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Lnzeige» nimmt entgegen: He Expedition d.vlattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & 6o. in

Kaffe! und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenffein & Boaler in iIrarrtsurt s. M., srrlin, ZripziZ, Löt» rr.; Rudolf Äkoffe in Brrim, Frank» fnrt a. M. re.

Jliarfiurg, Mittwoch, 29. Juni 1881.

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ObchtMe ÄitiiW.

Anzeigen nimmt entgegen die LrpedMon d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureauz von <A- L- Daube & 6c. in Frankfurt a- W; Jägerische Buchhandlung daselvL; Herrnaunffche Buchhanvl. daselbst; Jnvalidrndarst in Berlin; w- Lhienes in Elberfeld: L Schlotte in

Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Gönn» und Feiertagen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilagegiefhrixtei konntagsdlntt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 8» Kart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Kart 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psg. berechnet.

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Bestellungen auf das dritte Quartal der Bberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

Jlluftrirtes Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

SM- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

MU- Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß die Oberhesfische Zeitung das einzige hiefige Blatt ist, welches mit dem Wölfi­schen telegraphischen Correspondenzbureau in Ver­bindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtigen Ereignisse sofort mitteilen zu können.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeiluug.

Neber einen Vortrag

des Grafen Wilhelm von Bismarck im konserva» ttven Halleschen Thorbezirksvercin zu Berlin über die wesentlichen Ereignisse der letzten Legislaturperiode berichtet diePost": Schon früh war der geräumige Saal der Sozietätsbrauerei in der Bergmannstraße von einem zahl­reichen, den besseren Ständen angehörigen Publikum dicht gefüllt. Graf Wilhelm von Bismarck erschien in Beglei­tung seines Bruders Herbert und seines Schwagers des Grafen Rantzau, beim Betreten der Rednerbühne mit an­haltendem Beifall empfangen. Nachdem der Vorsitzende, Herr von Erichsen, die Sitzung mit dem Bemerken eröffnet hatte, daß der heutige Vortrag keineswegs die Aufstellung einer Kandidatur für den Reichstag bezwecke, ergriff der Redner des abends das Wort. Um die Ergebnisse der letzten Reichstags-LegiSlawrperiode so führt er aus im rechten Lichte zu erkennen, muß man die vorhergegan­genen Verhältnisse, die andauernden Kriegsbefürchtungen in betracht ziehen, die erst in den letzten Jahren einem sicheren berechtigten Gefühl der Friedensgewißheit Platz ge­macht haben. Die Zeit der Ruhe hat die Regierung mit Recht dazu benutzen wollen, die inneren Verhältnifie des Reiches zu regeln. Zuerst umgab sie dieselben mit dem schützenden Mantel der Zollreform, um die drückende Last der direkten Steuern durch die weniger fühlbaren indirekten zu ersetzen und Industrie und Landwirtschaft erstarken zu lassen. Durch die Innungs-Novelle sollte dem Handwerk unter die Arme gegriffen und durch das Unfall-Ver­sicherungs-Gesetz dem Arbeiter Schutz vor unverschuldetem Elend geboten werden. Gegenüber diesen weisen und wohl-

Der Dreibirkeuhof.

Roman von August Butscher

(Fortsetzunq.)

Lei der Leiche war unterdesien ein Protokoll ausge­nommen worden, das der Beamte an sich nahm.

Die Lippen waren stumm und manches Auge feucht geworden, als der Vater mit dem gefesfelten Sohne in den Kreis trat, besten Mittelpunkt ber Tote bildete.

Und jetzt ging es an den Aufbruch.

