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Jliaröurfl, Mittwoch. 20. Juli 1881.
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Anzeigen nimmt’ entgegen bieSMebttton d. Blattes sowie dAnnoncen-Bureauz von O. L- Daube & So. in Frankfurt a.M; Jsger^che Buchhandlung daselbit; Hermauu'schk vuchhandl. ♦ daselbst; Kvalidendank in
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Bremen
reutscher Reich.
Berlin, 18. Juli. Graf Hatzfeldt machte gestern sämtlichen hiesigen Botschaftern und Staatsministern Besuche. — Der „ReichsAnzeiger" meldet die Ernennung des Geh. Ober-Reg.-RatS im Ministerium für Landwirtschaft Dr. Glatzel zum Präsidenten des Oberlandeskultur- gerichtS. — Heber He Besetzung der durch Starkes Tod erledigten Stelle eines Unterstaatssekretärs des Innern verlautet, daß betreffs des zu machenden Vorschlags ein Beschluß gefaßt wäre und danach die gerüchtweise verbreitete Nachricht von der Beförderung deS Ministerialdirektors Herrfurth sich nicht bestätigen, vielmehr der Regierungs- Präsident v. Schlieckmann auf den Posten berufen werden soll. Auch hinsichtlich deS Postens eines Regierungs- Präsidenten in Oppeln schwanken die Mitteilungen noch immer zwischen v. Zedlitz-Großboraw und Graf Erdmann- Pückler. — Obgleich von Wien auS schon bestimmte Tage für den Besuch des Kaisers von Oesterreich bei dem deutschen Kaiser auf österreichischem Boden angegeben sind, so nimmt man doch hier an, daß die Begegnung der Monarchen erst nach beendeter Kur des Kaisers Wilhelm stattfinden werde. Diese wird aber bis gegen Mitte August dauern und schwerlich unterbrochen werden. Bisher fand die Begrüßung durch den Kaiser von Oesterreich stets entweder vor dem Beginn der Kur oder während oder nach derselben statt. In Gastein soll sie jedenfalls nicht stattfinden. — Der „Verein deutscher Studenten" hat Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck am 14. er. das nachfolgende Telegramm zugesandt: Dreihundert heute in Sommers Salon, Potsdamerstraße 9, zu feierlichem Kommerse versaminelte deutsche Studenten geloben Ew. Durchlaucht, ihr Leben lang jene Ideale zu pflegen, welche allein Deutschland groß und glücklich machen: WerkthätigeS Christentum, opfernde Vaterlandsliebe. — Betreffs der Abwendung der Liberalen vom Reichskanzler und der vor drei Jahren geführten Verhandlungen mit Bennigsen schreibt die „Nordd. dülg.Ztg.": „Im Kabinet war damals nur eine Stelle vacant, die des Innern. Herr v. Bennigsen wollte aber allein nicht eintreten und, nachdem seine Kollegen Bamberger und LaSker den Minister Camphausen gestürzt hatten und die dadurch entstandene zweite Vacanz keinem Liberalen angeboten wurde, erfolgte die Abwendung der Fraktion vom Reichskanzler als dem Vertreter der kaiserlichen Politik. Diese Abwendung bewegte sich in den Formen kühler Zurückhaltung gegen den Reichskanzler und der Verstärkung der Fühlung mit einigen anderen damaligen Mitgliedern des preußischen Ministeriums. Sie gipfelte in der Ablehnung des ersten Sozialistengesetzes und in derOpposttion der eingeweihten Mitglieder des Ministeriums gegen die Auflösung des Reichstages. Bei der auf diese folgenden Wahl wurde der Kampf gegen den Reichskanzler von den späteren Sezessionisten mit aller Schärfe und unter Fiktion der drohenden Reaktion
