Skr. 168.
Marburg, Freitag, 15. Juli 1881.
xvi. Mr-I,
injoaen uimml -mgege»: Mr Emedtrion b.tHattel, ^»^A-noucea-Bureaul A L,Di-mch & do. u unb Haunvver; Xt;.
^afen&eia ^.Bogl» i» -r-E-rt «- M.» «"l^t lUgilg, 66lH 1k., 5®"l a i« Sfedii, freut*
her: e. M «.
Ingeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blüttel sowie d-Innonren-Bureaur von ®. L- Daube & 6o. in frankfutta-M; JSger^iche Buchhandlung daselbst: Hermann'1®: yuchhaudl. daseldst; Juoalidendant in ®it[tn; W. Xöienel in 8ib«fr!t> ■ L. Schlotte t ^r-mei.
Jüt in der Espe, itwn zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pso berechne!.
Ueber den Kornzoll
schreibt die neueste „Prov.Korr.":
Es fließt kaum einen anderen Punkt, auf welchem die Staatsregierung so unaufhörlichen Angriffen und gehässigen Verdächtigungen von feiten der Opposition ausgesetzt ist, wie den seit zwei Jahren mit Zustimmung des Reichstags eingeführten Kornzoll. Dieser Zoll wird bezeichnet als eine Besteuerung und Verteuerung des notwendigsten Lebensmittels der ärmeren Klassen zu gunsten des großen Grundbesitzers. Wenn auf eine solche Verdächtigung erwidert wird, daß der Kornzoll auf die Erhöhung der Kornpreise keinen Einfluß habe, so fragt man höhnisch, wozu denn ein solcher Zoll eingeführt sei.
Die Antwort ist aber für den Unbefangenen leicht zu finden. Nach einer ungünstigen Ernte werden die Kornpreise in Deutschland abhängig sein von den Preisen auf dem sogenannten Weltmarkt, das heißt von den Preisen, wie sie das internationale Korngeschäft zur Erzielung eines möglichst hohen Gewinnes machen zu können glaubt. Auf die Stellung der Kornpreise durch diese Art Spekulation übt der geringe deutsche Einfuhrzoll keinen Einfluß. Im Jahre 1847 ist eS allerdings vorgckommen, daß die Kornhändler große Gelreidemengen an der Grenze lagern ließen, um die Aufhebung des damaligen Eingangszollcs zu erwarten. Etwas Aehnliches könnte sich heute bei der außerordentlichen Steigerung der Verkehrsmittel nicht wiederholen. Wenn der eine Spekulant zögerte, um auch die kleine Summe des Kornzolles noch zu gewinnen, würde der andere sich beeilen, ihm das ganze Geschäft wegzu- nehmcn.
Anders verhält es sich nach einer guten Ernte, welche dem Jnlande und vielleicht einem großen Teil des im Getreide konkurrierenden Auslandes zu gute gekommen ist. Hier soll der jetzige Kornzoll einigenmaßen regulierend wirken, damit es der konkurrierenden Spekulation nicht so leicht wird, unterstützt durch die wohlfeileren Tarife für Massengüter, große, sonst nicht verwendbare Getreidemengen auf den deutschen Markt zu werfen und nötigenfalls zu Schleuderpre sen auf demselben zu verkaufen. Eine solche Spekulation schädigt in hohem Grade den deutschen Grundbesitzer und verkehrt ihm den Segen einer guten Ernte, von welcher er den Absatz seines Ueberschusses hofft, geradezu in Unsegen. Was nützen andererseits solche, durch ausländische Spekulation herbeigeführte Zwischenfälle ganz niedriger Preise der Brot konsumierenden städtischen Bevölkerung des deutschen Volkes? WaS an den eine kurze Zeit niedrigen Brotpreiscn erspart werden könnte, geht zehnfach verloren durch die Zerrüttung, welche das unverhält- nißmäßigc Sinken der Getreidepreise in die, städtische Arbeit konsumierende ländliche Bevölkerung bringt.
Nicht von einem durch die Spekulanten des Weltmarktes
Musikalisch.
Novelle von Ludovica Hesektel.
(iotHeljun.;.)
