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Nr. MS.

Maröurg, Dienstag, 28. Juni 1881.

xvi. Jairgaig

Snzetgen nimmt emgegen: He Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureauk von Th, Dietrich & Lo. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Logier in zranifnrt a- M., Berlin, Leipzig, Ekln rc.; Rudolf Livffr in Berlin, gtan!« fntte.3tt.tc.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte# sowie d- Annoncen.Bureaux ton G. L- Daude L do. in

Frankfurt a. M; Jtgerffche Buchhandlung daseldk,; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thienek in Elberfeld: $. Schlotte in

Bremen-

Erscheint außer an den Wetttagen nach Tonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageSHerteteS Bonnta«»Sl»tt" durch die Srveditio» Buchdruckerei) bergen Mark, durch die Postämter des Deutschen ReicheS 3 *«t 50 »f|. (ejd «efteUgeH^r®10 U 8ür tn der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Psg. berechnet-

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JllrrftrirteS Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

$$8 Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

aflr* Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß die Oberhesfische Zettung das einzige hiefige Blatt ist, welches mit dem Wölfi­schen telegraphischen Correspondenzbureau in Ver­bindung steht und daß dieselbe dadurch im Stande ist, alle wichtigen Ereignisse sofort mitteilen zu können.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Fürst Bismarck, die Bauern «ud die Handwerker.

Fürst Bismarck erhält jetzt aus allen Teilen des deut­schen Reiches von feiten der Handwerker und Bauern Zu­stimmungsadressen zu seiner wirtschaftlichen Reformpolitik. Daß die liberale Gesetzgebung ganz einseitig auf den Vor­teil des handelnden Kapitals zugeschnitten ist, und daß in­folge dessen dasselbe übermächtig geworden ist, die produk­tive Arbeit unterdrückt hat und letztere ein Spielball des Kapitalismus, der an der Börse sein Wesen treibt, ge­worben ist, hat man nachgerade überall eingesehen. Diese Gesetzgebung hat sozusagen alles zum Handelsartikel ge­macht, nicht blos die Materialien und Produkte der Arbeit, sondern die Arbeit selbst. Der handelsmäßige Betrieb der­selben in den großen Handelsmagazinen mit fertigen Ar­beitsprodukten hat das Handwerk ruiniert. Die Hand­werker, die Meister der Arbeit sind die Lohnarbeiter der Magazin-Inhaber geworden. Darin besteht die schlimmste Verkehrtheit dieser Gesetzgebung, daß sie das handelnde Kapital zum Herrn und die Arbeit zur Dienerin, ja zur Sklavin gemacht hat. Das mußte zum Ruine des Volks­wohlstandes führen; denn die Quelle des Wohlstandes eines Volkes ist und bleibt die Arbeit. Hier muß der Hebel zur Aenderung der liberalen Gesetzgebung eingesetzt werden. Die Gewerbefreiheit ist jetzt nur die Freiheit für die Gelv- leute, jedes beliebige Gewerbe auf jede beliebige Weise zu betreiben, auch wenn sie dasselbe gar nicht gelernt haben; die Gewerbefreiheit muß aber zu einer Freiheit für die Gewerbe umgestaltet werden. Darin liegt der Nerv der ganzen Reform der Gewerbeordnung. Jeder, der ein Ge-

Der Dreibirkeuhos.

Roman von August Butscher.

! Fortsetzung.)

Mit diesen Worten reichte der Richter dem gebeugten Greis die Hand, die dieser zitternd drückte. Alle standen stumm bei dieser Szene und ehrten das Weh, das in dem Herzen des unglücklichen Vaters tobte. Die Gendarmen hatten schon den armen Johannes gefesielt, was dieser ruhig geschehen ließ; nur einen scheuen und betheuernden Blick warf er auf die schluchzende Gundel.

Bevor Johannes gefangen abgeführt wurde, bat der Schultheiß den Richter, einige Worte allein mit seinem Sohne reden zu dürfen, ihm Lebewohl zu sagen, wie et sich ausdrückle.

