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Warburg, Freitag, 8. Juli 1881.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie dAnnoncen-Bureaux von A-L-Daube & Go. ta Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhaadtung daselbst; Hcrvrsrm'sch: Kuchhandl. daselbst: Jusnttbrnoila! in Berlin: W. T-ienek t» Llberfclb: L. Schlotte in Breme».

»rlidetnt tLgltch außer an den Werttagen nach DM» und Feiettagen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJAuftrtrtkS ksuatsgdblatt" durch die Skpedttwn (Koch';che *r,w Buchdruckerei) bezogen Mark, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 3 Marl 50 Psg. (e$d. Bestellgebühr). LnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werde» 35 Vf8. berechnet.

Bestellungen auf das dritte Quartal der Bderhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

Illusterstes Sonntagsblatt

werden noch fortwährend angenommen.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

gM- Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß die Oberhessische Zeitung das einzige hiesige Blatt ist, welches mit dem Wölfi­schen telegraphischen Correspondenzbureau in Ver­bindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtige« Ereignisse sofort mitteilm zu können.

Die Exped. d. vberh. Zeitung.

Was bezweckt die Wirtschafts- und Steuer-Reform des Fürsten Bismarcks

(Schluß des Artikels III.)

Die heftigsten Gegner des Fürsten Bismarck waren auch in dieser Frage die Fortschrittler, die Nationalliberalen verhielten sich lau und flau, die Konservativen haben cS durchgcsetzt, baß wenigstens ein geringer Zoll (1 Mark für dm Doppelcentner) auf bas auslänbische Getreide gelegt und damit der einheimische Getreidebau ein wenig geschützt wurde. Die Landwirte haben keinen besseren Freund als den Fürsten Bismarck und es ist uns immer unbegreiflich gewesen, wie Ackerbau treibende Provinzen, z. B. Ostpreu­ßen, Fortschrittsmänner haben wählen können. Wenn die Gelbleute bas thun, so ist es natürlich. Denn die Liberalen der linken Seite sind die besten Freunde der Kapitalisten und suchen das bewegliche Vermögen so wenig als möglich zu besteuern. Das haben sie durch Ablehnung der pro- centualen Börsensteucr jüngst erst wieder bewiesen; leider stand diesmal auch die deutsche NeichSpartei größtenteils auf ihrer Seite. Wenn die Börsengeschäfte nicht nach Procentsätzen, entsprechend den umgesetzten Summen, be­steuert werden, so trifft die ganze Maßregel gerade die Jobber am wenigsten. Wenn nach dem genehmigten An­träge von Lcrchenfeld Schlußnoten nunmehr einer festen Steuer 20 Pf. pro Stück, solche auf Zeitgeschäfte einer Stempelabgabe von 1 Mark pro Stück unterliegen, so muß der sorgsame Familienvater, welcher etwa ein Wert­papier von 100 Mark kauft, eben so viel bezahlen, wie der gewissenlose Börsenspekulant, der sich auf einer Schluß- nota Papiere im Werte von 100000 Mark und darüber

kauft. Der richtige Ausgleich in Besteuerung des beweg­lichen und des unbeweglichen Vermögens ist also noch keineswegs gefunden. Wir Konservativen bedauern das im Interesse der Grundbesitzer und der kleinen Leute aufs lebhafteste; wir werden nicht aufhören, nach diesem gerechten Ausgleich zu ringen.

Wir fahren in unseren geschichtlichen Notizen über die Steuerreform fort. Da die Erträge der (verstümmelten) Tabaksteuer und der Zölle nicht hinreichten, um das ge­plante Reformwerk durchzuführen, wurden dem Reichstage in seiner 4. Legislaturperiode, 3. Session 1880 ein Gesetzes- Entwurf wegen Erhöhung der Brausteucr und ein Entwurf, betreffend die Erhebung von Reichsftempel-Abgabeu, vor­gelegt. Die Anträge wurden jedoch nicht genehmigt. Die Hauptgründe der Gegner gipfelten in der Besorgnis, daß die Regierung möglicherweise doch nicht die bewilligten Mittel zu der versprochenen Reform der direkten Steuern verwenden könne. Die liberalen Redner traten das alte Thema von denconstitutionclleu Garantieen" noch einmal wieder breit. Es würde uns zu weit führen, wenn wir auf Reden und Gegenreden näher eingehen wollten. Auch die Konferenz der deutschen .Finanzminister zu Koburg (Juli 1880) können wir nur erwähnen. Wiederholen wir lieber, welche Ziele bei der Steuerreform von Anfang an verfolgt und feftgehaltcn wurden. Dieselben find:

1) Selbstständigkeit der Einnahmen des Reiches, Abschaf­fung der Matrikularbeiträge;

2) Beschaffung der erforderlichen Mittel für weitere un­entbehrliche und von dem Reichs- bezw. Landtage ge­nehmigte Ausgaben des Reiches und der Einzelstaaten ohne Steigerung der direkten Steuerlast;

3) Ermäßigung der direkten Steuern in den Einzelstaaten und Erleichterung der Steuerlast der Kommunal-Ver- bände; im besonderen eine gerechte Verteilung der Lasten auf dem beweglichen und unbeweglichen Ver­mögen: Entlastung der Landwirtschaft, Heranziehung des Kapitals; Erleichterung der Unbemittelten, gerechte Besteuerung der Reichen.

