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Skr. 188.
Marburg, Donnerstag, 16. Juni 1881.
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Ich bin gesandt und verkünve: Nächsten Donnerstags
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Der Hofbauer war mit Martha auch unter die drei Birken gekommen und traf dort schon den Wiener, der folgendermaßen zu reden anhob:
Das deutsche Volk möge sich bei den Herren v. Bennigsen, Lasker, Bamberger, Rickert, Delbrück, Eugen Richter, und wie die Freunde der Börse noch alle heißen mögen, für diese Entscheidung bedanken und wohl erwägen, was es bei der nächsten Reichstagswahl zu thun hat, um seine eigentlichen Gegner von dem deutschen Parlamente künftig fernzuhalten.
WaS nützt eine Börsensteuer, wenn sie nicht nach dem Prozentsätze des entrierten Geschäfts erhoben werden soll, was hat sie überhaupt noch für eine Berechtigung, wenn der sparsame, sich irgend ein Papier an der Börse erstehende Familienvater für seine etwa auf 100 Mark lautende Schlußnota denselben Betrag an Stempelabgabe zu zahlen hat, wie der gewisienlose Börsenspeculant, der sich auf einer Schlußnota Papiere im Werte von 100000 Mark und darüberskauft? Steht ein solches Gesetz z. B. überhaupt auf gleichem Niveau mit dem Wechselstempelgesetz, welches nach dem gerechten Grundsätze der Höhe des Betrages auch procentual die Steuer zu erheben vorschreibt? Und wo ist der Geist der Gerechtigkeit bei den Freikonservativen, der deutschen Reichspartei, geblieben, als sie zu gunsten der Börsenmatabore bei der namentlichen Abstimmung über die procentuale Börsensteuer ihr Votum gegen letztere abgaben?
Wir wiffen es in der That nicht. Nur Eins wisien wir, nämlich: daß die unmittelbar an ihrem Schlüsse angelangte Reichstagssession eine fruchtbare im Sinne des Volkswohles gewesen sein würde, wenn die deutsche Reichspartei, die freikonservative Fraktion, die wichtigsten Vorlagen der gegenwärtigen Session entweder nicht zu Fall gebracht oder nicht verstümmelt aus der dritten Beratung hätte hervorgehen lassen!
Es ist zweifellos, daß sich in kürzester Zeit das richtige Bild in dieser Beziehung öffentich zeigen muß. Die Ablehnung der einzig richtigen Besteuerung der Börsengeschäfte muß der wirklich arbeitenden Welt die Augen darüber öffnen, wo sie ihre Freunde und wo sie ihre Feinde zu suchen hat.
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* Die Ablehnung der -roceutualeu Börseusteuer.
Bestellungen auf das dritte Quartal der
Dberhessischen Zeitung
mit deren Gratisbeilage
JlluftrirteS Sonntagsblatt
Htten wir baldigst machen zu wollen.
Wä“ Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeituug.
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Der Dreibtrteuhvf.
Roman von August Butscher.
(Fortsetzung.)
Der Stallbube hatte eben Eva'S Hammel herausgelassen, und dieser tummelte sich munter im Hofe herum und machte drollige Angriffe auf den Hahn, der zornig ein Rad schlug. Johannes packte ihn an den Hörnern und führte ihn Eva zu.
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A- «. der Ausfall dieser Abstimmung zeigt dem großen Pn^ ' t deutlichst, wo es seine wahren Freunde zu suchen hat u... - es muß Aufgabe der conservativen Presse sein, ihren ßr‘ rn fortdauernd vor Augen zu führen, daß die Bestrebungen der konservativen Partei stets darauf gerichtet waren das Los der unter unrichtiger Verteilung der Steuerlast leidenden Bevölkerungsklassen durch eine verhältnismäßig hohe Besteuerung des mobilen Kapitals günstiger zu gestalten.
