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Marburg, Sonntag, 3. Juli 1881.
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Laz eigen nimmt emgegen: »ieLrpedttio» d.vlatte«, sowie d-Annoacen-Bureaur von Th. Dietrich & So. in ftaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM; Haasenstein & Bögler in hrnnsturt »- M., Berlin, QtiBitg. Söln ic.; Rudolf iÄcffi ix Berlin, Kremt- fnrt e. tÜt- ic.
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Erscheint täglich außer an den Werltagen nach Gönn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wdchenUichen Beilage „JlNstrirte« Gouutagddlatt" durch die Srpedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
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BÄ** Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
BÄ** Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß die Oberhesfische Zeitung das einzige hiesige Blatt ist, welches mit dem Wölfischen telegraphischen Correspondenzbureau in Verbindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtigen Ereigniffe sofort mitteilen zu können.
Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.
Den scher Reich.
** Berlin, 1. Juli. Infolge der Erkrankung der Kaiserin ist es zweifelhaft geworden, ob der Kaiser schon am Sonntag (3.) Ems verlassen wird. — Der Unterstaatssekretär Stark im Ministerium des Innern, welcher sich bereits vor vierzehn Tagen nach Karlsbad begeben wollte, aber durch eine Erkrankung hier festgehalten wurde, ist neuerdings heftiger erkrankt und wird wohl noch auf einige Zeit an seiner Abreise verhindert sein. Da auch der Minister v. Putikamer, welcher von Ems aus auf einen Tag hierher zurückgekchrt war, sich inzwischen nach Westpreu'tzen begeben hat, so führt augenblicklich der neu« ernannte Ministerialdirektor Herrfurth allein die Leitung des Ministeriums. — Dem Bundesrat sind wieder drei Vorlagen zugegangen. Die erste handelt van Ausführungsvorschriften, welche für das Gesetz betreffend die Erhebung von Reichs-Stempelabgaben erforderlich sind. Dieselben sollen nach dem Entwurf in zwei Abschnitte zerfallen, von denen der erste die durch Publikation zur Kenntnis der Steuerpflichtigen zu bringenden Bestimmungen, der zweite die Dienstvorschriften für die mit der Anordnung des Gesetzes befaßten Behörden und Beamten enthält. — Die Resolution de« Reichstags zu dem Gesetzentwurf, daß bereits 30 Tage vor dem auf den 1. Oktober d. I. normierten Inkrafttreten des Gesetzes die Möglichkeit für die Abstempelung der stempelpflichtigen Wertpapiere dargeboten werden möge, ist wenigstens bezüglich der ausländischen Wertpapiere in einem thalsächlichen Bedürfnisse begründet und ist deshalb nicht bekämpft worden. Auch für die Abstempelung der Formulare zu Schlußnoten wird etwa
Der Dreibtrkeuhas.
Roman von August Butscher
(Fortsetzung)
Der Hund schlug an, als sie zum „Marterle" trat und wieder und wieder die gemalten Buchstaben laö. Sie schickte die runden Augen fragend umher und erschrack, als sie den feindlichen Nachbar so unversehens erblickte. Der Schultheiß erkannte sie nicht gleich, denn sein Auge war blöde geworden, und seine Gedanken waren fern und verworren.
Die Gundel faßte einen herzhaften Entschluß und tra* zu dem Birkenhofer.
„Guten Abmd, Nachbar," redete sie ihn schüchtem an und strich verlegen über ihre Schürze.
„So, Du bist's?" war die Gegenrede des Krönten, der sich kaum zu verwundern schien. „Was machst Du da draußen? Willst wohl Deinem Bräutigam ein Vaterunser nachschicken in die Ewigkeit?
Er hustete und sah ins Leere.
„Jawohl, das will ich," war die Antwort. Ich komm' grab' herüber vom Dorfkirchhof und hab die Toten besucht und bin dann so wie von selber herausgekommen zum Marterle, um für den Friedel und den Johannes ein gut Wort einzulegen bei Gott."
„So? das ist schön," hüstelte der Schultheiß und suchte seine gebeugte Gestalt emporzurichten an der Eiche, aber es ging nicht mehr. Sein Leib war und blieb gebeugt, und kein neues Leben kam mehr in ihn, und er welkte dahin wie die Eiche, die der Feuerodem mit dem Tvdeskufie berührt hatte.
