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Marburg, Sonntag, 12. Juni 1881

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Du hast mir Licht und Lieb' gebracht!" Eva's Hände falteten sich in einander, als der Tiroler

Das deutsche Volk, und in erster Linie der deutsche Handwerkerstand hat sich jetzt in allen Gauen unseres großen Vaterlandes, und namentlich dort, wo bisher Fort­schritt und Nationalliberale dominierten, vor Augen zu halten, daß diese beiden liberalen Parteien es gewesen sind, welche gegen das Gesetz stimmten, die schrankenlose Ge­werbefreiheit also auch in Zukunft ungeschmälert aufrecht erhalten wollten! Ueberall muß es bekannt werden, daß ein Forckenbeck, LaSker, Bamberger, Rickert, Virchow, Ludwig Loewe, Eugen Richter rc. gegen dies Gesetz, welches bessere Tage für das deutsche Handwerk bringen soll, ge­stimmt hat, daß den liberalen Führern mithin das wahre Wohl des eigentlichen KernS des deutschen Bürgertum- gar wenig am Herzen liegt!

Oder wollten diese liberalen Führer, unter denen sich nicht ein einziger Handwerker befindet, etwa besser, als der Handwerker selbst, wissen, was dem Handwerkerstände jetzt nach all den Schlägen, die ihm die sogenannte frei­heitliche Gesetzgebung gebracht, frommen kann? Tausende und abertausende deutsche Handwerksmeister haben in öffent­lichen Blättern, Versammlungen, Petitionen u. s. w. den Ruf nach Beseitigung der unumschränkten Gewerbefreiheit, nach Wiederbelebung der Innungen erhoben; aber das Ohr der Liberalen, deren Mund stets überlief von schönen Worten für das Wohl des Volkes, blieb taub gegen die berechtigten Klagen des deutschm Handwerkerstandes! Nur für die Börse, für den Handel und für das Großkapital im allgemeinen zeigten sie bisher ein fühlendes Herz, daS deutsche Handwerk, Gewerbebetrieb und Landwirtschaft können tu ihren Augen zu Grunde gehen, wenn nur dem wuchern­den Großkapital sein verderblicher Einfluß erhalten bleibt!

Das ist liberale Politik, die Politik der Nationalltbe- raten, Sezefsionisten und Fortschrittler, während die Kon­servativen und mit ihnen daS Cmtrum sich der Not des Mittelstandes nicht verschlossen haben und Tag und Nacht für das Aufblühen derselben, so auch bei der Frage oes Wuchers und der Wanderlager, nach bester Kraft thätig gewesen sind.

Hat daS Ziel noch nicht ganz erreicht werden können, so werden die Konservativen um so mehr unausgesetzt auch fernerhin daran arbeiten, dasselbe völlig zu gewinnen. Dazu kann aber der deutsche Handwerkerstand und die ackerbau­treibende Bevölkerung am besten selbst Mitwirken, indem sie sich gänzlich von den falschen liberalen Freunden lossagen und bei der bevorstehenden Reichstagöwahl einmütig für die Wahl konservativer Männer zusammenstehen.

