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Marburg, Sonntag, 26. Julli 1881.
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Stu eigen nimmt emgegen: He Expedition d.vlattel, sowie d-Äunoneen-Bureaux Don Th, Dietrich L So. in gfljfd und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; baafenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, zxchzrg, 65(n rr>; Rudolf ?LoFe in Berlin, Frank- fntfe.SJl.tc.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d.Annoncen-Bureaur von E. L- Daude L Lo. in Frankfurta-M; JLgedschr Buchhandlung bafettw; Hermanusche lLuchhauol. daselbst; Jnvalidendenk in Berlin; W- Thiene« in «lberfeld^ L Schlotte in vltUKII*
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnstrirte» Gountagödlatt" durch die Expedition (stoch'sche Buchdruckerei) bezogen % Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« S Wort 50 Pf,. (e$d. Bestellgebühr). — JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfz. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfz. berechnet.
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Bestellungen auf das dritte Quartal der Sberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.
Nb Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
V Reue Taktik der liberaleu Presse.
DaS Erwachen des germanischen Geistes erscheint der liberalen Presse bereits derart gefahrdrohend, daß ste zu den seltsamsten Mitteln greift, um das mehr und mehr sich geltend machende Nationalbewußtsein zu betäuben und gleichzeitig eifrig an der Entstellung und Herabwürdigung deS Christentums zu arbeiten.
Es ist ein schon oft erwähntes trauriges Zeichen der Zeit, daß gerade die von Israeliten herausgegebenen und von Israeliten redigierten Blätter eS sind, welche sich die Aufgabe stellen, alles Deutschtum zu verlästern und christliche Gebräuche zu verspotten, und wenn dieselben in der Neuzeit nach dieser Richtung hin eine ganz besonders eifrige Thätigkeit entwickeln, so ist daraus zu entnehmen, daß ihre Leiter von der Ueberzeugung durchdrungen sind, wie groß die Gefahr der deutschnationalen Bewegung bereits für ste selbst ist und um wie viel größer die Gefahr für sie noch werden kann.
Die Ereignisie in der Hochburg der Fortschrittspartei, Berlin, die noch nicht dagewesene konservative Strömung in der Bevölkerung der Reichshauptstadt haben zweifellos den Führern des sogenannten Fortschritts gezeigt, daß sie mit ihren „freiheitlichen" und „v.olksbeglückenden" Theorieen völlig abgewirtschaftet haben, sowie daß der gesunde Menschenverstand der Mehrheit der Bevölkerung die Haltlosigkeit dieser Theorieen erkannte und nunmehr praktische Politik treiben will, um zu besieren Zuständen, als die liberale Herrschaft sie uns gebracht hat, zu gelangen.
Ratlos sich dieser Strömung in der Bevölkerung gegenüber sehend, sucht die liberale Presie einer neuen Taktik den Weg zu bahnen, indem sie den gegenwärtigen Zustano als durch die Schuld der Konservativen herbeigesührt zu schildern sich anschickt, ihren Lesern glauben machen will, daß die Deutschen im Auslande es weit von sich weisen, in ein solches Vaterland jemals zurückzukehren, und endlich noch das Verhalten berühmter Philosophen als Maßstab für das wahre Christentum hinzustellen suchen.
Für den gewöhnlichen Zeitungsleser mag daS eine gei-
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Der Dreibirkeahos.
Roman von August Butschet.
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Wie zum Gebete hatte der schwer heimgesuchte Vater seine braunen, schwieligen Hände erhoben und sah hinaus zu den Sternen, die in dem Feuerschein der Erde verbleichten.
„Also kein Mörder I" tönte es wie dankend auS seinem Munde. „Ich glaube Dir, Johannes, denn Du hast nie gelogen, und in einer solchen Stunde kannst Du nicht lügen. So ist denn doch Eines von mir genommen; freilich das Steigere, der größte Schimpf, der hängt noch. Also Eines doch, und vielleicht mag sichs noch fügen, daß die Birkenhofer nicht auösterben mit mir. Ich freilich werde bald in die Grube fahren; aber vielleicht wills der da oben, daß der Zweite auf ben Platz kommt, den der Erste schimpfiert hat in seiner letzten Nacht des Lebens. Doch — er ist tot, und es sei ihm vergeben! Das andere muß ich gehen lasten, wie es geht.--"
Das Geräusch der Stimmen und daS Geprassel des Brandes hatte unterdessen sortgedauert. Hunderte umschwärmten den brennenden Wald, aber niemand achtete auf die Eichengruppe, unter der ein größeres Drama sich abspielte, als der Waldbrand eines war.
