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Marburg, Sonnabend, 9. Juli 1881.

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meiden nimmt entgegen: Mpebtttoub.Blattes, Aed.Ann°ncen.Bure°Uk

LH, Dietrich & Eo. in »««fei und Hannover; DH. Äs'äÄ Bart « M., Berlin. Eia, «*H MZe in Berlin, Sranl-

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Anzeigen nimmt entgegen dielkxpeditton b. Blattei sowie d.Aniwncen-Bureaux von E. L- Daube & Co. in Ärqntfurt a. SW; Jägerlche Buchhandlung daselbst.; Hernumn'schr Buchhendl, daselbst; Invalidendanl in Berlin; W. Lhienrs in «bcrfelb: 6. Schlotte in

Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Tonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen BeilageAlnftvivte» rouutagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen Äh Hart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pf», (excl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet.

Bestellungen auf das dritte Quartal der

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mit deren Gratisbeilage

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werden noch fortwährend angenommen.

MB* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

MB* Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß die Oberhesfische Zeitung das einzige hiesige Blatt ist, welches mit dem Wölfi­schen telegraphischen Correspondenzbureau in Ver­bindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtigen Ereiguiffe sofort mitteilm zu können.

Die Exped. Oberh. Zeitung.

Der Respekt vor dem kirchlichen Glaube«.*)

Unter diesem Titel bringt die neuesteProv.«Corresp." einen Artikel, der sich mit der Fortschrittspartei beschäftigt. Derselbe lautet folgendermaßen:

Um zu zeigen, daß die Fortfchrittspartei es mit der Religion ernst nehme, berufen sich ihre Flugblätter auf den Satz ihres Programms:Die Gleichberechtigung aller Religions-Genosfenschasten muß mit Nachdruck gewahrt werden."

Das beweist nun freilich gar nichts oder es beweist nur, daß die^Partei sich in Religionsfragen unparteiisch verhalten und sich blos auf den Rechtsstandpunkt, nämlich auf den der Gleichberechtigung stellen will. Man sieht daraus, daß der Fortschrittspartei in religiöser Beziehung die Freiheit der Vereinigung zu Religtonsgesellschasten die Hauptsache ist, nicht aber die Verhältnisse der bestehenden Religionsgesellschaften, besonders der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche, welche doch die Verfassungs- Urkunde besonders erwähnt.

Es wäre z. B. viel bedeutungsvoller, wenn die Fort- schrittöpartei sagen könnte, daß ihr an dem Verfassungs- Artikel viel gelegen wäre, wo eS heißt, die christliche Reli­gion werde bei den Einrichtungen des Staates, welche mit

*) Der religiöse kirchliche Glaube des Einzelnen geht die Politik nichts an. Es mögen sich wohl zu jeder der Parteien Männer halten, die es ernst mit ihrem Glauben nehmen. Man hat kein Recht, dies in Abrede zu stellen. Wenn aber eine Partei als solche auch ihre Stellung zur Religion öffentlich betont, so ist es notwendig, ihre Parteigrundsätze und besonders ihr bisheriges Verhalten auch in dieser Beziehung zu prüfen. «.Anmerkung der »Provinzial-Correspondenz.")

Novelle von L u d o v i c a H e s e k i e l.

(Fortsetzung.)

Seit langen Jahren," erwiederte der Künstler,ich ging in ihrem Elternhaufe aus und ein, sie waren freund­lich gegen meine arme Mutter und verspotteten den Sohn der Milchgräfin nicht."

Aveyron" unterbrach ihn der andere, während sie jetzt langsam* durch die leeren Korridore schritten,sage mir, wie Du so empfindlich gegen Spott sein und Dich selbst so gerne spotten kannst."

