Nr. 186,
Marburg, Dienstag, 14. Juni 1881.
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Der Dreibirkeuhof.
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schon Handelsverkehr mit China ein erfolgreiches Eintreten in die Konkurrenz mit anderen Ländern zu verschaffen.
Der Höhlenbauer lachte vergnügt und höhnisch, während die Männer vom Birkenhofe verstnmmten. Unterdessen hatte der Tanz seinen Fortgang genommen, und lustig erklang die Musik, unbekümmert um die grollenden Herzen, in denen die fröhlichen Weisen wie Mißklänge wiederhallten.
Kurz verabschiedete sich der Lehrer; die schroffe Abweisung des Antrages der Frau von Bern hatte ihn etwas unangenehm berührt. Er sah am besten mit seinem beobachtenden Auge, daß sich alles mehr und mehr verschob, weil keine Hand stark genug war, die Knoten zu lösen und den rechten zu schlingen. Eva reichte er aber gütig die Hand und sagte mit der ihm eigenen erquickenden Freundlichkeit: „Behüt' Dich Gott, bis ich Wiederkehre, und hoffe auf Dein Glück, eS muß Dir werden/
Dann ging er mit dem Konzertmeister.
Eva vermochte kaum die Thränen zurückzuhalten, sie kämpfte einen harten Kampf mit ihrer stillen reinen Herzens- neignng, die sie verschmäht glaubte für immer. Daß er gegangen ohne Abschied, tote schmerzlich! „Es ist alles aus", flüsterte sie und legte ihren Kopf stillweinend an Martha's Schulter, die sich wieder so alt, so krank und elend fühlte, wie am Sterbebette der blonden Birkenmarie.
Der Tanz war fast zu Ende. Nur wenige Paare drehten sich noch im Kreise, und die herabgebrannten Talgkerzen warfen ein fahles Licht in den mit Stand und Qualm erfüllten Raum.
Friedel war mit dem Wiener hinuntergegangen, um dem Knecht beim Anschirren der Pferde behilflich zu sein. Der stark angetrunkene Höhlenlenz taumelte ans einmal auf Eva zu, faßte sie am Arme und lallte neben seiner Pfeifen- spitze die Worte hervor:
einen derben Schlag gegeben zu haben. Allein vernünftige Menschen fürchten sich nicht mehr vor dem sozialistischen Phantom und sehen sich auch trotz der Abmahnung und Warnung vor Sozialismus da« Ding genauer an.*.
Di- Denkschrift beginnt mit einer Auseinandersetzung der gegenwärtigen Lage des deutschen Exporthandels nach China und Anstralien und nennt sie eine nicht befriedigende; in China ist der deutsche Handel in der letzten Zeil sehr gesunken, und auch in Australien, wo die mit gutem Erfolge geschehene Beschickung der Ausstellungen der deutschen Industrie einen neuen Absatzmarkt zu schaffen versprach, droht ein Rückschritt, wenn nicht der angebahnte Verkehr in energischer Weise weiter verfolgt und befestigt wird. Zu den wesentlichen Ursachen des Stillstandes oder Rückschrittes des Handelsverkehrs rechnet die Denkschrift den Umstand, daß der deutsche Fabrikant gern seine Waren zugleich auch als Kaufmann vertreibt und weder daS nötige Geschick, noch auch immer das nötige Geld dazu hat. Er zersplittert seine Kräfte und macht vergebliche Versuche. Die Denkschrift empfiehlt daher vor allen: 1) die Begründung von Kommisstonshäusern für den Export in den deutschen Hafenplätzen, wie solche in England und Frankreich bestehen, und 2) die Begründung einer Bank zur Vermittelung des Geldverkehrs, so zwar, daß ein deutsches Bankinstitut Filialen in Ost-Asien mit direkten Beziehungen zu Deutschland unterhielte. Auch hier werden wieder England und Frankreich als Muster hingestellt und der Gedanke wird nahe gelegt, daß die preußische „Seehandlung" wohl ihre Thätigkeit nach dieser, den Intentionen ihres großen Stifters gewiß entsprechenden Richtung hin ausdehnen könnte. — Ferner werden regelmäßige Dampferverbindungen nach jenen fernen Gegenden empfohlen, um die fremdländischen Frachtverbindungen überflüssig zu machen und die Ausländer aus