„Was geschehm ist, ist geschehen," redete er dann wie
30 Tage vor dem Inkrafttreten des Gesetzes bereits Gelegenheit gegeben werden müssen. Die erforderlichen technischen Vorbereitungen würden aber nur dann rechtzeitig beendet werden können, wenn mit demselben ohne Verzug begonnen werden kann. Es wird daher eine möglichst baldige Beschlußfassung des Bundesrats beantragt. — Die zweite Vorlage behandelt die Umgestaltung des durch Bundesrat vorgeschriebenen Musters der jährlich zu fertigenden statistischen Uebersichten über die Brantwein- brennereien und die Brantweinbesteuerung, welche durch die Veränderungen hinsichtlich der Steuerfreiheit des BrantweinS zu gewerblichen Zwecken infolge des Gesetzes vom 19. Juli 1879 notwendig geworden ist. — Die dritte Vorlage endlich ist durch die Beschwerden veranlaßt worden, welche über die nachteilige Einwitkungen des auf 10 Prozent Holzgeist denaturierten BrantweinS auf die Gesundheit der bei dem Verbrauch des letzteren beteiligten Arbeiter erhoben worden sind. Nach Anhörung von Sachverständigen beantragt der Reichskanzler, daß an Stelle der vorgeschriebenen Denaturierung des BrantweinS mit lOProzent Holzgeist eine solche mit 5 Prozent zu geschehen habe, und daß der Holzgeist an Allylalkohol und Holzölen nicht mehr als das iVüache der vorgeschriebenen Mindestmenge enthalten dürfe. — Aus Kairo wird hierher gemeldet, daß der König von Hawaii in den nächsten Tagen von Hinter-Jndien aus dort eintreffen werde. In Europa gedenkt der Monarch Italien, Frankreich, England und Deutschland zu besuchen. Derselbe macht die Reise im Jncognito und wird wohl auch bei unserem Hofe eintreffen, obwohl er bisher noch nicht angemeldet ist.
Berlin, 1. Juli. Der Kronprinz reift heute Abend nach Coblenz ab. Die Reise der Kronprinzlichen Familie nach England ist von dem Befinden der Kaiserin abhängig gemacht worden. — Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist morgens nm 83/* Uhr mit seiner Gemahlin und seinen beiden Söhnen nach Kisstngen abgereist. — Dem „Reichs- Anzeiger" zufolge dürfen dem Reichskanzler während seines Aufenthaltes in Kissingen weder amtliche noch nichtamliche Schriftstücke vorgelegt oder nachgesandt werden. — Tie „Nat.-Ztg." meldet, der Termin für die Reichstagswahlen scheint näher bevorzustehen, als man bisher annahm.
Eobleuz, 1. Juli. Das neueste Bulletin über das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin lautet: Nach einem unruhigen Tage hatte Ihre Majestät die Kaiserin gestern Abend mit beträchtlicher Schwäche zu kämpfen. Die Nacht brachte etwas Schlaf. Heute hat die Kaiserin Nahrung zu sich genommen, seitdem ist die Schwäche geringer. Die Kaiserin ist fieberfrei, der Zustand des Pulses und der Wunde ist fortdauernd gut.
Düffeldorf, 27. Juni. Es sind Verhandlungen darüber gepflogen worden, welche Maßnahmen zur Förderung der Versorgung der mit Aussicht auf Civilversorgung verab-
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zu sich selbst weiter und bohrte den Stock in den rissigen, lechzenden Boden.
„Das muß war sein," sagte die Gundel gepreßt, „eS ist viel Schmerz in dem Wort, aber auch viel Trost. Mir ist auch schon viel passiert, aber es wird eben so bestimmt gewesen sein, ich find' nichts Besseres, wo ich hinschau'."
Dir passiert?" fragte der Schultheiß mit einem Anflug von Spott.
„Viel und immer mehr," war die Antwort. „Erst gestern hat michs getroffen in meinem Vater; er hat einen Blutsturz gehabt, von dem er wohl nimmer aufsteht."
„Ein Blutsturz?" murmelte der Dreibirkenbauer, der kaum recht zu wissen schien, von wem die Rede war. Doch plötzlich schien es ihm zu dämmern und das zornige Erinnern kroch ihm schmerzend in das Herz.
„So, so, ein Schlag?" war seine bittere Antwort. „Mich hat schon mehr als einer getroffen, gehört ihm auch was, dem Duckmänser; hat er den Hahn gerupft, soll er an den Federn ersticken."
„Nachbar, das ist sündhaft," fuhr die Gundel auf, und ihre Augen leuchteten zornig.
„Bah, gieb Dich zufrieden," war die halb abbittende Gegenbemerkung.
„Ich mein' nur so: wie man sich bettet, so liegt man" — und wieder versank er darauf in sein dumpfes Sinnen.
„Und ist es bös mit ihm?" fragte er weiter.
„Bös," erwiederte die Gundel. „Er kann schier nimmer reden und schaut so erbärmlich mit den Augen, daß es einem in die Seel' schneidet."
„Ja, ja — mir schneidets auch und Andern mit mir, und immer," murmelte der Hofbauer.
