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Skr. 166.

Marburg, Dienstag, 19. Juli 1881.

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«azeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Amwncen-Bureaur von G. L Daube & 60. in Frankfurt a. M; JSzersiche Buchhandlung daselbst; Hermann'sch? Bnckhandl. daselbst; Jnvalidendunl t* Berlin- W. Dhte*.» i* rlberfelb: 6. Schlotte in wm«n.

Das französische Rationalfest.

Es ist eine eigenartige Sache um das Nationalfest der französischen Republik, zum Andenken an die Errichtung der ersten großen Republik, die mit dem am 14. Juli 1789 stattgefundenen Bastillensturme eingeleitet wurce, hat man das Fest nun zum zweiten Male unter der neuen französischen Republik begangen, doch ist das Fest der Re­publik deshalb nicht anders, als wie die Nalionalfeste der napoleonischen Kaiserreiche und des Zuli-KönigtumS. Die Franzosen, vor allen Dingen aber die Pariser, sollen amü­siert werden, denn Paris bedeutet ja auch unter der Re­publik noch ganz Frankreich, nm den Parisern und allen Franzosen, die aus der Provinz nach der Seinestadt kommen, einen großen Freudentaumel zu bereiten, darauf lief auch der Zweck des letzten am 13., 14. und 15. Juli begangenen französischen Nationalfestes hinaus. Das Programm für das Nationatfest lautete: Große Militärparade, unent­geltliche Vorstellungen in allen Pariser Theatern, freie Konzerte, öffentliche Bälle, Illuminationen, Feuerwerk, Blumen- und Fahnenschmuck. Das Fest war auch diesmal herrlich und einzig in seiner Art und der sprudelnde fran­zösische Nationalgeist schäumte förmlich über, was die Lnst und Freude anbetraf, zumal ja die Staatskasse und die Gemciudekassen einen Hauptteil der Unkosten des National­festes trugen und Alle, Alle, auch die Aermsten, daran teil nehmen konnten. Sollen wir aber die politische Bedeutung des letzten französischen Nationalfestes charakterisieren, d. h. die Bedeutung, welche diese Feier für das französische Staats­wesen hat, so müssen wir nur sagen, daß dieselbe in einem gewissen Gegensätze zu dem Festrausche steht. Die Fran­zosen und die Pariser zeigten allerdings an ihrem National- feste eine große Freude, doch vergebens suchte man in ihnen einen großen erhabenen Gedanken, der ihr Herz be­wegte und wegen dessen sie die Freude zeigten, es war eben nur die Freude an der Freude, welche die meisten Franzosen empfanden, denn diejenigen Errungenschaften, welche beim Nationalfeste im vorigen Iahte den Fran­zosen das Herz so sehr schwellen machten, erscheinen ihnen gegenwärtig doch nicht so über alle Zweifel erhaben. Am vorigen Nationalfeste freuten sich die Franzosen bekanntlich ungemein über die definitive Gründung der französischen Republik, über die Eintracht ihrer neuen Nationalhelden und über die Vollendung der Heeresorganisation, die fran­zösische Republik wurde als die solideste und beste Staats­gründung bejubelt und das französische Heer als das erste und beste rcr Welt gerühmt. In den letzten 6 Monaten erfuhren die Franzosen aber doch, daß eS in dieser Beziehung Einiges anders sei, wie sie glaubten. Unter den Repu­blikanern der leitenden Parteien zeigte sich eine große Spaltung, und Gambctta, der schon auf dem Wege war, der neue fianzösische Nationalgott zu werden, erlitt in der

Mufilalisch.

Novelle von Ludovica Hesekiel.

! Fortsetzung.)

Da streckte Aveyron plötzlich die Hand auS und zog des Freundes Arm in den seinigen, „komm", sagte er hart, ,ich muß Dich wieder dahin bringen, wohin Du gehörst, zu musikalischen Leuten." •

»Nein", sagte Ehrenfried entschlossen, „ich bleibe hier, vielleicht bin ich auch unmusikalisch, die Ansichten darüber sind zu verschieden."

