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«.eigen nimmt emgegen: Hc Expedition d.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureauk von LH- Dietrich & To. in staffel und Hannover; LH. Dietrich in Kanlfurt a.M.; Saasenstem & Bögler in Krnnkfnrt «- M., Nerlin, Leipzig. 661» re.; Rudolf Mvffe i« Berlin, Frnrü- f»tt «. M il

... Marburg, Freitag, 1. Juli 1881.

ObchcsMe Jfitimii

XVI. )a-Wiß

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaui von «. L- Daube & So. in Frankfurt a- M; Mlger'sche Buchhandlung daselbst,; Herrnanu'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin: W- LhieneS in Slberfeld: 6. Schlotte in

Srschrint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage3I*fhrtrtt6 LouutngSdlatt" durch die arpedition (Xo ch'sche Buchdruckrrei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (ejd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expek-itwn zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden SS Pfg. berechnet.

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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Deutsche» Reich.

Berlin, 29. Juni. Die heute ausgegebene Nummer derProv. - Korr." enthält einen Artikel mit der Ueber- schrift:Treue gegen den König." Derselbe führt aus: Die Flugblätter, welche die Fortschrittspartei zu den Wahlen versendet, zeigen tu letzter Zeit einen großen Eifer, die königliche Denkungsart und die Religiösität der Fortschritts­partei recht hervorzuheben. Mit gesperrter Schrift wird aus dem ersten Aufruf der Partei wiederholt:wir sind einig in der Treue für den König", und eine andere Stelle jenes Aufrufs soll die religiöse Gesinnung beweisen. Offenbar ist es darauf abgesehen, die königstreuen und gottesfürchtigen Bürger und Bauern darüber zu beruhigen, daß sie durch die Wahl von Fortschrittsleuten und ihren Genoffen nicht etwa unsere höchsten Güter, Königtum und Altar gefährden. Von letzterem soll ein andermal die Rede sein; für heute nur von der Königstrcue. WaS lehrt uns davon die Geschichte der Fortschrittspartei? Die Treue gegen den König steht allerdings im Programm der Fort­schrittspartei, etwas Anderes ist aber, wie sie die Treue seither gehalten und bewährt hat.... Man kann der Wahrheit gemäß behaupten, daß die Fortschrittspartei seit ihrer Gründung keine Gelegenheit vordeigelaffen hat, daS Königtum zu schwächen, und wenn es nach ihr gegangen wäre, so wäre unser Königtum, wenn eS überhaupt noch bestände, doch aller Rechte, aller Macht und alles Ein­flusses beraubt. Die Fortschrittspartei hat ihre Wirksamkeit damit begonnen, daß sie die Männer, welchen der König zuerst sein Vertrauen schenkte, daS Ministerium der soge­nannten neuen Aera, stürzte. Die Treue gegen den König,

Der Dreibtrkeuhof.

Roman von August Butscher (Fortsetzung.)

Eva lehnte im Fenster und schaute träumerisch hinunter auf die spielenden Kinder und hinaus auf den Bachweiher mit dem regungslosen Kahn. Unten im Hofe lag Mordax an der Kette und blinzelte in der Sonne. Er war noch mürrischer und bärbeißiger geworden als früher denn Friedel war begraben und niemand liebkoste ihn mehr. Die Kinder hielten sich in scheuer Entfernung von dem Ge­fürchteten, nur hie und da warf ein kecker Bube mit einem Steine nach dem Hofwächter, daß er mit zornheiserem Ge­bell auffuhr und der Schultheiß oben aus seinem Brüten aufschreckte.

Träumst Du, Eva?" redete Brinkmann seinen frühe­ren Pflegling an, der seinen Eintritt überhört hatte.

Eva wandte sich rasch um und rief freudig:

Gott zum Gruß, Herr Lehrer! Wie mich das freut, daß Sie herauskommen zu uns auf dm Birkenhof, wo es immer öder wird und trauriger!"

Ich weiß es, liebe Eva Du trägst daS allgemeine Leid und noch Dein eigenes. Aber was suchst Du denn immer im Hofe mit Deinen Augen! Jnteressiren Dich die rauchenden Weiber aus dem Monlafun, oder bist du so sehr Bäuerin geworden, daß Du die Garben nachzählst?"

Keins von Beiden," gab Eva verlegen zur Antwort, aber schauen Sie nur hinüber nach den drei Birken. Dort steht schon eine geschlagene Stunde lang ein Bube und schaut mit seinen schwarzen Augen nach mir herauf grat nur nach mir. Und er hat einen spitzen Hut auf und"