Durch eine seltsame Fügung ist der konservative Antrag, welcher das Großkapital an seiner empfindlichsten Stelle treffen und dadurch die Abgabenpflicht der ärmeren Bevölkerungsklassen entlasten wollte, mit Stimmengleichheit abgelehnt worden, ein Fall, der im gewöhnlichen Leben die schwebende Frage unentschieden lassen würde, nach der Geschäftsordnung der Parlamente aber hier zu gunsten jener eingetreten ist, die dem Börsenjobbertum eine bisher innegehabte Sinecure zu erhalten befliffen waren.
Anzeigen nimmt entgegen die «rpeditto» d. Blatte» sowie d.Lnnoncen-vureauk von G-L-Daube *6e.ix Frankfurt a- M; Jiigerffche Buchhandlung dasewty
Mit 126 gegen 126 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, hat der Deutsche Reichstag die von konservativer Seite vorgeschlagene procentuale Börsensteuer, wonach Schlußnoten mit Vio P- m., solche auf Zeitgeschäfte mit 2/<o P- m- besteuert werden sollten, abgelehnt, und wenn ano der Antrag des Abg. Frhrn. v. Lerchenfeld zur An- n<me gelangte, demzufolge Schlußnoten nunmehr einer Steuer von 20 Pfg. pro Stück nnterliegen, so ändert das doch nichts an der Thatsache, daß die Freunde der Börse uuo. des Großkapitals mit Hülfe der Deutschen Reichs- parlci (Freikonservativen) einen vorläufigen Sieg über die auf eine entsprechend hohe Besteuerung der Börsengeschäfte gerichteten Bestrebungen der Konservativen errungen haben. Mit Ausnahme des Grafen Wilhelm Bismarck und Dr. 0," ' L stimmte das Gros der Deutschen Reichspartei mit liberalen Börsenfreunden und es wird nun infolge der üußerst geringen Besteuerung der Börsengeschäfte die
8xr Börsensteuer, der gerechtesten aller Steuern, er- - • Einnahme selbstverständlich weit hinter den gehegten
>'ungen zurückbleiben.
Anzeigen nimmt entgegen: M$ Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncen-Bureauk von Th, Dietrich & So. in Kassel and Hannover; Th. . kietrich in Frankfurt a.M. ; ktzaasenstein & Begier in
Äankiurr a- M., Berlin, §;ipz-,g, Sein u.; Subolf iMrsse in Berlin, Frant- , fmrt a. M ic
lö? j 'chuh, Tochter des weiland Bauern und Gemeinderats Bund- iOj fchuh in Blumenrain, nach Verspruch und Herkommen ladet J25 feiner Hochzeit gebührendermaßen ein. Herzlichst freundlichst willkommen und ausgenommen! Der Himmel geb'
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’len Mai, feiert der ehr- und tugendsame Jüngling
M ^renz Bernauer, benamset der Höhlenlenz, seine Hochzeit ?lt der ehr- und tugendsamen Jungfrau Pönttcntia Bund-
Erfcheint täglich außer an den Werktagen nach Gönn- und Feiettageu. Preis für daS Quartal mit der wSckentlick-n guirnn« ^«.».1.1,1 7~7 _ .. .
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äftt 'N der Srpedltwn zu ecthe,lende Auskunft und Annahme von Adressen werden SS Pfg. berechnet 8,P öeUe 10
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Eva streichelte das zutrauliche Thier, das an ihr empor- schnupperte, und sie dachte dabei wohl an den Allerseelentag und an den Fernen und Ungetreuen. Auch Friedel s-4 War mit eifersüchtiger Neugier hinzugetreten, und aus dem W Fenster lehnte sich der Hofbauer, neben dem Martba'S 1011 Zchiges Profil erschien. Auf die Gruppe unter den drei 101! I Birken steuerte jetzt die lange Gestalt des Thomas Bitterle 101s! ZU, der von Blumenrain herüber zu kommen schien. Er war sehr seltsam herauSgeputzt, mit einem ungeheuren wackelnden Strauß am Hute. Vom Bachweiher drüben sollen schon die Nebel auf und bauschten sich zu weißen Wolken.
Deutsches »eich.