»Und weiß nicht," fiel Heinse mit leuchtenden Augen ein, „wie gut das eine Gericht daheim schmeckt, das die Liebe anrichtet, wie viel hübscher die Hausfrau im wollenen Kleide und ungeschminkten Gesicht auösieht, als jene Weiber in ihren seidenen Lappen, weiß nicht, wie wohl eS thut, wenn der müde Kopf des Weibes sich an die Brust des Mannes lehnt und in aller Müdigkeit noch an sein Behagen denkt, so zart, so klug, wie es der reiche Geist jener Damen sich nicht träumen läßt, und wie gut stchs in der Pferdebahn fährt in dem Gedanken: Jetzt stehen sie alle am Fenster und warten auf dich und nicken, wenn sie dich an der Ecke aussteigcn sehen und laufen dir entgegen. Welcher Junggesell kann daS von sich sagen!"
Stolz sah sich der Profeffor um und küßte die Hand seiner Frau, die eben wieder hereingetreten war, so ehrfurchtsvoll wie die einer Königin, obgleich diese an und für sich recht hübsch geformte Hand manche Spur der Näh- nadel und des Kochlöffels zeigte.
»Man kann aber doch heiraten, auch ohne diese Opfer lu. bringen," bemerkte ein etwas blasiert aussehender junger Assessor.
«O freilich," entgegnete Aveyron mit beißendem Spott, »man heiratet ein reiches Mädchen, wir sind ja mit unseren herrlichen gesellschaftlichen Zustänven so weit gekommen, daß ^e. Heirat, die sonst höchstens eine Versorgung für die Mädchen war, jetzt eine Versorgung für die Männer geworden ist. Das erstere war nicht schön, daS zweite ist me Schande, ein Krebsschaden für unscrejGesellschft. Ein »rmes Mädchen, sei eS noch so gut, hübsch und klug, hat
herbeigeführten Schwanken der Kornpreise, wobei auch ganz niedrige Preisstände zuweilen vorkommen mögen, kann man einen wohlthätigen Einfluß auf die wirtschaftlichen Zustände des deutschen Volkes erwarten. Wohl aber wäre eö für diefe Zustände ein wirklicher Segen, wenn die deutsche Landwirtschaft sich auf dem Punkt befände, das Inland regelmäßig und reichlich zu billigen und wenigstens immer zu mäßigen Preisen mit Korn zu versorgen. Um diesen Punkt erreichen zu können, müßte das in der deutschen Landwirtschaft angelegte Kapital nicht durch die hohen Gemeindezuschläge zur Staatsgrundsteuer nnverhältnißmäßig beschwert sein. Es ist ein bekanntes Beispiel, daß ein kleiner Grundeigentümer, zur niedrigsten Stufe der Klaffensteuer eingeschätzt war, an Grundsteuer aber einige sechszig Thaler entrichten mußte. Von dieser Ucberlastung sind die Grundeigentümer nur zu befreien entweder durch Ueber- lassung der Staatsgrundsteuer an die Gemeinden oder durch Zuschüsse aus Staatsmitteln zu den Gemeindebudgets. Beides setzt aber eine reichlichere Eröffnung der indirekten Steuerquellen als die bisherige voraus. Wenn die Fortschrittspartei mit ihrem Widerspruch gegen diese Maßregel sowie mit der Wicderaufhebung des Kornzvlles durchdringen sollte, so wird sie die deutsche Landwirtschaft auf einen immer niedrigeren Stand herabbringen und zuletzt dem Ruin entgegenführen. Wenn es denn überhaupt noch deutsche Konsumenten geben kann, so werden dieselben in bezug auf die Getreidepreise gänzlich abhängig sein von der ausländischen Spekulation, welche schon dafür sorgen wird, daß diese Preise in Deutschlavd wenigstens einen niedrigen Stand selten erreichen.
Tevtsche« Reich.