Franz Aveyron übergab seine Violine einem Diener, der ihn am Ausgang erwartete zog den Kragen deS Ueber- ziehers in die Höhe und schritt draußen auf der Straße eine Weile schweigend neben dem Freunde her; es war winterlich kalt und der Mondschein leuchtete heller als die trüben Gasflammen; Ehrenfried mußte an Aveyron's wun­derliche Art gewöhnt sein, denn er staunte nicht, als dieser erst nach etwa einer Viertelstunde seine Frage beantwortete: Warum bin ich empfindlich gegen Spott? Weil ich so viel davon bekommen habe in meinem Leben, daß mir immer neue Wunden geschlagen wurden, noch ehe die alten geheilt waren und warum ich selbst so viel spotte, nun weil ich's der elenden Menschenbrut mit Zinsen heimzahlen will, waS sie mir gethan, ich will ihr nichts schuldig bleiben, mag es wohl doch das gräfliche Blut in mir sein, daS so hochmütig in mir aufwallt, obgleich mein Herr Papa eS für standesgemäß hielt, seine Schulden nicht zu bezahlen."

Franz, Franz," mahnte Baron Ehrenfried.

Du hast gut annehmen," erwiderte Aveyron,Du bist aufgewachsen in geordneten, soliden Verhältnissen, den Kampf «ms Dasein hast Du nicht gekannt, Dämonen wohnen

der Religionsübung im Zusammenhänge stehen, zu gründe gelegt (Art. 14 der preußischen Verfassung). Auch würde es schon für die ernste Gesinnung der Partei zeugen, wenn sie für den Satz in der Verfassung, daßbei der Einrich­tung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Ver- hältnifie möglichst zu berücksichtigen seien", ein lebhaftes Interesse bezeugte, was freilich mit gewissen Thatsachen im Widerspruch stände.

Die Berufung auf jene Gleichberechtigung beweist daher nur, wie schwer es war, etwas herauszufinden, was be­weisen sollte, daß daö Programm der Fortschrittspartei sich auch auf Religion beziehe. Das Wort Religion kommt allerdings darin vor, aber etwa im entgegengesetzten Sinne, als ein ehrbarer Bürger oder Bauer von Religion spricht.

Die Partei steht jedenfalls auf Grundlagen, welche eine rechte, zumal kirchliche Frömmigkeit schwer aufkommen lassen, und wenn man nichts Anderes für ihre Religiösität anzu­führen weiß, als daß sie die Gleichberechtigung aller Reli- gionsgenoffenschaften wahren wolle, so muß man ein Mit­glied oder Anhänger der Partei freilich für Freigemeindler aller Sorten, für Christkatholiken u. f. w., ja selbst für Muhamedaner ebenso eifrig eintreten, wie für feine eigene Kirche.

Doch eine Partei ist nicht nach einer einzelnen vielleicht unbefonnenen Aeußerung eines Flugblattes, sondern, zumal wenn sie schon lange besteht, nach ihrem ganzen Verhalten zu beurteilen. Allerdings zeigt die ganze Geschichte der Fortschrittspartei, daß sie ein eigentlich kirchliches Interesse keineswegs hat, sondern daß ihr die freien Genossenschaften wirklich viel mehr als die Kirche am Herzen liegen, wie sie denn auch in einer bekannten Erklärungeine allge­meine Gesetzgebung über »die Religionsgesellschaften ohne Rücksicht auf einzelne Konfessionen und ohne Bevorzugung bestimmter Kirchen" verlangte.

Bei allen Gelegenheiten hat in der That die Fort­schrittspartei die bestehenden Kirchen zu schwächen, den Glauben und die Bekenntnisse größerer Gemeinschaften zu erschüttern, dagegen nur die religiösen Meinungen des Ein­zelnen, höchstens der Gemeinde zu schützen gesucht. Sie bekämpfte deshalb eine der wichtigsten Thaten unseres Königs, den Ausbau der evangelischen Kirchenverfassung auf ihren geschichtlichen Grundlagen, bis zum letzten Augen­blick, und die Regierung muhte den schließlichen Erfolg in der Sache ihrem Einflüsse geradezu abringen. Ein Mann, den man schwerlich zu den Finsterlingen rechnen wird, der frühere Minister Falk, hat es selbst bezeugt, in welchem Geiste die Fortschrittspartei dem Werke der Kirchen- verfafiung widerstrebte. Die neue kirchliche Organisation sollte nach dem Sinne unseres Königs und seiner Regie­rung ein Quell wirklich evangelisch - kirchlichen Lebens, ein Quell wahrhafter Erfrischung und kräftiger Erneuerung des Wesens und Wirkens der evangelischen Kirche in nicht in Deiner Brust, glatt und eben liegt das Leben vor Dir, Du verstehst mich kaum."

