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Marburg, Sonnabend, 18. Juni 1881.
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eigen nimmt entgegen: »ieLrpeditton d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM.; Laaseichein L Bögler in ffrankfurt a M., Berlin, 5-i«$ifl, Süln ic.; Rudolf Siege in Berlin, Frank»
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Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d. Lnnoncen-Bureaur von E. L- Dante 4 to. in Frankfurt a- M; Jigrrffchr Buchhandlung daselbftj; Hermamr'se.e vuchhandl. daselbst; JnvalideÄani in Berlin; W- Thiene» in Sli«feld: 6. Schlotte in
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Erscheint tüglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. PreiS für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Mnftrtrte» Sonntag»dlntt" durch die Expedition («och'sche Bnchdrnckerei) bezogen Wart, durch bte Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wart 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Psg. berechnet.
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V Der Schluß der Reichstagssesfio«.
Schneller, als erwartet wurde, ist die Session des deutschen Reichstages geschlossen, nachdem die Beratung des Unfall-VersichcrungsgesetzeS noch in einer Abendsitzung am Mittwoch, den 15. Juni, zu Ende geführt worden ist. Mehrere Gesetzentwürfe sind unerledigt geblieben, manche in einer Gestalt auS den Beratungen des Plenums hervorgegangen, die es noch zweifelhaft erscheinen läßt, ob die so erheblich veränderten Vorlagen überhaupt zum Gesetz erhoben werden.
Bei dem Mangel einer kompakten Majorität lag die Entscheidung bei den einzelnen Abstimmungen in den Händen der Freikonscrvativen, der deutschen Reichspartei, und da bei dieser politischen Parteigruppe in der letzten Zeit eine auffällige Neigung nach links sich zeigte, so wurde dadurch die Befürchtung wachgerufen, daß die wichtigsten Gesetzentwürfe dieser Session durch das Zusammengehen der deutschen Reichspartei mit den Nationalliberalen, Sezessionisten und Fortschrittlern in frage gestellt werden würden.
Was überhaupt zu Stande gekommen, ist dem Zusammenwirken der deutsch - konservativen und Centrums- Fraktion zu danken, die beide in den meisten Fällen bei den Abstimmungen Hand in Hand gingen, trotzdem sie es aber — durch das geradezu rätselhafte Verhalten der deutschen Reichspartei — nicht zu verhindern vermochten, die wichtigsten Bestimmungen einzelner besonders wertvoller Vorlagen — einmal sogar mit Stimmengleichheit — abgelehnt zu sehen.
Jedenfalls wird es in den Kreisen der Wähler nicht übersehen werden, welche Parteien sich im Sinne vielversprechender Reformen erklärt haben und welche gegen solche Reformen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln aufgetreten sind.
Außer dem größten Teil der deutschen Reichspartei waren es in erster Linie die sonst noch immer der Regierung die Hand leihenden Nationalliberalen, welche unter Führung v. Bennigsens sich bei den Abstimmungen über die wichtigsten Vorlagen der abgelaufenen Session stets im SZ--------. 1. TL. 11 ====6i6=*a»=i ,«■ ■ 1 I
Der Dreibirkenhof.
Roman von August Butscher.
(Fortsetzung.)
Er seufzte und fuhr fort; „Wenn Du ja sagst, so bist Du geschützt an meiner Seite, bist aufgehoben und versorgt für die vielen Jahre, die noch vor Dir liegen. Meine Söhne, und das ist eben die Hauptsache, müssen sich fügen, sie müssen, und sie mögen dann sich selber und ben rechten Weg finden, wie es eben geht, wenn man aus einem Sturm aus dem Meer sich ans Land gefunden hat. Ev', der Gedanke ist eine Rettung, ein Ausweg für uns alle, ein Anker für Dich und mich. Du bist und wirst nur meine Tochter, nicht mein Weib. Sieh, der alte Birkenhofer bittet Dich mit Thränen, werde Birkenhofbäuerin 1"
Wirklich standen Thränen in seinen Augen, als er schwieg.
Eva hatte in dieser kurzen Zeit schwere Gedanken in sich bewegt, hatte Stürme in sich brausen gehört und einen großen Entschluß in sich ausgerungen. Als sie dm alten Birkenhofer so sanft reden hörte, glaubte sie, die Stimme der armen Birkenmarie zu vernehmen, die sie einst gebeten, die Ihrigen zu retten, freilich auf eine andere Art; aber es schien ihr eine Aufgabe, von einer höherm Macht ihr gestellt, sie wollte sie lösen. Mochte dann der ferne Ungetreue sehen, daß sie der Liebe entsagt habe und daß der Gehorsam einer Tochter und der Schmerz verschmähter Liebe sie zum größten Opfer getrieben.
Sie faßte die schwielige Hand ihres Vetters und sprach: „Es soll so sein, und ich sage Ja zu Eurem Antrag.
Denkt aber nur, eine Tochter hats gesagt, die auch als
verneinenden Sinne aussprachen und sichtlich bemüht waren, mit Hülfe der von ihnen abgefallenen Sezessionisten und den übrigen links stehenden Parteien die vorgelegten Gesetzentwürfe zu Fall zu bringen.