unbequem zu werden, daß man schon im Parlament feiten- fortschrittlicher Redner wiederholt auf die konservattven Ver­sammlungen in Berlin wohl oder übel zurückgekommrn ist und daß auch die fortschrittliche Parteipreffe, z. B. da- Berliner Tageblatt", natürlich in bekannter entstellender und frivoler Manier, über dieselben sich ausläßt. Vor allem die Beteiligung der konservattven ReichStagSabgeord- neten, die ja wiederholt auf Wunsch ihrer Berliner Ge­sinnungsgenossen in den großen öffentlichen Versammlungen der konservattven Wahlbezirksvereine erschienen und auch rednerisch aufgetteten sind, scheint dem Fortschrittlertum sehr unbehaglich zu fein. Unsere ReichSlagSabgeordneten haben aber damit nur eine Pflicht erfüllt, der sie sich über­haupt nicht und vollends nicht in diesem Augenblicke ent­ziehen dursten, ebenso wie dir konservattve Bewegung in der Reichshauptstadt, welche au» dem innersten Herzen vieler treuer Patrioten heraus, unter den zeitigen großen wirtschaftlichen und socialen Notständen in Staat und Ge­sellschaft, wie über Nacht lebenskräftig, und urwüchsig ans Tageslicht getreten sind, als ein bedeutungsvoller Vorgang, und zugleich auch als eine ernste Mahnung zur Thättgkeit für die Freunde der konservativen Sache in den Einzelstaaten und in dm Provinzen unverkennbar gelten muß. Bet der Hartnäckigkeit, mit welcher die liberale Zeitungs­welt an dem Schulerlaffe des Kultusministers v. Putt- kamer herumzerrt, ist es geboten, hervorzuheben, daß der- selbe in konservativen Kreism und bei allen denjenigen, welche thatsächlich im prakttschen Leben stehen, den besten Eindruck gemacht hat. Gegenüber der einseittgm Schablone, nach welcher gerade in dm finanziellen Angelegmheitm der Schule bis vor kurzem noch zu verfahren beliebt wurde, mußte um so wohlthumder berühren, wenn der vielbe­feindete Erlaß auch die Ueberbürdung armer Schulsocie- täteu erwähnt und solche Verhältnisse für die Zukunft möglichst vermieden wissen will. Daß diese unwillkürliche Kritik des feithetigen liberalen Schulregiments freilich dem Liberalismus und seiner Presse wenig behag^ ist einleuch­tend genug. Deshalb auch der Mangel an Verständnis und Wohlwollen für dm Erlaß des Herrn Kultusministers. Der Abg. LaSker läßt jetzt von den ihm ergebenen Blättern einen Brief veröffentlichen, ben derselbe an den Sekretär der Internationalen Schiedsgerichts- und Friedens- Gesellschaft, Mr. Lewis Appleton in London gerichtet hat und in welchem derkleine Secesstonist" die Mitgliedschaft zur obigen Gesellschaft acceptiert. Ohne auf daS im Völker- rechtlichen Sinne als GalimatiaS zu bezeichnmde Gerede des Abg. Lasker näher einzugehen, wollen wir nur betonen, daß auch in diesem Briefe wieder diemoralische Kraft" eine Hauptrolle spielt, daß der Autor von einem inter- nationalen Gesetzbuch zur Beseitigung des Kriege» träumt und der englischen Friedensgesellschaft mit der Phrase zu imponieren sucht,daß die Stimme der Völker im ganzen

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Kaum hatten die Höhlenhofer das WortWald" ge­hört, als sie langsam näher rückten, während der Eitronm- sepp schüchtem aus der Ferne nach derjenigen schaute, die er so tief gekränkt hatte.

Frau von Bern bemerkte daö Manöver wohl und lenkte das Gespräch auf einen andern Gegenstand.

Was sagst Du, Eva, zu einem Vorschlag, bett ich Dir machen will?" begann sie.Ich verreise auf 4 Wochm in Begleitung der beiden Herren hier und de» Herrn Hofer, der sich uns anschließt, um auch in einigen anderen Städtm cinigemale aufzutreten. Meine Zofe begleitet mich, und ich müßte nun mein Haus allein stehen lasten, da ich keine vertraute Person kenne. Wenn Du nun auf so lange meine kleine Wirtschaft führen würdest, wäre mir die« recht angenehm."

Du hättest allerdings mehr Zerstreuung hier al« draußm auf dem Dreibirkenhofe," schaltete Brinkmann ein.

Gewiß," pflichtet der Konzertmeister bei, der bestäudia seine Brille putzte.

In EvaS Kopfe ging es wirr durcheinander. Als» er ging hinaus in die Well! Noch bevor sie zu einer Ant­wort kam, ergriff schon der Schultheiß das Wort.