Ich glaube, Du verstehst Dich manchmal selbst nicht," meinte Ehrenfried, und mit einem tiefernsten Ausdruck mhten seine Augen auf dem Gesicht deS Freundes.

Kann sein," erwiderte dieser und zuckte die Achseln.

II.

Der Professor Heinse hatte auf dem Gebiete der Archäo­logie einen guten Namen, junge und alte Gelehrte suchten sein Haus gern auf, und wenn er selbst auch nicht ohne einen Anflug von Pedanterie war, so wurde das durch die immer gute Laune seiner munteren kleinen Frau, durch die liebliche Anmut seiner Schwägerin ausgeglichen. Auch Bruno Ehrensried, der durch Empfehlungsbriefe einerseits, durch Aveyron andererseits bei ihm eingeführt worden war, fühlte sich bald sehr behaglich im Heinse'schen Hause, noch ehe er sich klar darüber wurde, daß Sebafte der eigenlliche Magnet war, der ihn dorthin zog. Noch nie hatte er ein solches Jntereffe, ein so feines Verständnis von fetten einer Frau für feine Wissenschaft gefunden, wie bei ihr, und er begriff, warum Heinze die Schwägerin seine rechte Hand nannte.

Und ich," fragte Frau Louise, schmollend chie hübschen Lippen aufwerfend.

Du bist die Linke, die dem Herzen näher ist," erwiderte der Gatte mit etwas steifer Galanterie, rief aber von da an feine Schwägerin kurzweg Rechte und seine Frau Linke, wozu er mit leisem Spott zu bemerken pflegte:Es paßt auch sonst, denn meine Louise vertritt im häuslichen Staats­leben gewöhnlich die Opposition, Sebafte das konservative .Element. .

Preußen fein. Hier galt cs für alle, denen das Gedeihen der evangelischen Kirche am Herzen liegt, lebendig und freudig mit Hand anzulegen und nach unseres Königs AusdruckGeist und Kraft zu erweisen". Die eigentlichen Fragen deS Bekenntnisses waren noch ausgeschlossen, die Fortschrittspartei und ihre Organe nahmen schon Anstoß an den Bestimmungen der Synodalordnung, wonach die zu wählenden Kirchenältesten und die Mitglieder der Synode geloben sollten, ihre Obliegenheitendem Worte Gottes und den Ordnungen der evangelischen Landeskirche gemäß erfüllen und danach trachten zu wollen, daß die Kirche in allen Stücken wachse an dem, der das Haupt ist, Christus". Der Minister Falk sagte damals einem der fortschrittlichen Führer, er müsse den Standpunkt, auf dem jener und feine Freunde stehen, grundsätzlich bekämpfen; ein Vorgehen auf ihrem Wege könne nur dahin führen, daß sich das religiöse Bewußtsein der einzelnen Gemeinden verflüchtige. Wolle man dem deutschen Volke sein Bekenntnis erhalten, dann müsse es eben bei gemeinsamen Einrichtungen, bei der Kirche verbleiben. Uebrigens denke auch die große Mehrheit der Evangelischen ebenso, und die Fortschrittspartei stütze sich ganz allein auf die Stadt Berlin und da auf die Be­zirksvereine; in Berlin selbst sei schon ein Umschwung eingetre­ten, und die Bezirksvereine, in denen alle Konfessionen vertreten seien, hätten gewiß nicht den Beruf, das kirchliche Bewußtsein der Bevölkerung zu vertreten; man solle überhaupt an die Weise denken, wie kirchliche Dinge in weiten Kreisen Berlins behandelt werden.