•» Berlin, 13. Juli. Heute eingetroffene Nachrichten auö der Umgebung des Kaisers vom 11. Juli bezeichnen das Befinden Sr. Majestät als ein vortreffliches. Die Nachtreise von Coblenz bis Constanz und nach der Insel Mainau hat der Kaiser in vollster Frische zurückgelegt. Auch die Stimmung Sr. Majestät witd als eine durchaus heitere und angeregte dargestellt, wozu vorzugsweise auch die guten Nachrichten über das Befinden der Kaiserin beitragen. Am Montag waren auf der Insel Mainau zum Besuch eingetroffen der Markgraf Max von Baden, Onkel des Großherzogs, Prinz Wilhelm von Baden, Bruder dcö Großherzogs, uno der König und die Königin von Württemberg. Am Abend sollte auf der Insel eine große Festlichkeit, Vorstellungen und Vorträge in Kostüme, Serenaden zu Wasser und Beleuchtung, stattfindcn. Von Constanz war bereits mittags eine große Anzahl reich beflaggter Schiffe zu diesem Zwecke cingetroffcn. — Einer Zeitungsnotiz zufolge sollen im Ministerium des Innern die Vorarbeiten für die dem Landtage aus diesem Ressort zu unterbreitenden Vorlagen schon im Gange sein und das
kein Anrecht an häusliches Glück mehr in dem vielgerühmten romantischen Deutschland, das ist nur für die reichen, wenn sie auch noch so häßlich und albern wären. Und wagts mal einer ein armes Mädchen zu heiraten, dann heißt'S: der macht eine dumme Partie! Ich könnte solchen Hallunken, die durch ihre nichtswürdigen Redensarten manch armes Mädchen um ihr Glück bringen, weil sie nicht ruhen, bis dem Kollegen oder Kameraden die dumme Partie ausgeredct ist, immer gleich an die Gurgel fahren, wüßte ich nicht, daß ihrer auch die Strafe harrt, eine reiche Frau, die sie mit maßlosen Ansprüchen martert, oder ein einsames Ende unter fremden Leuten."
Der Künstler setzte die Thcetasse^ so heftig auf den Marmorkamin, daß sie fast zersprungen wäre; eine etwas peinliche Pause entstand, denn mancher in der Gesellschaft fühlte sich doch getroffen; da fragte eine der älteren Damen, etwas indiskret zwar, aber ganz freundlich: „Das ist recht schön, liebster Kapellmeister, aber warum predigen Sie anderen und thuu selbst nicht nach Ihren Worten?"
„Weil ich kein Weib ernähren kann, gnädige Frau und mich nicht ernähren lasten will," lautete die kurze Antwort, der ein schallendes Gelächter folgte, denn man wußte, daß Aveyron über sehr bedeutende Einnahmen verfügte.
„Reicht nicht mal zum wollenen Kleide, nicht mal zu einem Gericht, auch nicht zur Pferdebahn!" so ging es neckend hinüber und herüber, bis man von dem eigentlichen Thema ganz und gar abgekommen war.
Bruno Ehrenfried Halle die hart uno scharf geäußerten Meinungm des Freundes mit einem ernsten Kopfnicken bestätigt und auch seinerseits manches Lächeln, manche Neckerei hervorgemfen. Der rege Verkehr de« jungen
Kompetenzgesetz werde einer Umarbeitung unterzogen, desgleichen eine Revision verschiedener Bestimmungen der KreiS- ordnung vorbereitet u. s. w. Nach meinen Informationen ist diese Mitteilung durchaus voreilig, da eS noch keineswegs feststehend ist, auf welche Materien sich die gesetzgeberischen Vorarbeiten des Ministeriums des Innern für die nächste Landtagssession erstrecken werden. Man wird nicht außer Acht lassen dürfen, daß bekanntlich nach den Wahlen zunächst die Berufung des Reichstags in Aussicht steht. Der Landtag wird daher keinenfalls sehr frühzeitig berufen werden können und die Dauer der Session vielleicht eine beschränkte fein. ES ist also gegenwärtig noch nicht abzusehen, ob die nächste Session, welche noch dazu die letzte der gegenwärtigen Legislaturperiode ist, Raum bieten und geeignet sein wi d, sich mit umfassenden reformatorischen Arbeiten zu beschäftigen. Zur Zeit ist man aber dieser Frage noch gar nicht näher getreten, und es wird daher aus vorstehenden Bemerkungen weder eine bejahende noch eine verneinende Antwort herausgelesen werden dürfen. Nur das ist sicher, daß, wie gesagt, jene Mitteilungen verfrüht und daß gegenwärtig noch keine Vorbereitungen für den Landtag im Gange sind. Richtig ist jedoch in jener Zeitungsnotiz der Hinweis auf meine frühere Mitteilung, daß der Minister des Innern beabsichtigt, die Provinzial - Landtage gutachtlich zu hören, iu wie weit überhaupt und in welchen Punkten eine Revision der jetzt geltenden Selbstverwaltungsgesetzgebung geboten erscheint.