Die Landjäger nahmen den (gefangenen in die Mitte, und drohend umringten ihn blitzende Waffen, auf die der letzte Schein des ersterbenden Feuers fiel. Sein Vater wollte reden, aber nur ein hohles Stöhnen rang sich von den Lippen, die convulstvisch bebten. Er warf noch einen bedeutungsvollen Blick auf Johannes und trat dann an die Seite seines toten Erstgeborenen. Die Knechte vom Dreibirkenhofe hatten eine Tragbahre roh und kunslloS aus Eichenästen gefertigt, und auf diese wurde die Leiche gebettet. Ueber den äugen lag ein Eichenzweig mit grünen Blättern wie versöhnend und verhüllend zugleich. Vom Höhlen- und Birkenhof herüber waren die Reste der Hoch­zeitsfackeln gehott worden, die mm zum ernsteren Zuge leuchten sollten.

Die Höhlengundel schluchzte in ihre Schürze, als sie dem unglücklichen Johannes ihrBehüt Gott" nachries.

Noch einen Blick warf Johannes auf dm Erstochenen, und ein ttefes Weh überlief ihn. Es war ja sein Bmder, und er hatte ihn getötet. Jetzt hätte er ihm gern die Hand gereicht zur Versöhnung; aber Friedel war und blieb tot, und die Brüder schieden ohne Händedruck, der eine, um ins Gefängnis, der andere, um ins Grab zu pilgern; der eine gebunden und geführt, der andere tot und getragen.

meinenden Absichten suchten die Fortschrittler und mit ihnen dieLiberalen in Gänsefüßchen" nur den persönlichen Ein­fluß ihrer Mitglieder und die Macht des Parlaments gegenüber den Rechten der Krone zu mehren. Man redet da immer von einer Machtsphäre des Reichskanzlers, von einer Diktatur. Aber wo ist denn die Verfastung ver­ändert? Haben Sie hier eine geknebelte Presse? Merken Sie etwas vom kleinen Belagerungszustand? Ich glaube, die Hundesperre belästigt Sie mehr! (Beifall.) Wo ist also die Diktatur? Sie spukt nur im Kopfe der Leute, die sie erfunden, derselben, die gerade die Diktatur an- streben, die den Minister Camphausen verdrängten, um seinen Platz einzunehmen. Von ihnen sei auch die erste Bekämpfung des Sozialistengesetzes ausgegangen, und wenn später die Animosität gegen dasselbe geringer gewesen sei, so müsse man das der loyalen Ausführung des Gesetzes durch die Regierung zuschreiben. Trotzdem freilich hättm Richter und Bamberger über die große Dehnbarkeit deS Gesetzes geklagt, während sie im anderen Falle, bei Be­ratung des Unfallversicherungs-Gesetzes sich nicht scheuten, die Regierung der Gemeinschaft mit Bebel und Liebknecht zu beschuldigen. Nach dem Sozialistengesetz war es der Zolltarif, bet ,dem der Fortschritt mit seinem Anhang die guten Absichten der Regierung zu vereiteln suchte, Gottlob ohne Erfolg. Mit dem Tarif kehrten wir nur zu der bis 1865 befolgten Zollpolitik, der eines mäßigen Schutzes der nationalen Arbest, zurück. Leider waren diese Grundsätze unter dem Einfluß des Ministers Delbrück verlasten. Heute aber sind die günstigen Erfolge unserer Rückkehr bereits sichtbar, selbst die enragierteften Freihändler können sie nicht mehr leugnen. Man beruft sich immer auf das frei- händlerische England. Ja, die Engländer wisten auch schutzzöllnerisch zu fein. Als sie merkten, daß ihnen aus­ländische Seifenfabriken im eigenen Lande gefährliche Kon­kurrenz machten, legten sie auf den Artikel Seife einen EingangSzoll von 35 Prozent vom Wert. Und ich glanbe, binnen 5 bis 6 Jahren werden die Engländer ebenso arge Schutzzöllner fein, als jetzt die Amerikaner. Sollen wir da die ewigen Allerweltspotsdamer fein? (GroßeHeiterkeit und Beifall.) Die Freihändler sagen nun, nicht infolge des Zolltarifs, sondem trotz desselben sei die Hebung der Industrie erfolgt, und in diesem Sinne hat sich sogar der Jahresbericht der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft ausgesprochen, obschon ein Gutachten über die Lage jber Jnbustrir dieser Körperschaft weder nahe lag noch von ihr gefordert war. Wie verhält es sich nun in Wirklichkeit? Zum Kapitel Getreidezölle wurde mir aus Sachsen, ich glaube aus Nordhausen oder Sangerhausen, eine Kollektion Dreierschrippen mit Angabe der Getreidepreise in den Jahren gesandt, In denen die einzelnen Exemplare gebacken waren. Es stellte sich heraus, daß in den teuersten Jahren die Schrippen am größten, ja in den fünfziger Jahren

