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Jliatöurg, Donnerstag, 14. Juli 1881.

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Sr,ch«"t täglich außer an den Söerttagcn nach Gönn- un» Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeUag,3I*trirtei «»«ataaädlatt" durch dir Expedition (Ro»*f»e Buchdruckerei) bezogen 3i Mart, durch die PostLmter des Deutschen Reiches 3 Mart 50 Pf,, (erd. Bestellgebühr). - YnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,, gflr m der Expedition ,u «rtheilende Auslunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet. "

chhandlung daselbst; rmauu'sch! Buchhaudl. rldß: Jnvalidendank i» Sb Lhieue- tu

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annonceu-Bureaux von 9- L. Daube & So. in

V Treue gegen de« König.

Der Artikel der letzten Nummer derProv^Corresp.", in welchem ber Fortschrittspartei nachgewiesen wurde, baß ihre Behauptung:sie bewahre dem Könige Treue" eine Unwahrheit sei, unb baß die Fortschrittspartei es bei dieser Behauptung nur darauf absehe, die königStreuen und gotles- sürchtigen Bauern zu beruhigen, hat wie ein Blitz auS heiteren Wolken in die Kreise der fortschrittlichen Zeitungs­schreiber eingefchlagen unb ein wahrer Hagelsturm von Verwürfen wird infolge dessen von dieser Seite gegen daS halbamtliche Blatt gerichtet. Aber dieProv.-Corresp." ist den Beweis für ihre Behauptung nicht schuldig geblieben und weit man von fortschrittlicher Seite denselben nicht zu widertegen vermag, sucht man durch allerlei Verdächtigungen jener, die von achter Königstreue erfüllt sind, die Wahr­heit zu verdunkeln und sich in den Augen der großen Masse als unschuldig hinzustellen. Trotz alledem kann und wird es den fortschrittlichen Organen nicht gelingen, die Geschichte zu falschen, in deren Blätter für die Mil- und Nachwelt das Verhalten und die Ziele der Fortschrittspartei in klarster Weise verzeichnet sind, und die uns auf jeder Seite verkünden, daß diese, heute noch immer in das nationale Horn stoßende Fortschrittspartei weder eine natio­nale, noch eine königstreue Partei genannt werden kann.

Wir müssen in dieser Beziehung immer wieder an das Jahr 1866 erinnern, zu welcher Zeit die Fortschrittspartei, als unsere braven Soldaten schon vor dem Feinde standen, gelassen den Ruf ertönen ließ:Diesem Ministerium keinen Mann und keinen Groschen I" Legte dieser Ruf nicht Zeug­nis ab für die nationale Gesinnung der Fortschrittspartei unb sprach für eine solche Gesinnung nicht bentlich genug der Umstanb, baß sich die Fortschrittspartei der Umwand­lung Deutschlands aus der Bundesverfassung in die Reichs- Verfassung entgegenstelltc? stimmte die Fortschrittspartei nicht gegen die Reichsverfassung? Hat sie etwa nicht zu allen Zeiten versucht, die von unserem geliebten Könige mit so unendlicher Hingebung geförderte Wehrhaftigkeit unseres Heeres aufzuhalten?

Wir erinnern ferner an das offene Bestreben der Fort­schrittspartei, die Rechte der Krone auf verschiedenen Ge­bieten zu schmäleni, ein parlamentarisches Regiment herbei- zusühren unb somit das Parlament in die erste, beit König aber in bie zweite Stelle zu schieben.

Dieses in zweibeutigster Weise wieberholt unb öffentlich hervorgetretene Bestreben ber Fortschrittspartei wirb dieselbe trotz aller Anstrengungen doch nicht verwischen können, eben so wenig, wie sie Aeußerungen ihrer eigenen Organe unb Parteimitglieder ungeschehen zu machen vermag.

Noch vor wenigen Tagen schwang sich eins ber her­vorragenden Organe der Fortschrittspartei, derBerliner Bvrsen-Couriec", zu folgender, bie Zielpunkte ber äußersten Linken vortrefflich kcmizeichnenden Bemerkung auf:

Musikalisch.