Berlin, 13. Juli. Ueber die ReisediSposttionen des Kaisers wird jetzt lolgendeS mitgeteilt: Der Kaiser, welcher heute die Insel Mainau wieder zu verlassen gedachte, um sich zur Fortsetzung seiner Kur nach Gastein zu begeben, hat aus Anlaß des jetzigen schönen Wetters und zugleich den Bitten der großherzoglichen Familie nachgebend, seinen Aufenthalt in der Mainau noch um 24 Stunden verlängert und wird erst morgen, am Donnerstag den 14. Juli, von der Mainau abreisen und sich über Lindau und Rosenheim rc. nach Gastein begeben, wo Allerhöchstderselbr wie alljährlich wieder einige Zeit zu bleiben gedenkt. — Die „Pr.-C." enthält außer dem Artikel über den Kornzoll einen solchen über den Berliner Vertrag und die griechischtürkische Grenzfrage, dessen Schlußworte folgendermaßen lauten: „Und so kann man heute nach drei Jahren mit vollem Recht aussprechen, daß der Berliner Vertrag nicht nur in einem seiner schwierigsten Punkte, der griechisch- türkischen Grenzfrage, sondern überhaupt als Grundlage der friedlichen Beziehungen zwischen den Mächten Europas die Probe glücklich bestanden hat. DaS allgemeine Friedensbedürfnis hat allmälig und mit dem Berliner Vertrage feine Befriedigung gefunden, so daß die Hoffnung nicht unberechtigt erscheint, der Vertrag werde auch ferner in bezug auf die noch offengehaltenen Fragen, wie in seiner
ManneS im Hause seines Kollegen war nicht unbemerk1 geblieben, man sagte ihn mit Sebaste verlobt, noch ehe er sich nur über seine Neigung klar geworden war und heut erging man sich in so deutlichen Anspielungen, daß dem jungen Manne ganz bärge wurde. Wie würde Sebaste das aufnehmen, was davon denken! Würde sie glauben, daß er ihrer in unzarter Weise erwähnt und ihm deshalb zürnen! Um dem Gerede zu entgehen, machte er feiner jungen Gevatterin von gestern eifriger den Hof, als er es sonst wohl gethan hätte und dann fiel ihm plötzlich der Gedanke schwer aufs Herz, wie das eigentlich ein Unrecht sei, besonders da er nie zu den sogenannten Courmachern gehört hatte, fein Benehmen also doppelt auffallen mußte. Wie erlöst atmete er auf, als er hörte, wie drüben in Frau Louisens Zimmer auf deren Flügel, dem kostbarsten Stück ihrer Ausstattung, einige Töne angeschlagen wurden. Heinses pflegten ihre Freunde nicht unvorbereitet mit ihrer Musik zu Überfällen; es gab Abende in denen kein Ton irgend eines Instrumentes dort laut wurde, dir lediglich der Unterhaltung gewidmet waren; „die Musik darf nicht aufdringlich werden und alles andere bei Seite schieben", sagte Heinse, „sie neigt ohnehin dazu. War aber auf den Einladungskarten musikalische Unterhaltung versprochen, bann erwarteten die Wirte auch Ruhe und Aufmerksamkeit; wer keine Freude an der Tonkunst hatte, durfte ja nur die Einladung ablehnen und würbe bann zu ben unmusikalischen Abenden aufgefordert. Man nahm aber die Einladungen zu b n musikalischen Abenden sehr gern an, besonders wenn Aveyron in der Stadt war, denn das Heinsesche Haus war bav einzige, in dem er spielte. Jede von anderer Seite an ihn ergehende Aufforderung wies er schroff zurück. »Hei les sino meine Freunde", pflegte er zu sagen, „denen