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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d-Annoncen-Bureauk von E. L- Daube L Co. in Srentfurt o. $i; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Zrrmann'sche Buchtzandl. daselbst; Jnvattdendanr in Berlin; W- LbieneS in Elberfeld; 8. Schlotte in
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Üb' Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß die Oberhesfische Zeitung das einzige hiesige Blatt ist, welches mit dem Wölfischen telegraphischen Correspondenzbureau in Verbindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtigen Ereigniffe sofort mitteilen zu können.
Die Ex-ed. I. Oberh. Zeitung.
Was bezweckt die Wirtschafts- und Steuer-Reform des Fürste» Bismarck !
III.
Ein entscheidender Schritt auf dem Wege der Steuerreform erfolgte in der zweiten Session der vierten Legislatur-Periode des Reichstages. Die Thronrede Sr. Majestät des Kaisers bei Eröffnung des Reichstags am 12. Februar 1879 kündigte die Resormvorlagen mit folgenden Worten an:
„Die Vorschläge, welche Ich Meinen Bundesgenossen teils gemacht habe, teils zu machen beabsichtige, haben zunächst den Zweck, durch Beschaffung neuer Einnahmequellen für das Reich die einzelnen Regiemngen in den Stand zu setzen, daß sie auf Forterhebung derjenigen Steuern zu verzichten vermögen, welche sie und ihre Landes-Vertretungen als die am schwersten aufzubringenden erkennen. Zugleich bin Ich der Meinung, daß unsere wirtschaftliche Thätigkeit in ihrem gesamten Umfange auf diejenige Unterstützung vollen Anspruch hat, welche die Gesetzgebung über Steuern und Zölle ihr zu gewähren vermag, und in den Ländern, mit denen wir verkehren, vielleicht über das Bedürfnis hinaus gewährt. Ich halte eS für Meine Pflicht, dahin zu wirken, daß wenigstens der deutsche Markt der nationalen Produktion in soweit erhalten werde, als dies mit unseren Gesamtinteressen verträglich ist, und daß demgemäß unsere Zollgesetzgebung den bewährten Grundsätzen wiederum näher trete, auf welchen die gedeihliche Wirksamkeit deS Zollvereins fast ein halbes Jahrhundert beruht hat, und welche in unserer Handelspolitik feit dem Jahre 1865 in wesentlichen Teilen verlassen worden sind. Ich vermag
nicht zu erkennen, daß thatsächliche Erfolge dieser Wendung unserer Zollpolitik zur Seite gestanden haben." Das sind des Kaisers Worte, das unsers Kaisers Wille.
Dem Reichstage gingen nun im April drei Vorlagen zu: ein Entwurf, betreffend den Zolltarif des deutschen Zollgebietes; ein Gesetzentwurf wegen Erhöhung der Brausteuer und ein Entwurf, betreffend die Besteuerung des Tabaks. Die Erhöhung der Brausteuer wurde von der linken Seite des Hauses abgelehnt, der Zolltarif und die Tabakssteuer wurden angenommen, jedoch mit erheblicher Herabsetzung der Steuersätze, d. h. in verstümmelter Gestalt, so daß der gehoffte Erfolg nur zum Teil ein- treten konnte.
Aus den bezüglichen Verhandlungen ragt die Rede des Reichskanzlers vom 2. Mai hervor, in oer er seine Ziele noch einmal darlegte und feine Bestrebungen allseitig begründete. Um uns nicht zu wiederholen, gehen wir nur auf den Abschnitt ein, der die Besteuerung des ländlichen und städtischen Grundbesitzes betrifft. Als Thatsache wird hingestellt: die Steuerlast ist zwischen beweglichem und unbeweglichem Vermögen ungleich verteilt, der ländliche wie der städtische Grundbesitz sind überbürdet im Vergleich mit dem beweglichen Besitz. Eigentümlich, daß man so viel von der Notwendigkeit wohlfeilen Getreides und wohlfeiler Nahrungsmittel redet, und dennoch den inländischen Producenten mit einer Grundsteuer belegt, die sich auf zehn Procent des Reinertrages beläuft. „Derselbe Landwirt, der diese Grundsteuer bezahlt und sie abrechnen muß von dem Ertrage des von ihm zu Markte gebrachten Getreides, der hat außerdem nun noch für die landwirtschaftlichen Gebäude, die er braucht, eine Gebäudesteuer zu zahlen, in der eine gewisse Schraube liegt, die alle Jahre wächst. Dieselbe Gebäudesteuer schlägt also nochmals denselben Producenten, der durch die Grundsteuer betroffen ist. Dann kommt die Einkommensteuer, die ohne Rücksicht darauf, daß sein Einkommen aus Grund und Boden schon durch die Grundsteuer einmal, durch die Gebäudesteuer