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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteO sowie d. Annoncen-Vureani von EL Daube L Lo. in Xrantfurt a. M; JLgerssche Buchhandlung daselbst-; tzermann'sch- Bnchhandl. ♦ daselbst; Invalidendant in
Berlin: L LhirneS in «lberseld; 6. Schlotte in
Seemen.
Die Grundsteuer, ei« Getretdezoll, welcher den deutschen Landwirt viel stärker belastet wie der Zoll an der Grenze den auswärtigen Getreideproduzenten.
Der „Nordd. Allg. Ztg." entnehmen wir hierüber folgenden Artikel:
Die Prägravierung deS unbeweglichen Vermögens im Verhältnisse zum beweglichen ist in der That bei uns eine so eklatante, daß man die Geduld bewundern muß, mit welcher die deutsche Landwirtschaft den auf ihr ruhenden Druck bisher ertragen hat. Der Landwirt hat das Einkommen, welches er aus der Getreideproduktion bezieht, in derselben Weise zu versteuern, wie der Rentier, dessen erwerbende Thätigkeit nur im Kouponabschneiden besteht. Die Klassen- und Einkommensteuer trifft Jenen so gut wie Diesen. Dann aber wird sein Einkommen zum zweiten Mal durch die Grundsteuer getroffen, die sich auf 5 pCt. bei einem schuldenfreien Gute, auf 10 pCt. bei einem zur Hälfte verschuldeten Gute beläuft. Es tritt die Gebäude- steuer hinzu, welche 2 bis 5 pCt. von dem Ertrage des Getreidebaues vorweg nimmt. Dies macht, wenn die Einkommensteuer mit 3 pCt. gerechnet wird, eine Belastung von mindestens 10 pCt. bei schuldenfreiem Grundbesitz, von 20 pCt. bei verschuldetem, während das bewegliche Einkommen immer nur die 3 pCt. Einkommensteuer zu tragen hat. Aber nicht genug hiermit. Es treten nun noch die Zuschläge zu den Gemeinde-, Kreis- und Provinzialsteuern hinzu, und hierbei wird wiederum das Einkommen des Landwirts nicht nur nach Maßgabe seiner Einkommensteuer, sondern auf's Neue zum zweiten und dritten Male nach Maßgabe seiner Grund- und Gemeindesteuer getroffen. Wenn man gewöhnlich von einer Doppelbesteuerung deS Grundbesitzes spricht, so ist daS eine sehr schüchterne Bezeichnung. Man könnte mit größerem Rechte von einer dreifachen, vierfachen, ja zehnfachen Besteuerung reden.
Um seine fast unerschwinglich erscheinenden Steuern bezahlen zu können, muß der Landwirt bestrebt sein, sie auf das Getreide aufzuschlagen, daS er verkauft. Letzteres wird damit mindestens für ein bis anderthalb Mark pro Scheffel verteuert, und hierin liegt die Ursache der hohen Kornpreise, nicht in den Zöllen an der Grenze, die der ausländische Getreideproduzent oder Zwischenhändler zu tragen hat.
Wem es wirklich Ernst ist mit dem Verlangen, dem armen Mann billiger Brot zu verschaffen, der muß auf eine Entlastung des Grundbesitzes vom Steuerdrücke hinwirken, der muß bestrebt sein, den inländischen Getreidebau so steuerfrei wie möglich zu machen, damit der Konsument so wohlfeil wie möglich versorgt weroen kann.