eröffnet und mit sittlicher Entrüstung die Wahrnehmung gemacht, daß der Reichskanzler sich wehrte, wenn er ange- gttffen. wurde. Die nationale Partei befand sich unter der Führung ihrer fortschrittlichen, als „national" verkappten Mitglieder, der nachherigen Sezessionisten. Die Sezession war ein Heilmittel für die Fraktion, wo sie ihre Selbstständigkeit gegen die Fortschrittspartei wahren wollte; aber das verbliebene Gros der Partei konnte weder die Wiederanknüpfung mit den nach rechts hin ausgeschiedenen Mitgliedern noch der fortschrittlichen Sezession gegen-, über seine Selbstständigkeit finden. Die .Fraktion gefiel sich den Sezessionisten gegenüber in der Rolle einer Donna Elvira, die ihren Don Juan Rickert noch immer zur Rückkehr zu bewegen hoffte. Es wird immer unmöglich bleiben, zugleich mit Rickert und mit der Regierung deö Kaisers Wilhelm Fühlung zu halten. — An die landwirtschaftlichen Zentral-Vereine ist seitens des Ministers für Landwirtschaft, Dr. Lucius, ein Erlaß erflogen, in dem eö heißt: „Es fehlt vor allem an einer feststehenden Zahl dafür, was als Begriff einer Mittelernte ju bezeichnen ist. Es wird der Erwägung der landwirtschaftlichen Vereine empfohlen, den Begriff einer Mittelernte genauer zu fixieren und zu präzisieren und künftig diese Verhältniszahl als Norm ihren Schätzungen zu Grunde zu legen. Weiter wird zu erwägen zu fein, ob es sich empfiehlt, ein und dieselbe Verhältniszahl für die ganze Monarchie zu fixieren, ober ob für jede Provinz ober für jeden Vereinsbezirk eine besondere festzustellen ist." — Aus Neu * Stettin wird der „Nationalzeitung" telegraphiert: „Gestern nacht war hier ein bedeutender Krawall. Eine erregte Menge bewegte sich während der ganzen Nacht in den Straßen. Mehrere Läden und die Druckerei der „Neu- Stettiner Zeitung" sind demoliert worden. Heber 30 Verhaftungen wurden vorgenommen."
Kiel, 18. Juli. Die britische Flotte, von dem deutschen Geschwader begleitet, trat heute vormittags 10 Hhr die Heimfahrt an. Prinz Heinrich hatte sich an Bord des „Herkules" cingefchifft. Prinz Wilhelm begleitete bas englische Geschwader an Bord der „Grille" und kehrte abends nach Potsdam zurück.
Cobleuz, 17. Juli. Heber den günstigen Verlauf der an der Kaiserin vollzogenen Operation erhält die „Nat.- Ztg." von berufener Seite folgende Mitteilung: Die Heilung hat genau den Verlauf genommen, den wir in unserer ersten Mitteilung über Art und Bedeutung des Leidens in Aussicht stellen konnten. Für die Heilung der horizontalen Schnittwunde, welche gemacht werden mußte, um das intestinum in die normale Lage und Funktion zurückzuführen, hat sich unter der geschickten und kundigen chirurgischen Behandlung deö Herrn Geheimrats Busch in Bonn wiederum das antiseptische Verfahren mit Anwendung von Karbol und Salicylsäure vorzüglich bewährt.
Stuttgart, 18. Juli. Der König und die Königin von Holland trafen heute von Friedrichshafen zum Besuch der Gewerbeausstellung hier ein.
Ausland.
