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Marburg, Freitag, 10. Juni 1881.

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im eigen nimmt emgegen: zit Expedittox d.vlattes, fe®it d-Annoukm-Bureaux oon $6. Dietrich & So. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstrin & Logier in ^ankfurt a SR., Berlin, SCln ic.; Rudolf Lsye ix Berlin, Frank­furt e. M- ic

WchesW Jritinio

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlattes sowie d. Annoncen-Bureaur von S. L- Daube & So. in

Frankfurt a. M; Jüge^sche Buchhandlung bafetotti; Hernrann'sche Wuchhandl. daselbst; Juoalideudank in Serkin; W. Xhienes in Skberfekd: 6. Schlotte in Bremen.

«rscheint tSglich außer an den Werktagen nach Tonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage31MfhrtitH «auntagsdlatt" durch die «rpedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen 3^ Warf, durch die Postämter deS Deutsche- Reiches 3 Wart 50 Pfg. (e$d. Bestellgebühr). - JnfettionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheikende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

Die kirchliche Stellung des Protestautmvereins.

Der Jahresbericht deS Protestantenvereins bemerk, man habe 1874 die Centralleitung des Vereins von Heidelberg nach Berlin verlegt in der Hoffnung, es werde unter der liberalen preußischen Kirchenleitung Falk-Hermann dem Verein möglich werden, eine Agitation im großen Stll zu entfalten. Es sei aber ein Umschwung gekommen und jetzt habe der Protestantenverein die Errungenschaften der Aera Falk-Hermann zu verteidigen. Ueber die kirchliche Stellung des Vereins bemerkt der Bericht gegenüber der Behauptung der Oktoberkonferenz, er sei eineunitarische Sckte" wört­lich folgendes:

Der Protestantenverein als kirchenpolitischer Verein hat als solcher gar keine Theologie, weder eine trinitarische noch unitarische, sondern fordert von seinen Mitgliedern nur die volle Zustimmung von den ethischen Grundsätzen der Religion Jesu, die Ausgestaltung der theologischen An­schauungen dem Einzelnen überlastend."

Hiernach hat der religiöse Protestantenverein ungefähr denfelben Standpunkt, wie die Sozialdemokraten. Dieselben sagen bekanntlich auch, die Religion sei Privatsache, sie überließen es jedem einzelnen, sich seine religiöse Anschau­ung selbst zu machen. Einem sozialen Verein kann man so etwas verzeihen; aber einem kircheupolitischen, welcher die Kirche umgestalten will, kann man eine solche Stellung nicht verzeihen I Man hatte vom Protestantenverein erwartet, er würde eine runde Antwort auf die Frage geben, ob er Umtarier oder Trinitarier sei; er ist ausgewichen und die Antwort, welche er gegeben, ist mindestens ebenso schlimm, als wenn er sich offen zum UuitariSmuS bekannt hätte. Er fordert nur Zustimmung zu den sittlichen Grundsätzen der Religion Jesu! Wenn er betont, als kirchenpolitischer Verein habe er mit der Theologie, d. h. mit dem Glauben nichts zu thun, so fragen wir: was hat er denn als solcher mit der Ethik, der Moral zu thun? Er will als kirchen- politischer Verein doch auf die innere Gestaltung der Kirche, ihre Verfassung, die Gestaltung ihrer Gottesdienste, die Verwaltung des Predigamts. rc. einwirken; wir fragen: kommt dabei nicht vielmehr die Religion, der Glaube der Kirche als ihre Moral in betracht? Wie darf also ein solcher Verein sagen: wir fordern nur Zustimmung zur Moral Jesu und die Zustimmung zum Glauben dieser Religion gebe er jedem frei! ES ist offenbar, daß daS nur eine faule Ausrede ist, er will nur nicht geradezu sagen: wir glauben gar nichts. Bekannttich behaupten auch Atheisten und Materialisten, Reformjuden und aufgeklärte Heiden, sie schützten und befolgten auch die sittlichen Grund­sätze der Religion Jesu. Sie alle können also Mitglieder des Protestantenvereins sein. Als solche haben sie bann auch Sitz und Stimme, wenn der Verein auf seinen Ver­sammlungen über die innersten Angelegenheiten der evan-

Der Dreibirkeuhof.