Und da muß ich eben an Einen denken, der auch einen spitzen Hut trug mit einer Goldtroddel und der eine schöne

wie sie die Fortschrittspartei übt, hat sich aber in der fol­genden denkwürdigen Zeit, in den vier Jahren des Streites um die HcereSeinrichtungen in klarster Weife gezeigt. Wir hätten die ganz traurige Zeit und den vierjährigen Still­stand der staatlichen Entwickelung und allen wahren Fort­schritts nicht zu beklagen gehabt, wenn es damals jener Partei nicht gelungen wäre, daö Volk über ihr wirkliches Wesen zu täuschen und so die Herrschaft im Abgeordneten­bause an sich zu reißen.... Ueberhaupt wollte die Fort­schrittspartei die persönliche Stellung des Königs zum Heere, die allen Monarchen von Preußen und besonders unserm König Wilhelm so sehr am Herzen lag, nicht leiden: an die Stelle des königlichen Heeres solltedas Heer hinter dem Parlamente" treten, daö seine Befehle von der Fortschrittspartei erhalten sollte. Und wenn der König seinen Minister gesagt hatte, Preußen müsse eine gerechte Rolle in Europa spielen, so sagte dagegen der sogenannte Fortschritt: man solle Preußenden Großmachtskitzel aus­treiben". Zu diesem Zweck mußte noch ein weiteres Recht des Königs, sein Recht über Krieg und Frieden angetastet und in Frage gestellt werden. Bei Gelegenheit der schleswig - holsteinschen Frage kam das zuerst und am schärfsten zum Ausdruck. Bekanntlich beschimpfte damals die ganze Fortschrittspartei die Politik des Ministeriums Bismarck. Der König versicherte freilich, cS sei seine Poli­tik, die man angreife, er bezeichnete sie ausdrücklich als das Ergebnis seiner persönlichen, reiflich erwogenen Entschlie­ßungen, er trat persönlich als Bürge dafür ein, daß jene Politik nur der Ehre Preußens dienen solle. Ein Zweifel daran widerspreche dem Vertrauen, welches das preußische Volk in daS Wort seiner Könige zu setzen gewohnt sei. Der König beklagte es, daß man so thätig sei, daS Volk zu verwirren und ihm das schwerste Opfer aufzuerlegen, das einem König auferlegt werden könne, ihm die Liebe und daS Vertrauen seines Volkes zu entziehen. Herr v. Bismarck sagte, die Fortschrittspartei wolle die Minister von Ministern des Königs zu Ministern des Parlaments machen und die Politik des Königs im Bunde mit dem Auslande bekämpfen. Aber die Fortschrittspartei blieb da­bei, daß daS Ministerium Bismarck nach seinen Leistungen des Vertrauens nicht würdig sei und verlangte vom König wiederholt einen Wechsel der Personen und deS Systems. Die Regierungsweise des Königs wurde geradezu als Ab­solutismus gebrandmarkt. DaS war die Königstreue der Fortschrittspartei, so lange sie die Mehrheit im Abgeord-, netenhause hatte. AlS aber das Jahr 1866 mit seinen Siegen und mit der glänzenden Bewährung der lange an­gefochtenen Politik deS Königs und seines Ministeriums gekommen war, da sagte das Volk sich von jener Partei los und sie sank zur verdienten Ohnmacht herab.Die sträflichen Versuche, welche nach des Königs eigenem Wort auf Lockerung deS Bandes der Treue und des Vertrauens

Cither hatte und eine Glockenstimme und ein treues Herz," ergänzte Brinkmann, während Eva die Hände an die Augen preßte, aber zwischen den Fingern immer wieder hinübersah nach den drei Birken und dem halbwüchsigen Jungen, der dort lehnte und unverwandt hinüber schaute. Er trug auch einen Gürtel mit dm Goldbuchstaben A. H. und breite Hosenträger über dem weißen Hemd. Schwarzes grauseS Haar quoll unter dem spitzen Hut hervor, den er keck auf'S linke Ohr gedrückt hatte.

Auf einmal fang er mit einer hellen Knabenstimme: Der Bub steht im Garten Bei Tag und bei Nacht, Und kanns nit erwarten, Bis sie's Fenster aufmacht;

Die Sonne thut sinken Mit glutrotem Rand, Jetzt muß sie doch winken Mit der schneeweißen Hand!"

Erstaunt sahen Eva und Brinkmann nach dem schmucken kleinen Sänger hinüber, der mit seinen blitzenden Augen EvaS Fenster nicht verließ.

Er muß etwas beabsichtigen," sagte Brinkmann nach­denklich.Soll ich ihm winken?"

Eva errötete wieder, sagte bann aber entschlossen:Das muß ich selber besorgen, er wills ja so haben, der braune Schelm." Und so winkte sie denn hinüber nach den drei Birken mit derschneeweißen Hand", und wie um dem Säuger völlig Recht zu geben, war die Sonne in diesem Augenblicke fast dem Untergange nahe.

Der braune Junge, sichtlich zufrieven mit dem Erfolge seines Liedes, kam sofort herbeigerannt, stieg die Treppe, die vom Garten au« in das zweite Stockwerk führte,

zwischen König und Volk gerichtet waren, waren gescheit tert", und es wurde daS Wort des Monarchen wahr- Ju Meinem Herzen steht der Glaube an die treue An­hänglichkeit deS preußischen Volkes an sein Königshaus zu fest, als daß es durch die Worte der Fortschrittspartei erschüttert werden könnte." So mögen denn Alle, welche den König verehren und ihm Treue erweisen wollen, sich auch des Wortes desselben etiunern:Ein feindliches Ver­halten gegen Meine Regierung läßt sich mit der Treue gegen Meine Person nicht vereinigen."