Die Höhlmhofer, Vater und Sohn umritten kindisch jammernd den Flammenkreis, und plötzlich bäumten sich ihre Pferde vor dem Toten, der hellbeflackrrt vor ihnen lag. „Ho ho!" rief der Höhlenlenz, als er den ersten lähmenden Schreck überwunden hatte," da liegt ja der Friedel vorn Birkenhof, und wenn ich recht schau, ist er starr und tot."
stige Kost sein, an welcher er keinen Anstoß nimmt; jeder Gebildete aber wird an derselben die trübe Quelle der neuen Taktik des Liberalismus sofort erkennen und sich der Thatsache freuen, daß wenigstens kein Christ bei solchen Verführungskünsten Handlangerdienste leistet, daß wenigstens kein Germane sich zu solchem Treiben mißbrauchen läßt, wenn er es auch gewiß tief beklagt, daß undeutsche und unchristliche Elemente in dieser Weise in Deutschland öffentlich das Wort führen dürfen.
Was die innere Lage Deutschlands anbetrifft, so braucht nicht wiederholt zu werden, wem wir dieselbe zu verdanken haben; auch brauchen wir nicht erst besonders zu betonen, daß, wenn in jüngster Zeit diese Lage sich gebessert hat und eine glückliche Wendung zu haltbaren Zuständen ein- getreten ist, wir dies den Liberalen ganz gewiß nicht zu danken haben, wohl aber dem energischen Eintreten der Konservativen für die Förderung des wahren Volkswohls.
Wenn ferner von den Deutschen im Auslande jene von uns oben erwähnte unwahre Behauptung aufgestellt wird, fo fei nur an den Jubel, die Opferwilligkeit, an das in hunderten und aberhunderten Fällen sich kundgegebene Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Vaterlande und der deutschen Nation erinnert, als die Nachricht von den deutschen Siegen über den Ocean drang und unsere deutschen Brüder im fernen Amerika und in anderen Weltteilen hörten, daß der Traum eines einigen deutschen Kaiserreiches endlich in Erfüllung gegangen fei.
Die Anschauungen gewisser Philosophen über wahres Christentum endlich, aus die sich die von Nichtchristen geleitete Preste in der Neuzeit fo gern beruft, können und werden niemals für den ächten Christen, dem der christliche Glaube das Höchste gilt, maßgebend fein. Wenn die fortschrittliche Presse aber mit sichtlichem Wohlgefallen in den letzten Tagen von einem großen Philosophen und von seiner „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" gesprochen, so möge sich dieselbe doch auch deS Ausspruches ihres erhabenen philosophischen Vorbildes erinnern, der bekanntlich „dem Glauben einen höheren Platz als dem Verstände" anwicS.
Es kann selbstverftändlich nicht unsere Aufgabe fein, mit der fortschrittlichen Presse und ihren nnchristlichen Wortführern über dieses Thema uns in eine Diskussion einzulasten, oder dieselben etwa über ihren Unglauben zu belehren. Uns galt eS nur, auf die eigentümliche neue Taktik der liberalen Presse in allgemeinen Umrissen hinzuweisen, damit Jedermann erkenne, worauf die gegen Deutschtum und Christentum gerichteten Artikel der liberalen Blätter eigentlich hinauslaufen.
Gefahrdrohend erscheint denselben, wie wir sagten, die mehr und mehr in Fluß kommende nationale Bewegung, gefahrdrohend der konservative Sturm — denn es ist kein Hauch mehr — welcher durch das gesamte Vaterland geht.
„Der hat den Wald angezündet!" heulte sein Vater, den der baldige und schreckliche Verlust deS Neuerworbenen fast um den Verstand brachte. „Jawohl, die Birkenhofer habens gethan!" heulte Lenz als Echo.
Sein Vater hatte ihm am Abend daS freudige Ereignis mitgeteilt und Über den günstigen Abschluß gejubelt. Er nahm den Kauf, der unter der Zeugenschaft des Lehrers vor sich gegangen war, als rechtskräftig an, und keinem der Höhlenhofer kam, als einige Stunden später der Wald brannte, der Gedanke, daß der Kauf nicht rechtskräftig war, weil nur mündliche Abmachungen bestanden. Sie hatten den Kopf völlig verloren und schoben mit den schnellen Folgerungen des Hastes den Birkenhofern die Brandstiftung zu — diesmal freilich mit Recht.
Der Schultheiß schwieg, und Johannes war unschlüssig, was er auf die Beschuldigung erwiedern sollte.
Den Zusammenhang des Geschehenen begriffen die Höhlenhofer allerdings nicht völlig, aber den Verdacht, den ste offen aussprachen, hielten sie wie einen Anker fest. So stand die Gruppe mehrere Minuten schweigend, während ringsum die Zuschauer lärmten, als wollten sie das grimme Element niederschreien. Die Stimme deS Wieners durch- fchnitt die Luft wie eine dünne Gerte, und er kommandierte, daß ihm der Schweiß von der Stirne rann.
„Und wer hat denn den Friedel erstochen?" fragten Viele, welche die Anschuldigung der Brandstiftung gehört hatten.
„Wer anders als Johannes?" riefen die beiden Höhlenhofer wie aus einem Munde.