„Wenigstens sind die meinigen darüber sehr bestimmt", entgegnete der andere herbe und ließ die beiden allein.

In diesem Augenblicke war Sebaste entschlosim, waS sie Ehrenfried am andem Tage für eine Antwort geben wollte.

Sebaste kniete am Ofen ihres hübschen sauberen Mäd­chenstübchens, und warf mit zitternder Hand allerlei ver­trocknete Blumen, vergilbte Papiere und Bänder in die Glut. Mit feuchten Augen sah sie daS alles aufflackern, manchmal machte sie eine Bctvegung, als wolle sie eS den Flammen wieder entreißen, doch sie unterließ es jedesmal sv>t einem leisen Seufzer. Ein Schrei aber entrang sich ihrer Lippe, als das einttetende Dienstmädchen ihr meldete, ?et Herr Kapellmeister Aveyron wolle das Fräulein sprechen.

c, »Ist denn meine Schwester nicht da?" fragte Sebaste 'ich erhebend.

. »Die Herrschaften sind noch mit Herrn Dr. Ehrenfried grünen Zimmer", erwiederte das Mädchen, „und der ^^Kapellmeister verlangte aber ausdrücklich nach dem

Kammer zwei empfindliche Niederlagen und die so auch wrederhergestellte französische Armee konnte während des tunesischen Feldzugeö nicht nur keine Lorbeeren pflücken, nein, sie zeigte sich während desselben und auch bei den nachfolgenden Ausständen in Algier als eine noch recht un­beholfene Maschine. Doch merkwürdiger Weise haben die Franzosen diese Enttäuschungen ohne große Bitterkeit hin­genommen, sie freuten sich an ihrem Nationaleste fast ebenso wie im vorigen Jahre und eS will uns deshalb scheinen, daß die Franzosen jetzt mehr Freude an Ruhe und Frieden als an politischen und militärischen Erfolgen hätten, was offenbar kein Nachteil für das Völkerglück wäre.

Deutsche« Reich.

Berit«, 16. Juli. Graf v. Hatzfeldt hat heute die Leitung des auswärtigen Amts übernommen. — Der Staatssekretär v. Bötticher hat sich mit Urlaub nach Cram- paß auf Rügen begeben. — In der „Königsberger Har- tung'schen Zeitung" ist zu lesen: „Wie eS heißt, soll der Reichskanzler über die Art, wie durch das Ungeschick der Arrangeure das Fiasko der antiliberalen Koalition in Berlin schon heute gesichert erscheint, höchst verstimmt sein. Fürst Bismarck hat den Kampf gegen den „Fortschrittsring" so sehr zu seiner eigenen Sache gemacht, daß es glaubhaft genug klingt, wenn angesichts des burlesken Verlaufs dieser Bewegung auch die erhofften guten Erfolge der Kissinger Kur ausbleiben. Bereits heißt es, daß unter solchen Um­ständen der fränkische Badeort mit einem anderen, vielleicht mi tGastein, vertauscht werden solle." Glücklicherweise wird die hämische Schadenfreude dieses liberalen Organs durch Nachrichten aus Kisstngen nicht bestätigt. — Zu den Scenen, die sich in Rom bei Ueberführung der Leiche des Papstes Pius IX. zugetragen, schreibt die „Germania": „Die Regierung bewies bei dieser Gelegenheit nicht bloS Mangel an Voraussicht und Schwäche, sondern einen be­dauerlichen Mangel an gutem Willen, da ihr wohl bekannt war, daß man eine Demonstration gegen den hochseligen Papst und seinen Nachfolger plane. Die schmählichen Ex- cesse haben aber eine hohe politische Bedeutung; sie beweisen den europäischen Mächten thatsächlich, daß das Grrantie- gesetz für die Sicherheit der Person des Papstes völlig be­deutungslos ist und daß der Papst beim Verlassen des Vatikans den Angriffen des gedungenen oder fanatisierten. Pöbels schutzlos ausgesetzt wäre. Es ist zu erwarten, daß der apostolische Stuhl die Mächte aus diesem Anlaß von neuem über den wahren Wert der Versicherungen der sub- alpinischen Regierung ausklären wird." — Zum Ausfall der baierischen Wahlen schreibt die „Germania": „Wenn trotz der Zwistigkeiten im eigenen Lager und trotz der für eine Negierungsmajorität klug berechneten Wahlkreiseintei­lung der Sieg der Katholiken gesichert ist, so ist das,ber treu katholischen Gesinnung des von dem kirchenseiMichen

