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Jllarßurg, Donnerstag, 9. Juni 1881.

xvi. Mrgsrg

ObkcheMc Miliz

änitigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blatte», fcvie d-Annoncen-Bureauk 5on Th, Dietrich & So. in jürffel und Hannover; Th. Dietrich in Kanlfnrt a.M.; nocienftcin & Logier in Krantfurt &■ M., Berlin, zripzig, S?ln re.; Rudolf in Berlin, Kran!- tuet e. M il

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureanx von <8. L- Daube * So. in Frankfurt a. M; JSgetische Buchhandlung daselbst; Hermanu'sche Buchhandl. daselbst; Jüvalidsndauk in ÄV- Thienes in

; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint tS^ich außer an den Werktagen nach Bonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JbtftrirteS «ouutagddlatt" durch die Srpedition ttkoch'fche Buchdruckerei) bezogen 3fc »ark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (exel Bestellgebüh"). ->se"°nSgebüh?sür die gespaltene Ztile 10 Pfa

Für in der Sf^ei ition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

Deutsche, «eich.

## Berlin, 7. Juni. Die Waldbrände haben bekannt­lich nach Zahl und Ausdehnung in letzter Zeit einen Be­sorgnis erregenden Umfang genommen. Allein in den Königlichen Forsten find 36 erhebliche Waldbrände im Laufe des Jahres 1880 vorgekommen. Die Zahl derselben be- ttägt im Jahre 1881 schon jetzt 25. Einzelne Brände haben einen sehr beträchtlichen Schaden angerichtet und so­gar die Einäscherung »on Gebäuden zur Folge gehabt. Hierdurch wird der Verwaltung die Pflicht nahe gelegt aus energische Handhabung der gesetzlichen und polizeilichen Vor­beugungsmaßregeln hinzuwirken. Der Minister der Land­wirtschaft hat daher die König!. Regierungen insbesondere auf die Paragraphen 32 und 44 bis 46 des Feld- und Forst-Polizeigesetzcs vom 1. April 1880 aufmerksam ge­macht und ausdrücklich daraus hingewiesen, daß alle auf die Verhütung von Waldbränden abzielenden Polizei-Ver­ordnungen, deren Bestimmungen nicht in jenes Gesetz aus­genommen sind und demselben nicht entgegenstehen, auch jetzt noch in Kraft geblieben sind. Nach den Wahrnehmungen des Ministers lassen die zur Handhabung des bezüglichen gesetzlichen und polizeilichen Vorschriften berufenen Organe des Staats und der Gemeinden es oft an der erforder­lichen Aufmerksamkeit, Rührigkeit und Strenge fehlen. Die Regierungen sollen deshalb diesem Gegenstand ihre beson­dere Beachtung zuwenden. Namentlich werden die Gendarmen, die Königlichen- und Kvmmunal-Forstbeamten anzuweisen sein, den betreffenden Zuwiderhandlungen mit vollster Energie^ entgegenzutreten. Etwa bekannt werdende Fälle von Nachlässigkeit seitens der Beamten sind mit aller Strenge zu ahnden. Andererseits wird besonderem Eifer die verdiente Anerkennung nicht vorzuenthalten sein. Vor­zügliche Aufmerksamkeit ist dem Gegenstände in denjenigen Landesteilen zuzuwenden, in welchen zu landwirtschaftlichen Zwecken das Brennen von Mooren und Haiden üblich ist. Der Minister spricht in seinem Erlaß vom 27. Mai die bestimmte Erwartung aus, daß alle dazu berufenen Be­hörden ihre volle Energie aufwenden werden, um der jähr­lich wiederkehrenden Kalamität der Waldbrände möglichst Schranken zu setzen und die Schädigung des National- Vermögenö zu vermeiden, welche die unausbleibliche Folge einer laxen Handhabung ver bestehenden Strafbestimmungen ist. Bis zum 1. März 1882 sollen die Regierungen an­zeigen, welche Maßregeln sie im Sinne der vorstehend an- gedeutelen Gesichtspunkte getroffen haben und wie viele An­zeigen und Bestrafungen wegen Verletzung der gesetzlichen

Der Dreibirlenhos.

Roman von August Butscher.

(Forffetzung.)