Roman von August Butscher

«Fortsetzung.)

Der Wiener, der ganz vergessen zu sein schien, der aber das Gespräch des Schultheißen an sich gerichtet glaubte, verneigte sich lächelnd und bemerkte, daß er mit denFinessen" des Herrn Orlsvorstandes völlig einver­standen sei und sich für den Notfall erbiete, dm Vorreiter zu machen, wie es in Wien gebräuchlich sei bei Leuten, die nicht halb so viel Geld haben als der Bauernkönig vom Dreibirkenhof.

Der Genannte blickte zuerst erstaunt auf den Polizei­diener und zuckte dann mit der Achsel, als wollte er sagen, mit einem Narren sei kein vernünftiges Wott zu sprechen. Doch reichte er ihm in einer Anwandlung von Großmut eines der Billete mit den Worten:

Da nimm, Hans Narr! Um 4 Uhr fahrm wir ab, und Du kannst hinten aufsitzm. Aber das rate ich Dir, daß Du ordentlich angezogen kommst und in der Stadt nicht zu viel dummes Zeug redest."

Der Wiener versichette bei seinem Schwert, daß er das Möglichste thun werde, und hüpfte wie eine Bachstelze dem Dorfe wieder zu.

Der Hofbauer verfügte sich nun an den Brunnen, der hinter den drei Birken stand und an dem ebm Eva und Martha Wasser holten. Johannes lehMe müßig an der Stallthüre mit den Händen in dm Hosentaschen, während seine Augen auf Eva gerichtet warm. Im Gemüsegatten, der sich an die rechte Schmalseite des Hofes schloß, ging Fttedel auf und nieder, zwar noch etwas matt, aber mit dem alten Trotz im Gesicht.

gelischen Kirche Beschlüffe faßt, sich als Hort der evan­gelischen Kirche aufspielt und zu dem evangelischen Volke redet! Wo er zum Volke redet, thut er so, als stehe er voll auf den Grundsätzen des evangelischen Glaubens und wenn verlangt wird, er solle einmal bestimmt seinen kirchlichen Standpunkt bezeichnen, dann weicht er aus und behauptet, er habe gar keinen religiösen Standpunkt, er Überlaste das jedem seiner Mitglieder. Wir fragen alle ehrlichen Leute: ist das ehrlich, kann es geduldet werden, daß ein solcher Verein sich als einen Verein innerhalb der evangelischen Kirche darstellt? Kann man einem solchen Verein evangelische Gotteshäuser überlasten, verträgt es sich mit der Stellung eines evangelischen Geistlichen, daß er einem solchen Verein angehört, der gar kein Glaubens­bekenntnis mehr hat und doch innerhalb der evan­gelischen Kirche wirken will? Ein Verein, der kirchlich so steht, der den Zusammenhang zwischen Glauben und Sitt­lichkeit verleugnet, hat den Boden der evangelischen Kirche, deren Grundprinzip die Rechtferllgung aus dem Glauben ist, vollständig verlassen. Es ist wahrhaft widerwärtig, wenn ein solcher Verein sich trotzdem immer noch als Hort der Reformation auffpielt. Du lieber Gott, wie kommt die Reformation, wie kommt Luth.'r mit einer solchen arm­seligen Gesellschaft zusammen, die weder die Courage hat, zu sagen, was sie glaubt, noch was ste nicht glaubt.

Deutsches Reich.

