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Rr. 144.

Marburg, Donnerstag, 23. Juni 1881.

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Liu eigen nimmt entgegen: tit Expedition d.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & <So. in staffel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein L Bögler In Frankfurt e- M., Berlin, zripzig- S5ln rc°; Rudolf Ksffe in Serkin, Frank­furt a. M- ic.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition «.Blatte« sowie d. Lmwneen-Bureaax von G. 8- Danke * So. in Frankfurt a-M; Algerische Buchhandlung daselbst; Hermamstsche vnchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; L- Thiene« in Slberselb: L Schlotte in

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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

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V Die Miuister-Erueuuuugeu.

Die so vielfach erörterte Frage der definitiven Besetzung des Ministeriums des Innern und des Kultusministeriums ist nunmehr entschieden, indem Se. Majestät der Kaiser und König Allergnädigst geruht haben, den bisherigen Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medieinal-An- gelegenheiten, Herrn v. Puttkamer, definitiv zum Minister des Innern und den bisherigen Unterstaatssekretär im Kultusministerium, Reichstags-Präsidenten Herrn v. Goßler, zum Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten zu ernennen.

Daß Herr v. Puttkamer definitiv das Ministerium deö Innern übernehmen würde, ist wohl von keiner Seite be­zweifelt worden, wenn es auch als eben so sicher galt, daß die Bedenken Sr. Maj. des Kaisers, Herrn v. Puttkamer aus dem Ressort, in welchem er sich in so glänzender Weise bewährt hat, ausscheiden zu lasien, durch die vor nicht allzulanger Zeit eingetretenen Verhältnisse und An­regungen in der katholischen Kirche nicht unerheblich erhöht worden waren. War es auch kein Geheimnis, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck vom ersten Augenblicke an die Uebernahme deS Portefeuilles des Innern, welchem er zur Zeit eine besondere Aufmerksamkeit widmet, durch den Minister v. Puttkamer dringend wünschte, so herrschte an Allerhöchster Stelle doch der Wille vor, den Kultusminister nicht in einem Augenblicke von der Leitung der seinem Ressort obliegenden Angelegenheiten zurücktreten zu lassen, in welchem ein friedlicher, beide Teile zufriedenstellender Ausgleich mit der katholischen Kirche in so glücklicher Weise angebahnt worden war. Aus diesen Gründen wurde be­hufs Vereinigung der beiderseitigen Wünsche zu dem Not­behelf geschritten, daß Herr v. Puttkamer mit der einst­weiligen Leitung des Ministeriums des Innern insolange betraut wurde, bis ein entsprechender Ersatz für denselben bezüglich des Resiorts der Kultusangelcgcnheiten gefunden sein würde.

Bei Beginn der Ministerkrisis wurde bereits von mehreren Seiten hervorgehoben, daß der bisherige Unter»

Der Dreibirkeuhof.

.Roman von August Butscher (Fortsetzung.)

Erschrocken starrte der Vater auf den Sohn, der so frech eine finstere Hoffnung, ja mehr noch eine finstere Drohung aussprach. Auch in dem alten schwoll der Zorn zur Sturmflut.

Du Elender!" rief .er mit so mächtiger Stimme, daß das Echo im Walde antwortete.Du drohst dem Vater, der Dich erzog« und behütet hat, so lange Du lebst! Willst Du mich umbringen? Da steh ich, komm nur her und stoß zu, ungeratener Bube, stoß zu! Du wagst es nicht? Also willst Du warten, bis ich mich selber in die Grube geärgert habe über meine ungeratenen Buben? Weißt Du, daß ich Dich fortjagen kann von Haus und Hof, daß ich Dich fortstoßen kann ins Elend wie einen räudigen Hund? Und das soll bei Gott geschehen, wenn Du noch einmal den Mund aufmachst gegen mich und gegen das, was ich sage; ich will Dir drohen, Du Wurm, den ich niedertreten kann!"

So steht's, Alter?" knirschte Friedel, und mit ge­ballten Fäusten stürzte er auf seinen Vater zu. Der Alte aber stieß seine eiserne Faust dem Sinnlosen dröhnend auf die Brust, daß er zurückprallte und zu Boden fiel. Im Fallen riß er das morsche Marterle mir um, daß es krachend zerbarst und die Blechtafel kreischend, wie mit einem Weh­schrei, absprang.

Der Dreibirkenbauer ging seitwärts fort, während Frie­del langsam sich aufrichtete. Die rechte Hand noch in'S feuchte Moos gestemmt, sah er mit stieren Blicken auf den zerbrochenen Bildstock, und wieder schüttelte ein eisiger Schauer seine starken Glieder.

staats-Sekretär im Kultus-Ministerium, Herr v. Goßler, zweifellos zu jenen Kandidaten gehöre, die am besten ge­eignet seien, das Portefeuille der geistlichen rc. Angelegen­heiten im Sinne seines bisherigen Inhabers fortzuführen, und wenn neben ihm auch noch Andere als eventuelle Nachfolger des Herrn v. Puttkamer genannt wurden, so hatte, angesichts des an maßgebender Stelle vorherrschenden Wunsches, die Kandidatur des Herrn v. Goßler doch stets die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