Berlin,. 14. Juni. Die liberale Preffe behauptet heute, daß der Abg. Frhr. v. Minnigerode die Judenfrage am Montag in die Debatte gezogen habe, während es bekanntlich der Abg. Lasker gewesen, welcher durch sein „ttef- empfundeneS" Dankesvotum gegen die Regierung für die Anerkennung der Gleichberechtigung der Juden den Zwischenfall provocierte. Wenn auf der linken Seite des Hauses Thorheiten begangen werden, so suchen die Organe des Liberalismus dies stets den Konservativen in die Schuhe zu schieben. So auch hier. Das Alles kann und wird aber nicht verhindern, daß man im Volke den Liberalismus endlich in seiner wahren Gestalt erkennt, denn seine Ab» seinen Segen allerwegen in dieser und in jeder Zeit von nun an bis in —" Die Stimme schnappte ab unter dem eisernen Griff Friedel'S an den Hals des Hochzeitladers.
„WaS? Du willst den Birkenhofer hänseln?" schrie Friedel, braunrot vor Zorn — und Vater und Bruder sahen grimmig lächelnd zu, wie er dem Weitgereisten den Paß in die Heimat mit einigen Rippenstößen visierte. Sobald Bitterle auf freien Füßen stand, gebrauchte er sie eilfertig und rief im Davonlaufen schrill zurück:
„Der und Jener segne die nächste Hochzeit auf dem Dreibirkenhof!"
Mit diesem unholden Spmch verlor sich seine dünne Persönlichkeit im Abendnebel.
Martha ging mit Eva in's Haus. Bei den drei Birken standen noch Vater und Söhne, und in dem Geiste
Ersteren schien ein strammer Entschluß zu reifen, denn seine gebeugte Gestalt reckte sich plötzlich hoch auf.
„Buben!" redete er sie an — Jeder stand wie er an einer Birke — „habt Ihr den Schimpf vom Höhlenhof gehört und verstanden, was für ein Gesicht hinter ihm Vorsicht? Sie lachen mich und Euch aus, und die Einladung soll heißen: Ihr bringt'« freilich zu keiner Hochzeit auf dem Dreibirkenhof, Ihr habt den Nachtschatten vor lauter Dummheit und Narrethei. Aber heut soll's das letzte Mal so gewesen sein; was nicht biegen will, muß brechen. Ihr seid beide aus Hagenbuchenholz —"
»Wir find vom gleichen Stamm!" warf Friedel boshaft ein.
„Schweig', wenn ich rede.
„Ich brauch' keine lange Geschichte zu erzählen, man kann sie in Euren Gesichtern ablesen, ich brauch' nicht zu fragen, ich brauch' nur zu schlagen, und zwar mit der
stimmungen gegen die JnnungSvorlage, gegen die Unfallversicherung der Arbeiter, gegen die Börsensteuer und gegen vieles Andere wird ihn genugsam in den Augen der großen Menge kennzeichnen. — In bezug auf daS Unfall-Ber- stcherungsgesetz hat es den Anschein, al« ob eine neue Verständigung zwischen den Parteien versucht werden wird. Daß der Gedanke der Reichsverstcherung etwa wieder ausgenommen werden sollte, scheint ftellich nicht wahrscheinlich, dagegen wird eine Verständigung über die Beitrag«- pflicht, wie zu vermuten steht, die Bast« der Vereinbarung auSmachen. Nachdem nun einmal dieser hochwichtige Gesetzentwurf im Reichstage zur Verhandlung gekommen ist, muß auch der Versuch gemacht werden, wenn irgend möglich ein annehmbares Resultat zu erzielen, sollten auch zu gunsten deS Zustandekommens die beteiligten Parteien einen Teil ihrer bisherigen Anschauungen einzuschränken gezwungen sein. — Es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß schon in dieser Woche der Schluß der Reichstagssession erfolgen wird. — Die Ernennung des Reichstags- Präsidenten v. Goßler zum Kultusminister steht unmittelbar bevor. Es