Wieder, wie in ber Nacht ber Doppelhochzeit in Blumenrain, krochen in dieser Nacht zwei Lichtschlangen durchs Dunkel, die eine recht' ber Stadt zu, die andere nach dem Birkenhofe; aber kein Gesang ertönte, und kein Schimpfwort fiel; leises Geflüster nur durchlief die Ver­sammelten.

Hoch droben vom Dorfkirchhofe glänzte das Marmor­kreuz vom Grabe der Birkenmarie, und der blonde Johannes sandte ein brünstiges Gebet hinüber, das erste wieder seit langer Zett.

Jetzt ging der Leichenzug unter den drei Birken, die leise rauschten und schon den Morgennebel wie Trauerflöre um sich spannen; galt cs ja dem Hoferben, der still und ftumm und starr einzog in das Erbe seiner Väter. Das Lied des TotmkauzeS in der Hochzeitsnacht war wahr ge­worden.

11. Sommerschwüle und Herbstblumen.

Schwer bogen sich unter der eigenen Last die Halme zur Erde, und wenn ein leiser Hauch durch die Ebene zog, durchfurchte er die Aehrenfelder, daß sie wie Goldwogen fluteten. Heiß fiel der Sonne Licht auf den Bachweiher, und ruhig schlummerte in ihm das Spiegelbild des Firma­mentes, gleichsam froh der Mittagsruhe in der Wasferkühle. Die Schnitter beugten sich mit braungebrannten Gesichtem in die Aehrenwogen, die sie nut ber blanken Sichel zer­teilten, und rangen sich stille und schweratmend vorwärts durch das Halmenmeer. Die Bremsen surrten und schwärmten um die schweißnassen Pferde, die ungeberbig die Köpfe schüttelten ober dumpf in das Lichtgeflirr hineinstarrten, das über jedem Halm und jeder Grasspitze brannte. Die Scheunenthvre auf dem Dreibirkenhofe waren weit geöffnet,

