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Nr. 116.
JTiarßlirg, Sonnabend, 25. Juni 1881.
xvi. Jahrgang
Anzeigen nimmt emgegen: Ht Expedition d.vlatte-, sonne d-Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & So. in jksfiel und Hannover; LH. Dietrich in Kankinrt a.M.; Soaiensteia & Bögler in WMjsJfutt o M., Berlin, Leipzig, (ton re.; Rudolf MvAr in Berlin, Arant- furt e. M. il
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Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blattet sowie d.Lnnoncen-Burenur von E. 8- Daube & So. in Fraulfnrt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermamr'schr Buchhandl. daselbst: Juvalidrndaul in Berlin: w. Lhienrt in «berfelb: 6. Schlotte in rann.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- un» Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „zinstrirtk» Sonntagödlatt" durch die Srpeditiou («och'sche Büchdruckerei) bezogen 8^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf-, (exü. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-. Für in der Expetition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Ldreffen werde» 15 Pf«, berechnet.
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IÄ* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
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Zur Mahnung für Eltern.
Bor kurzem ist eine Ministerialverfügung erneuert worden, welche vorschreibt, daß die König!. Provinzial-Schul- kollegien strenge darauf sehen sollen, daß kein Schüler eines Gymnasiums nach Ober-Prima versetzt werde, wenn seine Kenntnisse nicht die sichere Erwartung geben auf das Bestehen der Maturitätsprüfung nach einem Jahre. Der Direktor und die Lehrer der oberen Klaffen sind ferner dafür verantwortlich zu machen, daß kein Schüler ohne die erforderliche Reife nach Sekunda versetzt wird und daß solche Schüler, welche nach zweijährigem Aufenthall in der Ober-Sekunda oder in der Unter-Prima nicht einstimmig von den betreffenden Lehren: nach der Unter-Prima bez. Ober-Prima versetzt werden können, von der Anstalt jedenfalls entlassen werden. Diese Verfügung ist eine lobenö- und dankenswerte und wird gewiß am meisten von den Direktoren und den Lehrern der ersten Klaffen der Gelehrten- schulcn als solche erkannt werden, von jenen Männern, denen die mittelmäßigen und schlechten Schüler nicht nur durch viel unnütze und unangenehme Arbeit, sondern auch durch den häufig mit Milleid gepaarten Aerger über stümperhafte und schlechte Leistungen das Leben so unendlich sauer machen. Aber noch mehr sollten für solche ministerielle Anordnung solche Eltern, die ihre Söhne in die Gymnasien schicken, dankbar sein, denn sie erlangen, wenn die Anordnung strenge gehandhabt wird, wenigstens die Gewißheit über die wichtige Frage, ob ihre Söhne wirklich die Fähigkeit haben, in die Berufsklasien der Gelehrten oder höheren Beamten mit Erfolg oder Nutzen einzutreten, oder ob es nicht besser ist, sie bei zeiten von der höheren Rennbahn des Lebens fortzuziehen, auf welcher sie bei schlechten Anlagen voraussichtlich entweder ganz fallen oder doch kein nennenswertes Ziel erreichen werden. Manchen Eltern wird es freilich immer schwer werden, ihre Hoffnung und ihre Lieblingswünsche durchkreuzt und vernichtet zu sehen, wenn sie die Söhne so lange die Schule haben besuchen laffcn, daß dies geschieht, als wenn sie später ihre Hoffnungen doch scheitern sehen. Roch besser wäre es aber
Der DreMrkeuhof.
Roman von August Butscher.
(Fortsetzung.)