wird in unterrichteten Kreisen bestätigt, daß die Neuwahlen zum Reichstage Ende September oder An- sang Oktober stattfinden und die Einberufung des neuen Reichstages im November oder Anfang Dezember stattfinden soll. — Die „Nattonal-Zeitung" schreibt: als ein bedeutsames Zeichen der Zett muß es betrachtet werden, daß die deutsche Reichspartei (Freikonservativen) in voller Auflösung begriffen ist. Wie diese Gruppe fich demnächst scheiden wird, bleibt wohl dem AuSgang der nächsten Wahlen überlasten." Dazu bemerkt die „Kreuz-Zeitung": Die Spaltungen bei den Abstimmungen über die JnnungS- frage, die Börsensteuer und ähnliche wichtige Punkte innerhalb der deutschen Reichspartei lasten allerdings den Schluß ziehen, daß der Auflösungsprozeß der Partei bereit« vollständig im Gange ist. Da« ist aber nicht ein „bedeutsames Zeichen der Zeit", sondern e« ist etwas ganz Selbstverständ- liches, daß eine Partei, die in den zeitbewegenden Fragen in sich keine Uebereinstimmung mehr zu erzielen vermag, einfach auseinander fallen muß; und diesem Schicksal entgeht auch die deutsche Reichspartei nicht". Die „Post" be- streitet die bevorstehende Auflösung der Reichspartei, bemerkt jedoch: „Wir können uns gar nicht verhehlen, daß manche der parlamentarischen Abstimmungen im Reichstage Mens der Partei, welche zu vertreten wir uns bemühen, den Anschein erwecken mußte, als sei die Einigkeit in ihr gelockert. Manche Kundgebung, welche wir aus dem Lande erhielten, beklagte dies tief und mahnte dringend zu festem Zusammenhalten. Die deutsche Reichspartei hat sich niemals an Stichworte und an Parteiphrasen geklammert, sie hat auf dem Boden der möglichen Thaisachen un6 der realen Politik ihre Thätigkett entfaltet, sie hat den Fürsten Bismarck unterstützt, so wett sie es vermochte, in feinen Faust an Eure Brust, und zu sagen brauch' ich, daß eS so nicht bleiben kann.
„Und jetzt kommt erst da« Fragen:
„Tritt Einer freiwillig zurück und Wer? Giebt wohl die Ev' Einem von Euch das Jawort und Welchem?
„Was wollt Ihr anfangen, wenn sie Keinen will?
„Da« sind kurze Fragen, und die Antwort wird gleich bei einander fein 1" 8 w
Er schwieg, indem er sich gegen die Birke stemmte. Auch die Söhne verharrten in trotzigem Schweigen Der Schultheiß fuhr fort: „Es hat einmal eine Zett gegeben und sie ist noch nicht lange vorbei, wo ich die Ev' hätte umbringen können vor Zorn, weil ich mir einblldete, sie möchte vielleicht heimliche Absichten haben auf den Birkenhof. Es war nichts mit meinem Argwohn. O, wie ist heut aber Alles so ganz anders! Heut würd' ich gern hingehen, ich, der reiche Birkenhofer, und würd' sagen: Nimm den Birkenhof und nimm den Friedel, daß wieder Ruhe wird im Haus; und so rnöcht' ich denn Dich fragen, Friedel, ob ich das soll, oder ob Du die Antwort selber holen willst?"
Friedel war freubig emporgefahren — daS hatte er sichtlich Nicht erwartet — und feine knorrige Gestatt richtete sich stramm an der schlanken Birke empor.
„Vater", sagte er, „das ist ein Wort, das man hören kann, und ich hör'S gern. Fragt nur selber, und sie wird nicht nein sagen, jetzt, da sie weiß, daß der windige Tiroler ihr verloren ist in alle Ewigkeit."
Johannes aber rief knirschend dazwischen:
»So will man daS Mädchen verschachern an den Frie- del und an den Hos! Aber ich sag', daß das nun und nimmer fein darf, und wenn ich den Birkenhof an allen