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Marburg, Sonnabend, 11. Juni 1881.

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Der Birkenhofer und gleich nach ihnen die Höhlenhofer fuhren amErlenbusch" an und begaben sich ohne Gruß in die Gaststube, wo jede Partei ihren eigenen Tisch ein- "2hm und that, als ob die andere gar nicht vorhanden wäre. Wie zwei Zaunpfähle hallen sich Friedel und Jo­

hannes rechts und links neben Eva aufgepflanzr und bc« eiferten sich, ihr von den bestellten Flaschen Wein einzu- schenken, deren Zahl die Höhlenhofer regelmäßig einzu­halten sich bestrebten, so daß ihre Gesichter, sie waren ja in geringerer Zahl, in kurzem gleich Klatschrosen glühten.

Eva hielt ihre Augen züchtig gesenkt. Der alte Birkenhofer saß ihr gegenüber und hielt in selbstbewußter Würde den Stock mit dem Goldknopf zwischen den Beinen, während er möglichst laut das große Wort führte und die Stimmen vom Höhlenhof zu einer Macht zweitm Ranges hinabdrückte. Den beiden Hofbauern begann allgemach ein Licht aufzugehen über das wundersame Zusammentreffen im Erlenbusch", und jeder zümte innerlich auch der Frau v. Bern, daß sie nicht ihm allein die Ehre der Einladung hatte wiederfahren laffen. Lenz rauchte und läutete mit seinen Schaustücken. Die Mütze behielt er auf, wohl deS großen Straußes wegen, der sie schmückte, denn er war Bräutigam mit einem Mädchen aus Blumenrain, das ihm einen Hof zubrachte, so daß die Gundel zur tünftigen Höhlenhoferin vorrückte.

Es schlug sechs Uhr, und die Gesellschaft verfügte sich hinauf in den Conzertsaal, wo schon viele Plätze besetzt waren. Doch erhielten die Gewichtigen vom Lande noch in der ersten Reihe ihre Sitze, und zwar nebeneinander, was den Wiener in die Zwangslage brachte, als spanische Wand zwischen den beiden feindlich getrennten Parteien zu dienen. Er erklärte flüsternd der neben ihm sitzenden Martha, daß der erhöhte Raum vor ihney das Theater sei, wie er es in Wien hundertmal gesehen; dort sei es aber wenigstens hundertmal größer und tausendmal schöner. Da kam er aber schlimm an, denn Marcha nannte ihn so laut, daß es der ganze Saal hören tonnte, einen Lügenbeutel und Wind­

kanzler in einer Zuschrift an den Bundesrat ausführt, die in Rede stehenden Vorschriften durch andere zu ersetzen. Dieselben sind nunmehr dem Bundesrat vorgelegt worden mit dem Anträge zu beschließen, daß diese neuen Bestim­mungen au Stelle der alten treten, daß jedoch, soweit noch Wechselstempelmarken ohne einen Vordruck für die Ein­tragung des Tages der Verwendung zum Gebrauch ge­langen, diese Eintragung auf einer beliebigen Stelle ver Marke erfolgen darf und daß bis zum 31. Juli d. I. die Verwendung der Wechselstempelmarken auch nach Maßgabe der bisherigen Bestimmungen zulässig ist.