Novelle von Lubovica Hesekiel. (Fortsetzung.)

Warum machten Ihre Geschwister aber nicht wenigstens ritten Versuch," fragte Ehrenfrieb, tief bewegt durch bie Trauer, die aus den Worten bes MäbchenS sprach.

AuS reiner Liede zu mir," erwiberte sie,man wollte mich vor einer Enttäuschung bewahren, meine Nerven schonen, <8 hat mir viel trübe Stunden gemacht, Denn als ich mündig wurde, war ich zu alt zum Lernen, das ist Übrigens auch erst ein halbes Jahr her," setzte sie lächelnd hinzu, aber bett Besuch von Konzerten, baö Hören guter Musik hatte ich mir längst von Louise erbettelt,, bie freilich ben Kopf darüber schüttelte, noch mehr als über meine Bücher- mustk, wie sie meine Stubien über bie Geschichte ber Musik, über die Geschichte ihrer Diener nennt. Unb boch haben mich diese Studien wenigstens etwas damit ausgesöhnt, daß weder mein Ohr noch meine Hand für den Dienst drr Frau Mustka ausgebildet wurden."

Ich habe Sie vom ersten Augenblick an für musikalisch Sri alten und ich thue eS noch," nahm Ehrenfried nach einer Pause daö Wort.

Ihre Augen leuchteten auf, dann sagte sie traurig: »Sie müssen keine falsche Hoffnungen in mir erwecken, und es wäre nun doch zu spät."

Warum, eS käme auf ben Lehrer an, singen könnten Sie noch immer lernen."

Ich habe keine Stimme unb kein Gehör; ich träume manchmal, ich könnte fingen unb es sinb wunberliebliche Töne, die ich dann auS meinem eigenen Munde höre, £one, die mich mit Entzücken erfüllen, aber im Wachen imbe ich keinen einzigen."

Glauben die Herren am grünen Regierungstische vielleicht, daß die Tugend der KönigStreue, welche dem Herzen ber Preußen eingeboren ist, eine so unerschüt­terliche ist, baß keine übte Nachrebe bie Preußen ver­anlassen könnte, von dieser Tugend abzulassen, wenn sie ihnen abgesprocheu wird? Wahrlich, daS wäre ein böser Aberglaube!"

Also die Tugend der KönigStreue sollte in den Hetzen der Preußen keine unerschütterliche sein?! Sie sollte hier­nach also doch erschüttert werben können burch ben Vor­wurf, baß bie Fortschrittler, bereit Blätter dergleichen schreiben, keine wahren Anhänger beS Königtums sinb?! Es wäre also ein böser Aberglaube, wenn ber Monarch fest auf bie unverbrüchliche Treue seines ganzen Volkes baut?!

Diese frevelhaften, jeden wahren Vaterlanbsfreunb em- pörenben Worte eines fortschrittlichen BlatteS beweisen deutlicher als alles andere, wie eS mit der wahren Königs­treue jener Partei, welcher dasselbe dient, eigentlich bestellt ist, ja sie geben den schlimmsten Befürchmngen Raum und enthalten unbestritten die verwerflichste Aufwiegelung!

Doch nicht allein die Gegenwart deutet durch solche Auslassungen auf die Ziele der Fortschrittspartei hin, auch die Vergangenheit hat derartige handgreifliche Beweise für die antimonarchischen Bestrebungen der Fortschrittler auf­zuweisen.

Zu Anfang ber siebziger Jahre, unmittelbar nach ben glorreichen Thaten unserer braven uttb tapferen Armee in Frankreich unter persönlicher Führung unseres greisen HelbenkaiserS tagte in Berlin eine fortschrittliche Bezirks- Versammlung, zu welcher man auch ben Abgeordnten unb fortschrittlichen Vertreter ber Residenz- unb Hauptstadt Königsberg Dickert ebtgelaben hatte. Mit ihm erschienen in dieser Versammlung bie Hauptwortführer ber Fortschritts­partei und unter allgemeiner Zustimmung proklamierte der genannte Abgeordnete als das Endziel aller fortschrittlichen Bestrebungen:Die Republik!" Er setzte hinzu und betonte dies noch ganz besonders in seinen Erwiderungen auf die Kritik der konservativen Presse,daß die Republik von ber Fortschrittspartei nur unter Anwenbung gesetz­licher (?!) Mittel angeftrebt werde!"