Die Kaiserliche Entscheidung ist, wie erwähnt, gefallen und sie muß in conservativen Kreisen mit Freude begrüßt werden. Ist schon bezüglich des Portefeuilles des Innern die definitive Ernennung des Herrn v. Puttkamer höchst erfreulich, so ist doch auch die erfolgte Ernennung des Herrn v. Goßler zum Kultusminister eine nicht minder frohe Kunde, denn als ehemaliger Unter-Staatssekretär Im Ministerium der geistlichen rc. Angelegenheiten ist derselbe so mit den versöhnlichen Maßnahmen des Herrn v. Putt­kamer vertraut und verwachsen, daß er auf dem von letz­terem eingeschlagencn Wege nicht allein fortschreiten, son­dern auf demselben auch zweifellos das ins Auge gefaßt: Ziel, die endliche gänzliche Beseitigung des sog. Kultur­kampfes erreichen wird.

Es kann keine Frage sein, daß auch in den Kreisen des Centrums die Ernennung des Herrn v. Goßler mit großer Befriedigung vernommen worven ist. Bekanntlich wurden in diesen Kreisen wiederholt gegen die Ernennung deS Herrn v. Wolff zum Kultusminister große Bedenken laut ob mit oder ohne Grund, lasien wir dahin ge­stellt und wenn man sich erinnert, daß bei der Wahl des ersten Präsidenten des deutschen Reichstages da«Centrum geschlossen für Her« v. Goßler stimmte, so wie, daß der Abg. Dr. Windthorst beim Schluß der diesjährigen Reichs­tagssession in ganz besonder« «armen Worten dem Präsi­denten den Dank des Hauses für seine Umsicht und un­parteiische Leitung der Geschäfte darbrachte, so deuten auch diese Thatsachen an, daß die Ernennung des Herrn v. Goßler, eben wegen seiner versöhnlichen Gesinnung, Umsicht und Unparteilichkeit, auch in katholischen Kreisen die Hoff­nung neu beleben wird, daß er im Sinne seines so gerecht denkenden Amtsvorgängers die Geschäfte seines Ressorts führen und noch bester Kraft dahin wirken wird, auch die letzten Schatten zu zerstreuen, die infolge des von dem gesamten Liberalismus so emsig geschürten Kulturkampfes noch auf uns lagern.

In dieser Zuversicht dürfen auch wir die erfolgten Minister-Ernennungen freudigst begrüßen, weil die gänz­liche Beseitigung des unheilvollen kirchlichen Streites nicht allein der katholischen, sondern in gleichem, wenn nicht noch höherem Grade auch der protestantischen Kirche zu wahrem Segen gereichen wird.

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Da raschelten die Büsche, und Johannes kam mit Eva zu dem Bruder, der beschämt und zornig auffuhr.

Was hat es denn gegeben?" fragte Johannes halb neugierig, halb besorgt.

Was es gegeben hat?" höhnte Friedel und wieder stieg ihm das Blut in die Augen, die seltsam groß und starr in ihren Höhlen rollten.Was fragst denn Du darnach, Duckmäuser! Du gehst im Grünen auf die Jagd nach dem entlaufenen Wild! Aber ich sag' Dir, unj're Rechnung ist auch noch nicht aus, und auch die unsere nicht, Du braunäugige Hexe!" Er wußte offenbar kaum, was er sagte, aber Eva erbitterte vor seinem drohenden Blick.

Da brauchen wir einander nicht viel vorzurechnen," gab Johannes kurz zurück;und wenn Du die Ev'schimpfst, so hast Du es mit mir zu thun."

Das will ich, Du bleichsüchtiger Narr 1 Meine Faust wird Dich niedermähen wie einen Grashalm."

Er ballte wirklich die Faust und schwenkte sie im Kreise, als ob sie im nächsten Augenblick auf das Haupt seines Bruders niedersausen sollte. Dieser stellte sich vor Eva, die bittend ihre Hände erhoben hatte, und streckte den mus­kulösen Arm aus, um den tollen Angriff abzuwehren. Im gleichen Augenblick aber kamen die aus der Stadt zurück­kehrenden Höhlenhofer, Vater und Tochter, heran und sahen verwundert auf die erregten Brüder und aus das gestürzte Marterle. Eva hing sich zitternd an den Arm derHöhlen- gundel, die ihre runden Augen weit öffnete.

Ho, ho!" rief der alte'Höhlenhofer, der diesen Aus­druck von seinem Sohne angenommen zu haben schien,da kommen wir grab' recht zum Zuschauen. Der alte Wolf hat sein Schäflein verloren, und da balgen sich die Jungen darum, es sieht auf und nieder so aus."

Deutsche- Reich.