gelegentlichen Bestellern zu gewohnheitsmäßigen Abnehmern deutscher Waren zu machen. Auch Opfer dürfen hier weder von Privaten noch von den Regierungen gescheut werden. Die bestehende Dampfschiffverbindung zwischen Deutschland und China durch eine Hamburger Linie ist ungenügend. Wenn regelmäßige, mindestens vier- wöchentliche Reisen planmäßig eingerichtet würden, so würde einmal eine Vermehrung des Absatzes deutscher Export- Erzeugnisse eintreten und andererseits würde der bedeutende Export chinesischer Landesprodukte nach Deutschland nicht mehr sich der englischen Vermittelung zu bedienen haben. „Während Frankreich", heißt es, „sich von dem Londoner Seidenmarkt unabhängig gemacht hat und Italien ebenfalls direkte Importe herzustellen sucht, läßt sich Deutschland, obwohl mehr als drei Achtel der chinesischen Seidenausfuhr von deutschen Firmen daselbst betrieben wird, seinen Seidenbedarf nach wie vor durch englische Vermittelung jnführen." Dabei wird besonders hervorgehoben, daß jetzt noch der geeignete Zeitpunkt vorhanden sei, um dem deut-
m Deutsches Reich.
Berlin, 11. Juni. Der Kaiser besuchte gestern Nachmittag bett Fürsten Bismarck und konferierte längere - Zelt mit demselben; nach dem Diner hatte der Kaiser eine Konferenz mit dem Kultusminister. — Bezüglich der Neubesetzung des Kultusministeriums erfährt die „Kreuzzeitung", daß neuerdings der bisherige Unterstaatssekretär im Knltus- ministeriam Herr v. Goßler als Nachfolger von Pntt- kamer genannt werde, da so die Kontinuität in der Kirchen- unb Schulpolitik am sichersten bewahrt würbe. — Der Bundesrat beriet heute über bas Jnuungsgesetz. Man sprach sich für Annahme desselben aus, setzte aber den Beschluß über diesen Gegenstand, der als nicht eilig bezeichnet wurde, aus. Der Bundesrat genehmigte die mit Rumänien abgeschlossene Handelskonvention. ES dies die Konvention, welche am 14. November 1877 abgeschlossen int Reichstage aber nicht mehr beraten wurde, weil auf LaskcrS Antrag die Frage der Gleichberechtigung der Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse einer Kommission zur Erwägung übergeben wurde. Bezüglich dieser Frage ist der der Vorlage beifolgenden Denkschrift ein Schlußpassus angefügt, welcher daran erinnert, „daß die Frage der Gleichberechtigung der verschiedenen Glaubensbekennt- ntsse durch Artikel 44 des Berliner jVertrags vom 13. Juli 1878 und die im Anschluß hieran vollzogene Aende- rnng der rumänischen Verfassung ihre Erledigung gefunden hat. — Wie heute in Reichtagskreisen erzählt wurde, wird den Dispositionen des Präsidenten gemäß der Schluß des Reichstags am 18. d. erfolgen, falls nicht an den- selben noch eine Vorlage wegen der Kreditforderung für den Hamburger Zollanschluß gelangen sollte. — Wie aus bundesrätlichen Kreisen verlautet, wäre die Absicht, den Vertrag mit Hamburg in der diesmaligen Session des RetchötagS demselben vorzulegen, noch keineswegs aufgegeben. — Die „Kreuzzeitung" schreibt, daß die Entscheidung der Regierung über ihre Stellung zur Börsensteuer schwerlich ohne die Mitwirkung des BundeöratSbevollmächligten, des Finanzministers Bitter entschieden werden wird, welcher »L?!"«12, rau8 bet Rheinprovinz zurückkehrt. Das Blatt hofft, daß nicht nur der Beschluß der zweiten Lesung in betreff der Börsenrechnungen aufrecht erhalten, sondern auch der Stempel für Schlußnoten nach den konservativen Anträgen bei der dritten Lesung angenommen wird. Im anderen Falle würde die Wiederherstellung der Regierungsvorlage (Abstufungsstempel) den Kommisstonsbeschlüssen .Ftxstempel) durchaus vorzuziehen sein. Die Freunde des Antrags Wedell werden aber jedenfalls durch eine namentliche Abstimmung das Land darüber nicht in Zweifel lassen, wo die Herzen am lebhaftesten zu gnnsten einer
Gitte Denkschrift.