Martha schloß Eva immer inniger ans Herz, Denn sie liebte in ihr nicht nur die Stütze, sondern mehr noch die Hingegangene und Den Citronensepp, für den sie mit ver­knöcherter Zähigkeit die Brautrechte Mariens auf Eva übertragen hatte.

Es war einer jener Morgen, an denen der alte Winter und der junge Frühling ihre Kräfte an einander versuchen und in den Zügen des Alten die Bitterkeit des Grolles liegt, während in denen des Jungen mit rotem Freuden­strahl die Siegeshoffnung leuchtet.

Thomas Bitterle schritt dem Dreibirkenhof zu, um dem Schultheißen Briefschaften zu bringen und Befehle entgegen zu nehmen. Er war ein vielbeschäftigter Mann, denn nicht nur diente er als Polizeidiener, sonvern auch das Amt eines Briefträgers war ihm aufgebürdet, und seine spitzen Schultern trugen noch die Last des Nachtwächterdienstes; doch behauptete die böse Welt, daß er letzteres Amt nur in der Neujahrsnacht ausübe, weil es am andern Morgen Speck, Brot und Mehl einzusammeln galt. Man hätte meinen sollen, daß eine solche Aemterlast ihn niederdrücken würde; es war jedoch das Gegenteil der Fall, denn alles an ihm war aufgeschossen, am meisten die Ohren und Die Stimme, Die immer schriller unD schueidmver wurde, je öfter er ein Duett mit der alten Martha auf dem Drei­birkenhof abfistelte.

Er war in Uniform, wenn man einen geflickten Rock mit roten Aufschlägen so nennen will. Weißgraue Zwilch - Hosen schlotterten um seine langen Steckend ine. An der Seite trug er einen kurzen eingerosteten Säbel, Den er mit Vorliebe Schwert betitelte. Sein Gesicht lag seit et iger Zeit in ernsten Falten, denn er hatte vor einigen Wochen wieder geheiratet, und zwar mit Berechnung eine Dorf­insassin, die einige hundert Gulden Vermögen besaß. Der

und polizeilichen Bestimmungen zur Verhütung von Wald- bränden in den beiden Jahren 1880 und 1881 im dor­tigen Bezirke vorgekommen sind.

Berlin, 7. Juni. Von verschiedenen Seiten verlautet, daß die Ernennung des Kultusministers Herrn v. Putt- kamer zum Minister des Innern in nächster Zeit zu er­warten steht. Gleichzeitig soll Dann, wie man wissen will, Die Ernennung des Regierungspräsidenten Herrn v. Wolff znm Kultusminister erfolgen. Wir geben diese Nachrichten wieder, ohne irgend eine Verantwortlichkeit für dieselben zu übernehmen. — Der Abg. Engen Richter fährt trotz der ibm von der „Prov.-Korr." zu Teil gewordenen Belehrung fort, in den für die Erzeugnisse seiner Feder bereiten Blättern Klage darüber zu führen, Daß das ministerielle Blatt seine, Eugen Richter's, Reden nicht vollinhaltlich mit­teilt. Da Herr Richter unmöglich so naiv ist, wirklich zu glauben, daß dies die Aufgabe der „Prov.-Korr." jemals sein könnte, so kmnzeichnel sich Herrn Eugen Richters Schmerzensschrei sofort als sehr unlautere Wahlagitation, welche den Stempel der beabsichtigten Täuschung an der Stirne trägt. — In parlamentarischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß es möglich sein wird, die Session des Deutschen Reichs­tags zwischen dem 20. und 25. Juni schließen zu können. — Es bestätigt sich, daß der Reichskanzler die Frage der Einführung einer Tabaksabrikalssteuer ernstlich in Er­wägung zieht. — Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Unsere Nachricht von der bevorstehenden Beilegung DeS sogenannten Trierer Konflikts wird mit dem Bemerken bestätigt, daß der Dr. Reiß, welcher auch den Verhandlungen mit dem Kardidal Jacobini beigewohnt, zum Bistumsverweser er­nannt werden soll. Es mag dahingestellt bleiben, ob dieser oder ein anderer wirklich der designierte BiStumSverweser sein soll. Jedenfalls glauben wir, daß der Fall so acut nicht ist, wie eS noch vor Kurzem erschien. — Die „Ger­mania" dementiert aufs Entschiedenste, daß in der Centrums­fraktion eine Spaltung in Nuancen vorhanden, deren Re­präsentanten Windthorft und von Franckenstein sein sollen, und schreibt: „Es ist ja eine allbekannte und durchaus nicht sonderlich auffallende Thatsache, daß die Institution des Volkswirtschaftsrats von einigen Mitgliedern des Cen­trums milder beurteilt wird, als von den anderen. Daher erklärt es sich auch sehr wohl, daß in der betreffenden Kommission nicht sämtliche Vertreter deS Centrums ihre Stimmen in demselben Sinne abgaben. Aber es ist für jeoen Kundigen ebenso bekannt, daß der Abg. v. Francken­stein in dieser Angelegenheit in demselben Sinne votieren wirv, wie der Abg. Windthorft." — Die Vorlage betr.

