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Jliarßurg, Dienstag, 1*2. Juli 1881.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattei sowie d Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Kiankfurt a- M; JLger'schc Buchhandlung daselbst: Herrnamfschr Ouchhsuvl. daselbst; Jnvali'renran? in Berlin: W. ThteneS in slberfeld: S. Schlotte in Bremen-

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Richt Fürst Bismarck, fovderv die Liberale» hätten eigentlich Deutschland geeint, behauptet, wie so manche ihrer liberalen Kolleginnen, jetzt die „Magdeburger Zeitung".

Der Schnitter war Bismarck, der Säemann der Libe­ralismus; der Kanzler führt nicht seine Gedanken aus, sondern die deö Liberalismus!

Wir haben eine größere und weniger berechtigte An­maßung auf dem Felde der Politik kaum jemals von einem ernsthaften Blatte aussprechen hören. — Was hat denn der Liberalismus für die deutsche Einheit gelhan? Fromme Wünsche mag er für dieselbe gehegt haben, aber das ist wohl so ziemlich bei den meisten Deutschen der Fall ge­wesen —: irgendeine Form deutscher Einheit über den Frankfurter Bundestag hinaus haben sich wohl alle gebildeten Deutschen bald lebhafter, bald zurückhaltender gewünscht: nur jeder hat eben eine andere Form gewollt, und nicht leicht gelang es jemals auch nur tausend deutschen Männern, sich freiwillig in dieser Beziehung zu einigen, jo daß einer dem andern ein Haarbreit von seiner Son- dermeinung geopfert hätte. Am schwersten hat gerade die Fonschrittspartei — die „Liberalen" der „Magdeburger Zeitung" — sich an der deutschen Einheit dadurch ver­sündigt, daß sie die nationale Frage dem Parteistandpunkte, die Herstellung Deutschlands den Partei-Interessen unter­geordnet Hai: sie hat dies bis in die letzten beiden Jahr- zeimte und bis heute gethan und bei jedem Schritte der deutschen Gesetzgebung zur Konsolidierung des Reiches zuerst den Liberalismus und daun das Reich versorgt. — Aber nicht blos der Fortschritt, sondern auch die Rational- liberalen, als Laöker sie noch führte, waren in erster Linie liberal mnd nur in zweiter Linie national. Am allermeisten hat sich die liberale Partei an der nationalen Sache in den Perioden versündigt, als das Steuer der Regierung in ihren Händen lag: zunächst in den Jahren 1848 bis 49 und 50, als die Uebertreibungen des doktrinären Liberalis­mus, die Verfassungsmacherei der Professoren, der Grund­rechtschwindel, die Lahmlegung jedes Regierungseinflusses, endlich die gesamten Fürsten und Regierungen schließlich in den Stand der Notwehr zurückwarf, nachdem man dem König Friedrich Wilhelm IV. zugemutet hatte, einseitig von der Frankfurter Versammlung eine Verfassung anzunehmen, in welcher die kaiserliche oder sonstige Regierungsgewalt — von dem blühenden Unsinn des theoretischen Liberalismus überwuchert — lahm gelegt und erstickt war. Wenn man eine solche Gelegenheit gehabt hat, Deutschlands Einheit herzustellen, wie sie der Gesamtheit der liberalen Minister des Reichs und der Einzelstaaten im Jahre 1848 geboten war, und wenn man dann mit einem Fiasko geendet und seine Impotenz vor der Weltgeschichte nachgewiesen hat, dann ist es wirklich geschmacklos — um ein sehr mildeö Wort zu gebrauchen — jetzt, nachdem alles besorgt ist, zu

Musikalisch.

Novelle von Lu d o v i ca H e s e k i el.

(Fortsetzung.)

Franz war sich bewußt, daß die Mutter die bessere von beiden war, daß er ihr mehr verdankte an äußerlichem Wohl, denn sie hatte schließlich für ihn gespart, und doch liebte er den Vater mehr, bei dem er Verständnis fand für sein heiligstes, seine Musik. Damals hat er sich ange­wöhnt, seinen Vater schroff, fast unkindlich zu beurteilen, seiner nur mit Bitterkeit und Grimm zu erwähnen, er wollte die Liebe zu ihm gewaltsam töten, und cö war ihm bis auf den heutigen Tag nicht gelungen."