Der Richter genehmigte es ein Wink rief Johannes an die Seite seines Vaters, der mit ihm einige Schritte in die Ebene hinauömachte, dem Dreibirkenhofe zu. Einen kurzen, schmerzlichen Blick warf der Vater auf die Bande, die seinen Zweitgeborenen feffelten, und ein neuer Schmerz durchzuckte sein hart geprüftes Herz.

Bande bringen Schande," murmelte er dumpf, und dann begann er:Mein lieber JohannesI" wie lange hatte der Angeredete dieses Wort nicht mehr gehört »mein lieber Johannes!" wiederholte der Schulcheiß und sah zurück auf die funkelnden Waffen der Landjäger und dann vorwärts nach den drei Birken, über denen ein Mond­strahl leuchtete.Du hast meine Klage gehört vorhin, mein Totcngebet für den Dreibirkenhof; Du hast den Schmerz eines Vaters gesehen, ja Du hast ihn wohl auch mitgesühlt, denn in Einem sind wir Eins: in dem Stolz auf unseren unbefleckten Namen, den noch nie ein Schimpf besudelt hat. Johannes, soll eS damit vorbei sein für alle

werbe gelernt hat und ben Nachweis davon führt, soll die Freiheit haben, auch dies Gewerbe felbststänbig zu betreiben. Die Ordnung aber, ohne die keine vernünftige Freiheit be­stehen kann, verlangt, daß das Gewerbe vor den Aus­beutern und Pfuschern geschützt werde. Jetzt hat die Ge­werbefreiheit für daS Gewerbe gar keinen Wert, ja sie ist die größte Fe ndin des Gewerbes. Nichts hat unser Ge­werbe so geschädigt, wie diese sogenannte trügerische Ge­werbefreiheit. Im Jahre 1867 zahlten in Berlin noch 6000 Schuhmachermeister Klassensteuer, dann kam die Ge­werbefreiheit und mit ihr die großen Schuhmagazine und die Etablierung aller möglichen Pfuscher. Die Zahl der Schuhmacher stieg auf circa 10000 und von diesen 10000 sind jetzt kaum noch 700 im stände, Klassensteuer zu zahlen. Die Liberalen haben wiederholt gezeigt, daß sie von einer Aenderung der Gewerbe-Ordnung nichts wissen wollen. Sie haben sich allen deSfallsigen Vorlagen der Regierung und Anträgen der Konservativen wiedersetzt. Diese Reform muß aber durchgesetzt werden, wenn unser gewerblicher und auch unser bäuerlicher Mittelstand vor dem Untergang gerettet und wieder lebensfähig gemacht werden soll. Darauf zielt bekanntlich die Politik des Reichskanzlers hin. Mit dem jetzigen Reichstag, dessen Mehrheit immer noch liberal war, da auch der größte Teil der freikonservativen Reichspartei zu den Liberalen hielt, wie sich erst kürzlich wieder bei der Beratung der Börsen­steuer gezeigt hat, war eine solche Reform nicht durchzu­führen, deshalb kommt nun alles darauf an, daß das deutsche Volk bei den nächsten Wahlen nur solche Abgeord­nete wählt, welche gewillt sind, eine Reformpolittk zu unter­stützen, die der produktiven Arbeit wieder ihre alte recht­mäßige Stellung gewährt und sie von der Sklaverei des Kapitalismus befreit. Der Reichskanzler hat deshalb kürz­lich auf eine ZustimmungSadresfe einer bairischen Bauern­versammlung geantwortet und die Bauern aufgefordert, nur solche Abgeordnete zu wählen, welche gesonnen sind, dir deutsche Arbeit und die deutsche Produktion (Ackerbau) zu schützen, zu fördern und durch Verminderung der direkten Staats- und Gemeindelasten zu erleichtern." Und in einer Zuschrift an den Liegnitzer neuen Wahlverein hat er ge­schrieben,die Ergebnisse der jüngsten Reichstagssession haben gezeigt, daß die wirtschaftlichen Interessen des Volkes einer wirksameren Vertretung im Parlament bedürfen, wenn die von den verbündeten Regierungen erstrebten Reformen zur Durchführung gelangen sollen." Diesen Worten des Kanzlers stimmt gewiß jeder Bauer, jeder Handwerker, Industrielle und jeder Arbeiter bei. Nur unsere liberalen Zeitungen sind dagegen und fordern das Volk zur Oppo­sition gegen die Politik des Kanzlers auf. Wird das deutsche Volk, das ja in seiner weitaus größten Mehrheit von der produktiven Arbeit sich nährt und von deren Ge-