Wie ans einer Monarchie durch gesetzliche Mittel eine Republik hergestellt werden soll, darüber blieb der genannte fortschrittliche Abgeordnete die Antwort allerdings schuldig, eS ist aber nicht schwer zu erraten, daß der Fortschritts­partei, wenn man die angeblichen gesetzlichen Mittel was wir übrigens stark bezweifeln von ihr nicht erheuchelt sinb, bie stufenweise Erreichung des Enbziels ihrer poli­tischen Bestrebungen vorschwebt, b. h. von ber konstitutio­nellen Monarchie zur parlamentarischen Regierung uub, wenn man baS Heft erst in Händen unb eine Schatten­monarchie vor Augen lat, von dieser zur Republik!

Unb angesichts solcher Bestrebungen noch bie Behaup-

Wer weiß, wollen Sie denn nun meine Schülerin werben?"

Sie schüttelte ben Kopf.Ich würde immer beuten, in derselben Zeit, wo Du Dich unb ihn mit falschen Tönen quälst, könntest Du auch jetzt seinem wunderbaren Cello spiel lauschen."

So hören Sie mein Cello gern?" fragte er und ein freudiges Rot färbte bie gebräunte Wange,warum sagten Sie mir bas nie, wußten Sie denn nicht, wie hoch ich das schätze?"

Er hatte sich zu ihr hinabgebeugt, seine ernsten Augen ruhten so zärtlich auf ihrem Antlitz, ein Wort bebte auf feiner Lippe, das sie nicht ausgesprochen wissen wollte. Sie erhob sich rasch unb ries die Kinber.Wir müffen heim, Louise erwartet uns," sagte sie entschuldigend, ber Ton ihrer Stimme klang freunblich, auch ihr Blick warS, aber er biß bennoch bie Lippen aufeittanber unb baS freudige Rot war von feiner Wange verschwunden.

Mit dem Professor schritt er hinter ihr her; beide Männer waren wieder in ihren Beruf vertieft, aber die Augen des jüngeren hafteten boch immer wiber Willen an der schlanken Mädchengestalt, die leise den Kopf neigte unb in Gebanken ganz eigener Art verloren schien, ans benen sie nur zuweilen auffuhr, um den Kindern eine Warnung ober Ermahnung zuzurufen. Selbst auf ben AbschiedSgruß beS jungen Gelehrten dankte sie sichtlich zerstreut, so baß besten Mut immer mehr sank.

Frau Louise Heinse hatte ihre nicht großen aber be­haglichen und hübsch eingerichteten Salons in diesem Winter zum erstenmal einer größeren Gesellschaft geöffnet. Am .Tage zuvor war ihr jüngstes Kindchen in aller Stille ge­tauft worden, Ehrenfried war bet Pathe ber kleinen Lebaste

tung: Die Fortschrittspartei bewahre Treue gegen den König!

Einer derartigen Heuchelei gegenüber hat sich die halb­amtlicheProvinzial-Korresponbenz" mit ihrem Nachweis offenbar ein hohes Verdienst erworben und eS steht zu hoffen, daß ihre goldenen Worte in ben weitesten Kreisen Wiberhall finben, benn bie Volksschmeichler und Zeitgeist- Verdreher so nannte schon ber Satyriker M. G. Sa­phir vor vielen Jahren bie Elemente, aus benen sich unsere heutige Fortschrittspartei zusammensetzt benten bezüglich ber Treue gegen den Kaiser ebenso, wie übet die Treue gegen ben König und werden sich dem Volke gegenüber stets als wahrhaft monarchisch gesinnt hinstellen, während sie im Herzen Republikaner vom reinsten Wasser sinb unb bie Bevölkerung für ihre berfelben sorgfältigst verschwiegenen verwerflichen Ziele zu gewinnen suchen.