ES muß deshalb die Aufgabe der konservativen Presse sein, fortgesetzt auf dies Verhalten der Gegner der Steuer» und Wirtschaftsreform hinzuweisen und das Publikum darüber aufzuklären, wie sehr gerade die links stehenden Parteien bemüht sind, das mobile Kapital in jeder Beziehung zu bevorzugen und für Handwerker und Arbeiter so viel wie nichts zu thun.
Der Schluß der ReichstagSsefsion ist am besten dazu geeignet, dem Volke die Augen zu öffnen. Eine Revue über die Leistungen der gesamten Linken wird jedermann die wahren Zielpunkte derselben klarlegen und wir werden daher dieser Revue von jetzt ab ein besonderes Augenmerk zuwenden.
Klarheit allein kann jetzt frommen, wenn es besser werden soll, und die Wähler müssen erkennen, daß bessere Zeiten überhaupt nur anzubrechen vermögen, wenn dem gesamten Liberalismus in allen seinen Schattierungen der Rücken zugekehrt wird. Er hat die alleinige Verantwortung dafür zu tragen, daß Handwerk und Bürgertum noch immer unter dem Drucke der Zeiten leiden, daß auch die nun ab- gelaufene Session des deutschen Reichstages keine so fruchtbare geworden ist, wie es zu hoffen stand.
Deutsche» Sketch.
•• Berlin, 16. Juni. Mit allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers hat der Reichskanzler dem Bun- veSrat den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die ReichS- KriegShäfen, nebst Begründung vorgelegt. § 1. Das Gesetz stellt die Linien fest, durch welche die beiden Reichs- Kriegshäfen seewärts begrenzt werden. § 2 erteilt dem zuständigen MarinestationS Chef die Befugnis, in dem KriegShasenzebiete im Interesse der Sicherheit des Hafens Anordnungen wegen Erhaltung des Fahrwassers und dessen Bezeichnung zu treffen und hierüber, sowie über daS Ein- und Auslaufen, Ankern, Laden, Löschen und seepolizeiliche Verhalten der Schiffe und Fahrzeuge und ihrer Bemann- nung polizeiliche Verordnungen zu erlassen. Nach § 3 ist der Beginn, die Fortsetzung und Wiederherstellung aller Bauten, Anlagen und Unternehmungen, welche die Sand- oder Schlickablagcrung ober die Versandung befördern, nicht ohne die Genehmigung des Marinestations-Chefs zulässig. Gegen die Versagung der Genehmigung ist der Rekurs zulässig, welcher nach Anhörung der Admiralität durch den Bundesrat erfolgt. Wer solche Bauten und Anlagen ohne Genehmigung vornimmt, wird nach § 4 mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Hast bestraft. 8 5 besagt, daß Zustellungen in Angelegenheiten dieses Gesetzes giltig find, wenn sie nach den für bürgerliche
Euer Weib nur eine solche sein will und kann, aber in Treue und Ergebenheit."
Der Schultheiß küßte sie auf die Stirne und schritt festen Schrittes mit ihr in die braungetäfelte Stube, wo schon die Talglampe brannte. Die beiden Söhne harrten dort finster und schweigend, und Martha saß sinnend in dem alten Lehnstuhl.
„So, ich mach Euch kund," sagte der Vater ruhig, „daß die Eva Honald in vierzehn Tagen mein Weib wird, weil sie zu dem Alter mehr Vertrauen hat als zu der Jugend. Achtet Euch danach, denn in vierzehn Tagen ist sie Eure Mutter!"
Die Söhne standen wie Steinbilder. Sie konnten offenbar das Gehörte nicht fassen und starrten mit gläsernen Augen auf das Brautpaar. Martha fuhr empor wie von einem Dolche getroffen und rief: „Mein Gott, was geschieht auf der Welt I" Dann sank sie wie vom Schlage gerührt in ben Sessel zurück und schüttelte immer wie wahnwitzig mit dem Kopfe.
„Gute Nacht, Ev'," sagte ber Lirkenbauer ruhig unb schob die Stillweinende sanft durch die in die Oberstube führende Thür. Er selbst ging, ohne ein Wort weiter zu sagen, in seine Kammer.
Friedel und Johannes sahen sich wie traumverloren an, versuchten wankend ihre Schritte und stiegen dann stöhnend zu ihrer Kammer hinaus. Martha hatte die Fassung wieder gesunden und begann zu beten.--
Hochzeit im Birkenhof!
Vom Kirchenberge dröhnten die Böller.
Die vier uns schon bekannten Dorfmusikanten schritten dem Brautpaar voraus und bliesen mit hochroten Gesichtern einen „Steirischen".
