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KarSurg, Sonntag, 19. Juni 1881.

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Buchhandlung daselbst; Hrrmaun'fch« 8uchh»»dl. daselbst; Jnvalldendaal ix Berit»: W Lhime» ta «berfetd; 4. Schlotte t»

Anzeigen nimmt entgegen. He Sxpedttto» d.vlattes, sowie b-Annoncen-Burem" von Th, Dietrich & Lo. Kastel und Hannover; L Dietrich in Frankfurt tJR Haasenstein & Bögler i zrankfurt a- M., Berit Leipzig, LLlx k.; Rndo äkeflt in Berlin, Fr«ü- fnrt a. M re.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoneen'Bureaur von E. L- Daube * So. in

Erscheint täglich <mßer an den Wetttagen nach Gönn- und Feiettagen. Preis für baS Quattal mit der wSchentlichen Beilage „Slxtairte* EonutaaSblatt" durch die Srveditio» l«°<b'lLe Buchdruckerei) bezogen 85 «ark dur d e Postämter deS Deutschen Reichs 3JRxtf 50 »TSd©efMIgebW-$&«geÄ’£bte ®18 W.’* . der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Ädreffen werden 35 Pfg. berechnet.

Bestellungen auf das dritte Quartal der Merhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage Jllustrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

UOt* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. 6. Oberh. Zeitung.

Deutsches Reich.

•* Berlin, 17. Juni. Im weiteren Verfolg früherer Erlasse hat der Minister der öffentlichen Arbeiten nächst den auf den BahnbewachnngS- und Bahnunterhaltungsdienst bezüglichen Instruktionen für Bahnwärter, Weichensteller und Bahnmeister auch die übrigen wichtigsten Instruktionen für den äußeren Betriebsdienst einer Durchsicht unterziehen lassen. Die Prüfung der verschiedenartigen bestehenden In­struktionen, sowie des im Iah e 1879 von Kommissionen der Kgl. Eisenbahn-Direktionen gesammelten Materials hat ergeben, daß es sich empfiehlt, vor der Bearbeitung weiterer einheitlicher Spezial-Instruktionen zunächst generelle Grund­züge für die einzelnen, hier noch in frage kommencen Dienst­zweige vorberaten zu lasten und festzustellen, welche die Grundlage der Dienstinstruktionen für die betreffenden Be­amten - Kategorieen auf sämtlichen Staatsbahnen zu bilden geeignet sind. Das in dieser Beziehung für den Bahn- bewachungs- und Bahnunterhaltungsdienst, sowie sür den Signaldienst Erforderliche wird im wesentlichen durch die bereits augeordneten Beratungen seine Erledigung finden. Im Verlauf dieser Beratungen wird noch zu erörtern sein, ob auch für die Benutzung der Arbeitswagen und Dräsinen, für die Hilfeleistung bei Lebensgefahr und plötzlichen Un­fällen und für die Behandlung gefundener Gegenstände einheitliche Vorschriften einzuführen sein möchten. Weiter wird es zunächst auf die Gewinnung von Grundzügen für die Instruktionen der Beamten d-s Stationsdienstes, des Zugbegleitungö- und des Lokomotivdienstes ankommen. Es hat sich als wünschenswert herausgestellt, in der Instruktion für den Stationsdienst diejenigen Pflichten und Beftignisse näher zu präzisieren, welche dem Stationsvorsteher per­sönlich und ohne Rücksicht auf die jeweilige Dienststunden- Einteilung obliegen und zustehen, im Gegensatz zu den Pflichten und Befugnissen des den Stationsdienst wahr­nehmenden Beamten. Auch die Frage, ob einheitliche Grund­züge für den Rangierdienst und für eine Arbeiter-Ordnung ausgestellt werden können, ist in Erwägung zu ziehen. Mit der Vorberatung und Aufstellung des Entwurfs der Grund­züge soll eine besondere Kommission beauftragt werden, für

Der Dreibirkeahof.

Roman von August Butscher (Fortsetzung.)

Lange stand Eva am Grabe der Birkenmarie, das ein Rosenstrauch übergrünte. Bittere Thränen rannen auS ihren Augen auf den stillen Hügel nieder.