Berlin. 8. Juni. ES ist nicht richtig, wenn ge­meldet wird, daß Se. Majestät schon am 10. d. nach Ems zu reisen gedenkt. Es sind überhaupt noch keine festen Bestimmungen in dieser Beziehung getroffen; nur hört man, daß der Kaiser so bald als möglich die Reise anzutreten wünscht. Der Aufenthatt in Ems wird wie gewöhnlich ungefähr drei Wochen dauern, worauf Se. Majestät, wie immer, einige Tage in Koblenz und mehrere Tage auf deriJnsel Mainau zu verweilen gedenkt, um sich darauf nach Gastein zu begeben. Die Fortschrittspresse ist eifrig bemüht, alle Versicherung über Erfolge der deut­schen Regierung in der Hamburger Angelegenheit so zu deuten, als seien es Erfolge über Hamburg, während von Regierungsfeite alle Erfolge nur in dem Sinne behauptet worden sind, daß die Fortschrittspartei in ihren Angriffen gegen die Regierung unterlegen fei. Das Bemühen der Fortschrittspartei, diese Niederlage wo möglich von sich ab- zuwälzen und die Hansestädte selbst als unterliegend darzustellen, ist sehr natürlich, denn selten ist ein so eklatanter Gegensatz zwischen den früheren fortschrittlichen Rodomon- taben und der acht Tage darauf folgenden Ernüchterung eingetreten als eben jetzt. Glücklicherweise dient auch der vom Hamburger Senat veröffentlichte Schriftwechsel zwischen dem Reichskanzler und dem Vertreter der Hamburger Re­gierung dazu, die Stellung der Reichsregierung ins richtige

,,Ev'," begann der Hofbauer,wenns Dir recht ist, so fahren wir heut gegen Abend in die Stadt. Ich habe da eine Geschrift bekommen von der Frau von Bern von wegen dem Wald und von wegm einem Conzett, ober wie es heißt, zu dem sie uns haben will. Du darfst schon wieder einmal ausfliegen, es wird Dir gut thun."

In Evas Wangen war es freudenrot gestiegen, und sie sagte schnell:Wenns Euch recht ist, Vetter, warum nicht?" Und sie hob den schweren Wasserbottich leicht, als ob es ein Binsenkorb wäre, auf ihren Kops mit den breiten schwarzen Zöpfen.

Da muß ich aber auch dabei fein," ließ sich die dünne Stimme Marthas vernehmen.Ich kann mein Herzblatt nicht so allein unter die Stadtherren lassen, die sollen gar windig fein und leichtfertig mit dem Weibsvolk."

Nun, so gehst eben mit, altes Schabeisen," sagte der Dreidirkmbauer, indem ein Zug vom längst entschlummerten Humor auf fein Gesicht trat

Es wird Dir mehr um Deine Neugier zu thun fein, als um die Stadtherren, die ich alle mit einander nicht fürchte."

Johannes hatte hoch aufgehorcht, als er von der Fahrt reden hörte. Er streifte den mißmutigen Ausdruck seines Gesichtes ab, kam herbei und bemerkte, daß er notwendig Peitschenstöcke haben muffe, und da die Gelegmheft so ge­schickt sei, so wolle er auch mitfahren.

Eva wich feinen beteuernden Blicken aus und wandte sich der Hauöthüre zu. Dott stieß sie mit Friedel zu­sammen, der ihr zuraunte:

Ich gehe dahin, wo Du hingehst, und wmn es geraden Wegs in die Hölle ginge."

Eva schauderte.

Licht zu setzen. Er zeigt, wie die Regierung bemüht ist, den Interessen und Wünschen Hamburgs nicht minder wie den anderer Bundesglieder entgegenzukommen. Er zeigt aber auch, wie dieser Eifer sich nur betätigen kann, wenn die Zugeständnisse nicht als Anknüpfungspunkt für politische Bestrebungen wie die der Fortschrittspartei benutzt worden. Unter Bezugnahme auf § 37 des Reichs-Militärge­setzes und in Verfolg der Mitteilung vom 22. Mai v. I. hat der Reichskanzler die von dem preußischen bezw. vom bayerischen Kriegsministerium aufgestellten Ueberstchten der Ergebnisse deS HeereS-Ergänzungsgeschäftes im ReichSge- gebiete für das Jahr 1880 vorgelegt. In den Bezirken des 1. bis 15. Armeekorps wurden in den Listen geführt 1153983 Mann. Davon wurden ausgehoben 123091, und zwar 120938 für das Heer und 2153 für die Flotte; 17061 sind freiwillig eingetreten. Wegen unerlaubter Auswanderung sind im Jahre 1880 10591 von der Landbevölkerung und 319 von der feemännischen Bevölke­rung verurteilt. In den bayerischen Ersatzbezirken wurden in den Listen geführt 102894 ausgehoben 17450; eS traten freiwillig ein 1706. Wegen unerlaubter Auswan­derung wurden 536 verurteilt.