Wit», 16. Juli. Zwischen der Pforte und unserer Monarchie sind die Verhältnisse sehr gespannt. ES herrscht in Konstantinopel ein starkes Mißtrauen gegen Oesterreich- Hngarn und man läßt eS sich dort nicht nehmen, daß der Marsch der österreichisch-ungarischen Truppen nach Salo- nichi eine beschlossene Sache sei. Ob diese« Mißtrauen von russischer oder englischer Seite genährt wird, läßt sich vorderhand schwer konstatieren; sicher ist, daß die beinahe feindselige Haltung, welche don der Pforte in der Donau- Frage und in der Eisenbahnanschlußfrage Oesterreich-Un- garn gegenüber beobachtet wird, eine Folge de« Mißtrauen« ist. Kaiser Wilhelm ist gestern in Gastein angekommen. Er wird daselbst, wie jedes Jahr, 20 Bäder nehmen und die Kur am 5. August beendet haben. Die Zusammenkunft mit unserem Kaiser wird am 6. August erfolgen, wahrscheinlich in Ischl, da Kaiser Wilhelm den Wunsch ausgesprochen hat, die ganze kaiserliche Familie zu sehen. — Es heißt, daß der böhmische Landtag in diesem Jahre nicht einberufen werden soll. Die Nachricht wird sich schwerlich bestätigen, jedenfalls aber darf für die bevorstehende Session der deutschen Landtage eine Beschränkung in der Zeit und in der Erledigung des Beratungs-Materials erwartet werden. — Die Nachricht der Berliner „Post" über Verhandlungen zwischen Oesterreich und Italien wegen Abschlusses eines Neutralitäts-Vertrages und einer territorialen Verständigung im Hinblick auf die weitere Entwickelung der Dinge auf der Balkan-Halbinsel stößt hier auf starken Zweifel. Oesterreich wird sich Italien gegenüber schwerlich binden in bezug auf Orientpolitik, am allerwenigsten dürfte man diese zum Ausgangspunkte von Hnterhandlungen zu machen geneigt sein, durch welche Italien die „Zukunstö- pläne" Oesterreichs erfahren würde.
Triest, 18. Juli. Der Lloyddampfer „Urano" ist mit der ostindifchen Ueberlandpost auS Alexandrien gestern Abend hier eingetroffen.
Paris, 18. Juli. Die „Agence Havas" meldet: Alle Informationen bezeichnen die Gerüchte ausländischer Blätter über die Absichten.Frankreichs gegen Tripolis auf das entschiedenste als unbegründet. — Wiener Privattelegramme dementieren die Nachricht deö „Standard", daß England eine Macht über die eventuelle Haltung derselben gegenüber einer sranzöstschen Occupation von Tripolis auSgeforscht habe.
Petersburg, 18. Juli. Die definitive Enthebung des Großfürsten Konstantin von dem Präsidium de« Reichsrats und der Marine wird als bald bevorstehend bezeichnet. Wer anstatt des Großfürsten Michael, der da«
Musikalisch.
Novelle von Ludovica Hesektel.
(Fortsetzung und Schluß.)
„Sie haben recht," entgegnete sie sinnend, „und da rie eben nur an sich dachten mit dem gewöhnlichen Ego- lsmnö des Mannes, so sind Sie denn Ihr eigener Feind gewesen."
„Das hat er, Ehrenfried, mir vor Jahr und Tag ge- W," murmelte Aveyron.
„Hnb wie dachten Sie sich die Ehe mit einer unmust- Affchen Frau," fragte Sebaste weiter, wäre e« Ihnen nicht Ichmerzlich gewesen, kein Verständnis zu finden."
„Kein Weib hat Verständnis für das Streben eine« Mannes," entgegnete er, „für mich hätte ich Sie geheiratet, «lcht für meinen Beruf."
Sie holte tief Atem. „Aveyron," sagte sie dann, „eine i* t e meinem Innern jubelt auf, daß die Liebe, die H so lange Jahre in meinem Herzen trug, doch keine "erwiderte war, ich bin stolz darauf, daß Sie mich lieben, eJ"e ordere Stimme sagt mir, ich hätte recht gethan, hrenfried zu wählen, der mich liebt um des Verständnisses &in5tt, ba6 ich für alles habe, was ihn interefliert, ich wibige moderner Emanzipationstheorie nicht, aber ich stehe JJL b.ent Standpunkt der Bibel, meines Manne« Gehilfin J, D fein, nicht fein Schmuckstück, fein Spielzeug, und 5 x Gehilfin hat mich Ehrenfried begehrt." unk u werden Sie glücklich mit ihm!" rief Aveyron aus fit e davon. Einen Augenblick war eö ihr, als müfle w" zurückhalten, so leicht trennt man sich nicht von ;.w Manne, den man jahrelang geliebt hat, aber sie sich: „Dein Wort ist einem anderen verpfändet, Du
darfst es nicht in der anderen Stunde brechen," und schon hörte sie diesen Anderen mit den Geschwistern sich ihrem Zimmer nähern. Rasch warf sie die letzten Blumen ins Feuer und trat dann mit ernst freundlichem Angesicht den Dreien entgegen, ihrem Verlobten die Hand reichend, die dieser ehrerbietig an die Lippen zog.