In letzterer Beziehung ist speciell für Preußen stets in's Auge gefaßt worden:

a. Erlaß der vier untersten Stufen der Klassen­steuer ;

b. Beseitigung des Restes dieser Steuer als Staats- Einnahmequelle ;

c. Ermäßigung der fünf untersten Stufen der Ein­kommensteuer ;

d. Ucberweisung einer Quote der Grund- und Gebaude- steuer an die Kommunal Verbände (Provinzen, Kreise, Gemeinden).

Der erste Schritt zur praktischen Durchsührung dieser Pläne wurde in Preußen durch den dauerdm Erlaß (Verwendungsgesetz vom 16. Juli 1880) von drei Monats­

raten der Klassen- und der fünf untersten Stufen der klassificierten Einkommen-Steuer gethan. Die Steuerzahler werden auf ihrem Steuerzcttel mit Vergnügen den blauen Streifen bemerkt haben, welcher besagt:Die Monats-Raten der Klassen-, beziehungsweise der Einkommen-Steuer, von der letzteren die fünf untersten Stufen, für Januar, Februar und März 1882 bleiben außer Hebung." Neuerer Be­stimmung zufolge fällt die Hebung schon für die Monate Juli, August, September 1881 weg.

Ferner sollen die aus künftigen Reichs-Stellen eformen für Preußen disponibel werdenden Mittel unverkürzt ver­wandt werden:

1) zu einem Drittel

a. zur Außerhebungsetzung der vier untersten Stufen der Klassensteuer und

b. zur Überweisung des Restes dieser Steuer an die Kreise;

2) zu zwei Dritteln

zur Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuern bis zur Hälfte an die Kreise.

Was wird also der schließliche Erfolg für den Steuer­zahler sein? Die indirekte Steuer wird erhöht, und diese trifft den Reichen; denn wer viel verbraucht, zahlt eben viele Verbrauchssteuern. Die Börsenjobber, die Geldmänner und Kapitalisten werden mehr, wenn auch Dank den libe­ralen Parteien lange noch nicht genug herangezogen. Die direkten Staatssteuern, so wie die Kreis- und Kommunal­steuern vermindern sich erheblich. Alle diese Erfolge würden in noch höherem Maße hervortreten, wenn die vorgeschla­genen und mühsam errungenen Reformen von den liberalen Parteien nicht verkümmert und verstümmelt wären.

Deruscheä Reich.

Berlin, 6. Juli.Der Kampf gegen die Fortschritts­partei" so lautet die Ucberschrist deö Artikels den die Prov.-Korr." heute an erster Stelle bringt und dessen Wortlaut folgender ist:Das Bemühen derProv.-Korr." die königstreuen Versicherungen der Fortschrittspartei auf ihren praktischen Wert zu prüfen, finden naturgemäß in dem Lager dieser Partei selbst und besonders bei Denjenigen, welche im Sinne dergroßen liberalen Partei" das Zu­sammengehen mit derselben bei den Wahlen empfehlen hef­tigen Widerspruch. Wir werden uns hierdurch in der Er­füllung unserer Pflicht, die Bevölkerung über die wirkliche, thatsächliche Stellung der Parteien zur Negierung des Kaisers aufzuklären, nicht irre machen lassen: je lauter man vielmehr das Bünbuiß mit der Fortschrittspartei ver­kündet je fester die Ueberzeugung ist, daß diese Bewegung nur den entschlossensten, thatkräftigsten Männern dieser Partei zu statten kommen kann, um sie aus einer kleinen ohnmächtigen wieder (wie einst in der Konfliktszeit) zu einer großen, einflußreichen Partei zu machen, desto entschiedener

[Nachdruck verboten.)

Musikalisch.

Novelle von Ludovica Hesekiel.

I.

Das Konzert war zu Ende, die Thüren des Saales wurden geöffnet und die ganze Versammlung, die noch eben den Klängen eines Beethovenschen Trios scheinbar andächtig gelauscht hatte, stürzte förmlich hinaus in die Korridore, als hänge die ganze Wohlfahrt ihres ganzen späteren Lebens davon ab, jetzt möglichst rasch zu Mantel und Hut zu gelangen. Man stieß und drängte, wurde gestoßen und gedrängt, Herren aus den besten Kreisen der Gesellschaft, Damen, die aus Mitleid mit den armen Tieren keinen Hühnerbraten aßen, brauchten ihre Ellenbogen, als seien sie in einer Dorfschenke; dazwischen klang eS wohl,göttliche Musik",einziger Genuß",köstliches Piano",über Schu­mann geht nichts", aber die Hauptsache war der Mantel und der dampfende Thee daheim.