Zeit? Soll man sagen, der Hoferbe vom Dreibirkenhof hat eine schändliche That gethan, eine That, wie ein Land- streichel, wie das Bettelvolk, das um die Einödhöfe streicht und ein derbes Wort mit demroten Hahn" vergilt? Soll man sagen dürfen, der Friedel war ein Mordbrenner, ein ganz gemeiner Schurke, der einen Wald angezündet und den dann sein eigener Bruder niedergestochen hat wie einen Hund? Sollen das die Leute sagen?"

Sein Auge flammte, und die Stimme bebte zornig.

Red' nicht, Johannes, laß Deinen Vater reden. Du zuckst mit den Händen, aber sie sind gebunden, Du weinst Thränen und kannst sie nicht trocknen. Dort drüben funkeln die Gewehrläufe, und ihr Ziel bist Du, wenn Du nicht wie ein Lamm Dich fügst; aber ich weiß, Du fürchtest das nicht, Du fürchtest mehr die Schande, die aufziehen will wie eine Wetterwolke über dem Dreibirkenhof. Man heißt Dich Mörder, Du bist es nicht, denn ich glaube Dir; aber man heißt Dich jetzt noch Mörder und hat Dich in Banden gesehen, daS macht keine Ehre aber es ist nicht die Schande, die wir mehr fürchten müssen als den Tod. Man wird und muß Dir glauben, man wird Dich frei geben, man wird sagen, er hat aus Notwehr seinen Bruder erstochen. Wer aber spricht den Toten frei? Wer glaubt, daß sein Verstand zerrüttet war, wenn der Bruder vor Gericht sagt, er sei ein Brandstifter gewesen? Johannes, Du siehst vor Dir eine kurze Kerkerstrafe, Du hörst ein kurzes Zischeln über Dein Blutwerk, das Du gezwungen gethan hast; ich aber und die zu mir gehören, die leiden, dis Der letzte Stein vom Birkenhof fällt, unter der Be­schuldigung eines gemeinen Verbrechens, daS ein Hoferbe freiwillig gethan.

Johannes, was sagt Dir Dein Herz und was be- fiehtt Dir die Ehre unseres Hauses?"

deihen also sein Wohlstand abhängt, dem Fürsten Bismarck oder den liberalen Zeitungsschreibern und ParlamentS- rebnern folgen, welche die Interessen des Handelskapitals vertreten? Unser Volk müßte mit Blindheit geschlagen fein, wenn es den letzteren folgte. Blutet fein Wohlstand ja noch aus tausend Wunden, die ihm das alles ver- krämernde und verwuchernde Handelskapital geschlagen hat. Nein, wir haben das Zutrauen zu der praktischen Einsicht unseres Volkes, daß cs durch die Wahl zeigt: wir sind eine arbeitende Nation und wollen eine solche bleiben, dehalb muß unsere Gesetzgebung auf den Schutz und die Pflege der Arbeit zugeschnitten werden, und daß eS nur solche Abgeordnete wählt, zu denen eS das volle Vertrauen haben kann, daß sie die Interessen der deutschen Arbeit, des Ge­werbes und des Ackerbaues verstehen und redlich gewillt sind, dieselben mit Entschiedenheit zu vertreten.

Deutsches Reich.