Aber freilich, wem ist es Ernst mit jenem Rufe nach billigem Brot? den Fortschrittlern und Freihändlern sicherlich nicht! Diese wissen so gut wie wir, daß der das Brot angeblich verteuernde Getreidezoll ein hohles Gespenst
ist, lediglich erfunden, um die schwachen Gemüter, welche noch gläubig den Herren Richter, Rickert, Bamberger anhängen, graulich zu machen. Sie wiffen, daß ihre ganze Agitation eine Spiegelfechterei ist, sie rechnen aber auf die Gedankenlosigkeit und Leichtgläubigkeit der Menge, die durch ihr marktschreierisches Auftreten verblüfft wird. Ihnen ist in Wirklichkeit gar nicht darum zu thun, daß der Arbeiter Arbeit, der arme Mann billiges Brot erhalte oder gar der Landwirt vom Ruin bewahrt werde. Im Gegenteil, die Politik des Fortschritts und des Freihandels kann nur florieren, wenn möglichst viel Unzufriedenheit im Lande herrscht, wenn der Druck der direkten Steuern möglichst empfindlich ist, wenn die Regierungskassen leer und die Steuerexekutoren beschäftigt sind. Dann fallen die Wahlen fortschrittlich aus, dann ist die Regierung genötigt, mit den parlamentarischen Führern der Linken zu paktieren und jede Geldbewilligung durch PreiSgebung von Rcgierungs- und Kronrechten zu erkaufen. Ob die 28 Millionen, welche bei unS von der Landwirtschaft leben, verarmen, ist den Herren Richter, Rickert, Bamberger vollständig gleichgültig, wenn sie nur größeren Einfluß und weitere parlamentarische Machtbefugnisse gewinnen. Nicht das Gedeihen der produzierenden und konsumierenden Bevölkerung, sondern das Gedeihen des Parlamentarismus und der Herrschaft deS Fortschritts in ihm ist das punctum saliens, um welches sich die Gedanken und Wünsche der Herren drehen. Deshalb ist ihre Losung: Beibehaltung der Grundsteuer im vollsten Umfange, damit der arme Mann stet« über teures Brot klagen könne, und Beseitigung der Getreidezölle, damit um Gotteswillen nur nicht der Ruin der Landwirtschaft auigehalten werde. Lieber möge sich das Ausland auf Kosten Deutschlands bereichern! Das nennen die Herren vom Fortschritt Patriotismus.
DeruscheS Reich.
Berlin, 14. Juli. Die preußische Ministerial - Verfügung vom 3. Juni 1878 enthält ein Verzeichnis starkwirkender Stoffe, welche, „unbeschadet der für den gewerblichen Verkehr mit Giftwaren maßgebenden Vorschriften", ohne schriftliche Verordnung eines Arztes (Wund-, Zahn-, Tierarztes) in den Apptheken nicht abgegeben werden dürfen. In dieses Verzeichnis ist auch eine Anzahl starkwirkender Mittel ausgenommen worden, welche in der Tierheilkunde Anwendung finden, und da, wie die „Pharmaceutische Zeitung" bemerkt, oben auch von Tierärzten die Rede ist, so ist hi raus gefolgert worden, daß auch die betreffenden Tierheilmittel nur aus Anweisung eines Tierarztes abgegeben werden dürfen. Dagegen lasse sich mit Leichtigkeit nachweisen, daß nach der preußischen Apothekerordnung die Tierheilmittel stets zu den Giften gezählt wurden und die über die Abgabe der letzteren bestehenden Vorschriften immer auch auf erstere Anwendung gefunden, also der Verkauf
giftiger Tierheilmittel ohne Anweisung eines Tierarztes, aber gegen Giftschein völlig statthaft ist. Zu demselben, wenn auch etwas anders begründeten Ergebniffe ist auch die Strafkammer deS königlichen Landgerichts zu Trier in der Sitzung vom 1. Juni gelangt, sodaß die Frage gmnd- sätzlich entschieden sein dürfte. Der Gerichtshof führt in dem bezüglichen Erkenntnisse unter anderm aus, daß die Regelung des Handverkaufs dieser Stoffe unzweifelhaft der Gewerbepolizei und der nähern Bestimmung seitens der zu- ständigm Polizei-Obrigkeiten überlasten ist. — Die Nachricht, daß die Einführung einer Normalzeit für den gesamten Eisenbahndienst des Reichs zur Erwägung stehe, d. h. einem abschließenden Ergebnisse sich nähere, ist insofern nicht richtig, als die Schwierigkeiten bekannt und gewürdigt sind, die sich solcher Einführung entgegenstellen, und Gutachten allerlei Art zur Genüge vorliegen. — Die „Germ." schreibt: „Heute ist der Jahrestag des Juligesetzes. Die Staatsregierung führte es als Friedensgesetz ein, die Konservativen betrachten es a s eine hervorragende Leistung Bismarckscher StaaisweiSheit, die Katholiken sagten aber mit Bestimmtheit voraus, daß dieses Gesetz völlig ungenügend zur Wiederherstellung friedlicher Verhältnisse sein werde. Diese Voraussetzung hat sich denn auch im vollsten Umfange bestätigt. Das System der diskretionären Gewalt wird den Frieden nimmermehr herbeiführen können. Sowie das Volk im vergangenen Jahre mit vollster Einmütigkeit in Ost uns West die Haltung deS Zentrums gegenüber dem Juligesetz gebilligt, so wird cs auch jetzt bei den bevorstehenden Reichstagswahlen durch sein Votum für das Zentrum ein Verdikt gegen die Politik fällen, die daSJult- gesetz ersonnen hat."