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„Ich lasse bitten," entgegnete sie mit müdem Ton. Noch immer lagen Stkäußc und Papiere auf dem Boden, die wohl dazu bestimmt waren, den anderen in die Flammen zu folgen; sie konnte sie so schnell nicht aufraffen und warf ein Tuch darüber. Dann blieb sie mitten im Gemach stehen, die Hand auf einen zierlichen Blumentisch gestützt, auf dem eine Fülle der herrlichsten roten und weißen Alpenveilchen, Sebastcs Lieblingsblume, prangte, deren feiner Duft sie jetzt zu umwehen schien.

Aveyron hatte SebasteS Stübchen auch noch nie be­treten, aber er warf auch keinen Blick auf dasselbe; sein Auge haftete einzig und allein an dem süßen Mädchcn- bilde da vor ihm.

„Ich komme, Sie um Vergebung zu bitten, Sebaste", sagte er in den weichen einschmeichelden Tönen, die seiner Stimme zu Gebote standen, wenn er nur wollte, „ich war gestern Abend hart und unfreundlich gegen Sie!"

„Es war nicht das erste Mal," entgegnete sie herbe und übersah absichtlich die ausgestreckte Hand.

„Lassen wir's das letzte Wort sein, Sebaste," bat er, ich habe ein ernstes Wort mit Ihnen zu reden; die Ketten, die ich lange Jahre hindurch trug, sind von mir gefallen, mein Vater hielt es für standesgemäß Schulden zu machen, ich hielt es für standesgemäß Schulden zu bezahlen, mein edler Name ist frei von Flecken, von heute an spiele ich nicht mehr für Geld, der Graf Aveyron aber fragt Sie, Sebaste, die er geliebt seit Jahren, ob Sie seine Gräfin werden wollen."

Sie antwortete nicht, sie fiel nicht in Ohnmacht, wie ein Steinbild stand sie va, dann rang es sich mühsam von ihren Lippen: „Wußten Sie das alles gestern schon!" . „Gewiß, aber mein Freuüd EhrLnfrted kam ja nicht

und egoistischen Treiben der Liberalen angeekclten Volkes zu danken. Nach diesem glänzenden Siege des katholischen Volkes bleibt nur zu hoffen, daß sich die rechten Männer finden mögen, die mit Entschiedenheit und Besonnenheit und günstigerem Erfolge den parlamentarischen Kampf gegen Ministerium und Liberalismus aufnehmen und durch­führen zum Schutze der Selbstständigkeit BaiernS und zur Beseitigung des stillen Kulturkampfes".

Kiel, 16. Juli. Die Offiziere des brittschen Geschwa­ders besichtigten heute die Kasernen und Lazarethe. Dem Vernehmen nach geht Prinz Heinrich mit dem Herzog von Edinburg nach England zum Besuche der Königin und seiner Eltern.

Haunyver, 16. Juli. Die allgemeine land- und forst­wirtschaftliche Ausstellung wurde heute durch den Ober- präsibenten von Leipziger in Gegenwart der Staats- und Kommunalbchördeu eröffnet. Die Ausstellung ist auch vout Auslande, besonders von Oesterreich und England reich beschickt. Zu Mittwoch werden der Minister Dr. Lucius und Staatssekretär Dr. Stephan zum Besuche der Ausstellung erwartet. Das Wetter ist schön.

