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Marburg, Mittwoch, 22. Juni 1881.

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Erscheint tSÄich mlßa an den Werttagrn nach ^n» nnNWagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Vellage3Iefhrtrtei E,«ntag4»l»tt" durch die Sxvedition (Koch'sch« Buchdruckerei) bezogen U Start, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mart 50 Pfg. kexcl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für di- gespaltene Zeile 10 Pf».

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Anzeigen nimmt,' entgegen die Expedition h. Blatte» sowie d. Annoncen-Burraux von G- L Daube L Lo. in Frankfurt a-M; Jägerische Buchhandlung bafettfte tzrrmann'sch« Buchhandl. dajelLp; Jnvalideädant in Berlin: W- LhieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur von Tb. Dietrich & Lo. in Aaffel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Bögler in Frankfurt e. M., Berlin, x-ipzig, 651h Rudolf Roß« ia Berlin, Fraui» furt &. St. >(.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt

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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Zur Reform im Gewerbestaude.

Unter den mancherlei Vorwürfen, welche von den prin­zipiellen Gegnern der Innungen gegen die letzteren erhoben werden, kann man wohl denjenigen am häufigsten hören, daß die Innungen sich nicht mit dem Geiste der Zeit ver­trügen, daß sie sogar zu dem mittelalterlichen Zunftwesen zurückführten und daß durch eine Neubelebung des fach« gewerblichen Korporationswesens der freie gewerbliche Fort­schritt gehemmt oder doch hintenan gehalten werde. Sehen wir einmal zu, ob denn diese schwer klingenden Vorwürfe auch wirklich gerechtfertigt find. Die Gegner der Innungen sind der Ansicht, daß der Geist der Zeit sich doch nun einmal in einer Richtung bewege, welche sich mit den Ein­richtungen einer Innung schlechterdings nicht zu vertragen vermöge und daß diese Richtung es nicht möglich erscheinen lasse, jene Einrichtungen in die Entwickelung einzugliedem, wie wir sie uns nach den Grundsätzen dieses Geistes der Neuzeit denken sollen. Dem gegenüber läßt sich wohl nun behaupten, daß der Geist der Zeit im guten Sinne sich ganz gut mit den Bestrebungen der Innungen verträgt. Unsere Zeit hat einmal die große Aufgabe, die Bestrebungen der menschlichen Entwickelung gewissermaßen auf den großen Markt des Lebens hinauszutragen, ihre Grundsätze, ihre Hilfsmittel einem jeden zugänglich zu machen, das Beste, was die Zeit an Jdeeenfortschritten u. s. w. überhaupt hat, so hinzustellen, daß es jedem Einzelnen erreichbar wird. Gerade die gewerblichen Verbände nun werden ein wesent­liches Mittel sein, um Strömungen des öffenllichen Lebens in einer gesunden Weise an den kleinen Mann herantreten zu lassen, und die Erfahrung bestätigt diese Behauptung. Die wenigen Gewerbe, in denen auf der Grundlage des jetzt bestehenden Gesetzes eine Zusammenfassung der Gewerbs- genosien versucht und so gut wie möglich bewerkstelligt worden ist, zeigen eine unverhältnismäßtge Rührigkeit im Veranstalten von Ausstellungen, Herausgabe von Fachzeit­schriften, Ergreifung von gemeinsamen Maßregeln für tech­nischen und maschinellen Fortschritt u. s. w. Manche dieser Korporationen dienen als Rohstoff- und Magazin-Gmossm- schaftm, als Vereine für gemeinsamen Kohlenbezug u. s. w.

Der Dreibirkeuhaf.

Roman von August Butscher (Fortsetzung.)

Tiefe Well en.

Immer Heller spannte sich die Himmelsbläue über die Landschaft, die sich in die verschiedenen Abstufungen von Grün teilte, wie sie der Mai hervorbringt. Der Laubwald schwoll zu angenehmer Rundung, und scharf abgegrenzte Vierecke von grellgelben Rapsfeldern schoben sich trennend in das Grün der Ebene.