Vielgereiste hatte aber nicht bedacht, daß seine nunmehrige Hälfte das verschricenste Zankeisen des Dorfes war.

Heute brachte Der Wiener Dem Schultheißen einen Brief aus Der Stadt, den er vorsorglich in sein blaubetupfteö Taschentuch eingewickelt hatte. Der Dreibirkenbauer drehte chn einigemal in der Hans um, ehe er ihn öffnete. Es fielen sechs kleine Stücke Papier heraus, Die Der Wiener Diensteifrig aufhob, währenD sein Vorgesetzter Den Brief las. Dieser trug zierliche Züge und war von Frau von Bern, Die in Der Waldangelegenheit an Den Birkenbauer schrieb. Der mehrmals erwähnte WalD war immer noch nicht verkauft, Da Frau von Bern mit kluger Berechnung Den Preis immer höher schraubte, unD Die beiden Haupi- ccncurrcnten sich mit verbissener Zähigkeit immer höher steigerten. Der Brief schloß folgenoermaßen:

„Schließlich labe ich Sie und Ihre Angehörigen auf heute Abend 6 Uhr zu einem Conzert freundlichst ein, das Herr Conzermeifter Guiekunft auf meine Anregung im Saale Des Gasthauses „zum Erlenbusch" veranstalten wird. Sie können bei dieser Gelegenheit einen ausgezeich­neten Sänger bewundern, Der sich zum ersten Male hier hören lassen wird. Damit Ihre Neugierde höher gespannt wird, verrate ich Ihnen, daß der erwähnte Sänger Ihnen nicht ganz unbekannt ist. Es giebt vielleicht Gelegenheit, nach Schluß deS Conzertes über den Waldkauf etwas EiwgülligeS zu bereden. Ich lege sechs Freibillete bei, Die Sie nach Gutdünken verteilen mögen. Aurora von Bern."

„DaS heiß ich eine Ehre," murmelte bet Schultheiß, nachbern er gelesen. An ben Sänger dachte er kaum. Was kümmerte ihn dieser?

Er kannte allerdings Leute genug in der Stadt, aber um Conzerte hatte er sich nie sonderlich gekümmert. Heute war DaS anbers, denn ber verfluchte Wald ging ihm stets im Kopfe herum.

„Laß bie Dinger ba einmal sehen," sagte er zu dem Wiener, Der bie Billete wie Spielkarten in Der linken Hand aufreihte und wohl mit sich zu rate ging, ob er nicht

die Errichtung deS Reichstags-Gebäudes ist der Akademie für das Bauwesen zur Begutachtung unterbreitet.

Breme«, 6. Juni, lieber den Zollanschluß Bremens berichtet die „Wes. Ztg.": Seitdem vor mehreren Wochen hier Besprechungen mit Herrn Oberzollinspektor Kloster­mann stattgefunden haben, sind die Verhandlungen über die Modalitäten eines etwaigen Zollanschlusses Bremens fortgeführt worden. Wie wir hören, stehen der Erfüllung der bremischerseits für unerläßlich gehaltenen Forderungen noch strikte Instruktionen der Unterhändler entgegen. Nicht allein der Wunsch nach erweiterten Freivierteln scheitert an der von Berlin aus erhobenen Forderung, daß kein Frei­viertel bewohnt sein dürfe, sondern eS tritt sogar dem bremischen Plane, die Territorien am Sicherheitshafen und auf dem Melkerplatze zu Freivierteln zu machen, die Schwie­rigkeit entgegen, daß man auf Grund strikter Instruktionen nur ein einziges Freiviertel zulassen zu können glaubt. Wie hoch sich. die Kosten des Anschlusses für Bremen stellen werden, läßt sich noch nicht genauer angeben. Man wird sich glücklich schätzen dürfen, wenn die auf Bremen fallende Hälfte der Kosten mit 20 Millionen auch nur annähernd zu decken ist.