zum zweiten Mal besteuert worden ist, ihn noch zum dritten Male für dasselbe Einkommen aus den Gebäuden belastet, die wesentlich nur das Handwerkszeug zur Benutzung des Grundes und Bodens sind, für den er auch bereits steuert. Es ist dies also nicht nur eine doppelte Steuer, es ist eine dreifache Besteuerung desselben Einkommens!" — Die Besteuerung, so weit sie in der Grundsteuer liegt, beläuft sich auf 5 Procent bei schuldenfreiem, auf 10 Procent bei verschuldetem Besitz. Die Gebäudesteuer beträgt die Hälfte der Grundsteuer, also mindestens 2 bezw. 5 Procent, die Einkommensteuer 3 Procent; die gesamte Steuerlast demnach bei unverschuldetem Besitz 10 Procent, bei verschuldetem gegen 20 Procent. Dagegen bezahlt das bewegliche Einkommen nur 3 Procent II Fürst Bismarck fährt fort: „Rechnen Sie zu den Staatssteuern noch die
communalen, Kreis- und provinzialen Zuschläge, — Sie werden mir zugeben, daß 100 Procent Zuschlag günstige Verhältnisse sind, und daß diese Zuschläge in den ackerbautreibenden Provinzen vorzugsweise auf der Landwirtschaft ruhen — so haben Sie für die einheimische Landwirtschaft eine Besteuerung der Getreideproduktion, die zwischen 20 und 30, ja selbst mehr Procent variiert, und dem gegenüber findet die Einfuhr alles ausländischen Getreides unverzollt statt. . . . Kein Gewerbe im ganzen Lande ist so hoch besteuert, wie die Landwirtschaft. Bringen Sie die Landwirtschaft heute herunter auf die Gewerbesteuer, auf die durchschnittliche Steuer jedes anderen Gewerbes, und Sie werde» sie um mindestens 3/r dessen, was sie heute trägt, erleichtern müffen, vielleicht um sehr viel mehr. In allen anderen Produktionen ist die erste Aufgabe des Gesetzgebers auch schon früher immer gewesen, den inländischen Producenten etwas besser zu behandeln, als den fremden. In den landwirtschaftlichen Produkten ist eö gerade umgekehrt." (Schluß folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht an der Spitze des Blattes folgendes: Die seit Erkrankung I. Maj. der Kaiserin und Königin in Coblenz täglich dntreffenben Nachfragen ber auswärtigen Höfe sowohl, als auch von anberen fürstlichen und Privatpersonen geben den Beweis des allgemeinen und weit verbreiteten Anteils, welcher an dem Befinden der Kaiserin genommen wird. Dasselbe kann, obwohl es bis vor Kurzem erheblichen Schwankungen unterworfen war, nunmehr als ein die Aerzte befriedigendes bezeichnet werden und man darf sich daher der Hoffnung auf einen weiteren normalen, wenn auch langsamen Verlauf der Krankheit und eine glückliche Genesung hingeben. — I. Kais, und Kön. Hoh. die Frau Kronprinzessin ist mit ihren Kindern heute früh um 8 Uhr 10 Mm. nach London abgereist und trifft mit dem Kronprinzen heute Nachmittag um 5 Uhr in Oberhausen zusammen. — In dem Prozesse gegen den Vorstand eines Bezirksvereins und den Redner Rechtsanwalt Munkel wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz erklärte das Schöffengericht, das Gesetz verbiete nirgends die Teilnahme an den Verhandlungen und sprach sämtliche Angeklagte frei. — Graf Limburg-Stirum erhielt den roten Adlerorden zweiter Klaffe mit Eichenlaub. — Graf Wilhelm v. Bismarcks Rede bietet der liberalen Presse noch immer Stoff zu den maßlosesten Angriffen und mit besonderer Genugthnung registriert sie die Bemerkungen des „Reichsboten" über dieselbe. In konservativen Kreisen ist man im Großen und Ganzen mit den Ausführungen des Grafen Wilhelm v. Bismarck einverstanden, namentlich seitdem man aus dem stenographischen Bericht ersehen hat, daß die gleich nach der Versammlung, in welcher ber Graf
Der Dreibirkeuhof.
Roman von August Butscher (Schluß.)
Drei Monate schon ruhte ber Bauernkönig im Grabe.
Auf dem Dreibirkenhofe war eS öde. Frau von Bern war in bie Stabt gezogen unb hatte beim Abschiede geweint und manchen Segenswunsch zurückgelaffen für die ihr Liebgewordenen. Ost aber fuhr sie heraus In einem einfachen Gefährte und saß mit Eva unb bem Lehrer unter ben brel Birken ober fuhr im Kahne auf bem Bachweiher. Die Armut hatte sie bescheiden gemacht, und als sie durch das Legat des Schultheißen plötzlich wieder zu Vermögen gekommen, hatte sie die Bescheidenheit und einfache Lebensweise beibehalten, unb so war sie durch eine gute Schule gegangen.