„Sie haben ein merkwürdiges Verständnis für unseren Freund, mein gnädiges Fräulein, ich bewundere das, denn Sie sind doch sehr viel pinget als er," bemerkte Ehren- fried kurz.

„Gerade zehn Jahr," nahm Frau Louise das Wort, »ja, Sebaste hat immer ein Stück Menschenkenntnis beseffen, sie hat eben mehr Verstand als Herz! schloß sie lächelnd, auch Sebaste lächelte.

„Ich dächte, Du hättest Dich längst auch von dem letzteren überzeugt," schob der Professor wieder ein, der nun einmal nichts auf seine kleine Schwägerin, die er ja miterzogen hatte, kommen ließ.

_ „Ich wiederholte nur Aveyrons Worte", lachte Frau Louise.

«Der hat das Kind freilich nie gekannt", murrte jetzt Heinse.

„Und ich glaubte, Avcyron und Fräulein Alling wären die besten Freunde," sprach Ehrenfried.

„Man kann sehr befreundet sein und sich sehr wenig "nnen, zuweüen nimmt die Freundschaft in dem Maße ab,

renommieren, man hätte es selber gemacht oder doch machen können.

Diese liberalen Großsprecher sind Epigonen von Fal­staff — ohne dessen Witz. Sie laden den toten Percy, nachdem andere ihn erlegt, auf ihre Schultern und rufen dem leichtgläubigen Leser, auf den sie rechnen, zu: „Da habt ihr eure deutsche Einheit — wir haben sie gemacht! Sind wir nicht mächtige Männer?"

Noch schärfer zeichnet sich für den politischen Kenner die Unfähigkeit des preußischen Liberalismus in der Episode der neuen Aera von 1859—62. Der Liberalismus hätte an seinem Fiasko von 1848 und in den zwölf Jahren, die daraus folgten, doch etwas lernen können, — aber er zeigte bei seinem ersten Wiederauftreten am Steuerruder der Regierung dieselbe Unfähigkeit und Impotenz, wie 1848. — Die glänzenden Auspizien, unter denen der Prinz - Regent dem Liberalismus freie Bahn eröffnete, mit einer starken Majorität, einem homogenen liberalen Ministerium und der wohlwollenden Zustimmung der Krone, machten schon nach weniger als drei Jahren dem Eindruck eines poli­tischen Bankerotts Platz, dessen residuum die Unmöglichkeit der Fortführung der Regierung in dem bisherigen Wege war. Der Liberalismus hatte den besten Intentionen gegen­über nichts als „nein" zu sagen vermocht, und wenn ge­mäßigte Elemente sich an positiven Schöpfungen versuchten, so glitt daS Parlament nach links, und jede Neuwahl führte radikalere und negativere Majoritäten in das Par­lament.—Wir wissen nicht, welchen Katastrophen Preußen entgegengegangen wären, wenn der König nicht aus eigener persönlicher Entschließung dem Verderben Einhalt gethan hätte.

Wo war denn damals der liberale Säemann, dessen Schnitter der jetzige Reichskanzler geworden ist? Wir finden bei dem damaligen Liberalismus keine Spur von nationalen Gedanken: nicht einmal vom Kieler Hafen wollte man sprechen hören; die Zahl der Bamberger Klein­staaten wollte man um ein starkes Glied vermehren und Preußen, wie man sich rühmte, den Großmachtskitzel aus­treiben!