Aufsehen erregte Sebastes Verlobung nicht gerade, man hatte sie ja erwartet und vorher gesehen, eher als die Beteiligten selbst daran gedacht hatten. Heinse und seine Louise freuten sich mit geteiltem Herzen, es war als wenn sie ein eigenes Kind zu verheiraten hätten, aber sie hegten ein tiefes Vertrauen zu Ehrenfried und legten sie ihm furchtlos an« Herz. Sebaste war eine stille Braut, aber sie war nie anders gewesen, und ihr Bräutigam schien völlig zufrieden; man sah es ihm an, man hörte es ihm an, wie tief und innig er sie liebte, und Sebaste schalt sich oft, daß sie diese Liebe doch nicht in gleichem Maße erwidere. Aveyron hatte dem Freunde einen schrifllichen Glückwunsch gesandt und ihm zugleich angezeigt, daß er seine Stelle niedergelegt habe und Bruno rief begeistert: „Er ist doch ein edler Mensch, aber meine Hochzeit hätte er wohl mitfeiern können, ein Lied hätte er Dir doch für den Brautkranz spielen können."
Sebaste begriff ben Freund besser, aber sie sagte nichts. Ehrenfried wußte, daß seiner Braut Herz ursprünglich einem andern gehörte, aber er war doch wieder zweifelhaft geworden, ob Aveyron wirklich dieser „Andere" war.
Kurz vor der Hochzeit kam Aveyron noch einmal in die Hauptstadt zurück, um ein Abschieds-Konzert zu geben, obgleich e« Juli war und fast alles sich auf die übliche Badereise begeben hatte. Dennoch war der Saal gefüllt. Sebaste hatte sich erst gegen das Mitgehen gesträubt, aber
Aveyron selbst hatte sie gebeten zu kommen; er hatte sie zum erfienmale als Braut gesehen, nichts verriet seine Gefühle oder Gedanken.
Sebaste faß an der Seite ihres Verlobten, in leichten, lichten Gewändern, er sah so stolz, so glücklich aus, als er ihr das Programm hinreichte und sah nicht, wie das dünne Blatt in ihrer Hand zitterte. Da stand e«: Notturno für Violine, komponiert und vorgetragen von Franz Aveyron und in Paranthefe als Text gedruckt:
„Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt."
Heute hätte jeder recht gehabt, der Sebaste für unmusikalisch erklärt hätte, so zerstreut hörte sie zu, obgleich da« Programm so sorgfältig wie möglich gewählt war. Ihr Verlobter merkte eS wohl, er sah auch ihr wechselnde« Erröten und Erbleichen, aber sie schob es auf die im Saale herrschende Hitze; dennoch weigerte sie sich entschieden, ihn zu verlaffen. Endlich waren alle Nummern abgespielt, Beethoven, Rubinstein, Chopin, sie hatten heute vergeben« für Sebaste Atting komponiert, sie atmete tief auf, al« er nun vortrat, der Mann, der sie so lange Jahre geliebt hatte und von dem sie nun so weit getrennt war, sie bog sich vor, aber sie zuckte wie verletzt zusammen, al« der erste Ton ihr Ohr traf und auch das Publikum horchte hoch auf, dieser Ton hatte wie ein wilder Schmerzensschrei geklungen. Unb auch Bruno Ehrenfried horchte auf! Was war denn da«?
Aveyron aber spielte weiter und weiter, seine Violine klagte nicht, wie sie es sonst wohl auch gethan hatte, sie schrie und jammerte in wildem Weh, sie wollte nicht ruhig hinnehmen, was das Schicksal ihr bittierte, ste sträubte sich