Er sah bei dem lohenden Scheine, der ihm entgegenstrahlte, wie der Hund freudig bellend an dem Brandstifter emporstrebte und wie dieser den Hund streichelte, während er wildzärtliche Worte an ihn richtete, wild ihrem Sinne, zärtlich ihrem Klange nach. Friedel wies hinauf nach den hochstämmigen Eichen, an denen nun die Flammen gleich Riesenschlangen emporkrochen, immer höher, bis zur Krone, die dann auf einmal wie eine Feuergarbe aufloderte und knisternde Feuerstrahlen den nächsten Waldnachbarn zuschleuderte, so daß auch diese wie im eifersüchtigen Zorne aufleuchteten und bald Fackel an Fackel sich« reihte zum schauerlich-schönen Feuerfeste.
„Friedel, Unglückseliger, waS hast Du gethan?" schrie Johannes den Regungslose» an, der ihn mit unheimlichen Augen anstarrte und zwischen Schrecken und hämischer Befriedigung zu schwanken schien. Er begriff im Augenblick die Anwesenheit seines Bruders nicht und weidete sich an deffen schmerzverzerrten Zügen.
Höhnend wies er hinaus zum Flammenstrome, der sich gierig seinen Weg durch das Dickicht fraß, gepeischt von einem pfeifenden Winde. Dann rief er wild lachend:
„Siehst Du die Zungen, wie sie freffen und brennen? Und ich kann so znschauen wie ein eingeladener Gast. Wie das wohl thut und so warm um Einen weht! Die Otter war so kalt, aber das ist warm wie der schönste Sonnenschein. Hellauf, immer lustig voran!"
„Brandstifter, Mordbrenner", schrie ihn jetzt Johannes wütend an, „Du Schandpfahl vom Dreibirkenhof, ver-
jedenfalls, wenn die Gelehrtenschulen schon von der Ober- Tertia oder von der Unter-Sekunda an von den augenscheinlich unfähigen Schülern gereinigt würben; doch da können weder die Schulbehörden noch die Lehrer wirksam vorgehen oder eingreifen, wenn sie nicht von den einstch- ttgen Eltern unterstützt werden. Es ist ost von den ge- gewiegtesten Schulmännern ausgesprochen worden, daß kein Schüler zum Universitätsstudium geeignet ist, welcher nicht alle Klassen des Gymnasiums ohne Ausnahme schlank durchmacht, und daß die Eltern, deren Söhne öfter sitzen bleiben und den Klaffenkursus, der fast überall, wenigstens in der unteren Hälfte der Schule, auf Durchschnittsfähigkeilen berechnet ist, nur mit häuslicher Nachhilfe überwinden, besser thun, sie bei zeiten von der Schule wegzunehmen, um sie einem bürgerlichen Bemfe zu übergeben. Viele Eltern würden dies auch wohl thun, aber sie denkm mit Schrecken an die drei langen Militärjahre, die ihren Kindern gewiß sind, wenn letztere nicht durch Vorzeigung eines Zeugnisses sich die Berechtigung sichern, statt dreier Jahre nur ein Jahr unter den Fahnen zu bleiben, und sie berechnen ferner, daß, wenn sie die Kinder zur Erlangung der gedachten Berechtigung in eine „Presse" schicken, um ihre Prüfung vorbereiten zu lassen, ebenfalls Zeit unv Geld verloren gehen und das Prüfungsresultat dann immer noch unsicher ist. So bleiben denn die Kinder in der Schule, quälen sich und werden gequält und werden schließlich mit Hängen und Würgen und allerlei Hilfsmitteln bis in die Ober-Sekunda bugsiert. Nun haben die Schüler das zunächst gewünschte Ziel erreicht, aber die Eltern haben damit für immer verspielt. Der Herr Sohn, der nun schon lange in der Schule mit Sie angeEdet worden, hat keine Lust mehr, ein Handwerk zu lernen, er will und muß nun, falls er nicht Kaufmann wird, eine „höhere" (Sortiere einschlagen. Zum Handwerker ist er nunmehr zu vornehm geworden, aber zur höheren Sortiere ist er dennoch zu beschränkt. Die @ltem vertrauen immer noch, die Zeit werde es wohl bringen, oder die Ehrbegieroe und der erneute, durch die lockende Aussicht auf die goldenen Früchte der Zukunft angespornte Fleiß werden die Beschränktheit des Verstandes in geistige Befähigung verwandeln, und so vergeht Jahr auf Jahr und das Militärjahr kommt heran; es wird wegen der „Studien" um Auftchnb gebeten, derselbe auch erlangt und der junge Herr bringt es schließlich unter Mühe und Not doch noch dahin, das MaturitätS- Examen zu machen, wenn ihn nicht seine geringen Leistungen in der Mathematik, die gewöhnlich bei den schwachen Schülern die schwächsten sind, noch im letzten Augenblicke zu Falle bringen Hat er sich aber endlich hindurchgerungen bis zur Universität, dann wird zunächst daran gerächt, das Militärjahr abzudienen und dem schwachen Abiturienten kommen während dieses Dienstes von den gesammelten Kenntniffen wieder so viele abhanden, daß er später viel rückter, zorntoller, wahnwitziger Mensch, flieh', Unglücksvogel, so weit der Athem reicht, verkriech' Dich, daß man nicht Deine Schänd' sehen muß. Hörst Du Stimmen und das Knallen und Läuten? Sie holen Dich zum Galgen?"