doppelt so groß waren, wie jetzt. Sie sehen, in welchem Verhältnis die Getreidepreise zu den Brotpreisen stehen! Die Aufhebung der Schlacht- und Mahlsteuer in Berlin, wo der Fortschritt ja seine Verwaltungskunst so muster­haft erprobt haben will, hat nur den einen Erfolg, daß dem Staat und der Stadt eine regelmäßige Einnahme von 10*7» Millionen verloren geht, etwa ebensoviel als die Ihnen Allen gewiß sympathische" Mietssteuer ergiebt. Zur sachkundigen Beurteilung volkswirtschaftlicher Fragen hält die Regierung den Volkswirtschaftsrat für zweckmäßig, Leute, die wie Bamberger die Kenntnis der sozialen Fragen schon an den Kinderschuhen abgelaufen haben, stemmen sich aus purer Eifersucht dagegen. Sorgen Sie deshalb dafür, daß ein künftiger Reichstag den Bestrebungen der Regierung gefügiger gegenübersteht als der verflossene. (Beifall.) Beim Zolltarif, bet bie nationalliberale Partei in drei Gruppen und noch einige Atome zersplitterte, wurde be­hauptet, die Regierung wiffe nicht, wohin sie steuere. DaS war ich will mich vorsichtig auSbrücken nicht rich­tig. Die Regierung sah ben größeren Ausgaben vermin­derte Einnahmen gegenüber, vermindert durch beschränkten Betrieb vielleicht war auch die Camphausen'sche Ver­waltung nicht so glücklich, als sie wohl gepriesen wird kurz, die Einnahmen mußten vermehrt werden, und durch birefte Steuern ließen sie sich nicht mehr vermehren. Die inbiretten Steuern taxierte Richter zuerst auf 200 Millionen, später ließ er sich auf 130 Millonen hanbeln. Nach amt­lichen Ausweisen waren rS jeboch nur 60 Millionen und wenn davon bie Regierung bei einem zu decken den Deficit von 40 Millionen einen Steuererlaß von 14 Millionen bewilligt, so beweist sie damit doch, baß ihr Emst ist. Der Verlängemng ber LeglSlaturperioben unb dem zwei­jährigen Budget widersetzte sich der Fortschritt unb seine Affiliierten aus naheliegenden Gründen. Wem liegt daran, daß unsere Parlamente fortwährend tagen ? Denen, welche bei dem Wachhalten der Bewegung profitieren, die für ihre Zeitungen und Berichte Stoff haben müssen. Die Absicht unserer Gegner, einige Ministerplätze zu erobern, ist nur aufgeschoben. Eines ihrer Blätter hat eS ja rund heraus erklärt, daß daS Tabaksmonopol bewilligt werdm könnte für eine parlamentarische Regierung, b. h. wenn einige Herren von jener Seite Ministerstellen erhielten. Nun denken Sie sich Lasker, Bamberger, von Forckenbeck u. s. w. als Excellenzen! (Rufe: Juden! Gelächter.) Wie steht übrigens mit der parlamentarischen Regierung in Berlin selbst aus? Eine Knechtung der Gesinnung, wie sie hier besteht, hat die Regierung nie ausgeübt. Hier bezahlt man pro Kopf 25 Mark Abgaben ein Schrei der Ent­rüstung würde im Lande erhoben werden, wenn solche Be­träge, die etwa 1000 Millionen ergäben, allgemein erhoben würben. Die Armenverwaltung Berlins muß trotz der Summen, die ste jährlich verschlingt, nicht so musterhaft

und arme Kinder lasen bie zerstreuten Aehren hinter ben Wagen zusammen, bie ben Scheuern zuschwankten, so hoch geladen, daß ste fast den Oberbalken streiften und der Knecht, der hoch oben thronte, sich niebetlegen mußte. ES herrschte ringsum bie Stille ber Arbeit unb die Unbehag­lichkeit eines glühheißen Augusttages.

Man konnte in diesen Tagen viele spitze Hüte und breite Gürtel unter den Arbeitern auftauchen sehen, beim aus Tirol, aus Vorarlberg unb anderen Ländern und Land­strichen, bie wenig ober nichts ernten, kommen alljährlich Hunderte in die Dörfer unb auf bie Einödhöfe Ober- fchwabens, bie Sichel an ber Seite, mit wenig Gepäck, aber fröhlichem Mute unb starken Armen. So war beim auch auf bem Dreibirkenhofe eine sehr gemischte Gesellschaft. Man hörte sremblänbische Zungen unb sah frembgeschnittene Gesichter unb sonderbare Sitten. Frauen mit breiten Pelz­mützen schmauchten behaglich aus kurzm, hölzemm Pfeifen, und braune Kuder mit brennenden südländischen Augen kollerten mit Evas Hammel um ben Brunnen her, dessen Wafferstrahl sie auf ihre schwarzen Haarsträhne nieder- plätschem ließen.

Im zweiten Stockwerk des Hofes warm alle Fenster geöffnet, unb weiße Garbinen bauschten sich im Wlnbe, welcher zuwellen aufwachte und in dem schwarzen Falten­würfe erftarb.

Vier Fenster zeigte jeder Stock der Vorderfrome des Hofes: ste sahen nach ben btei Birken unb bem Bachweiher hinaus. Das erste Fmster recht war das ehemalige Schlaf­zimmer ber blonden Birkenmarie. Dori schlief unb brütete jetzt ber gramgebeugte Vater, an dem ber Wurm ber Sorge unb bet Krankheit zerstörenb fraß.

(Fortsetzung folgt)