In der Umgebung der Stadt öffneten sich die Fenster der Sommerwohnungen dem frischen Lebensodem, und rührige Hände wühlten in den Gartenbeeten.

Frau von Bern bewohnte das ganze Jahr über ein kleines, zierliches Haus an der Stadtmauer, das seiner Lage und Bauart wegen als Sommer, und Winterwohnung gelten konnte.

Es war an einem Vormittage, als sich dort der Höhlenhoser mit seiner Tochter einfand und zur Dame des Hauses geführt wurde, bei welcher der Lehrer Brinkmann gerade zum Besuch war. Beide warm stattlich herausge­putzt und der alte Höhlenhofer ließ sich, nach geschehener Einladung, breit in Einen Sammetsesiel niederfallen, während die Höhlengundel sich aus das Sopha setzte, ihr Kleid sorglich glättete und auseinanderstrich und dann ihre rundm Augen neugierig spazieren schickte.

Ich bin so unverschämt gewesen," begann der Höhlen- hvfer, indem er seine ungeheuer große Taschenuhr hervor- 8°8,und habe meine Tochter mitgebracht. Sie möchte sich auch wieder einmal das herrische Leben anschaum und der gnädigm Frau ein Compliment machm."

Don Mangel an Eingehen auf die Bedürfniffe der Zeit ist also wahrlich keine Rede. Nach dem soeben Gesagten wider­legt sich auch der Vorwurf, daß die Innungen zu dem Zunftwesen des Mittelalters mit seinen Schwächen und Lächerlichkeiten zurückführten, von selbst. Die Beschränkungen und die strenge Unterordnung unter die Zucht, welche der mittelalterliche Zunftzwang dem Einzelnen auserlegte, würden überhaupt in unserer Zeit nicht mehr möglich fein; aber daß in der Korporation eine gewisse Kontrolle geübt werden muß, dürste in den Augen jedes Unbefangenen als eine unerläßliche Notwendigkeit erscheinen, welche stch mit dem »Geiste der Zeit" sehr wohl verträgt. Nicht der starre, an Aeußerlichkeiten hastende Gemeingeist des Mittelalters, sondern ein neuer, zeitgemäßer Geist, der seinen Ausdruck in lebendigeren Fortschritten auf technischem, auf kunst­gewerblichem und sozialem Gebiete findet, soll die modernen Innungen beleben und dadurch eine Neugestaltung und Neubelebung des ganzen Gewerbestandes herbeiführen. Schaffen kann man diesen Geist zwar nicht, aber man kann ihn sowohl niederhalten als zur Entfaltung bringen, und dieses Letztere würde die Hauptaufgabe der fachgewerb­lichen Korporationen sein, beim nicht den Einzelnen, sondern nur den Organen des Gewerbestandes selbst dürfte es ge­lingen, mit den Fortschritten unserer Zeit veredelnd auf die Umgestaltung des Gewerbebetriebes einzuwirken und stch dauernd zu Trägem dieser Bestrebungen zu machen. In diesem Sinne aber regt sich unverkennbar in neuerer Zeit auf vielen Gebieten wieder der korporative Geist und nicht nur im Handwerkerstande, sondern auch in weiteren Kreisen, die Innungen bedmten also keinen Rückschritt, nein, viel­mehr ein Vorwärtsgehm mit dem Geiste der Zeit.

Deutscher Reich.

Berlin, 20. Juni. DerReichsanzeiger" publiziert die Verleihung des Sternes der Großkomthure des Hohm- zollernschen HausordmS an den bisherigen Minister Grafen zu Stolberg, die Beauftragung des Ministers von Bötticher mit der allgemeinen Verttetung des Reichs­kanzlers bis auf weiteres, die Emennung deS Grafen Wilhelm von Bismarck zum ständigen Hilfsarbeiter in der Reichskanzlei, ferner die Genehmigung des Entlas- sungSgesucheS des Grafen zu Stolberg, die Ernennung des Herrn v. Puttkamer zum Minister deS Innern und Herrn v. Goßlers zum Kultusminister, sowie die Erhebung deSOberpräsidenten Günther in Posen in den Adelstand. DieNordd. Allg. Ztg.", die Meldung deS Wölfischen BureauS über die Entlassung des Grafen jzu Stolberg reproduciermd, sagt:Graf zu Stolberg hatte bereits im vorigen Sommer um seine Enttasiung gebeten, ließ stch jedoch durch den Reichskanzler bewegen, hiervon vorläufig wieder Abstand zu nehmen. Bei Beginn des Frühjahrs wiederholte Stolberg fein Abschiedsgesuch und