Berlin, 8. Juni. DieProv.-Korresp." bringt einen längeren,Soziale Verbesserungen und sozialdemokratische Träume" betitelten Artikel über die bisherigen Reichstags- Verhandlungen über das Unfallversicherungsgesetz, insbe­sondere über den geforderten Staatszuschuß. Der Attikel schließt:Die revolutionären Gefahren werden nicht herauf- beschworm, wenn man den berechtigten Kern der For- berungen der Arbeiter pflegt und hegt; nein, man bricht denselben vielmehr die Spitze ab und leitet ste in geordnete, ebene Bahnen, wenn der Staat den Willen zeigt, der wirk­lichen Not der arbeitendm Klassen zu begegnen, und des­halb ist der Staatszuschuß ein ebenso praktisches wie hoch­bedeutend politisch heilsames Mittel, dessen Anwendung nicht mehr verhindert werden kann, aber auch als notwen­dig anerkannt werden muß, wenn nicht von diesem, so von einem anderen Reichstage. DieNordd. Allgem. Ztg." widerspricht der Meldung bet Blätter von einer Besserung im Befinden BiSmarck'S. Eine Verschlimmerung fei aller­dings nicht eingetreten, Bismarck fei aber noch immer an bet Entgegennahme der regelmäßigen Vorträge gehindert, könne nur liegend arbeiten und müsse sich auf Erledigung der allerdringendsten Geschäfte beschränken. Dasselbe Blatt sagt über die Auslassungen des russischenRegierungs- Anzeigers" bezüglich Bulgariens: Dieselben würden überall, wo ein aufrichtiges Interesse an der ferneren friedlichen Entwickelung der Orientverhältnisse vorhanden fei, ein sym­pathisches Echo finden; dieselben gäben die Ansichten der anderen Kaisermächte wieder und sie dokumentierten auch in diesem Falle die Uebereinftimmung, welche für den fried­lichen Verlauf aller Orientfragen seit dem Kongreß so be*

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Friedel erklärte nun mürrischen Blicks seinem Vater, baß er auch mitfahre, es möge ihm viell icht gut thun. Zornig fuhr seines Bruders Blick gleich einer Dolchspitze nach ihm hinüber, während Mattha besorgt zu dem Schul­theißen hinsah, der wieder düsterer geworden war und mit einem zornigen Kopfnicken in die Stube zurückging.

So hatten denn die Billete alle ihre Abnehmer ge­funden.

Um 4 Uhr war das zweispännige Fuhrwerk gerüstet, und die Birkenhofer saßen auf. Der Schultheiß wie feine Söhne trugen schwarzsammtne Beinkleider, rote Westen mit Thalerstücken als Knöpfe, fammtne Joppen mit eben solchem Zierrat und schwere silberne Ketten mit einer Menge von Schaustücken. Jeder führte denKnicker" mit silbernem Griffe und eine schwer mit Silber beschlagene Maserpfeife bei sich; der Schultheiß überdem noch eine , Rohrstock mit dickem, goldenem Knopf.

Eva sah in ihrer halb ländlichen, halb städtischen Kleidung überaus anmutig ans. Sie trug den Kops un­bedeckt und um den Hals nur eine Silberkette mit goldenem Kreuz, ein Geschenk des Hofbauern aus Mattens Nachlaß. Sie saß neben dem Schultheiß, hinter chnm die feindlichen Brüder.

Ein wunderliches Paar hatte den Rücksitz inne. Matthä erschien in schwarzwollenem Kleide mit unzähligen Falten und ttesigen Aermelpuffm.

Aus dem Kops trug sie die ungeheuere Radhaube auS Goldgeflecht und am Halse ein großes, buntes Tuch, daS hinten geknüpft wurde, so daß die beiden Zipfel flügelglttch nachflattettm.

(Fortsetzung folgt.)