I.
Dem Reichstage ist kurz vor bett Pfingstferien vom Reichskanzler Fürsten Bismarck eine Denkschrift überreicht worden, welche bie Verhältnisse unseres Ausfuhrhandels nach dem östlichen Asien, nach Australien und den Süd- seeiuseln behandelt und die Maßregeln bespricht, wie dieser Handel zu beleben und für Deutschland nutzbar zu machen ist. Unter diesen Maßregeln nimmt die Subvention einer regelmäßigen Dampfschifffahrt seitens der Regierung eine der ersten Stellen ein. Trotz alledem sagt der Reichskanzler in den Ueberreichungsworten, daß die verbündeten Regierungen sich, nach Ablehnung der Samoa-Vorlage, kaum zu Anträgen, welche den Zweck der Gewährung solcher Snbstdien hätten, ermutigt sehen würden. Man fragt wohl billig, was denn nun eigentlich mit dieser Denkschrift bezweckt werden sollte; denn wenn keine Anträge an den Reichstag daneben gestellt wurden und nur die Verbreitung der in der Denkschrift niedergelegten Ansichten des Gesandten in Peking und des General-Konsuls in Australien die Absicht war, so hätte dieö eben so gut geschehen können durch die Veröffentlichung in den der Regierung zu geböte stehenden großen Blättern. Vielleicht greift man nicht fehl, wenn man annimmt, daß durch die hier beliebte Art der Vorführung des Gegenstandes demselben eine ganz besondere Wichtigkeit beilegt und der Volksvertretung ein deutliches, weithin sichtbares Avertissement, zugleich aber auch eine kleine Rüge gegegeben werden sollte für die der Samoa-Vorlage zu teil gewordene Behandlung; denn das, was in jener Samoa-Vorlage verlangt wurde, die Staats- Unterstützung eines Privat-Unternehmens, welches wohl als nationales angesehen werden durfte, das wird auch hier wieder gefordert, nämlich die Unterstützung von Privat- Jnteressen, welche zugleich National-Jnteressen, da sie den Wohlstand in weitere Kreise zu tragen geeignet sind. Leider aber werden solche Dinge in den jetzt immer noch dominierenden Kreisen darum mit scheelen Augen angesehen, weil sie etwas nach Staatssozialismus schmecken, wenigstens wird ihnen dies von liberalen Blättern vorgeworfen, von jenen Blättern, die so äußerst empfindlich find gegen alles, was der von ihnen seit Jahren verfochtenen Lehre von der freien, ungehinderten Konkurrenz aller Kräfte widerspricht, also auch dagegen, daß der Staat belebend oder regelnd oder wiederherstellend oder unterstützend irgendwo eintritt. Sie nennen das Staatssozialismus und glauben damit der Sache sofort einen solch bösen Makel anzuhängen, daß jedermann nunmehr einen Abscheu davor bekommt. So meint eine liberale Zeitung bei Gelegenheit der Besprechung der Denkschrift: „Der allmächtige sozialistische Staat strecke hier seine Fühlhörner über alle Gebiete des wirtschaftlichen Lebens aus", und sie glaubt sicherlich, damit der Sache
NW
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„Komm', Ev', wir machen noch einen „Kehraus!" mit einonber. Die Birkenhofer werden wohl nimmer viel von Dir wissen wollen, denn Du bist schuldig, daß sie bett verspielt haben. Komm Du nur zu uns auf den Höhlenhof, aber vorher noch ben „Kehraus" I" Und er wollte sie von ihrem Stuhle fortziehen.