Berlin, 29. Juni. Zu der Abstimmung über daS Unfallversicherungs-Gesetz im Bundesrate schreibt dieNordd. Allgem. Ztg.":Unzutreffend ist die Meldung derAugsb. Allgem. Ztg.", von feiten Bayerns sei die Erklärung ab­gegeben worden, daß die König!, bayerische Regierung für sich dem Gesetze in der vom Reichstage beschlossenen Fassung erheblichen Wert beilege". Nach unseren zuverlässigen In­formationen hat die bayerische Regierung vielmehr erklärt, sie habe aus den bisherigen Verhandlungen die Ueberzeu- zung gewonnen, daß die Sache zur Durchführung noch nicht völlig reif und weitere Ueberlegung angezeigt sei. Sie halte zwar den Gesetzentwurf nicht für geradezu unan­nehmbar; denn obwohl sie die Reichsanstalt für das Rich­tigere halte, fei sie ihrerseits auch im stände, eine Landes­versicherungsanstalt einzurichten und zn handhaben. Was den Staalszuschuß anbetreffe, so würde sie auch ohne die Hilfe eines solchen das Gesetz für durchführbar er­achtet haben; indefien sei für ihre Zustimmung in die­sem Punkte die Erwägung maßgebend gewesen, daß nach glaubwürdigen Zeugnissen manche Zweige der Industrie Niederdeutschlands die ganze Prämienlast nicht zu tragen vermöchten." Der Geh. Regierungsrat im Reichsschatz­amt, Schraut, hat sich zur Teilnahme an den Sitzungen der internationalen Münzkonferenz heute nach Paris begeben. Wie heute verlautet, würden die Neuwahlen zum Reichstage anfangs Oktober stattfinden. Unmittelbar darauf soll der Landtag zu einer kurzen Session und in der zweiten Hälfte des November der neugewählte Reichstag einberufen werden. DieNationalzeitung" schreibt:Die Verhängung des flehen Belagerungszustandes über Hamburg und Leipzig ist nur mit so allgemeinen Redewendungen über die sozial­demokratische Agitation motiviert, daß man sich nicht des Eindruckes entschlagen kann, der § 28 werde nur ange­wendet, um durch Ausweisung der sozialdemokratischen Partei- Häupter auS jedem Orte, wo sie sich zusammenfinden, den Behörden die allgemeine Anwendung deS Sozialistengesetzes, die von einem solchen Zentralpunkte aus ja allerdings et, schwort werden mag, zu erleichtern. DaS war aber nicht die Absicht beS Gesetzgebers bei dem § 28. Jener Arg­wohn wirb noch dadurch verstärkt, baß zuverlässige An­zeichen für bie Annahme vorliegen, Weber in Hamburg noch in Leipzig habe die Regierung beS bett. Bundesstaates

hinauf und trat gleich darauf in Evas heimseligeS Stübchen, das vom Abendgolde rötlich durchstrahlt war.

Mit prüfendem Blicke schaute der Junge im Zimmer umher und lächelte bann heiter ber schönen Bäuerin zu.

Eva fragte ihn etwas beklommen:

Warum schaust Du schon so lang herauf zu mir unb hast ein so sonderbares Lied gesungen, bas sich nicht recht schickt für einen so kleinen Buben?"

Warum ich heraufschaue?" sagte ber Knabe keck. Weil Du so viel lieb bist, Birkenhvfbäuerin."

Eva warb rot bis zum Halse, Brinkmann aber löste sie im Fragen ab, inbem er etwas strenge sagte:

Unb was willst Du eigentlich, hast Du einen Wunsch ober eine Botschaft? Gieb mir Antwort, ich bin"

O ich kenne Dich schon," fiel ihm der Knabe in« Wort.Du bist der Schulmeister Brinkmann von Blumen­rain. Langes Haar, vorne kahl, gute graue Augen, ein großes Kinn unb so etwas Gutmütiges im Gesicht, baS stimmt."

Er schaute freudig unb etwas mutwillig bat erstaunten Lehrer an.

Untabcffen war auch Frau von Bern in das sonnen- vergvlbete Stübchen getreten, beim sie hatte ben kleinen Burschen wohl bemerkt unb war neugierig, was ber da oben wolle. Der Knabe schien auch sie gu er£enne.v- öenn er schaute sie kopfnickenb an, als obJg^y^Hne Meinung bestätigen wolle, unb MrbanjH'eSfeiig fort:

Jawohl, ich kenn^Ksch SBeibe unb habe Euch doch noch nie gesehen, gfor j<h habe einen guten Kopf unb einen guten Merkers das, was man mir sagt. Unb mein Bruder bat ^efagt bis auf ben Tupfen, als ob er's auf« Wi^gemalt hätte!" (Forts, folgt.)