„Mir gewiß mit Euch," sagte die Höhleiigundel sanft
schiedeten Offiziere getroffen werden können. Dabei ist u. a. in Anregung gebracht und als wünschenswert bezeichnet worden, daß in der Rheinprovinz den Offizieren der gedachten Kategorie eine vorzugsweise Berücksichtigung bei der den Regierungen in Gemäßheit des § 103 der rheinischen Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845 zustehenden Ernennung von Bürgermeistern gesichert werde. Zunächst liegt nun die Absicht vor, den Regierungspräsidenten eine vorzugsweise Berücksichtigung der mit Aussicht auf Anstellung im Civildienste verabschiedeten Offiziere bei der Besetzung der fraglichen Stellen, soweit die angeführte Gesetzesvorschrift es zuläßt, zu empfehlen. Nach der gedachten Gesetzesvorschrift soll der Bürgermeister nach Vernehmung der gutachtlichen Vorschläge des Lanbrats von der Regierung ernannt und bei diesen Ernennungen auf angesehene Grundbesitzer in dem Bürgermeistereibezirke und auf andere Personen, welche das Vertrauen der Eingesessenen vorzugsweise genießen, sofern sie sonst für das Amt geeignet sind, besonders Rücksicht genommen werden. Die gesetzliche Zulässigkeit der vorzugsweisen Berücksichtigung von mit Civilversorgung verabschiedeten Offizieren bei der Anstellung als Bürgermeister ist also danach beschränkt.
Hamburg, 27. Juni. Von den infolge des kleinen Belagerungszustandes ist einer, der Gastwirt Heyer in Altona, welcher sich bisher in Harburg befand, wieder zu- rüäberufen worden. Es ist dies der einzige Fall seit Erlaß jenes Gesetzes für Hamburg-Altona, daß eine AuS- weisungsordre wieder zurückgenommen worden ist. — Die Abberufung des Gouverneurs von Helgoland, Fitz Maxse, in gleicher Eigenschaft nach Neufundland bestätigt sich. Der Gouverneur, welcher ein häufiger Besucher Hamburgs war, scheidet angeblich nur ungern aus feiner Stellung. Er ist mit einer früheren Schauspielerin des Hamburger Thalia- Theaters verheiratet und hat auch mehrere Werke in deutscher Sprache herausgcgeben.
Braunschweig, 1. Juli. Die Braunschweigischen Anzeigen teilen amtlich mit, daß der Wirkt. Geheimrat Dr. jur. Trieps auf sein Ansuchen i’t den Ruhestand versetzt und der bisherige Präsident des Senats im Oberlandesgericht, Dr. jur. Wirk, zum Wirkt. Geheimrat und stimm- sührenden Mitgtiedc im Staatsministerium ernannt ist. — Die baugewerbliche Ausstellung ist heute im Namen des Herzogs von dem Wirkt. Geheimrat Grafen Görtz-Wrisberg eröffnet worden.
Ausland.
Wieu, 1. Juli. Der Prager akademische Senat suspendierte sämtliche Vorlesungen und beantragte bei dem UnterrichtSminister den sofortigen Schluß des Sommer- semesters, weil bei der herrschenden Erregung unter der Studentenschaft weitere ernste Konflikte kaum zu vermeiden seien. Gestern Abend erneuerten sich die Unruhen. Mit
und faßte seine Hand, die fieberisch glühte. „Ich hab dem Friedel vergeben — und dem Johannes bin ich gut, die Birkenmarie ist ein Engel gewesen, und die Ev' ist wie eine Schwester von ihr, so leutselig und so stillfromm.
„Stillfromm," sagte der Schultheiß. „Hast Recht, Gundel. Daß sie fromm ist, weiß ich lange schon; daß sie still ist, daran ist mein Hof schuldig und meine Buben, und ich selber und noch einer — was weiß ich, eS ist mir völlig wirr im Kopf. O der verfluchte Wald!" fuhr er auf, aber nur mit der Stimme; „und mein armer Friedel und mein armer Johannes, o, und ich Aermster von Allen I"
„Es wird noch Alles recht werden," tröstete die Gundel, was lange währt wird endlich gut, heißt ein guter Spruch."
„Die Birkenhofcr fallen ab wie Birkenlaub!" hustete der Kranke und sah hinüber aufs Marterte, das mit seinen bunten Farben so grell gegen die sckwarze Oede abstach.
Fast im gleichen Augenblick stürmte Thomas Bitterle vom Dreibirkenhof her, ein großes Schreiben in der Rechten, die «Stirne schweißüberrieselt und mit keuchendem Atem.
„Ein Schreiben vom Amte," piepte er, denn der Atem versagte ihm.
Der Schultheiß sah zuerst nur mit blödem Auge nach dem Ankömmling hinüber, beim Anblick des weißen Papiers aber begriff er sofort, dag ihm eine wichtige Botschaft werde, und zitternd griff er nach dem Schriftstück, während die Augen der Gundel groß und fragend aus ihm hafteten und der Wiener sein geblümtes Taschentuch groß wie eine Flagge entfaltete.
„Lies vor," bat der Schultheiß, besten Hand zitterte, indem er den Brief fallen ließ.
Fortsetzung folgt.)