Jeder Politiker, der als solcher die Schulbank hinter sich hat, konnte damals schon wissen, daß nur ein starkes preußisches Heer das Rüstzeug zur Einigung Deutschlands sein konnte; daß ohne ein solches die deutsche nationale Sache immer wieder an der Klippe Olmütz scheitern mußte; — dennoch bekämpfte der Liberalismus den staatsmännischen Gedanken des Königs, das preußische Heer zu stärken, mit allen parlamentarischen Mitteln, weil er eben an nichts dachte als an die eigene Partei, an sich selbst und an die Herrschaft seiner Führer. Um dieses vaterlandsfeindliche Streben zu bemänteln, gab man sich das Ansehen, als ob man noch damals, wie 1848, in dem Wahn befangen sei, durch doktrinäre Reden, Zeitungsartikeln und Vereinswesen

nachdem man sich kennen lernt," philosophierte Frau Louise, und ihr lustiges Gesichtchen sah geradezu komisch aus, wenn sie ernsthaft wurde, „aber Sebaste und Avcyron waren nie, große Freunce. Sie war noch zu jung, als er erst in unser Elternhaus, dann in das meines Mannes tarn; da­mals sang ich noch mehr als heute, wo ichs bei den Wiegenliedern bewenden lasse und damals wars auch, wo Avcyron meiner Schwester das bitterste Herzeleid ihres jungen Lebens anthat; ich glaube, sie hatö ihm noch nicht verziehen l

„Niemals," sagte Sebaste und preßte die kleinen weißen Zähne fest auf die rosige Unterlippe, während in ihren blauen Augen ein Blitz aufzuckte, dessen Ehrenfried sie gar nicht für fähig gehalten hätte.

„Ich glaube, Du nimmst die Sache noch immer ernst, Schatz," rief die junge Frau.

„Ich habe sehr wenige Dinge im Leben nicht ernst ge­nommen," entgegnete Sebaste scharf.

„Unb ich fast gar kcins," sagte Frau Louise, „nicht einmal, daß ich über meinem Geschwätz den Aermel da ver­kehrt eingenäht habe und nun trennen muß."

Sie summte eine italienische Melodie vor sich hin, und Ehrenfried erfuhr nicht, was denn Avcyron eigentlich Fräu­lein Sebaste angethan hatte, denn in diesem Augenblick lenkte Heinze seine Aufmerksamkeit auf die Abbildung eines merkwürdigen Fundes an Urnen und seltsamen Gefäßen, der kürzlich in der Nähe gemacht war, und darüber vergaß der junge Gelehrte Avcyron und Sebaste.

Draußen vor der Stadt, hart am Flusse hin, lag ein hoher Erdaufwurf, der den Gelehrten schon manches Kopf­zerbrechen gemacht hatte; alt war er, das bewiesen die vier mächtigen Eiche , die ihn krönten, obgleich sie an die fünf«

den starren Realitäten deö Bestehendell gegenüber die deutsche Einigung zu schaffen. Nicht um eines Haares Breite wäre diese Einigung vom Liberalismus gefördert worden, wenn König Wilhelm nachgegebcn, und wenn er nicht einen Mi­nister gefunden hätte, der bereit war, auf eigene Gefahr hin den Kampf mit der antideutschen und unpatriotischen Fortschrittspartei aufzunehmen, deren noch heute in der Führung befindliche Worthalter zur Landesverteidigung keinen Groschen bewilligen wollen — „und wenn der Feind auf dem Kreuzberge stände"! — Von allen Liberalen sahen nur Waldeck und Ziegler die Notwendigkeit des Krieges von 1866 ein und wollten dafür Geld bewilligen.

Es ist notlvendig, diese dunkeln Flecken in der vater­ländischen Geschichte der Gegenwart vor die Augen zu halten, zu einer Zeit, da die Schuldigen — unter der Maske fremder Verdienste aus der Vergangenheit — sich an das Volk wenden, um die Wähler und die öffentliche Meinung von neuem irre zu leiten.