Berlin, 9. Juni. DerNorddeutschen Allg. Ztg." zu­folge ist die Mitteilung unbegründet, daß der Entwurf eines Gesetzes zur Erweiterung der preußischen Klassen­lotterie im Finanzministerium ausgearbeitet werde.--- Das­selbe Blatt schreibt: Wegen der aus Peking gemeldeten, vom 29. April bei Hongkong durch chinesische Piraten ver­übten Plünderung der deutschen ParkOccident" richtete der kaiserliche Gesandte Brandt die erforderlichen Anträge an die chinesische Regierung und wies das Konsulat in Canton an, gemeinsam mit den Landesbehöeden, eventuell mit Hülfe eines kaiserlichen Kriegsschiffes, die Sache energisch zu verfolgen. Von verschiedenen Seiten wird überein­stimmend gemeldet, daß an Stelle des haö Ministerium des Innern demnächst definitiv übernehmenden Herrn v. Puttkamer der Regierungs-Präsident in Trier, Herr v. Wolff, zum Cultusminister Allerhöchst ernannt werden dürfte. Angesichts dieser Eventualität dürste eS nicht un­interessant sein, über die bisherige dienstliche Verwendung des Genannten etwas Näheres zu erfahren. Paul Ferdi­nand Arthur v- Wolff, geboren am 7. Juni 1828 und evangelischer Confesston, wurde 1853 nach Absolvierung der vorgeschriebenen Staatsprüfungen zum Gerichts-Assessor ernannt, im Jahre 1854 zur Verwaltung übernommen und bei der Königlichen Regierung zu Potsdam beschäftigt. Seine hier sofort zu Tage getretene außerordentliche Be­fähigung und seine besonders hervortretenden Leistungen veranlaßten bereits im Jahre 1856 seine Berufung als Hülfsarbciter in das Königliche Ministerium deS Innern wo er bis zum Jahre 1859 thätig war und dann in die Provinzial-Berwaltung nach Frankfurt a. d. O. versetzt wurde. Nach vierjähriger Thätigkeit in Frankfurt a. O. wurde er jedoch 1863 wieder in das Ministerium deS Innern berufen, 1864 zum RegierungSrat, 1865 zum Geheimen RegierungS- und vortragenden Rat und durch Bestallung vom 11. Juni 1870 zum Geheimen Ober« RegierungSrat ernannt, 1872 wurde er an Stelle des nach Metz berufenen Herrn v. Ernsthausen zum Regierungs- Präsidenten in Trier ernannt. Dem Regierungs-Präsi­denten v. Wolff ist vor allem ein fester, zuverlässiger Charakter, stets bewährte loyale Gesinnung, strenge Pflicht­treue und eine ebenso umsichtige, wie gewandte Leitung der

Deutsche« Reich.

#* Berlin, 9. Juni. Ob das mit Hamburg ge­schlossene Abkommen den Reichstag noch beschäftigen wird, ist insofern zweifelhaft, als der Hamburger Senat mit vollem Recht den Rats- und Bürgerschluß über diese An­gelegenheit nicht überstürzen, sondern durch eine sorgsame Vorbereitung und Aufklärung zu einem mit möglichst all­gemeiner Zustimmung gefaßten machen will. Daß aber dieser Rats- und Bürgerschluß zustimmend ausfallen wird, darüber besteht gar kein Zweifel mehr, nachdem die wich­tigsten konsultativen Organe deS Handels- und Gewerbes, sowie die einflußreichsten Organe der Presse Hamburgs sich für di: Annahme ausgesprochen haben. Selbst ein so oppositionelles Blatt wie dieNat.-Ztg." thut sich etwas daraus zugute, voraus gewußt ober prophezeit zu haben, daß der Reichskanzler durch die Coulanz seiner Bedingungen Hamburg in Erstaunen setzen werde. Nun, wenn dem so ist, so wird die Mehrheit der dortigen Bürgerschaft auch so weit zu rechnen wiffen, daß man eine solche Gunst der Umstände annehmen muß. Wo bleibt aber schon jetzt, muß man fragen, das fortschrittliche und sezesstonistische Ge­schrei über unerhörte Vergewaltigung des hamburgischen Welthandels". Als folge des Anschlusses erwartet man in Hamburg schon jetzt einen steigenden Wert des Grund­eigentums, der seit 1867 unaufhörlich gesunken war, mau erwartet die vergrößerte Nachfrage nach dem Grundbesitz und damit die Steigerung der Preise von dem Entstehen industrieller Anlagen, während das Hamburgische Staats­gebiet einschließlich der preußischen Stadt Altona durch den Ausschluß vom Reichszollverband industriellen, auf die Ver­sorgung Deutschlands gerichteten Anlagen bisher verschlossen war. Daß der HamburgerWelthandel", wie man sich »ort etwa« emphemistisch, aber mit Vorliebe ausdrückt, durch die Verkleinerung des Freihandelsbezirks nicht wesent­lich leiden werde, wird in der Denkschrift, wie in dem Gut­achten der Handelskammer ausgeführt. Die Reichsregierung darf in dem Ausgang der Hamburger Angelegenheit ein gutes Vorzeichen erblicken für den Ausgang noch mancher anderen schwebenden Frage, wo das Ziel der Regierung dis jetzt dem fortschrittlichen Anathema auögesetzt ist, von welchem das spätere Hosiannah, welches allerdings die fort­schrittlichen Kehlen anftimmen werden, nur um so wirkungs­voller sich abhebt n wird. Die Vorschriften über die Ver­wendung der Wechselstempelmarken haben dem Handelsstande wiederholt Anlaß zu Klagen gegeben, und auch der Reichs­tag hat mittelst Beschlusses vom 3. April 1879 an den Reichskanzler das Ersuchen gerichtet, eine Vereinfachung jener Vorschriften in Erwägung zu ziehen. Infolge dessen sind die Bundesregierungen um ihre Aeußerung über die Angelegenheit ersucht worden. Nach dem Inhalt der ein» gegangenen Aeußernngen empfiehlt es sich, wie der Reichs-