Er löste die Uhr aus ihrem Perlmuttergehäuse und ließ sie repetieren.

Die Zeit ist recht, glaub' ich," sagte et dann,wir sind niederträchtig gelaufen; die Gäule find alle im Feld, und Schuhmachers Rappen hat'S heut thun muffen. Also heut soll's Ernst toerben mit bem Wald," setzte er bei. Dessentwegen bin ich ba, und es kann meinethalben gleich losgehen."

Er schlug auf seine Hosentaschen, in benen eS ver­nehmlich klirrte.

Frau von Bern ließ ber Höhlengunbel eine Erfrischung auftragm, unb bie Verhanblungen begannen. Der alte Höhlenhofer zeigte sich sehr diplomatisch in seiner Art unb war anfänglich etwas widerhaarig, ober Frau von Bern nannte wie absichtslos ben Namen beS Schultheißen einige­mal, und bet jeder Erwähnung legte der Höhlenhofer hundert Thaler zu. Nach einstündiger Verhandlung war man einig und Brinkmann war Zeuge davon.

Der Höhlenhofer kaufte den Wald um fünfundzwanzig­tausend Gulden. Et wollte sofort den Kaufvertrag gerichtlich aufsetzen lasten, aber Frau von Bern erklärte, daß dazu morgen noch Zeit sei, er möge morgen um dieselbe Stunde wieder in die Stadt kommen, sie wolle bis dahin alle Formalitäten erledigen lassen, bis auf die Unterschrift. Stöhnend erhob sich der Bauer aus dem Armsessel und verabschiedete sich nebst der Tochter mit den Motten:

Der Wald ist also mein, und die Birkenhofer können stch einen malen lassen."

An demselben Tage führte der Dreibirkenbauer seine jung£ Bäuerin auf feine ausgedehnten Besitzungen; auch die «söhne mußten ihn begleiten. Er wollte ihnen die Unabänderlichkeit der neugeschaffeuen Ordnung klar vorS