„Für Dich und mich verloren," flüstetten ihre Lippen. Schlafe sanft in Deiner engen Grube und bitte für mich droben im Himmel, Du armes, starkes Herz!" Sie brach einen Rosenzweig und dann schritt sie der Kirche und bald darauf dem Altäre zu.

Bald klang des alten Pfarrers Stimme ernst an ihr Ohr:

„Eva Honald, ich befehle Euch bei der Treue und dem Gehorsam, den Ihr Gott und der Kirche schuldig seid, diesem hier gegenwärtigen Josef Radacher als Eheweib unterthan zu sein, ihm auch eheliche Treue und Glauben zu halten, also daß Euch beide nichts anderes scheide als der Tod!"

Es war geschehen, das unlösliche Band war geknüpft, nur dem Tod war Macht über dasselbe gegeben.

Im ersten Kirchenstuhl standen die beiden Brüder, die sich nun wieder aneinanderschlossen, well Beiden Gleiches widerfahren. Bei des Pfarrers Worten spielte ein häß­liches Lächeln um Friedel's Lippen, seine Augen rollten, und die bebenden Lippen flüsterten: „Also doch der Tod! Warum hat er's gesagt! Also doch der Tod! Auf den kann man warten!"--

Im „Lerchenflügel" ging es heute hoch her. Die Tische brachen fast unter der Last der Gerichte, und der Lerchenwirt flatterte wie ein Papierbrache umher, wirklich ein Drache heute für sein Gesinde, das er nach seinem

welche jede Direktion einen höheren Beamten des Betriebs­und des Maschinendiensteö in Vorschlag bringen soll. — Das schon seit längerer Zeit hervorgetretene Bedürfnis einer näheren Festsetzung gewisser allgemeiner Grundsätze über Raumbedarf, bauliche Anordnung und sonstige bei Aufstellung von Projekten zu Volksschulen zu beobachtende Rücksichten, hat sich in neuerer Zeit in erhöhtem Maße geltend gemacht und zur Aufstellung von Entwürfen geführt, an welchen diese Grundsätze und bestimmten Beispiele, wie sie die Wirklichkeit öfter bietet, veranschaulicht und in zu­gehörigen schriftlichen Erläuterungen des Näheren dargelegt werden. Bevor jedoch über die allgemeine Anwendung dieser Normen endgiitige Entscheidung getroffen wird, ist es zweck­mäßig erschienen, den nächstbeteiligten Provinzialbehörden Gelegenheit zur Aeußerung über die vorliegende wichtige Frage zu geben. Zu dem Ende sind den Regierungen 9 Blatt Entwürfe zu 1, 2 und 3 «affigen Schulhäusern, sowie ein Blatt Entwürfe zu Wirtschafts - Gebäuden nebst einem Heft Erläuterungen zugegangen. Dieselben sollen eingehend sich über die Vorlagen auösprecheu, namentlich über die Frage, ob der Erlaß normativer Bestimmungen überhaupt angezeigt ist, oder ob wesentliche Abweichungen von den Vorlagen durch die örtlichen Verhältnisse bedingt seien. Erst nach Eingang der Berichte wird darüber ent­schieden werden, ob allgemein gültige Vorschriften über den Bau von Volksschulen zu ertasten sind und inwieweit eS zulässig erscheint, für die einzelnen Landesteile besondere Normal - Entwürfe aufzustellen. Diese Anordnungen find von dem Minister der öffentlichen Arbeiten und dem Kultus­minister gemeinschaftlich getroffen worden.