Gnädige Frau," sagte er in seiner kurzen Weise,et mag wohlgemeint sein von Ihnen, aber ich finde keinen Geschmack daran, die Ev' in die Stadt zu lasten. Sie ist mir so lieb geworden, daß ich ste jetzt nicht forttaflen kann. Und sie hat jetzt Geld, es hängt zwar noch an einer Be- dingnis, aber auch wenn daS falliert, doch daS geht niemand was an bekommt sie von mir, was sie braucht, wir haben'S, wir können'« geben, Gott Lob? ES kann nichts brau« werden."

(Fortsetzung folgt.)

. Die Abänderung der Gewerbeordnung.

In der Donnerstagssitzung des Deustchen Reichstages ist eS der linken Seite des Hauses durch die Unterstützung eines Teils der Deutschen Reichspartei (Freikonservattven) möglich geworden, den von den Konservattven und dem Eentrum eingebrachten Antrag, welcher da» Halten von Lehrlingen unter Umständen nur ben Mitgliedern von Innungen zusprechen wollte, mit 125 gegen 122 Stimmen zu Fall zu bringen. Die liberalen Parteien triumphieren selbstredend über diesenSieg", ebenso wie die Mitglieder des Fortschritts im Reichstage sich in seltsamen Freude­ausbrüchen gefielen, als das Resultat der Abstimmung über den Ackermannschen Antrag bekannt gegeben wurde. Trotz des Triumphgesanges bezüglich dieses einen Resultats sind aber die liberalen Blätter doch recht kleinlaut und verzagt über die schließliche Annahme des ganzen Gesetzes, ja sie behaupten heute sogar, daß ein Teil des CentrumS, nachdem der Antrag Ackermann gefallen, nicht allein gegen § 100«, sondern gegen das Gesetz überhaupt gestimmt habe, und wenn die Freikonservativen, die schließlich sämt­lich für das Schlußresultat eingetreten, nicht gewesen wären, dieses gefallen sein würde.

Wichtig will es immerhin erscheinen, baß der Para­graph bestehen geblieben, nach welchem in LehrlingSange- legenhetten eventuelle Streitigkeiten auch gegen NichttnnungS- meifter von dem Schiedsgericht der Innungen entschieden werden, und an dem Wehklagen der liberalen Presse über diese im Gesetze vorhandeneGrundlage für weitere Aus- blldung des JnnungszwangeS" werden die deutschen Hand­werker am besten erkennen können, daß ihnen mit diesem Gesetze denn doch nicht so Unbedeutende» bescheert worben, wie man hier und ba zu verkünden versucht hat, sondern, daß mit demselben in der That der Grund zu einem kräftigen Wiederaufblühen deS deutschm Handwerks gelegt worden ist.

Je mehr der deutsche Handwerkerstand aber zu dieser Erkenntnis gelangt, desto mehr muß er auch der Frage näher treten, von welcher Sette ihm die kräftige Stütze zu Teil geworden, und wer ursprünglich die Initiative zur Besserung seiner Lage ergriffen hat.

ES war allein die konservative Partei, welche seit Jahren für das deutsche Handwerk eintrat und der schrankenlosen Gewerbefreiheit durch Wiederbelebung des JnnungSwesens einen festen Damm entgegengesetzt wisten wollte! Nicht mit Unrecht hob in seiner Rede am Don­nerstag der Abg. v. Minnigerode hervor, baß bie konser­vative Partei Tag und Nacht für bie Interessen des deut­schen Handwerks gearbeitet habe und angesichts des bis heute durch dies Gesetz Erreichten von der festm Hoffnung beseelt sei, auf gutem Wege endlich daS gute Ziel vollends zu gewinnen.

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Du hast mir Licht und Lieb' gebracht!"