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Der Dreibirkeuhsf.

Roman von August Butscher.

(Fortsetzung.)

Der Wiener hatte die Goldhaube Marthas galant mit einer großen Sonnenblume verglichen, was ihm einen Platz an ihrer Seite verschaffte, sonst hätte er sich auf das stets hüpfende Hinterbrett hinpflanzen muffen. Er hatte sich nach seiner Weise herausstaffiert und behauptete, höchst elegant auszusehen. Ein langer grüner Rock, den schon sein Vater als Landjäger in den Befreiungskriegen getragen hatte, umfing sein dürres Gestelle, und sein langer, magerer Hals stack in einer mächtigen Cravattc. Die Hosen, etwas zu kurz, wurden durch Strippen gespannt, wodurch der ganze Mensch etwas Puppenartiges erhielt, indem die dünne Gestalt beständig knackte und kratzte. Auf dem Kopfe führte er einen wohlgebürsteten alten Cylmoer, dessen schäbige Stellen mit Tinte geschwärzt waren.

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ihm übertragenen Geschäfte während seiner bisherigen dienstlichen Wirksamkeit nachzurühmen. Seine hervor­ragenden Kenntniffe und seine besondere Befähigung be­währten sich namenttich bei den schwierigen Ausgaben der im Jahre 1866 stattgehabten Verwaltungs-Organisation in den neu erworbenen Landesteilen. Man ist allgemein der Ueberzeugung, daß Herr v. Wolff der geeignetste Nachfolger des Herrn v. Puttkamer in dem von diesem unter den schwierigsten Verhältnissen mit so großem Ge­schick geleiteten Kultusministerium sein dürste. Nach privaten Auslassungen hervorragender Mitglieder der ton« servativen Partei und des CentrumS güt das Nichtzustande­kommen des UnfallverstcherungSgesetzeS in dieser Session für sicher, da daS Zentrum einstimmig gegen jeden Staats- zuschuß stimmen wird.

Halle a. ®., 8. Juni. Am 6. und 7. d. M. tagte hier der sechste deutsche Schuhmacher - Kongreß unter dem Vorfitze des Herrn Mende (Halle). In einem Referate des Herrn Kehler (Berlin) wurde der nachteiligen Wirkung der Großindustrie auf das Handwerk Erwähnung gethan, sowie des geringen Verständniffes, welches die Interessen des Handwerkers bei den Fortschrittlern und Liberalen fänden. Eine in diesem Sinne abgefaßte und auf die nächsten Wahlen bezügliche Resolution wurde angenommen. Weiterhin schloß sich der Kongreß den vom Centralvor­stande des Vereins selbstständiger Handwerker und Gewerbe­treibender an den Reichstag erlassenen Petitionen (bezüglich der Militärwerkstätten und der Ockonomichandwerker, der Gefängnisarbeit und der Einführung von Kammern für Handwerks- und Gewcrbesachen bei den Landgerichten) an. Herr L. Schmidt (Deffau) sprach über mineralgare« Leder, Herr Sickert (Halle) über Unfall- und Altersversorgungskaffen. Hierauf wurde der Kongreß, zu deffen Vorort Halle er­wählt worden ist, geschlossen; ein Festesten reihte sich an die Verhandlungen.