Rerliu, 25. Juni. Der Bundesrat hat unfeiner heu­tigen Sitzung die vom Reichstage beschlofienen Entwürfe des Jnnungsgesetzes trotz der Ablehnung der Nr. 3 des 8 100 wegen Verbot des Haltens von Lehrlingen seitens Nichtinnungsmeister, ferner das Stempelabgabengesetz ohne OuittungSsteuer und mit dem Fixstempel von 20 Mark für Zeitgeschäfte, von 1 Mark für Börsengeschäfte ange­nommen. Ferner gelangten zur Annahme der mit Hamburg wegen des ZollanschluffeS abgeschlossene Vertrag, das Gesetz wegen Eichung der Schankgefäße und die Vorlage wegen Einschränkung der Ausgabe von Zwanzig- und Fünfmark­scheinen auf je 10 Millionen Mark. DaS Unfallver­sicherungsgesetz wurde abgelehnt. Für die Zeit vom Be­ginn des EtalsjahreS bis zum Schluffe des Monats Mai 1881 haben die Einnahmen der Post- und Telegraphenverwaltuna 22 911 078 M. (+ 1414 216 M.), der Reichseisenbahn« Verwaltung 6 561800 M. (+ 48 788 M.), an Wechsel­stempelsteuer 1053 093 M. (+10 090 M.) betragen. DieNordd. Allg. Ztg." fordert die Konservativen auf, den Ramm derPartei Bismarck" anzunehmen und schreibt: Denn was die Opposition beabsichtigt, wenn sie von einer »Partei Bismarck" spricht, ist leicht zu durchschauen. Die Opposition will in den Wählern ein falsches Selbstgefühl aufstacheln, damit es aus Abneigung gegen eine persönliche Unterordnung wider Wissen und Willen den Zwecken der Opposition diene. Was ist also eine Partei Bismarck unter den gegenwärtigen Verhältnissen? Doch wohl nichts anderes als eine Partei, welche mit den wiederholt klar­gelegten Zielen der Politik Bismarcks einverstanden ist, und zu dem Reichskanzler das Vertrauen hegt, daß er eS am besten verstehen werde, diese Politik zum Siege zu führen. Gewiß haben die Konservativen nicht den Willen, ihre Selbstständigkeit preiszugeben, welche in liefen Ueberzeugungen

Der Gefesselte hatte seine Augen erhoben, sah dem Vater frei ins Angesicht und sagte dann ruhig:

Vater, der Friedel hat den Wald nicht angezündet!"

Der alte Bauer that jetzt, was er noch nie gethan: er umarmte den unglücklichen Sohn und küßte ihn, und Beide empfanden eine Art Freude in diesem Augenblick, obwohl sie mit einer Lüge erkauft wurde. So stark und groß kann der Fremdenstolz fein, daß er der heimlichen Sünde ntcht achtet, mit der er die öffentliche Ehre erkauft.

Wie Du bann Eure Zusammenkunft dar stellst," fügte der Vater sinnend bei,ist Deine Sache und ein Spiel­werk. Die That geschah ohne Zeugen, an Deinem Halse sind noch die Spuren der Fingernägel Deines Bruders und auf Deinem Rücken die Wunden, die Dir der Hund bei- gebracht hät. Das Wie also steht bei Dir. Doch bitte, Johannes, schone ihn ich bitte Dich, Dein armer Vater sag', es sei ein Anfall von Eifersucht gewesen, aber nicht ein Mordversuch von seiner Seite, sag', was Du willst, nur seine Schande nicht, und wenn Du selbst mehr tragen mußt, als Du sonst mehr tragen müßtest."

Er schwieg, die Hand an der Stirn und über jeden möglichen Fall nachgrübelnd.

Aber der Brandschaden," warf Johannes noch ein.

Vertraue meinem Wort," erwiderte der Vater, der sich hoch emporrichtete,keiner soll einen Schaden leiden, ich werde ein getreuer Zahler sein sobald die Zeit es giebt. Dir aber dank' ich, Johannes, und trag Du in Geduld, Du trägst ja nicht so schwer als ich. Komm', die Leute warten, laß sie gaffen; das Unglück sollen sie begaffen können, die Schande, die der Tote uns macht, die wollen wir tragen!"

So kehrten sie zurück zu der Eichengruppe.

(Fortsetzung felgt.)