Karlsruhe, 7. Juni. Die Lehrerversammlung wurde durch den Vorsitzenden des Centralausschusses, Oberlehrer Mörle - Gera, eröffnet. Bürgermeister Schnetzler begrüßt namens Der Stadt, Oberschulrat Hamburger namens deS OberschulratS die Versammelten. Nach dem Erscheinen des Großherzogs beginnen Die Verhandlungen. Das erste Thema behandelt die These: „Zur Hebung des Schulwesens sind die freien Lehrervereine und Lehrer - Versammlungen ein ebenso notwendiges als erforderliches Mittel." Referent: Schulrat Hoffmann-Hamburg. Die These wird als Reso­lution einstimmig angenommen. Zweites Thema: „Die religiös-sittliche und nationale Erziehung in der modernen Volksschule." Referent: Lehrer Schuhmacher-Worm«. Hier­auf bezügliche Resolutionen werden mit überwiegender Majorität angenommen.

Heidelberg, 5. Juni. In kompakter Einmütigkeit und vollständiger Einstimmigkeit hat der deutsche Kriegerbund heute hier auf seinem 10. Abgeordnetentage die Beschlüsse des Frankfurter Krieger-Kongresses am 9. und 10. Mai d. I. angenommen. Hiermit ist, unter Zustimmung von 1500 Krieger-Vereinen des KriegerbundcS mit weit über 100 000 Mitgliedern „Der deutsche Kriegerverbano", daS ist die Vereinigung aller Kriegervereine im deutschen Reiche zu einem einzigen Verbände, beschlossen.

eines heimlich verschwinden lassen sollte, aber die Anrede seines Vorgesetzten vereitelte das Kartenkunststück.

„ES sind Erlaubnisscheine für ein musikalisches Theater," beeilte er sich zu sagen, „was man auch Billete heißt; als ich noch in Wien gewesen war, habe ich öfters solche ge­schenkt bekommen zum Skanvalmachm im Theater, was man auch Bühne heißt."

„Schweig mit Deinem Altweibergeträtsch," sagte bet Schultheiß scharf. „Ich mein’, ich sollt' hinein, nicht wegen den Papierschnitzeln ba, — baS Gelb würbe mich nicht genieren, wir habens, wir könnens geben, Gott Lob; aber vielleicht kann ich den Höhlenhofern Eins aufzünden, ber Walb muß mein werben, um jeden Preis I"

Er schnellte ben Oberleib zurück und warf bie Billete auf ben Schreibtisch.

Wie mit sich selbst rebenb, fuhr er fort:

»Die Ev' muß mit, sie hat lang genug Grillen feil» gehabt, sie soll sich sehen laffen, wir habens, wir könnens geben, Gott Lob I"

__________________________(Fortsetzung folgt.)_______________

Landgraf Konrad von Thüringen, Hochmeister des dentfchen Ordens.

Landgraf Hermann I., der letzte Stammhalter des thüringisch-hessischen Fürstenhauses, jener achtbare Fürst und Freund Der Musen, starb im Jahre 1218 mit Hinter­lassung dreier Söhne: Ludwig, Heinrich RaSpe und Konrad. Ludwig, der älteste Sohn, folgte dem Vater in der Re­gierung, die beiden andern wurden mit Apanagen ab­gesunden.

Landgraf Ludwigs IV. Regierung war nur von kurzer Dauer; er starb im Jahre 1227 zu Otranto auf dem Kreuzzuge, sein Leichnam aber wurde nach Thüringen ge­bracht und im Kloster Reinhardsbrunn beigesetzt. Ludwig hinterließ eine junge Witwe von 20 Jahren, Elisabeth, bie Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn, einen Sohn, Hermann und zwei Töchter, Sophie uno Gertrure.