nur der persönliche Wunsch des Kaisers, sowie die Bitten deS Reichskanzlers und der übrigen Minister veranlaßten ihn, bis zum Schluste des Reichstags in Funktion zu bleiben." DiePost" schreibt: Regierungspräsident v. Schlieck- mann in Gumbinnen wird zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Kultus, Regierungspräsident v. Wolff in Trier zum Oberpräsidenten von Sachsen, Herr von Tiedemann zum Regierungspräsidenten in Trier und Oberregierungsrat Lohmann zum vottcagenden Rat in der Reichskanzlei ernannt werden. ES unterliegt keinem Zweifel, daß der Bundesrat trotz der Ablehnung der CheckS-, Lombard- und Quittungssteuer, das Stempelabgabengesetz, wie es aus den Beschlüssen des Reichstags hervorgegangen ist, annehmen wird. Aus der vom Reichstage bewilligten Börsen- und Lotteriesteuer wird dem Reiche, wie man glaubt, eine Einnahme von 12 Millionen Mark erwachsen, d. h. ein höherer Ertrag, als er stch nach den nlsprüng- lichen Sätzen der Regierungsvorlage ergeben hätte. Auch die Annahme des Jnnungsgesetzes, wie es aus den Bera­tungen des Reichstages hervorgegangen, durch den Bundes­rat und die Reichsregierung ist nunmehr sicher. Die Nationalztg." schreibt:Wenn wir bei der Passivität, welche Stolberg während seiner Mitgliedschaft in bet Reichs- unb preußischen Regierung nach außen hin zeigte, nicht in ber Lage stnb, ihm Verbienste nachzurühmen, so ist anbererseits hervorzuhehen, baß er ebenso wenig burch sein Verhalten jemals bie Opposition herauSforberte, von Personen, welche mit ihm in amtliche Berührung kamen, wurde sein Wohlwollen gerühmt. In der ersten Zett seiner Amtsführung, als zu Verständigungsversuchen mit dm Liberalen noch zuwctten Anlaß vorhanden war, hat er solche mehrfach vermittelt, wozu persönliche Beziehungen aus der Zeit seiner hannoverschen Oberpräsidialverwal- tung ihn speziell befähigten. DieNorddeutsche" schreibt: Wie wir erfahren, find die seitens des Finanzminister« von den Regierungen erforderten gutachtlichen Berichte über die Reform der Einkommen- und Klassensteuer jetzt sämt­lich eingegangen und ist man im Finanzministettum damit beschäftigt, den fraglichen Gesetzentwurf auf Grund des von den Provinzialbehörden gelieferten reichhaltigen Ma­terials einer Umarbeitung zu unterwerfen. Neben anderen wesentlichen Puntten, in welchen das ursprüngliche Projekt voraussichtlich eine Umgestaltung erfahren wird, soll ins­besondere die Frage, von welcher untersten Einkommen­grenze ab die Steuer zu erbeben ist, einer eingehenden Prüfung unterzogen wordcn sein und liegt es, wenn wir recht unterrichtet sind, in ber Absicht des Finanzministers, bm Erlaß ber untersten Stufe ber Klassmsteuer, welche die Einkommen bis zu 660 M. umfaßt, in Vorschlag zu bringen. Nach dem dem Landtage in feiner letztm Ses­sion vorgelegten Entwürfe eine» Verwendungsgesetzes war bekanntlich ein Erlaß der unteren Stufen der Klassmsteuer

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Auge führen und das Recht unb bie Macht de« Vaters mit Nachdruck geltend machen. Eva war in der peinlichsten Verlegenheit; sie wußte kaum, wohin sie die Augm lenlen sollte, und hörte nur halb die Ausführungen des Hof­bauers, in welchem der alte Stolz erwachte beim Anblicke seines kleinen Königreichs. Den Schluß des Umganges bilbete ber Wald, ber zwischen ben beiden feindlichen Höfen sich ausdehnte. Die kleine Gesellschaft kam in ber Mitte beS Waldes an eine Wegkreuzung. Dort schieden stch die Wege, von benen ber eine zum Höhlenhof, ber anbere zum Birkeuhof führte. An dieser Krmzung erhob sich, alt, ver- «tttett unb bemoost, ein Gedächtniszeichm, ein sogenanntes Marterle", das hinfällig wie ein morscher Greis sich zur Seite neigte. Vor vielen Jahren war dott ein Tabulet- krämcr erschlagen worben und eS umschlichm das UnglückS- zeichm noch heute finstere Sagen.

AIS Friedel aus dem Walve tretenb, plötzlich vor bem Marterte stanb, durchfuhr ihn auf einmal ein so jäher Schreck, baß seine Kniee gitterten.

War eS eine jener seltsamen Ahnungen, bie kein leicht- fertiger Spott wegleugnen kann, oder war eS das Erschrecken, das uns oft beim Betteten einer Unglücksstätte befällt, be­sonders wenn schwarze Gedanken unfern Frieden über» schleimt haben? Es war wohl Beides zugleich bei Friedel. Hatte ihm einst auch nicht lebhaft geträumt, Eva werde Birkmhofbäuerin? Und ttotzdern sie ihn verschmäht hatte, war sie'« doch gewordml Er faßte sich aber schnell unb roieber blickte der alte finstere Trotz aus seinem Auge. Er wandte bem Marterte mürrisch unb furchtsam zugleich ben Rücken und schritt mit Vater unb Bruder weiter, um einige Arbeiten, die im Walde geschahen, nachzusehen.

Eva blieb in Gedanken versunken stehm und faltete die