Wieder leuchten bie Birken im Herbstrot, unb im Laub- toalbe drüben Wüten grelle Farben. Wieder fiel das Reb- laub, und nur bie Astern im kleinen Gärtchen lächeltm noch sreunblich in bie Sonne.
Die Laube im Gärtchen war üppig umrankt von wilben, rötlich gefärbten Reben, die sich tief über die Oeffmmg neigten, wie reiche Locken.
Es war nachmittag.
_ In der Laube saß die junge Birkenhofbäuerin mit einem weißen Strickstrumpf in der Hand. Die Nadeln ruhten, denn Eva träumte offenen Auges. Leise strich der kleine Fuß über ben Sand, unb das braune Auge sah immer wieder zwei Hieroglyphen entstehen, ein 3 unb ein H, das der Fuß schnell wieder verwischte, um eS gleich wieder neu entstehen zu lassen. Aber der hieroglyphisch Angedeutete «eß nichts von sich hören, unb auch der „Cllronenander"
war nach dem Begräbnis des Schultheißen ohne Abschied verschwunden.
Eva summte endlich ein altes Lied, so leise aber, daß es nur die Sperlinge hörten, die auf dem Blätterdach saßen und neugierig hinunteräugten. Die letzte Strophe hieß also:
„Will ich lustig erscheinen, So kommt mir das Weinen, Denk ich traurige Sachen, So kommt mir das Lachen; Unb will ich mich kränken, So muß ich bran denken, Mein Lachen unb Weinen Gill immer bem Einen I"
Es ftanb ein Schatten vor ber Sonne, als Eva auf« sah, unb sie wischte bie Augen, um bester zu sehen. Aber gleicher Zell bogen sich die Laubgewinde auseinander, ein spitziger Hut neigte sich vorwitzig hinein, und eine große Goldtroddel schaukelte wie eine goldene Blume in bem Rebenrot.
Jawohl, er wars — ber Citronensepp I ♦ ♦
Doppelhochzeit im Dreibirkenhof.
Eva, bie verwitwete junge Dreibirkenhofbäuerin unb ber Citronensepp einerseits, bann ber aus dem Zuchthause als ein Büßer und befferer Mensch heimgekehrte Johannes und die dralle Höhlengundel andererseits waren bie Hochzeitspaare.
Heute — über ein Jahr nach bem Hinscheiden des Bauernkönigs und des allen Höhlenhofers, der beiden feindlichen Nachbarn heute herrschte wieder Freundschaft zwischen bem Dreibirkenhof unb bem Höhlenhof. Ja, heute
mischten sich Freuden- und Wehmutsthränen in ben alten Augen bet Martha, bie wieder einen Hofbauer, diesmal ben rechten, sehnlichst erwünschten — ben mit der Goldtroddel am spitzigen Hute — auf dem reichen Heimgute sah.
An der langen, weißgedeckten Hochzeitstafel, auf welcher alles Silbergeschirr des alten Bauerngeschlechtes vom Dreibirkenhof prunkte, bemerkte man unter ben Gästen auch Frau von Bern, ben Lehrer Brinkmann, den Konzertmeister Gutekunst mit seiner blauen Brille, den kecken, kleinen „Cttronenander", ben Höhlenlenz mit seiner Pfeife im linken Mundwinkel, seine gravitätische Frau Pönitentia, geborene Bundschuh, unb selbstverständlich den „Wiener" Thomas Bitterle in wohlgebürsteter Uniform unb mit ausnahmsweise blankgeputztem „Schwert".
Der Wirt „zum Lerchenflügel" mit seiner weißen Schürze durchflatterte die Feststube.
Die Stimmung der Hochzeitsgäste war schon ziemlich warm, denn der aufgesetzte Rote war alt und feurig; da wischte Herr Gutekunst bedächtig die blauen Brillengläser mit seinem Foulard und blinzelte unter bedeutsamem Lächeln zum schwarzäugigen „Citronenander" hinüber. Alsogleich verschwand dieser von feinem Platz am Hochzeitstisch, und Über ein Kleines kehrte er mit einer goldfunkelnden Zither zurück, welche er feinem Bruder mit einem Blick reichte, aus dem der Schalk hervorlachte.
„Hellauf, Citronensepp!" rief da der Höhlenlenz so ungestüm, daß ihn ein Rippenstoß seiner Ehehälfte an Manierlichkeit mahnen mußte.
Der Citronensepp sah seine errötende Braut an — sie nickte leicht — und er griff strahlenden Auges in das funkelnde Satenspiel.
Laullose Stille.