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JUarßutg, Sonnabend, 2. Juli 1881.
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d!ten Ä wr da- Quartal mit der wöchentlichen »-Uag« „3l*|hrirM eonntag»»l*tt" durch die »rp-dilion («vch'sche
Bnchdrnaeret) dezogen Wt «ar», durch d,e Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf,. (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureanx von ». 2. Daube k do. i» Srantsurt a. M; Ntgrr-sche Buchhandlung daseldst; Hermaun'lche Buchhandl. dvjetdst; Jnvaltdendani Ix Berlin: W- Lhicne» tx «derfeld; C. Schlatt« ix
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Illustrirtes Sonntagsblatt
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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Die deutsche Auswauderuug.
Dies Thema hat in der letzten Zeit viele Federn in Bewegung gesetzt, da seine Wichtigkeit in handelspolitischer, wirtschaftlicher, sozialer und sittlicher Beziehung überall erkannt ist. Man hat nach den Ursachen der Auswanderung geforscht, die Nachteile und Vorteile dieser Bevölkerungs- Veränderungen gegen einander abgewogen und die Frage aufgeworfen und besprochen, ob und wie die Auswanderung für unser Vaterland nutzen- und gewinnbringend zu machen ist. Ueler all diese Dinge kann aber nur dann mit Erfolg geurteilt werden, wenn der Behandlung derselben zuverlässige statistische Angaben zu gründe gelegt werden. In dieser Beziehung hat sich der Pastor A. Schröter vom Zellengefängnis in Berlin das große Verdienst erworben, in einer Denkschrift, welche unsere Ueberschrift als Titel führt und in der Agentur des Rauhen Hauses zu Hamburg soeben erschienen ist, recht umfassende Zahlenangaben zu machen und das auf die Auswanderung bezügliche Material übersichtlich zusammenzustellen. *) Pastor Schröter war als Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für die deutsche evangelische Mission in Amerika vorzüglich zu solcher Zusammenstellung befähigt, seine Angaben dürfen daher wohl auf die größte Zuverlässigkeit Anspruch machen.
* ) Das Schriftchm (Preis 75 Pf.), ist auch in anderer Beziehung zu empfehlen, was schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich sein wird. Es enthält folgende Kapitel: i) Stand der Auswanderung, 2) Ihre Ursachen, 3) Ihre Ziele, 4) Fürsorge in der Heimat, 5) Die diesseitigen Hafenstädte, 6) Amerikanische Hafenplätze, 7) Kirchliche Fürsorge in Amerika, 8) Unsere Aufgabe, 9) In die ewige Heimat.
Der Dreibirkeuhof.
Roman von August Butscher (Fortsetzung)
„Dein Bruder? Wer bist denn Du und wer ist Dein Bruder?" fragte Eva hastig dazwischen.
„Wer ich bin? Nichts Absonderliches," lachte fröhlich der Angestaunte. „Ich heiße Andreas Hofer, justement wie unser braver Sandwirt geheißen hat, der die Franzosm und Baiern so heillos mit Kugeln übersandelt hat; man heißt mich sonst nur den „Citronenander", und mein Bruder ist kein größerer und kein kleinerer als der „Citronensepp."
Eva hatte die rechte Hand des Knaben gefaßt und sah ihm mit strahlenden Augen ins Gesicht.
„Wo ist er?" fragte sie leife.
„Wo er ist? Ja, das weiß ich selbst nicht. Draußen in der Welt, wie ich auch. Er ist heimgekommen vor einem Vierteljahr oder so, und gerad recht ist er gekommen, denn unsere gute Mutter ist zu selbiger Zeit zu den Engeln gegangen, und er hat noch ihren Segen bekommen. ~~ Der Knabe wischte mit dem Rücken seiner rechten Hand eine Thräne aus den Augen und fuhr fort: Wir haben ste begraben und sind dann allein gewesen in der Welt. Er hat gesagt zu mir: Ander, ich gehe fort in die Welt, denn ich habe einen großen Schmerz im Herzen. Und dann hat er mir erzählt von der Birkmmarie, die ihm gestorben sei, und von der Birkenev, die für ihn verloren sei, und von allen, die Gutes und Liebes an ihm gethan haben. Und weiter hat er gesagt: Ander, gehe Du nach Schwaben hinaus und suche den Dreibirkenhof und sage dort viel tausend Grüße und sage, daß ich die Birkenev Richt vergefie, und fir soll beten sür mich mid für sie, Du