Karlsruhe, 9. Juni. Die gestrige zweite Hauptver­sammlung des Lehrertags behandelte als erste« Thema: Ueber das Seelische im Kinde und die dadurch begründete Notwendigkeit einer allseitig logisch-psychischen Durchbildung des Lehrers." Als Referent fungierte Wolff-Leipzig. Der Vortrag fand verschiedene Krttik und es gelangten die ge­stellten Thesen teils nicht zur Debatte, teils wurden die- selben abgelehnt. Resolutionen über das Thema, die von Deppe (Dresden) und Halben (Hamburg) gestellt waren, wurden angenommen. Das zweite Thema hieß:Dialekt und Schriftsprache", Referent: Höchstetter (Karlsruhe). Redner hält die Schriftsprache für erforderlich beim Schul« unterricht. Es wird eine hierauf bezügliche Resolution an­genommen. Die heutige (letzte) Hauptversammlung de« Lehrertags behandelte das Thema:Die Notwendigkeit der Konzentration des Unterrichts in der Volksschule." Referent war Funk-Butzbach. Halben-Hamburg bekämpfte verschiedene macher, waö ein allgemeines Gelächter veranlaßte und aller Augen auf die komische Figur in dem fahlgrünen Rock zog. Der Gekränkte grub seine Augen in den Cylinder, der zwischen seinen Kniem stack; sich umzusehen hinderte ihn die störrffche Cravattc.

Das Conzert begann mit einer Ouvertüre, die von dem Musikverein der Stadt auf geführte wurde und allgemeine Befriedigung hervorrief. Die Gefellschaft vom Lande er­kannte augenblicklich in dem Dirigenten mit der blauen Brille den Konzertmeister Gutekunst und wunderte sich über seine sonderbaren Bewegungen. An den saftigsten ©teilen schnalste der Höhlenlenz mtt den Fingern, bis ihn ein all­gemeines Gemurmel auf seine Unart aufmerksam machte. Der Wiener hatte nur einen Blick der Verachtung für diese Roheit und sah nach wie vor in Ermangelung eines Opernglases durch die hohle Faust auf daS Orchester.

Brennenden Auges sah Eva auf die Thür, durch welche die Künstler jedesmal eintraten. Endlich beim letzten Stück erschien er, der Ersehnte und Gefürchtete, in Begleitung Brinkmanns, des Conzertmeisters und der Frau von Bern, die die Klavierbegleitung übernommen hatte und beobachtende Blicke in den Zuschauerraum warf. Eva war zusammen­gefahren bei dem Anblicke des Tirolers, dem sie nun noch ferner zu stehen glaubte als früher. Auch die Uebrigen starrten verwundert nach ihm hin: er erschien ihnen in der städtischen Kleidung so fremdarttg. Die drei Birkenhofer flbergoffen den früheren Hausgenossen mit erbitterten Blicken.

Die Höhlenhofer waren dagegen sichllich erfreut, und Thomas Bitterle wagte sogar einer hölzernen Handbe­wegung nach ihm hinüber zu griffen.

(Fortsetzung folgt.)

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97; «Der nichts. Lenz rauchte wie em Kohlenmeiler und sah 1041 ins Leere; die Gundel aber konnte nicht umhin, einen Blick 99f nach Johannes zu senden. Die Birkmhofer gewannen den A Vorsprung, und so rasten denn die beiden Fuhrwerke wie 7gi; vn Wettrennen der Stadt zu.

So fuhren sie denn dahin, indem der Knecht ftöhlich knallte. Jenseits des Waldes stießen sie mit den Höhlen- L Hofern zusammen, die ähnlich aufgeputzt zur Stadt fuhren.

W Jede Partei wunderte sich sattsam über die andere, äußerte

aber nichts. Lenz rauchte wie ein Kohlenmeiler und sah