Berlin, 17. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Nachdem das Unfallversicherungs-Gesetz in derselben Ge­stalt, wie es aus der zweiten Lesung hervorging, auch in der dritten vom Reichstag votiert worden ist, läßt sich mit Sicherheit vorauSsehen, daß dasselbe für die verbündeten Regierungen nicht annehmbar sein wird. Die verbün­deten Regierungen sind einstimmig der Ueberzeugung, daß die Reichsinstitution den Vorzug verdient, und es ist daher das Centrum mit seinem desfallstgen Vorschlag partikularistischer gewesen als irgend eine der verbündeten Regierungen; sie hätten aber, wenn auch ungern, ihre zu gunsten der ReichS- einrichtungen kundgegebene bessere Ueberzeugung geopfert, um den Arbeitern und der Industrie überhaupt die übrigen Wohlthaten des Gesetzes nicht länger vorzuenthalten. Schwieriger schon würde der Verzicht auf Beiträge des Reichs oder der Staaten behufs Erleichterung der Durch­führung geworden sein. Die Regierungen haben von Hause aus nicht die Verantwortung dafür übernehmen wollen, der Industrie die Gesamtlast der neuen Einrich­tungen ohne Staatszuschuß aufzuerlegen. Es ist aber wahrscheinlich, daß die Mehrheit derselben dem Versuch, die gesamten Beiträge den Unternehmern aufzuerlegen, probe- eigenen Ausdruck „gehörig zwiebelte". Das Brautpaar aß mit silbernen Bestecken aus silbernen Schüsteln, und vor der jugendlichen Hofbäuerin lagen hochaufgeschichtet die Brautgeschenke, darunter ein goldener Birkenzweig, das Geschenk des Hofbauern, der heute die dritte Frau heim­führte unter daS Hofwappen, die drei Birken.

Nach Beendigung der ersten Hälfte des Hochzeitsmahles — es wurde den ganzen Tag und die halbe Nacht ge- gesten — ging Eva hinaus. Sie wandte die Schritte der Marienkapelle zu, um ungestört an die Birkenmarie und an die nebelgraue Zukunft zu denken. Am Kirchlein neigte sich eine Traueresche über die Bank vor dem Marienbilde, das der Kapelle den Namen gab. Ein rostiges Gitter spannte sich vor das altersgraue halbverblichene Bild und ringsum wucherte Moos aus den Ritzen der alten Steine. Eva setzte sich auf die morsche Bank, und die langen Blätter der Esche spielten mit dem Brautkranz. Sie fal­tete dir Hände über den Knieen, und ein Strahl, der durch das grüne Blattwerk flel, blitzte auf dem breiten Goldreif, der die feine Hand der jungen Bäuerin schmückte. Der Baumschatten verbarg sie völlig und ste wähnte sich allein mit ihren Gedanken und ihrem Gedenken.

Bald jedoch hörte fie zwei Stimmen, eine weibliche, fröhlich stolze und eine männliche, herbe. Es waren Jo­hannes und die Höhlengundel, die sich am Dorfende ge­troffen hatten und einige Schritte mit einander gegangen waren.

„Jawohl", sagte die Gundel, „jetzt hast Du Dein Heu unv Deinen Hader mitsamt Deinem knorrigen Friedel. Jetzt kannst Du den Mund wischen vor der neuen Hof- bäuerin und Dein Bündel in's Land tragen, so weit Du willst. Ich gönn' Dir'S in die Seele und ihm mit, Dir

weise zugestimmt haben würde. Diejenige Aendemng der Vorlage aber, welche das Ergebnis der ReichstagSbeschlüffe für die Regierungen unbedingt unannehmbar macht, besteht in der zwangsweisen Heranziehung der Arbeiter auch für die Lohnsätze unter 750 Mark zu Beiträgen." — Die „Germania" schreibt zum Unfallgesetz: „Die emi­nente politische Bedeutung des Beschlusses, welchen die Cen­trums-Fraktion am Dienstag gefaßt, liegt darin, daß gerade im rechten Moment ein Exempel statuiert wurde, welches dem Versuche der Vergiftung durch Kompromiffe, dem seiner Zeit die Liberalen erlegen sind, ein gründliches Ende machte. Das Manöver war recht geschickt angelegt." — Nach der „Kreuzztg." scheint der Zeitpunkt der Wahlen überhaupt noch nicht bestimmt zu sein. Die Angabe über einen nahen Zeitpunkt derselben, besonders im Hochsommer, erscheint ihr unbegründet. — Auf der heutigen Versammlung, betreffend die AusstellungS-Frage, waren vierzig Vereine des Handels, der Kunst und der Industrie vertreten. Bei der Abstimmung erklärten sich 83 gegen 78 Stimmen für eine Weltaus­stellung im Jahre 1885 statt einer nationalen Ausstellung.