Wenn die „Magdeb. Ztg." und ihre „liberale Genossen" jetzt sich das Hauptverdienst an der Schöpfung deö deutschen Reiches beilegen, so verfallen sie damit in die — gewöhnlich auf Selbsttäuschung beruhende Anmaßung von Leuten, die etwa in einem Lande mit schlechten Finanzen jahrelang ge­sagt haben: „Da muß Ordnung hineinkommen, und es muß anders werden" — und die bann, wenn ein tüchtiger Finanzminister ohne ihr Zuthun Ordnung hineiubringt, ruhmredig behaupten, der Mann führe nicht seine, sondern ihre Ideen ans, und ernte, wo er nicht gefiel habe. — Alle diejenigen, bie feit Jahrhunberten behauptet haben, wir müßten bessere Grenzen gegen Frankreich haben, können sich mit demselben Rechte cinbilden, daß sie mit ihren Redensarten Straßburg unb Metz erobert haben, wie bie milites gloriosi des Liberalismus jetzt nachträglich be­haupten, sie hätten die deutsche Einheit geschaffen, einfach, weil sie dieselbe früher als wünschenswert in bombastischen Reden und Resolutionen dargestellt haben. Tatsächlich aber waren diese selben Liberalen es, welche die Herstellung der deutschen Einheit gehemmt und gehindert haben, so weit sie irgend Macht dazu finden konnten.

Es gilt auf allen Gebieten, nur nicht auf dem bet Parlamentär - Politik, als geschmacklos, Leistungen Anberer vom hohen Pferbe herab zu kritisieren, wenn man selbst nie Etwas geleistet, unb falls man es versuchte, sich nur Blößen gegeben hat, — aber sich dann noch die Leistungen Anderer und obendrein solche, die man nach Möglichkeit gehindert hat, ins eigene Konto hincinzufälschcn unb schließ­lich, wie alle diejenigen, die es mit der Wahrheit nicht genau nehmen, an bie eigene wiederholte Unwahrheit selbst zu glauben, das erinnert doch stark an die Fabel von jenem im übrigen vielfach verkannten und mit achtbaren Eigen­schaften begabten Tiere, welches sich in eine Löwenhaut hüllte, die ihm nicht auf dem Leibe gewachsen war. (N.A.Z.)

hundert, ja tausend Jahre, bie ihnen der Volksmund gab, schwerlich Ansprüche machen konnten. Das Volk wußte überhaupt Wunderdinge von diesem Wall, den es bald den Römern bald den Schweden znschricb; unheimlicher Spuck wollte unb webte um die Eichen, um das ganze Terrain, spielende Kinder hatten hin unb wieder eine seltsame Münze oder eine wunderliche Scherbe dort gefunden, aber eine wirkliche Untersuchung hatte noch nicht stattgcfunden; Sebaste war cö acwesen, die ihren Schwager veranlaßt hatte, der Sache näher zu treten und er hatte wirklich bei einer Nachgrabung verschiedene Urnen entdeckt, bie ohne Zweifel ins frühe Ul ittelalter gehörten, aber vergebens hatte man bisher nach prähistorischen Resten gesucht, die doch hätten da sein müssen, wäre der Wall so alt gewesen, wie ihn der Volksmund machte.

DaS zu untersuchen, hatte sich Ehrenfried zur Aufgabe für seine Mußestunden gestellt, und Heinse war immer bereit, ihn zu begleiten. Aber Heinse kam nicht allein, und Ehrenfried ertappte sich darauf, daß er bald mehr nach einem weißen Hütchen mit blauen Bändern auSschaue, als nach der grauen Mütze des Kollegen. Aber die blauen Augen unter dem weißen Hütchen blickten auch gar so ver­ständig drein, sie unterschieden deutsche und wendische Ge­fäße, ja die Knochen ausgestorbener Tiere von denen noch existierender haarscharf, daß dem jungen Gelehrten die Vor­liebe für diesen Kollegen in langen Röcken gar nicht zu verdenken war. Störend war es nur, daß Sebaste niemals allein tarn, sondern stets begleitet von etlichen Neffen und Nichten, die sich draußen so gut wie daheim der Tante in die Arme, an die Rockfalten hingen, ohne daß cs dieser zu viel wurde. Bruno Ehrenfried hatte sonst gern Kinder um sich, aber die Heinseschen begann er allgemach zu