Kiel, 14. Juli. Das englische Geschwader warf gegen 2 Uhr Anker im inneren Hafen und empfing sofort offizielle Besuche und Salut. Prinz Wilhelm begab sich zur Begrüßung des Herzogs von Edinburg an Bord des „Hermles". Eine ungeheuere Menschenmenge wohnte dem Schauspiele bei.
Weimar, 11. Juli. Das „Weim. Tagebl." erfährt, daß verschiedenen Lehrern von Weimar und Umgegend, welche fortschrittlich gesinnt sind, durch ihre resp. Schulinspektoren ein ministerieller Erlaß vorgelesen worden sei, der sie ermahnt, „sich in der Wahlagitation vor Ausschreitungen zu hüten", daß daneben auch gesagt, man wolle in keiner Weise die Freiheit der Wahl beeinträchtigen.
Baste«, 14. Juli. Der Kaiser ist in Begleitung der Großherzoglich Badischen Familie unter dem Jubel der Bevölkerung und begrüßt von Salutschüssen gegen 2 Uhr von Mainau hier eingetroffen und alsbald nach Rosenheim weitergereist.
München, 13. Juli. Bei keiner Wahl begann die eigentliche Agitation so spät, aber auch bei keiner Wahl war sie so lebhaft wie heuer. Bei hiesiger Hauptpost allein
Mnfikattfch.
Novelle von Ludovica Hesekiel.
(Fortsetzung.)
„Und dann," fuhr Sebaste fort, ist daö nicht immerhin ein großer Mann, der so lebhafte Kämpfe, so heftige Debatten hervorruft, der die modernen Menschen zwingt, sich auch »och für etwas anderes zu erwärmen, sei's in Liebe oder Haß, als für materielle Dinge der Politik. Mag man immerhin in keiner Weise mit ihm übereinstimmen, mag man nicht das geringste Verständnis für ihn besitzen, nns muß man ihm lasten, er hat mitgekämpft für die Bewahrung ideeller Interessen in Deutschland, und das ist auch ein Verdienst. Da haben Sie die Gedanken einer Unmusikalischen über Wagner", schloß sie lächelnd.
„Wie kommen Ihnen solche Gedanken, Sebaste?" fragte Ehrenfried erstaunt; er war nicht im stände, das „Fräu- lem" vor ihren Namen zu setzen und sie zürnte auch nicht darüber.
„Es bildet ein Talent sich in der Stille," erwiderte sie und nun klang doch eine leise Bitterkeit durch den Ton chrer Stimme, „ich sitze ja hier so unbeachtet, da gebe ich «mn meinen Gedanken Audienz.
„Sebaste," bat der junge Mann, „Aveyron wird jetzt leinen berühmten Chopinschen Walzer spielen, dann soll ich unch hören lassen, ich will Ihnen nicht sagen, waS ich Mte, wollen Sie mir nachher sagen, was sie sich bei meinem ^optel dachten!"
.. „Sie neigte zustimmend daö Haupt, zum Sprechen war *nc Zeit mehr denn schon hatte Aveyron den Bogen an- Metzt und spielte mit der ihm eigenen Meisterschaft, die Ichwierigsten Passagen wie Spielerei behandelnd.