Der alte Höhlenhofer lachte unbändig, aber nicht lange, denn Johannes ergriff sein volles Weinglas und schleuderte es dem Trunkenen an den Kopf, daß Wein und Blut vermischt an seinen Schläfen herabrannen und die Scherben auf dem Boden flirrten.
r. «Ho, ho", heulte der Höhlenlenz und stürzte sich auf fernen Gegner, der ihn festen Fußes erwartete. Bevor sie aber auf einanberprallten, stellte sich ihnen die Höhlengnnbel mit zornig blitzenden Augen in bett Weg unb rief:
„Schäm' Dich, Lenz, in bie Seel' hinein — und Du, Johannes, gieb Frieb'l Was werben bie Stadtleut' über Euchdenken, wenn Ihr wie Wilde aufeinandergeht I Bleib', sag ich Dir, Lenz, unb Du, Johannes, wirst mir's einmal danken, baß ich zwischen Euch gestanben bin." Sie riß ihren Bruder zurück und führte ihn zur Thüre.
Die beiden Hofbauern hatten sich ebenfalls erhoben und schienen unschlüssig, ob sie nicht auch aufeinander stürzen sollten, aber Eva hatte ihres Vetters Hals umklammert unb rief weinenb: „O führt mich fort ober ich surbe!" Der Schultheiß schleuderte dem allen Höhlenhofer einen wütenden Blick zu und führte Eva die Stiegen hin- unter. Johannes und Martha folgten, und den Schluß machte der Höhlenhofbauer, Verwünschungen in sich hinein- murmelnd.
(Fortsetzung folgt)
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Anzeigen nimmt! entgegen bie Expedition d.vlatteS sowie d. Annoncen-Buremlx von ®. L. Daube &6o. in
® L »Das lob' ich mir, Blitzmädel, Du hast was von meinem g Aut!" tief der Schultheiß rücksichtslos, während Friedel [ ("irrend sein Glas an das ihre stieß, daß es zersprang.
- Frau von Bern hatte sich rasch und ohne Gruß erhoben und rauschte stolz auf den Citronensepp zu, mit dem g einige Worte wechselte. Dann trat sie an den Tisch bet Hohlenhofer unb sagte, laut genug für das Ohr des Schul- ,i lK theltzen und seiner Tischgenossen: „Mein lieber Höhlenhof- ;®auer, kommen Sie heute über vier Wochen nach meiner «utftunft in meine Wohnung. Wir werden dann die Anliegenheit mit dem Waldkauf endgiltig in's Reine bringen. FH denke," setzte sie noch lauter hinzu, „daß Sie keine Konkurrenten mehr zu fürchten brauchen."
studi > Und wieder auf den Citronensepp znschrellend, verließ ___ mit ihm den oaal. Aber einen wehmütigen Blick sandte
■ w noch auf Eva.
Anzeigen nimmt entgegen: Ht Expedition d.vlatteS, sowie d-Annoncen-Bnreauk von Th. Dietrich & (So. in Kasse! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aSJL; Hrafenstein & Bögler in Frailffurt * M., Berlin, S-ipzig, Adln re.; Rudolf K-K- in Berlin, Frank«
Hermann'fche Buchhandl. daselbst; Ächvalidenoant in Berlin: W. ThirneS in Aberfrld: 6. Schlotte in
,(Fortsetzung.)
„Da sag' ich gerab’ wie ber Vater," fiel Friedel in's Gespräch, und Johannes setzte schnell bei: „Ich für meinen Teil seh' nicht ein, warum die Ev' nicht in die Stadt soll."
Fran von Bern wandte sich nun an Eva mit den Worten: „Eigentlich liegt die Entscheidung in Deiner Hand, . M und ich möchte also aus Deinem Munde die Antwort r- " . hören."
Eva sah noch einmal nach dem Citronensepp hinüber, der durch's Fenster in die graue Nacht hinausstarrte, als vermi •Pb et von seiner Reise träume. Sie sagte dann — und ihr Ton klang bittet:
— „Ich danke Ihnen, ich bleibe vorerst bei meinem Vetter ort $ dem Dreibirkenhof." —