Für Jebermann aus bem Volke kann es hiernach keinem Zweifel mehr unterliegen, wohin er sich zu wenden und für welche politische Partei er sich in bem bevorstehenden Wahl­kampfe in seinem eigenen Internste zu entscheiden hat.

Deatsche« «eich.

Berlin, 12. Juli. Morgen, am 13. Juli, wirb ein Gebenktag gefeiert, an welchem, was gewiß selten bet Fall ist, alle europäischen Staaten in gleichem Maße be­teiligt sind: es ist bet breijähtige Gedenktag desBerliner Vertrages". Die Erinnerung an dies im Jahre 1878 voll­zogene großartige Friedenswerk erfüllt in diesem Jahre mit um so größerer Genuglhuung, als gerade jetzt bie Lösung bet schwierigsten Frage, welche bet Vertrag zu berückstch- rigen batte, sich vor unfern Augen vollzieht. Noch vor einem Iahte, ja weit fpäler noch, bis in bas gegenwärtige Jahr hinein, war man einer friedlichen, glatten Abwickelung ber türkisch-griechischen Gtenzfrage keineswegs gewiß. Man erinnert sich, daß am 16 Juni 1880 eine Nachkonferenz in Berlin zusammentreten mußte, um diese Angelegenheit, über toddie zwischen den beteiligten Regierungen eS zu einem Ausgleich nicht kommen konnte, einer abermaligen Beratung zu unterziehen. Man erinnert sich ferner, daß nachdem die damals gleichfalls noch schwebende montene­grinische Frage im November v. I. durch die Einwirkung ber Großmächte, welche ihren Mahnungen burch bie Ent­sendung deS Flottengeschwabers Nachdruck gaben, mit ber Uebergabe von Dulcigno ihre Lösung gefunben hatte, bie Mächte einen abermaligen uub energischen Versuch machten, auch bie Streitigkeiten zwischen ber Türkei und Griechen­land, welche einen kriegerischen Ausgang zu nehmen drohte«, zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Den Aus­schlag thaten endlich bie Botschafterkonferenzen in Kon­stantinopel , bie zu Beschlüssen führten, welche bei Pforte unb ber Regierung zu Athen als eine von Europa ge­troffene Entscheidung zur Kenntnis gebracht wurden. Beide

gewesen. Es war eine Eigenheit des Professors, daß solch Familienfeste im atterengften Kreise vor sich gehen mußten? tags Darauf aber möglichst glänzend gefeiert wurden. So war's auch diesmal geschehen und erst zu heute waren bie Freunbe und Bekannten beS Hauses eingelaben worden. Frau Louise sah blühender und heiterer denn je auS in ber Uniform ber Blonbinen, bem blauen Seidenkleide und bem koketten Häubchen, in bem eine Rose befestigt war; sie hatte für jeden Gast ein freundliches Wort und verschwand ganz geduldig mit jeder Besucherin, um ihr den Täufling von gestern zu zeigen, der natürlich alle Mütter aufs höch- lichste interessierte. Die jungen Mädchen ließen sich von Sebaste in die Kinderstube au bie Wiege führen und schauten neugierig auf bas mnbe Köpfchen, das da zwischen den Kisten lag. Eine aber, kühner als die anderen, beugte sich nieder unb küßte die winzigen Händchen, dann richtete sie sich wieder auf und sah sich mit einem gewissen Stolz um, sie durste das, denn sie war bie Pathin bes Kinbeö.

Wenn so ein Säugling im Hause ist, sind die Weiber rein des Teufels", murrte Aveyron, der am Karnin lehnte und Sebastes weißes Gewand eben wieder verschwinden sah, Junge und Alte!"

Beitrag zur grauenfrage", entgegnete der glückliche Vater, sich die Hände reibend,sie wissen'- alle ober ahnen doch, wo ihre heilige, höchste Bestimmung liegt"

Die ihnen von uns schuftigen Männern heutzutage so vielfach verkümmert wird", fuhr Aveyron he auS unb fein einziges Auge funkelte unter ber Brille, während» daS Glas­auge noch parier zu blicken schien als sonst.

Wie meinst Du baS?" fragte Ehrenfrieb, Der eben herantrat unb die harte Bemerkung des Freundes gehört hatte.