Rauschender Beifall lohnte den Sänger und der Wimer fatschte wie wahnsinnig und stampfte so hefttg mit ben JArren Beinen, daß bie Hosenstrippen rissen, worauf er Xe f in ein ruhiges Tempo geriet

Gesang^ verwandelte sich der Konzertsaal in einen Ballsaal Mdcr in. schwenkte sich das junge Volk im Tanze, während ic,! [n teren sich um bie Tische gruppierten. Die °wen wir disireutm sich unter bie Gäste, und auch Frau

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Der Dreibirkeuhos.

Roman von August Bntscher (Fortsetzung.)

Martha trippelte mit den Füßen vor Freube unb hörte nicht auf, Eva mit ben Ellenbogen zu stoßen unb ihr Freudenworte ins Ohr zu zischeln.

Brinkmann griff zur Flöte und der Konzertmeister zur Violine. Bevor der neue Kunstjünger zu fingen begann, fiel sein Auge auf bie ihm gerade gegenübersitzende Eva und blieb wie gebannt auf ihrem holden Angesicht hasten. Dann schüttelte er heftig den Kopf unb sang mit weicher, klingender Stimme, die von der Begleitung sanft getragen und umschwebt wurde, ein einfaches Lied mit tiefstem Ge­fühle. Die letzte Strophe lautete:

Dein ist da« Glück, well Du e« bist,

Es mag mir alle« heilen,

Unb ob es auch dein eigen ist, Du willst mit mir teilen. O Helle wird mir meine Nacht,

bie Expedition (Kschicke

8 ch ruckerei) bezogen U Mart, durch die Hostämter de« DEfchen Reiche« «Mark SV Psg. (excl Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene 3«§e 1V Pf».

Für m der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. *

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Berlin, 10. Juni. Die konservative Bewegung in der Reichshauptstadt, so sehr man auch bemüht gewesen ist, sie seitens des fortschrittlichen Liberalismus tot zu schweigen, fängt doch bereits an, diesem bisherigen Alleinherrscher so

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von Bern fand bald bie eingelabenen vom Lande, bie sie, begleitet vom Lehrer unb von dem Konzertmeister, herab­lassend begrüßte.

Nun, wie hat Sie der angeküudigte Sänger befriedigt, Herr Schultheiß?" fragte ste freundlich unb boch mit etwas neckenbem Anklang, indem ste ihre stahlblauen Augen von Einem zum Andern auf Kundschaft schickte unb bann nach beut Citronensepp hindeutete, der sich an den Tisch der Höhlenhofer genöttgt sah, die ihn fast gewaltsam festhielten unb be« alten Grolle« völlig vergessen zu haben schienen.

Nun, so so, la la" sagte bet Schultheiß, indem er an seiner Pfeife nestelte.Er ist jetzt ein Herrischer, unb ba reicht Unsereiner nicht hin, im Gesang wenigstens nicht, im Geklimper wohl." Er schlug an seine Hosentasche, wobei ihm seine Söhne unwillkürlich sckundierten, so baß niemand ben Klang ber Kronenthaler überhören konnte.

Frau von Bern lächelte fein.

Ich werde Sie schon leichter machen," sagte ste bann, wenn erst die Waldangelegenheit vollends im reinen ist."

Wenn sie'« nur erst wäre," fiel schnell ber Schul­theiß ein.

Ich bin begierig, wer ben Sieg davontragen wird," bemerkte Frau von Bern und sah fich nach einem Stuhle um.

Thomas Bitterle stand schon längst hinter ihr und ihren Begleitern mit drei Stühlen unb verneigte sich mit verbindlichem Lächeln.

Ah, der Herr Präsident!" sagte sie fröhlich und nahm mit Brinkmann und dem Konzertmeister Platz.

Wieder verneigte sich schmunzelnd der Gefeierte und verbarg bie Schäden seiner gesprengten Hose geschickt durch eine kühne Seitenwendung, bei der er aber an bie Radhaube Martha« stieß, die ste zornig wieder zurechtschob.