Nürnberg, 16. Juli. Der „Fränkische Kurier" bringt auf gründ der Resultate der Wahlmännerwahlen zum baierischen Landtag eine Zusammenstellung über den mut­maßlichen Ausfall der Abgcorduetenwahlen, der zufolge 88 Abgeordnete der klerikal-konservativen Koalition und 71 liberale Abgeordnete gewählt werden dürften.

AllSlavd.

Wie«, 16. Juli. Die „Wiener Abendpost" sagt: Der deutsche Kaiser, der erlauchte Freund und Bundesge­nosse unseres Monarchen, weilt wieder auf österreichischem Boden. Dem erlauchten Gaste wurde wie immer ein ebenso ehrerbietiger wie freudiger Empfang zu teil, an welchem die ganze Bevölkerung der Monarchie herzlichen Anteil nimmt. — Der „Presse" zufolge würde die Zu­sammenkunft des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser von Oesterreich am 6. oder 7. August in Ischl oder Salzburg stattfinden. Die Wahl des Ortes sei dem Kaiser Wilhelm anhcimgcstellt — Die Behörden der Prager Universität sind mit dankenswerter Entschiedenheit gegen jene czechischen Studenten vorgegangen, welche sich an den pöbelhaften Ausschreitungen in Kuchelbad beteilgt hatten. Gestern Mittag, so wird auö Prag der „Presse" gemeldet, wurde jenen czechischen Universitätöhörern, gegen welche auf An­trag des Unterrichtsministeriums vom akademischen Senat die Disciplinar-Unlersuchung eingeleitet worden, in den betreffenden Decanatskanzleien von den Decanen daS Urteil des akademischen SeyatS verkündet. Ein Jurist, zwei Mediziner und' ein Philosoph wurden für immer rele- - giert ; ein Jurist auf vier Semester; drei Juristen erhiesten einen Verweis, der bei einem derselben durch daS von Ihrer Seite, ich wurde fast eifersüchtig auf ihn, und die Eifersucht wars auch, die mir noch einmal die harten Worte eingab, mit denen ich so oft mein Herz umpanzerte, daß eS nicht zu früh vor Ihnen in Weichheit dahinschmolz."

„Sie lieben mich, Aveyron?" fragte sie mit stockender Stimme und in ihren Augen flammte es so wunderbar auf, wie höchstes Glück und tiefstes Leid zugleich.

„Ich habe Sie geliebt seit Jahren, wußten Sie es denn nicht, hörten Sie es denn nicht durch jeden Ton bindurch klingen, den ich spielte, sagte es Ihnen denn meine Violine nicht?"

„Aus Ihrem Spiel," sagte sie eisig kalt, „Sie vergessen, daß ich nicht musikalisch bin!"

„DaS war unedel, Sebaste," erwiderte er ernst, „können Sie mir denn jenes Wort, jenes Durchkreuzen Ihres Wunsches nie vergeben? Ich will Ihnen ja von nun an jeden erfüllen."

„Nein und tausendmal nein," schrie sie auf, „denn jenes Wort rächt sich an Ihnen selbst am schwersten; wohl war mein Ohr unmusikalisch, aber meine Seele wars immer, ich weiß es seit gestern; warum wußten Sie das nicht? weil Sie mich nicht kannten, sich keine Mühe gaben, mich kenuen zu lernen."

~ „Sebaste, kein Zug in ihrem Antlitz, kein Ton Ihrer Stimme ist mir fremd."

„Aber auch kein Schlag meines Herzens bekannt; nein, Aveyron, sonst hätten sie auch wissen müssen, warum mich so unendlich darnach verlangte, jener Kunst näher ins Auge zu schauen, deren Meister Sie waren; ich wiegte mich in dem lichten Traum, e« wäre die Lieb« zu dieser Kunst. Erst als sie hart und grausam darauf drangen, man solle nicht Zeit und Geld verschwenden, indem man mich Musik