Wie verwundert starrte Friedel anfangs auf den Erregten, dann auf einmal begriff er feine Lage, und mit diesem Begreifen wuchs sein Zorn, und zu diesem gesellte sich die Furcht vor der offenen Schande und vor dem Zeugen, von dem er keine Schonung erwartete, auch keine wünschte.
Plötzlich reckten sich seine gewaltigen Hände um den Hals des Brudtzksl daß diesem die Augen fast aus den Höhlen quollen. Immer fester umklammerte er ihn, denn der halbe Wahnsinn, der ihn umgarnte, lieh ihm fast übermenschliche Kräfte. Johannes stöhnte unter dem fürchterlichen Drucke, der ihm das Blut gegen das Gehirn hieb, und war anfänglich wie gelähmt von Ueberraschung und Sch nei^. Bald aber wehrte er sich mit Händen und Füßen gegen den Wütenden. Dieser riß ihn immer näher der glimmenden Brandstelle, indem er ihm heiser ins Ohr zischelte:
„Komm immer her, krauser Schönthuer, sollst schmecken jetzt, wie die Zungen da lecken und fressen. So, an den Galgen willst Du mich bringen, Du Galgenvogel? Hast mir lang' genug saure und heiße Wochen gemacht, jetzt will ich Dir auch heiß machen, daß der Alte Freud' erlebt an seinen Buben und die Ev' sieht, wie feurig die jungen Biikenhofer lieben können,' bis zum Tod. Immer her, Flachshaariger, es wird dato ausflammen wie Werg, und Dein Dchadel muß bleichen in der Glut!"
Mit Rielenkraft zerrte er den halb Wehrlosen zum Feuer. Schon rieselten Funken auf die Kämpfenden nieder,
Mühe hat, die Lücken wieder auszufüllen. Schlimmer aber ist der Umstand, daß die vom Vater nun dem jungen uniformierten und wegen der Schnüre von jedem als Bevorzugter erkannten jungen Mann gewährten Geldmittel, die so reichlich bemeffen sein muffen, daß der Einjährige neben den Herren Kameraden keine untergeordnete Rolle zu spielen und sich keine Blöße zu geben braucht, trotz der militärischen Zucht den jungen Mann verführen, ein gewisse« lockeres oder oft überstandesgemäßes Leben zu führen und ihn der weisen Sparsamkeit entwöhnen, und zu spät sehen oft die Eltern ein, daß sie all die großen Opfer urn- foust gebracht haben und daß, wenn sie ihre Söhne nicht aus falscher Rücksichtnahme oder falschem Milleid und im Hinblick auf die Länge der dreijährigen Dienstzeit nicht zu lange die hohe Schule hätten besuchen lassen, sondern dieselben zur rechten Zeit einem bürgerlichen Berufe überwiesen hätten, daß sie viel Geld und viel Aerger gespart und ihren Kindern frühzeitig zu einer, wenn auch äußerlich weniger glänzend erscheinenden, aber zu einer solchen Lebensstellung verhelfen haben würden, die verhältnismäßig eben so sicher und unter Umständen viel einträglicher, weil viel früher gewinnbringend genannt werden kann, als die eines Gelehrten, Arztes, Juristen, Geifllichen oder höheren Beamten. Viele stolze Hoffnungen der Eltern sind bisher zu gründe gegangen und werden auch ferner noch zerstört werden, wenn die Eltern nicht lernen, härter gegen die Kinder zu sein in Beziehung auf die Wahl deö Berufes und die eitlen Träume der Kinder wie die eigenen frühzeitig zu bekämpfen.