„Und ich sag', er hat's nicht gethan, er ist kein Mörder", schrie die Höhlengundel, die sich herzudrängtc. Johannes dankte der Gundel für die warme Verteidigung, während
Zeigen wir ben von dieser Gefahr Bedrohten, baß ihre Furcht nicht umsonst war, zeigen wir ferner aller Welt, baß die neueste Taktik der liberalen Presse mindestens ebenso verwerflich als Die frühere ist, und zeigen wir endlich, indem wir die Gegner der konservativen Sache von der von ihnen erkannten Gefahr bei den bevorstehenden Reichstagswahlen ereilen lassen, daß diese Gefahr wohl für die Gegner des Deutschtums verderblich, für letzteres und das deutsche Volk selbst aber nur segenbringend werden konnte.
Deatfche« Reich.
«• Berlin, 24. Juni. Wie mir ausdrücklich versichert wird und wie übrigens wohl jeder verständige Leser im Voraus angenommen hat, ist die im gestrigen „Staats- Anzeiger" berichtete Veröffentlichung des Berichts, welchen der jetzige Minister des Innern als Oberpräsident von Schlesien unter dem 1. September 1878 an den damaligen Minister des Innern über die Weiterführung der Verwaltungsreform erstattet hat, nach vorausgegangenem Einvernehmen mit dem Fürsten Reichskanzler erfolgt. Die „Nat.-Ztg." macht sich daher in der Thal eine überflüssige Sorge, wenn sie sich den Anschein giebt zu befürchten, daß der „Reichs-Anzeiger" demnächst eine von dem Fürsten Bismarck veranlaßte Zurückweisung der von dem jetzigen Minister schon 1878 vertretenen Auffassung bringen könnte. Aus den Worten der „Nat-Ztg." spricht ersichtlich der Aerger, daß die Fortsetzung ihres beliebten ReaktionSge- schreies durch jene Veröffentlichung ihr nicht wenig erschwert wird. — Wenn verschiedene Zeitungen als bekannt vorauS- setzen, daß der jetzt zum Unterstaatssekretär im Kultusministerium ernannte Dr. Lucanus durch den Minister Falk in dieses Ministerium gezogen worden sei, so befinden ste sich im Irrtum. Lucanus gehörte bereits unter dem Ministerium Mühler dem Kultusministerium und auch schon der kirchlichen Abteilung derselben an. — Der zum Ministerialdirektor an Stelle des verstorbenen Ribbeck im Ministerium des Innern ernannte Geh. OberregierungSrat Herfurth ist durch seine ausgezeichneten verwaltungsstatistischen Arbeiten auch in weiteren Kreisen ehrenvoll bekannt. In der hohen Behörde, welcher er angehört, erfreut er sich seit lange bet größten Hochachtung seiner Vorgesetzten unb Kollegen.
Berlin, 24. Juni. In welcher Weise sich die fortschrittliche Unverschämtheit jetzt in der Presse breit macht, dafür liefert das „Berliner Tageblatt" neuerdings einen schlagenden Beweis. Die Ernennung des Grasen Wilhelm Bismarck zum ständigen HülfSarbeiter in bet Reichskanzlei muß bem sauberen fortschrittlichen Organ bieSmal zur Unterlage seiner schmutzigen Angriffe gegen den Reichskanzler dienen und dasselbe läßt sich über diese Ernennung, wie folgt, vernehmen: Der Gerichts-Affessor Vater und Bruder sie zornig anftarrten. Plötzlich entstand eine hastige Bewegung; Gerichtsbeamte mit Gendarmen erschienen, denn sie befanden sich zufällig in dieser Nacht wegen einer Kriminaluntersuchung in Blumenrain.
Der Wald brannte in sich selbst zusammen, der Wind legte sich, und alles wandte sich dem blutigen Schauspiele zu, das mit dem feurigen so innig verwoben war.
„Wo ist der Schultheiß?" fragte der Oberamtsrichter. „Hier," gab dieser zurück.
Noch einmal richtete sich seine Gestalt zu voller Höhe auf, unb auf feinen Sohn beutend, fügte er mit bem letzten Rest von Willenskraft:
„Verhaftet diesen, er hat feinen Bruder erstochen!"
Alles staunte, und Viele jammerten, am meisten die Gundel vom Höhlenhof.
„Aber, daß er kein Mörder ist, dafür bürge ich mit meinem Leben unb mit meinem Hof," fügte der Schultheiß gewichtig bei. Er bedachte nicht, daß dem Gericht gegenüber, das über eine Blutthat abzuurteilen hat, Stand, Reichtum unb jedes prahlerische Opfer weichen unb verbleichen muß.
„Da Sie es selber sagen, Herr Schultheiß, fo nehme ich Ihren Sohn in Verhaft. Das Uebrige müssen Sie bem Gange der Verhandlungen überlasten," erklärte der Richter. „Sie sind ein wackerer Mann," setzte er bei, „ich habe Sie als solchen in Ihrer Amtsführung kennen gelernt, unb es ist mir eine schmerzliche Pflicht, heute meine- Amtes zu warten; noch schmerzlicher ist es mir, Sie von einem doppelten Unglücke betroffen zu sehen, von benen eines furchtbarer zu sein scheint als das andere. Möge „Gott Sie tröften, ich kann es nicht."
(Fortsetzung folgt.)