So der Minister Falk über die Stellung der Fort­schrittspartei zur evangelischen Kirche.

Doch in bezug auf die katholische Kirche rühmt sich die Fortschrittspartei, der Regierung geholfen zu haben, nämlich im geistlichen Kampf, im sogenanntenKulturkampf"; einer ihrer Führer hat sogar diesen Namen erfunden. Freilich hat sie von vornherein ganz etwas Anderes unter demKulturkampf" verstanden und erstrebt, als die Re­gierung. Letztere wollte nur den Staat gegen Uebergriffe der Kirche sicherstellen und hielt, selbst in der Hitze dcs Kampfes, das Ziel eines ernsten, dauerhaften Friedens immerdar fest tut Auge. In derselben Rede, in welcher Fürst Bismarck das berühmte Wort sprach:nach Canossa gehn wir nicht", fügte er unmittelbar hinzu:Aber die Regierung sucht emsig nach den Mitteln, um in einer möglichst friedlichen Weise in einen annehmlicheren Zustand zu gelangen". Die Fortschrittspartei dagegen wollte den Kampf gegen die Kirche als solche, sie erstrebte die absolute Trennung des Staats von der Kirche, die Trennung der Schule von der Kirche, kurz, es war ein Kamps dcs Un­glaubens gegen den Glauben.

Von einer ernstlichen kirchlichen Stellung und Auf­fassung ist bei der Fortfchrittspartei überhaupt nicht die Rede, und die sich mit ihr ans politischen Gründen Der«

Das junge Mädchen war eine ernfte nachdenkliche Natur, soviel war Ehrenfried klar, es lag auch auf ihrer Fröhlichkeit auf ihrem Lachen, wenn sie sich jezuweilen dazu hinreißen ließ, immer wie ein leichter Schleier. Sie war kürzlich sehr krank gewesen und man behandelte sie noch immer als Rekonvalescentin, obgleich nichts mehr in ihrem Wesen und Aussehen an Krankheit erinnerte, als vielleicht das kurze lockige Haar, das an die Stelle der schönsten Zöpfe getreten war, die sie ihr hatten abschneiden müssen, wie Frau Louise oft seufzend zu erzählen pflegte. Fand Ehrenfried das junge Mädchen mit der Archäologie in den verschiedensten Zweigen vertraut, so sand er sie einer anderen Kunst gegenüber ganz fremd, für die er ihr an­fangs fälschlich ein Verständnis zugetraut hatte. Gleich in der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft hatte er sie gefragt, ob sie musikalisch sei, und lächelnd hatte sie ihm fast mit denselben Worten erwidert, die Aveyron damals gebraucht hatte. Als er ihr darauf feine Verwunderung ausdrückte, sie in einem Konzert gesehen zu haben, in dem vorwiegend klassische Musik zum Vortrag gebracht worden, entgegnete sie ernst:Es giebt soviel Paradoxes in der Natur und im Menschenleben, so liebe ich gerade diese Art von Musik leidenschaftlich, wenn auch Ihr Freund Aveyron behauptet, es sei das nur eine Einbildung von mir." Und ein fast zorniger Blick flog hinüber zu dem Künstler, der in einem Lehnsessel, der eigens für ihn bestimmt war, an Frau Luisens Theetisch saß. Er hatte die Worte deS jungen Märchens recht gut gehört, aber er schenkte ihnen keine Beachtung, eine Erscheinung, die Ehrenfned schon öfter an ihm beobachtet Hatte. Er schien überhaupt jedes eingehendere Gespräch mit sebafte zu vermeiden und plauderte lieber mit ihrer Schwester; jene schien daran gewöhnt und es