Deutsche» «eich.
•• Berlin, 23. Juni. Die Vorbereitungen füe den Sau der durch die Gesetze vom 7. und 9. März v. IS. und 25. Februar d. I. zur Ausführung genehmigten Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung nehmen nicht überall den zu einer baldigen kräftigen Inangriffnahme des BaueS selbst im Interesse der betreffenden Landesteile erwünschten raschen Fortgang und finden insbesondere, wie wahrgenommen worden, nicht immer die erforderliche Unterstützung und Förderung der beteiligten Interessenten. Um über den Gang der mit letzteren wegen Uebernahme der gesetzlich von ihnen verlangten Leistungen eingeleiteteu Verhandlungen und den Stand der technischen Vorbereitungen für die Ausführung derjenigen Linien, deren Bau in Gemäßheit der gedachten Gesetze den Kgl. Eisenbahn- Direktionen seiner Zeit übertragen worden ist, fortlaufend in Kenntnis zu bleiben um etwaigen Verzögerungen, sofort mit Nachdruck entgegentreten zu können, sind die Direktionen durch den Minister der öffentlichen Arbeiten angewiesen, bis zur demnächstigen Inangriffnahme des Baues selbst über den Verlauf der Verhandlungen betreffs der einzelnen Linien in periodischen Zwischenräumen von vier Wochen zu und Johanne« taumelte wie ein Berauschter. Von hinten sprang der tückische Hund auf ihn los und riß Wunden in sein Fleisch. Er mischte fein heiseres Gebell in die heiseren Zornesrufe Friedels, über den das Frohlocken der Verzweiflung gekommen war. Noch ein Augenblick!
Johannes' Hände fielen schlaff an den Seiten nieder, als er in der letzten Sekunde etwas Kaltes an der Seite fühlte.
Ein Blitz flammte auf in feinen Augen, einem Blitze glich die Bewegung seiner Rechten, und wieder gleich dem Blitze fuhr fein „Knicker' dem Bruder in die Brust bi« an's Herz.
Aufstöhnend mit einem dumpfen Laute brach dieser zu- fammen, seine Hände lösten sich kraftlos vom Halse deS Bruders, blutiger Schaum trat auf feine Lippen, und mit verglasten Augen sank er zur Erde, die Klinge tief in der Brust. Einzelne Funken krochen an seinen Kleidern hin wie glühende Würmer.
Er war tot!
Fahl wie ein Leichnam starrte Johanne« auf ben toten Bruder.
Mit einem Schmerzengeheul warf sich der Hund auf die Leiche Friedels und zerrte an feinen Kleidern. Um die Gruppe aber rasten die Flammen und krachten die stürzenden Stämme. Himmel und Erde verschwommen in eine Glut, und pechschwarz wälzten sich die Rauchwolken, höllischen Dämonen gleich, über die Ebene. Menschenstimmen erschollen ringsum, und von aCen Tünnen der Gegend erdröhnten die Sturmglocken. —
Johannes war dem Ersticken nahe, denn der Qualm raubte ihm fast den Atem, wie vorher die würgende Faust des Ermordeten.