Vorzug hätten. Das Resultat ber Sitzung war, daß man fast allgemein weit über die

Zn Napoleons Zeiten pflegten viele Familien den Vätern inö Feld zu folgen und viele Kinder wurden im Lager geboren und auferzogen, wurden wieder Soldaten und lernten ein ruhiges, bürgerliches Leben kaum kennen. Marie, die junge Mutter unter ber großen Pyramide, war eine Baierin, und als im Jahre vorher bet hübsche fran­zösische Grenader Arthur Vernarb den Feldzug nach Deutsch­land mitgemacht hatte, wat ihm das Mädchen trotz bet Feinbscha.fi bet Völker gern gefolgt nicht in seine Hei­mat, sondern in das Soldatenzelt, und wie so viele Frauen damals, war sie in allen Kriegszügen ber französischen Heere an seiner Seite.

In demselben Augenblicke, als bie Eltern sich so ihres Erstgeborenen freuten, kam draußen vor dem Zelt bet Helv des Tages, General Bonaparte vorbei, ber eine Runde im Läget machte.Was ist beim baS?" sagte er stutzend und horchte auf. baS Kindergeschrei.Der Schlachttag ber Pyramioen ist bet Geburtstag eines Franzosen, Monsieur," antwortete ein bärtiger, alter Krieger. Der General schlug das Zelt zurück unb trat ein.Bon jour, sagte er,ist bas baS Kind des Lagers? Wie werdet Ihr es denn nennen, damit ihm der Name stets eine Erinnerung an be« Ruhm feiner Nation fei ?"Darüber haben wir vor lauter Freude noch gar nicht nachgedacht", sprach bet Vater. Napoleon", flüsterte bie Mutter, doch ber Feldherr hatte es gehört.Napoleon", antwortete er, das ist noch kein berühmter Name, möchte ihn Frankreich eines Tages unter feine ersten Namen zählen. Aber unter allen großen Helden, die diesen Boden als Sieger betreten haben, ist mein Vor­bild ber große Alexander, fo gebt ihm diesen Namen I Adieu, Alexander", rief Bonaparte und verließ das Zett.

Alexander wuchs heran im Lager des französischen

Schranken ber Versammlung hinaus von ber Richtigkeit der aufgestellten Thesen überzeugt war: 1) Deutschland bedarf zur Erhaltung feiner politischen und wirtschaftlichen Machtstellung eines Kolonialbesitzes. 2) Bei ber vorläu­figen Unmöglichkeit geeignete Ackerbaukolonieen zu erwerben, sind Handelskolonieen als bie für den bezeichneten Zweck genügenben zu betrachten.

ES wäre sehr zu wünschen, daß solche gemeinnützigen Vereine mehrfach gebildet würden, um praktische Fragen durch wissenschaftliche Darstellungen zu erörtern. Das Kolonial- und Auswanderungswesen bildet einen wesent­lichen Teil unserer volkswirtschaftlichen Zukunft. ES wäre dringend zu wünschen, daß die Ziele unb Aufgaben desselben zur richtigen Erkenntnis in bie weitesten Kreise be« brut­schen Volkes gebracht würben. Aber nur dann wird es möglich fein, diese wichtigen Fragen zur Wohlfahrt des Landes zu lösen, wenn die wirtschaftliche Bedeutung der­selben nicht mehr den Interessen der Partei- und Fraktions­politik untergeordnet wird.

Leatfchet «eich.

Berit«, 19. Juli. In der Bundesratssitzung vom 7. Juli wurde zur Wiederbesetzung einer erledigten Stelle bei der kaiserlichen Disziplinarkammer in Frankfurt a. O. der dortige Regierungörat Frhr. v. Seuden-Bibran erwählt. In derselben Sitzung wurde über die Vorlage betreffend bie Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetze über bie Erhebung von Reichsstempelabgaben Beschluß gefaßt. Auf Anregung des baierischen Bevollmächtigten wurde hierbei ;ein Einverständnis darüber festgestellt, daß die nach Tarif Nr. 5 des Gesetzes von der Reichsstcmpclabgabe befreiten Ausspielungen und Lotterieen zu wohllhätigen Zwecken ber landesgesetzlichen Gebührenpflicht unterworfen bleiben, unb der hamburgische Bevollmächtigte sprach zu Nr. 11 bie Voraussetzung aus, daß di« Äempelabgabe auch bie sog. Schreibgelber in allen Fällen trifft, wo bieselbe von ben Spielenden erhoben wird, ohne Rücksicht auf bie Form, in welcher letzteres geschieht. Gestern Abend wurde bie von Henrici in der Bockbrauerei abgehaltene unb von gegen 2000 Personen besuchte Versammlung der sozialen Reichs­partei wegen entstanbenen Tumults polizeilich aufgelöst. I» einer Polemik gegen dasTageblatt" schreibt bie Nords. Allg. Ztg.":Daß ber Fürst Bismarck die Man- teuffel'sche Politik als eine kurzsichtige betrachtet unb noch schärfer als der Fürst Pückler verurteilt hat, ist bekannt und in verbreiteten Werken zu lesen. Auch ist er nicht der . Einzige, der keine große Meinung von ber Politik und ben Leistungen desjenigen liberalen Ministers hegte, in dessen Umgebung die Reichsglocke zahlreiche Abonnements sand. Der Nachfolger desselben, Graf Bernstorff, ließ während seiner Amtsführung die Dinge in dem verfahrenen Zustande liegen, in dem er sie vorgefunden hatte. Gerade

Helden und begleitete mit seinen Eltern denselben auf allen feinen Zügen. Glücklich entging bie kleine Familie bet Hungersnot, bet Pest unb bem ungewohnten Klima, bem bie Armee halb nach ber Eroberung Aegyptens in Palä­stina ausgesetzt war, unb an ben Ufern des Nils verlebte ber Knabe seine ersten Jahre, bis bas Heer gerade in bem Augenblicke wieder zu seinem Feldherrn stieß, als bet Sieg in ber blühenben Ebene von Marengo in Ober - Italien schwankte; unb nun ging es endlich zurück nach Frankreich, bem Vaterlande Bernards. Dieser konnte allerdings Weib und Kind teilte andere Heimat bereiten, als eine kleine MietSwohnrmg in Paris bot, denn fein ganzer Reichtum bestand in feinem Degen; sein Vater, ein armer Hand­werker, hatte ihm nichts hinterlassen, als einen ehrlichen Namen. So war Alexander im wahren Sinne des Wortes heimatlos, eigentlich auch ohne Vaterland, denn die kurze Friedenszeit bis zu dem österreichischen Kriege (1805) waten die einzigen Jahre feine« Leben«, die unser Alexander in dem Lande zubrachte, wo sein Vater geboten wat.

Der Knabe stand in seinem 6. Jahre, al« Napoleon, bet Verehret Alexander de« Großen, zum Kaiser bet Fran­zosen erwählt wurde. Als ein echtes Soldatenkind hatte ber Knabe für nichts Sinn, al« für bie militärischen Hebungen ber Truppen in Paris, und täglich begleitete et seinen Vater auf die Exerzierplätze. Mit einer kleinen hölzernen Flinte, die bet Vater nebst einem Säbel au« gleichem Material bem Söhnchen geschnitzt hatte, staub ber Kleine möglichst nahe bem Regimente seine« Vater« unb ahmte mit bewunderungswürdiger Genauigkeit unb mit kornischem Ernste jede Bewegung ber Soldaten nach.

Eines Tage« finden wir ihn auf feinem gewogten Platze und in feinet gewohnten Beschäftigung, ba erlitt