Rechtsstreitigkeiten bestehenden Vorschriften geschehen. $ 6 endlich erklärt alle administrativen Verhandlungen und Gesuche in Angelegenheit dieses Gesetzes für kosten- unb stempelfrei. — Die Begründung geht davon aus, daß in dem Artikel 53 der Reichsverfassung der Kieler Hafen und der Jahdehafen als Reichs-Kriegshäfen anerkannt sind, woraus folge, daß dem Reich und der ressortmäßig dazu berufenen Verwaltung, also der Verwaltung der Kriegsmarine deS Reichs, die Disposition über diese Kriegshäfen zusteht, und daß die Marineverwaltung berechtigt und verpflichtet ist, die letzteren in dem Zustande zu erhalten, welcher die notwendige Voraussetzung der Erfüllung ihres Zweckes bildet. Der vorliegende Gesetz-Entwurf bilde gewissermaßen eine Ergänzung des Reichsgesetzes vom 21. Dezember 1871, betreffend die Beschränkung des Grundeigentums in der Umgebung von Festungen; jedoch bedürfte es mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der tatsächlichen Verhältnisse in materieller Hinsicht einer gesetzlichen Regelung auf selbstständiger Grundlage.
Berlin, 16. Juni. Der „Börsen-Courier" veröffentlicht den Bescheid der Reichskommission auf die von dem Blatte erhobene Beschwerde wegen Verbotes der ZeitungS- Nmnmer vom 26 April d. I., welche den bekannten Artikel ans dem „Jntransigcant" reproduzierte. Das Verbot, welches durch das Polizeipräsidium erfolgte, ist hiernach, aufzuheben. — Das Befinden des Fürsten - Reichskanzlers hat sich in den letzten Tagen erfreulicher Weife gebessert, doch ist über ben Termin seiner Badereise noch keine nähere Bestimmung getroffen. — Die „Nat.-Ztg." tischt ihren Lesern die Unwahrheit auf, daß die Konservativen die landwirtschaftlichen Arbeiter aus dem Gesetz, betreffend die Unfallversicherung der Arbeiter, streng ferngehalten haben u. s. w. Demgegenüber ist daran zu erinnern, daß die konservative Fraktion bereits bei der zweiten Beratung deS Gesetzes beantragt hatte, die landwirtschaftlichen Arbeiter in das Gesetz mit aufzunehmen, daß aber dieser Antrag bei den Freunden der „Natt-Ztg." auf Widerstand stieß unb mit Hülfe berfelben abgelehnt würbe. ES ist dem nationalliberalen Moniteur anzuraten, daß er sich nicht in so auffälliger Weise dem trüben Fahrwasser der fortschrittlichen Presse nähert, um nicht, wie die letztere, in demselben Schiffbruch zu leiben. — Wir lasten an dieser Stelle ausführlicher die Erklärung folgen, welche der Abg. Freiherr v. Minnigerode in der Abendsitzung deS deutschen Reichstages am Mittwoch, den 15. Juni, vor der Schlußabstimmung über daS Unfall - Versicherung« • Gesetz abgab. Freiherr v. Minnigerode erklärte im Namen eines Teils seiner politischen Freunde, daß freilich schwere Bedenken gegen die Beschlüsse obwalten, weil der Versicherte unbedingt auch mit Beiträgen herangezogen werden soll. Da aber gegenüber dm Folgen des Haftpflicht-Gesetzes immer» hin der Arbeiter auf Grund ber vorliegenben Beschlüste
Festen Schrittes ging ber Dreibirkenbauer zur Kirche, im Knopfloch einen riesigen Strauß.
Neben ihm schritt Eva im schwarzen Taffetkleide, mit einem Kranz in den herrlichen Haaren. Ihr Angesicht war bleich, wie die weiße Rose an ihrer Brust, unb baS Auge zur Erde geheftet, aus der baS junge Grün neugierig hervorlugte. —
Hinter dem Brautpaar schritten finster die zwei Söhne, Heute waren sie nur die Birkenhofer, weiter nichts, nicht Brüder, nicht Söhne, nicht Nebenbuhler, nur Birkenhofer. Sie knirschten heimlich und trotzten heimlich mit der ganzen Zähigkeit ihres Charakters; die Leute sollten nicht höhnend auf sie zeigen, unb wenn ber grimmige,Schmerz ihnen auch das Herz abfraß.
Die Frauen im Zuge trugen Gold- und Silberhauben, die wie strahlende Wellen ineinander wogten. Die Männer läuteten mit ihren Schaustücken unb Ketten und rauchten bis zur Kirchenthüre.
Als Letzte im Zuge trippelte Martha und betete für den armen Citronensepp als für eine arme Seele.
Gleicherzeit tarn vorn Höhlenhofe her ein anderer Hochzeitszug : ber Höhlenlenz war Bräutigam. Auf dem Kirchhofe trafen die beiden Züge zusammen, und die Mannschaften maßen sich mit herausfordernden Blicken. Die Höhlengundel ließ triumphierend ihre runden Augen über die bleichen Gesichter der beiden Brüder vom Dreibirkenhofe wandern. Die Braut des jungen Höhlenhofers trug nicht schwer an ihrer Schönheit unb war weit älter als ihr Bräutigam, so daß die Gegensätze bezüglich ber beiben Brautpaare noch schärfer hervortraten.
(Fortsetzung folgt.)