„Es ist ein Dämon in seinem Spiel," flüsterte Sebaste und schauerte leise zusammen.
„Er scheint immer etwas zu suchen, was er nie findet," erwiderte Ehrenfried und seine Augen ruhten auf dem düstern Angesicht seines Freundes. Dann erhob er sich und flüsterte dem Mädchen noch einmal zu: „Ihre Gedanken, Sebaste, heut will ich einmal entscheiden, ob Sie musikalisch sind!"
ES wurde still in dem warmen, von altmodischem Rauchwerk, daS auf einer antiken Lampe brannte, durchdufteten Raume, wer der Musik nicht ungeteilte Aufmerksamkeit schenken wollte, mochte sich an den zahlreichen Sammlungen von Kupfer und Stahlstichen, von Holzschnitten und Photographieen erfreuen, die überall auöge- legt waren; dadurch wurden weder Hörer noch Ausführende gestört. Dagegen war jede sogenannte weibliche Handar- beit hier verbannt; diese unnütze Arbeitsspielerei, mit der sich im Salon am meisten die brüsten die sonst gar nichts thun, die von klappernden Nadeln, herunterfallenden Scheeren und verloren gehenden Zwirnknäueln begleitet ist und jede Wirtin in Verzweiflung bringt, weil stets für die eine oder andere dieser Ucberfleißigen daö Licht nicht daS rechte ist, die jene geistlosen Unterhaltungen hervorruft, der kein Mann geduldig zuhören kann und die daher das Vorurteil gegen „Weibcrgespräche" bestärken. Es warm einige Damen heut im Heüijc'seben Hause, die sicher innerlich nach der Häkelei oder der Buntstickerei seufzten, die nur gekommen waren, um sagen zu können, daß sie mit dem berühmten Aveyron zusammen gewesen seien, Ehrenfried amüsierte sich im stillen über die Gesichter dieser Damen und freute sich wie bei solchen Gelegenheiten über die stille, vornehme Ruhe, mit der Sebaste auf einem niedrigen
Sessel gerade unter einer Palmengruppe saß. Die weißen schlanken Hände lagen ruhig über einander, die braunen Locken, die jetzt schon fast bis zur Schulter reichten umspannte ein silberner Reif; wem mochte der einst gehört haben. Heinse hatte ihn bei einer wissenschaftlichen Expedition gefunden, erhalten und später seiner Schwägerin geschenkt, denn Frau Louise mochte nichts mit dem Grabzeug zu thun haben, sie muffe immer an Leichen denken, wenn es ihr die Haut berühre. Man würde der kleinen fröhlichen Frau übrigens Unrecht gethan haben, wenn man sie für gleichgiltig gegen den Beruf ihres Mannes gehalten hätte; sie hatte Liebe und Verständnis genug dafür, nur schmücken mochte sie sich nicht mit dem Grabzeug. Seltsam anziehend sah Sebastes Köpfchen auö mit dem altertümlichen Schmuck, zu dem das faltige weiße Gewand von silbernem Gürtel umschloss, n, gar gut paßte. In dem herzförmigen Ausschnitt des Kleides, der einen tadellos geformten blendend weißen Hals sehen ließ, steckten ein paar tiefrote frische Nelken, der einzige farbige Schmuck, den sie trug. Aus den halblangen Aermeln tauchten die schönen Arme hervor, deren reine Wellenlinien kein Armband unterbrach, und die schönen blauen Augen leuchteten in froher Erwartung, während die Wangen rosiger angehaucht schienen als sonst. Sie erinnerte dm jungen Gelehrten an jenen ersten Abend, da er sie im Konzert gesehm, und auf ein Zeichen ihrer Hand ließ er sich neben ihr nieder, gerade als Frau Louise begann, ihrem Manne, der einen prächtigen gut geschulten Bariton besaß, die Arie vom „Abeudsteru" aus dem Tannhäuser zu begleiten. Heinses Stimme war fast zu mächtig für den Raum, aber man hatte ihn so lange darum gequält, bis er nachgegeben hatte.
Kaum hatte er geendet, so war auch das Wagnergenie