Zuerst macht er allgemeine Mitteilungen und giebt dann in mehreren Tabellen die Spyialitäten. In den Kreis der Aufzeichnungen ist nicht nut die Auswanderung nach Nordamerika ausgenommen, sondern auch die nach Südamerika und anderen Weltteilen. Da aber die erstere die letztere bedeutend überwiegt, so wollen wir uns nur mit jener beschäftigen. Die amtlichen Nachweise der Vereinigten Staaten von Nordamerika geben die Zahl der von 1820 bis 1880 daselbst eingewanderten Deutschen auf weit über 3 Millionen an. In den 60er Jahren war die Zahl immer im Steigen, ging 1870 zurück und stieg in den drei folgenden Jahren so sehr, daß 1873 mehr als 133000 Personen einwanderten. Seitdem .sank die Zahl bis auf 24000 herab, um 1879 wieder auf 29000 und 1880 bis auf 106000 Deutsche zu fieigen. Von diesen gingen 103 616 nach den Vereinigtm Staaten und zwar über Bremen 51628 und über Hamburg 42787, die anderen über Stettin, Antwerpen und Rotterdam, liebet die in Ncwyotk im Jahre 1880 gelandeten Deutschen berichtete die „Deutsche Gesellschaft von Newyork", daß sie 111544 betragen habe, von denen 103944 Zwischendeck- und 7600 Kajüten-Passagiere waren. Von dieser Zahl der Einwanderer heißt es, kommen durchschnittlich 8/i2 auf evangelische, 3/i2 auf katholische Christen und ‘/12 auf Juden. Von den Zwischendeck-Passagieren — das sind meist Neueinwandernde, während die Kajütenpassagiere meist bloße Reisende oder bereits angesessene Amerikaner sind — kamen in dem genannten Jahre allein aus Preußen 62167, aus Württemberg 10916, aus Bayern 10115, aus Baden 10090, aus Sachsen 3942, aus Hessen 3 226, aus Elsaß- Lothringen 2104, aus Mecklenburg 825, Oldenburg 387, Braunschweig 89, Lippe 70 und aus Waldeck 13. — Von den im Jahre 1880 ausgewanderten 106191 Personen gehörten 63778 dem männlichen und nur 42413 dem weiblichen Geschlechte an. In den letzten 10 Jahren kamen im Hafen von Newyork überhaupt an: 1675470 Personen, darunter 579077 Deutsche. Aus den Jahren 1871 bis 1878 liegen auch Aufzeichnungen vor über die Berufsklassen, aus welchen stch die Ausgewanderten rekrutiert haben. Von 214490 gehörten an: der Landwirtschaft 69166, den fog. Arbeitern und Dienstboten 39 392, der großen und kleinen Industrie 31609, dem Handel 15081, den freien Berufsarten (als Gesundheitspflege, Erziehung, Unterricht, Kunst, Literatur, Presse, Kirche, Verwaltung und Rechtspflege) nur 2177 und dem Bergbau nur 461. — Eine Tabelle aus dem Jahre 1879 giebt an, wie sich die in Newyork angekommenen Einwanderer auf die einzelnen deutschen Länder und Provinzen verteilten. Aus dem preußischen Staat kamen 19211 und aus dem übrigen Reich 10 027. Die einzelnen Provinzen Preußens lieferten: Hannover 2928, Pommern 2757, Posen 2504, West- preußen 2450, Schleswig-Holstein 1905, Brandenburg
wirst schon Unterstand finden, Ander, hat er gesagt, denn die Ev' ist ein richtiger Engel — und das muß war sein I" rief der feurige Junge und umhalste die schluchzende Hof- bäuerin.
„Und er kommt wieder?" vermochte Eva nm zu fragen. Birkenhof und Birkenhofer, Vergangenes 'und Zukünftiges war in ihr versunken in diesem Augenblick.
„O, er muß wiederkommen," rief Ander. „Er hat gesagt, er wolle alle Monat schreiben, und in der Stadt, wo die Frau v. Bern sei, da könnte ich dfiemal den Brief abholen auf der Post, und da wird drinnen stehen, wo er sei."
„Von mir hat er also auch gesprochen?" sagte Frau v. Bern wohlwollend.
„Ja, ja, Du bist's, ich habe mir's gleich eingebildet," war Ander'S schnelle Antwort. „Lange schöne Locken, blaue Augen, ein bissel hochmütig, aber sonst kreuzbrav, so hat er gesagt, und so wird es wohl fein."
Frau von Bern belächelte gütig die offenherzige Antwort und der Lehrer strich leise übet den Lockenkopf Ander'S, von dessen Dasein der Citroneusepp nie gesprochen.