* Berlin, 21. Juni. Die aufgeworfene Frage, ob die Bewilligung der nachgesuchten Entlasiuug des Grafen Stolberg vor der Beauftragung des Herrn von Bötticher mit der einstweiligen Stellvertretung des Reichskanzlers erfolgt sei oder hinterher, löst sich einfach durch den Reichs« und Staats-Anzeiger, welcher beide amtlichen Nachrichten gleichzeitig birgt. Der Zweifel konnte nur entstehen, weil das Wolfffche Telegraphen-Bureau zuerst nur die Beauf­tragung des Herrn von Bötticher meldete. Wenn einige Blätter behaupten, daß materielle Meinungsverschieden­heiten zwischen dem Kanzler und feinem bisherigen Stell­vertreter, namentlich in bezug auf das UnfallsversicherungS- gesetz schon vor einiger Zeit hervsrgetreten seien, so beruht das auf Irrtum. Nicht sachliche, sondern persönliche Gründe haben, wie auch anderwärts schon konstatiert worden, den Grafen Stolberg zur wiederholten Einreichung seines Abschiedsgesuches veranlaßt, dem bei solcher Begrün­dung auch der Kaiser schließlich zu willfahren nicht umhin konnte. Man hört, daß das Unfallversicherungsgesetz in seiner jetzigen Gestalt der Reichsregierung al« unan­nehmbar erscheint und daß dieselbe namentlich eine Be­lastung des nicht leistungsfähigen Arbeiter« nicht genehmige» zu dürfen glaubt. E« ist ein Irrtum, wenn verbreitet wird, daß über die Verwaltungsreformgesetze nur diejenigen Provinzial-Landtage gehört werden sollen, in deren Bereich die Einführung derselben erst bevorsteht. Man hört viel- mehr, daß auch die Landtage der alten Provinzen vor der bevorstehenden Revision der betreffenden Gesetze gehört werden sollen. Ueber die hierbei maßgebenden Grundsätze dürfte eine Aufklärung in naher Zukunft bevorstehen. Der deusich-italienische Handelsvertrag vorn 31. Dezember 1865 und die Schifffahrtskonventton 14. Oktober 1867 bleiben zufolge Uebereinkommens zwischen beiden Regierungen bi« zum 31. Dezember 1881 in Kraft.

V Berit«, 21. Juni. Es ist wiederholt daraus hin­gewiesen worden, daß von konservativer Seite die Wahl­agitation in einer Weise betrieben wird, wie Berlin sie kaum jemals erlebt haben dürste und während sonst Berlin in dieser Beziehung erheblich zurückstand, wäre e« dringend erwünscht, daß die Hauptstädte Der Provinzen sich diesmal an der Organisation der Wahlagitation der Reichshaupt­stadt ein Muster nähmen. Da bleibt kein Haus unabge­sucht und kein Abend vergeht, an dem nicht in einem der sechs Wahlkreise oder in den benachbarten Sieglitz, Schöne­berg, Charlottenburg, Moabit u. s. w. Volksversammlungen von konservativer Seite arrangiert würden, in denen kon­servative Männer den stets in ganz enormer Zahl Erschie­nenen darzulegen such«, welche Gefahr eS für Volk und Vaterland mit sich bringen würde, wenn die Wahl nicht im konservativen Sinne ausfallen sollte. Wer früher zur Zeit der vorbereitenden Wahlagitation die Reichshauptstadt

Die Gundel faßte ihn am Arme, um ihm zu bedeuten, daß er sich zwei gefährlichen Gegnern gegenüber befinde. Die Brüder hatten die erhobenen Fäuste sinken lasten und gaben sich ein etwas unbefangenere6 Ansehen, was ihnen aber nicht sonderlich gelang, denn sie verstanden die Kunst nicht, mit dem Gesichte zu lugen. Besonders Friedel wußte sich wenig zu beherrschen, und der Anschluß Eva'« an seine ehemalige Braut nebst de» höhnischen Bemerkungen be« HöhlenhoferS erbitterte ihn wo möglich noch mehr.

Das geht Euch nichts an," war seine trotzige Antwort, schert Euch Eurer Wege und schnüffelt nicht in fremd« Küchen herum!"

Ei, ei," spottete der Höhlenhofer, ben bet Waldkauf übermütig machte wie ein Champagnerrausch,das siedet ja wie die Lauge im Kessel. Da wird'S denn nimmer viel auf sich haben, wenn ich ein wenig schüre. Hotz hab' ich jetzt genug, denn daß Du'S nur 'weißt, Friedel, der Wald ist mein, und ich komm' eben vom Kauf; kannst Dir jetzt das Maul wischen mitsamt Deinem Alten!"

Die Adern auf Friedels Stirne bäumten sich blutrot auf; das war ein Hieb, den er nicht verwinden konnte. Johannes aber lächelte höhnisch, er gönnte dem Hoferben den harten Schlag, jeden Schlag, der ihn traf.

Das habt Ihr mit Lug und Trug gemacht," zischte Friedel ganz toll,aller Sünder! Die Dümmsten sind die Boshaftesten! Aber ich will Euch die Freud' versahen! Macht, daß Ihr mit aus dem Weg kommt, oder Ihr liegt da am Bildstock wie ein Scheit Holz."

Wieder hatte et die Hand erhoben, entriß dem Höhlen­hofer die starke Gerte, welche dieser in der Hand trug, schleuderte sie weg und packte den Hofbauer an den silbernen Knöpfen seines langen Rockes. Ehe dieser etwas erwiebern