— Der Ueberstcht über die geschäftliche Thätigkeit des Reichstages in seiner letzten Session entnehmen wir folgende«: Es haben in derselben stattgefunden 61 Plenarsitznngen, 37 Sitzungen der einzelnen Abteilungen 173 CommissionS- sttzungen. Dem Reichstage wurden vorgelegt 25 Gesetz­entwürfe, 8 Vorträge, 5 allgemeine Rechnungen, Ueber- stchten u. s. w., ein Antrag des Reichskanzlers wegen straf­gerichtlicher Verfolgung gegen eine Zeitung wegm Beleidi­gung des Reichstages, 14 Denkschriften, Berichte und sonstige Ueberstchten. Von den Gesetzentwürfen sind 20, von den Verträgen 7 genehmigt. Die allgemeinen Rech­nungen sind durch Erteilung der Decharge erledigt worden, 3 Gesetzentwürfe wurden abgelehnt, 2 bleiben unerledigt. Von Mitgliedern des Reichstags wurden eingebracht 4 Gesetzentwürfe, 1 Interpellation und 16 Anträge. Die Zahl der eingegangenen Petitionen beträgt 3940, barunter 1686 bezüglich des Civilebegesetzeö, 259 wegen Abänderung der Gewerbeordnung, 409 betreffend die Brausteuer und eben so viele betteffend die Unfallversicherung der Arbeiter, 180 endlich in betreff der Herabsetzung der Gerichtskosten. Davon sind 20 dem Reichskanzler überwiesen, 2 durch Uebergang zur Tagesordnung, 890 durch die Reichstags­beschlüsse für erledigt erklärt, 270 für die Plenarberatung ungeeignet erachtet; 2390 Petitionen, welche in den Com­missionen bereits erledigt sind, kamen nicht mehr zur Bera- tung, und 359 Petitionen haben wegen verspäteten Ein­gangs auch in den Commissionen nicht mehr beraten wer­den können. Die letzteren haben 25 schriftliche und 32 mündliche Berichte erstattet. Sämtliche vorgelegenen Wahl­prüfungen sind erledigt, 21 Mandate für gültig, 1 für ungültig erllärl worden. Am Schluffe der Session waren 6 Mandate erledigt.

aber dreimal, denn Du hast Dein Glück weggestoßen mit den Füßen und im Bahnweiher ist's versunken, so tief, wie ein Kirchturm hoch ist."

.„Sei nicht so widerhaarig, Gundel", gab Johannes zurück, „es kann vielleicht eine Zeit kommen, wo es anders ist als heut oder gestern. Heut freilich ist mir'S völlig wirr im Kopf, und ich weiß nimmer, ob die Bäume grün stnd ober weiß, ober Beides miteinander. Aber es kann eine Zeit kommen, wo ich Deinen Wunsch erfüllen kann, und wär's nur, um dem —"

»Sag' nur Vater", lachte die Höhlengundel, „um dem Vater einen Possen zu spielen und ihm Hein heimzugeben für den großen Strich, den er durch Deine Rechnung ge­macht hat. Aber zu dem bin ich denn doch zu gut, und ich sag' Dir's zum Ueberfluß heut' noch einmal: so lange Du nicht kommst und bittest mit aufgehobenen Händen — schau so — so lang' stnd wir geschiedene Leute. Jetzt behüt' Dich Gott, Hans Narr, und lauf mir nimmer ix den Weg!"

Die Gundel schlug ihm ein Schnippchen und eilte dem Dorfe zu, wo sie fast mit Friedel zusammenstieß, an dem sie nur mit einem höhnischen Lächeln vorüberstreifte, was dieser mit einem wütenden Blick vergalt. Friedel ging auf Kundschaft aus, er suchte seinen Bruder ober eigentlich nicht ihn, sondern Eva, auf deren Fährte er ihn wähnte. In der Nähe der Kapelle traf er mit Johannes zusammen, der sich auch dem Dorfe wieder zugewendet hatte. Die Brüder maßen sich mit forschenden Blicken und richteten dann, durch ein Geräusch aufmerksam gemacht, ihre Augen nach links, von woher ein Fußweg durch ein junges Unter­holz von der Stadt her gerade auf die Kapelle zuführte.

(Fortsetzung folgt.)