Noch lange redete die kleine Gesellschaft von dem fernen Citronenhändler, bis sich endlich, nachdem der Abend in die "Nacht verschwamm, der Lehrer heimwärts begab und Frau von Bern nachdenklich sich in ihr Zimmer zurückzog. Beim Abendessen aber unten in der großen, braungetäfelten Stube saß heute Abend Ander an der Seite der jungen Hofbäuerin, die ihm die besten Biffen vorlegte und kein Auge von dem braunen Burschen verwandte, der fröhlich die neugierigen Gesichter musterte, die sich chm zuwandte Niemand aber wagte zu fragen, und die „Vesper- glocke", wie die alte Martha turoeilw geumM wurde,
1868, Schlesien 1100, Hessen-Nassau 1016, Westfalen 884, Sachsen 708, Rheinland 653, Ostpreußen 412 und Hohen- zollern 26. Ganz Baiern aber lieferte (mit 2193) nur wenig mehr als Schleswig-Holstein und nicht einmal so viel als Westpreußen; Sachsen und Württemberg (mit 1594 und 1444) lieferten lange nicht so viel als die Provinz Schleswig-Holstein und die Heineren Länder gaben nur unbedeutende Mengen gegen die norddeutschen Provinzen. Daß giebt doch gewaltig zy denken; ebenso daß Hannover und Pommern, dst evangelischen und die überwiegend ackerbautreibenden Provinzen so hoch stehen in der Ausivanderungsziffer und viel höher als die rheinischen, westfälischen und die bergbautrcibenden Provinzen. ES stimmen diese Zahlen auch mit den oben erwähnten der 8/i2 evangelischen, 3/12 katholischen und ’12 jüdischen Auswanderer und mit denen der Beruföklassen. Die Ackerbauer wandern in Massen aus, die Industriellen und Handwerker weniger, die den freien Berufsarteu Angehörenden noch weniger und die Handeltreibenden, insonderheit die Juden, am allerwenigsten. Rechnet man dazu daö Zahlenverhältnis der männlichen zu den weiblichen Auswanderern, das sich auf resp. 63 und 42 Procent ober wie 3 zu 2 stellt, so gehen einem die Augen auf über den Schaden, welchen Deutschland von der Auswanderung hat, so lange der gegenwärtige Zustand währt, in welchem die Fortziehenden für immer die Verbindung mit dem Mutterlande aufgeben, demselben Kräfte und Geldmittel entziehen und mit beiden nur dem fernen Lande nützen.
Deutscher Reich.
• • ©erlitt, 30. Juni. Der auf der Tagesordnung der heutigen Bundeöratssitzung stehende Antrag BaiernS hat folgenden Inhalt: Die Gemeindevertretung der Stadt Kufstein in Tyrol hat unter Befürwortung der betreffenden österreichisch-ungarischen Behörden die Bitte gestellt, daß die Durchfuhr von Tyroler Vieh durch Baiern auf der Eisenbahnlinie Kufstein via Rosenheim nach Salzburg seitens der baierischen Regierung wieder gestattet werden möge, da diese Linie bedeutend kürzer als die österreichische Linie Kufstein-Wörgl-Salzburg und weniger Verkehrsstörungen ausgesetzt ist, demnach der Transport rascher erfolgt und billiger zu stehen kommt. Nachdem Tyrol selbst seit langen Jahren von der Rinderpest nicht heimgesucht worden ist und die Viehbestände des Unterinnthals mit dem Handclövieh der österreichischen Hälfte von Oesterreich- Ungarn in keine Berührung kommen, so würde nach Ansicht der bairischen Regierung kein veterinärpolizeilicheS Bedenken dagegen obwalten. Die Bewilligung würde nur für völlig seuchenfreie Zeiten und nur für Tyroler ober Voralberger Vieh, welches vor bet Einführung durch einen baierischen Tierarzt zu untersuchen wäre, in Aussicht zu nehmen sein Gegen eine solche Durchfuhrbewilligung dürfte war oben am Krankenbette des Hofbauers und grübelte darüber nach, ob es wirklich Gottes Wille fei, daß sie Alle auf dem Birkenhofe überlebe.--
Drei Tage waren um. Immer noch bauschten stch schwere Garben aus den Stoppeln, und nur der Hafer zitterte noch mit seinen Rispen im Abendwinde, der barmherzig sich erhoben hatte zur Kühlung für die Sonnen- tnüben.
Gegen Abend schlich der Schultheiß an einem ftarfen Knoteustock hinaus aus dem Hof, der schwarzen Brandstelle zu, die sich hineingefressen hatte in daS gelbe Saatland. Die Zunge heraushängend, folgte Mordax träge seinem Herrn. Dort, wo Friedel den Tod gefunden, erhob sich das landesübliche „Marterle", neu, nach Oelfatbe riechend, auf bet Blechtafel unförmliche Buchstaben, die von einem Unglück erzählten, aber von nichts weiter.
An der Eichengruppe blieb der schwergeprüfte Vater stehen und schaute trüben Blickes hinüber nach dem Bildstock, der einsam in der schwarzen Oede stand, nur besucht von der glühenden Sommersonne und jetzt umkreist von dem Hunde, der die Nacht und den Ort des Schreckens wohl nicht vergeßen hatte.
„Was geschehen ist, ist geschehen," murmelte der Drei- birfenbauer, indem er stch an eine der Eichen lehnte und in die Abendsonne starrte, bis sein trübe» Auge vollends erblindete. „Was sein soll, schickt stch wohl," fuhr er leise fort, wie um einen blöden Trost für all das zu suchm, daS den Stamm der Birkenhofer unbarmherzig entblätterte.
Von Blumenrain her schritt während dem, die Augen zur Erde geheftet, die Höhlengundel. Ihre Wangen waren verblaßt, und eine stille Schwermut lag auf ihrem hübschen, im Schmerz verschönten Gesichte. (Forts, folgt)