In dem leer werbenden Saal stand auf dem Podium die hohe Gestalt eines jungen Mannes von noch nicht breifeig Jahren; ein dunkelblonder Vollbart umgab das ttnste Antlitz mit den klugen grauen Augen, die unter einer prächtig gewölbten Stirn hervorsahen; daS dunkel­blonde Haar war leicht gelockt, er mußte eS zuweilen mit einer raschen Bewegung aus der Stirn werfen; seine Nase war weder griechisch noch römisch, aber nicht unedel, den Mund versteckte der Bart, aber wenn er sprach, sah man die weißen Zähne blitzen. Seine Haltung, seine Kleidung elegant im besten Sinne des Wortes, die Hand, von der er den perlgrauen Handschuh abgezogen, war Miß und wvhlgepflegt, aber kräftig ausgebildet.

Barbaren," sagte er mit tiefer wohllautender Stimme

zu einem kleinen untersetzten Herrn, dessen eines dunkle Auge hinter den Brillengläser funkelte, während das andere unbeweglich blieb.

Warum, mein Freund," sagte der andere mit bitterem Lächeln, während er die Violine, die er noch vor wenigen Minuten unter rauschendem Applaus gespielt hatte, in ihr Futteral legte,sie sind alle höchst musikalisch, klassisch gebildet sogar, denn sonst kämen sie nicht in eine Soiree für Kammermusik, Du solltest nur sehen, mit welcher souveränen Verachtüng diese Leute auf eine Oper, oder gar auf ein Gartenkonzert herabblicken. Und doch habe ich mehr musikalische Menschen gesehen, als ich noch derFiedler mit dem Glasauge" war und im Sommer im Freien geigte, wie jetzt, wo die musikalisch gebildete Welt dem be­rühmten einäugigen Virtuosen zuhört."

So giebst Du mir im Grunde recht," erwiderte der andere,eine aufmerksame Zuhörerin hast Du gehabt, diese eine war musikalisch durch und durch; ich sah ihr Köpfchen mit den großen blauen Augen mir gegenüber hinter dem großen Bechsteinschen Flügel, wie diese Augen leuchteten bei jeder gelungenen Passage, wie der seine Munv bebte, nur einmal sah sie um sich, mit einem prächtigen zürnen­den Blick, als zwei alte Jungfern in weißen Crepe de Obine-Tüchern und lilla Bandhauben gar zu laut schwatzten. War vielleicht die erste, die hinauslief," grollte der ein­äugige Virtuose,das Püppchen hatte Hunger, klassische Musik macht hungrig."

Du irrst," erwiderte der Jüngere,sie blieb ruhig auf ihrem Platze sitzen, erst als ihre Begleiterin sie leicht anstieß, erhob sie sich langsam, sieh, dort steht sie noch, in Sinnen verloren und läßt den Schwall an sich vorüber brausen."

Der Virtuose wandte sich um; dort stand das junge Mädchen, in schwarzem Seiwnkleide, eine weiße Spitzen- Kravatte, in der eine natürliche letzt leise welkende Pelar- gonien-Dolde befestigt war, um den Halö; ihr hellbraunes Haar war kurz an den Enden lockig, wie das eines KindeS und sie trug keinerlei Schmuck darin. Ihre Begleiterin, die um etliche Jahre älter war, als das etwa zwanzig­jährige Mädchen, ihr aber ähnlich, nur voller, frischer und roter auSsah, hüllte sie eben sorglich in einen weißen mit Schwan besetzten Mantel; weich schmiegte sich der Schwan- Besatz um den schlanken Hals und das Köpfchen hob sich darüber doppelt lieblich ab, der Virtuose aber lachte hell auf:Das muß wahr fein, Bruno Ehrenfried, einen merk­würdigen Scharfblick hast Du; o Sebaste Atting, Du bist ein liebreizendes Wesen, Du bist gut und klug, aber Du würdest Beethovens Trauermarsch für einen Galopp und eine Arie aus Blaubart für einen Choral halten, wenn man Dirs sagte und Dich hält man für musikalisch I"

Aber diese glänzenden Augen I"

Das machte das Gaslicht I"

Und sie ist doch musikalisch," beharrte Bruno Ehrenfried.

Du kannst sie ja selbst danach fragen," lachte der Musiker,beim sie lebt int Hause ihre« Schwagers, des bekannten Archäologen Heinse, den Du doch besuchen wirst."

Eine Schwägerin von Heinse," rief der junge Mann erfreut,die Dame wird mir immer interessanter."

Jedenfalls versteht sie mehr von Archäologie, wie von Musik," entgegnete der andere,die hübsche lebhafte Dame war ihre Schwester."

Du kennst sie?"

tFortsetzimg folgt.)