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Marburg, Mittwoch, 8. Juni 1881.
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Wie«, 4. Juni. Das Herrenhaus nahm den deutschen HitndelSverWg an und nahm dann die Wahl der Delegierten vor, wonach der Ministerpräsident Graf Taaffe im Auftrage des Kaisers den Reichsrat vertagte. — General Ignatius hat sich durch einen Schuß in das Herz entleibt.
Rom, 4. Juni. Die Regierung ernannte Oberst Velini und Major Boselli zu Kommiffaren bet der GebietSabtre» tung an Griechenland. — Einer Meldung des „Diritto" zufolge wird der italienische Gesandte in Brüflel, Ostiani, nach München gehen.
Paris, 4. Juni. Eine tunesische Mission unter Premierminister Mustapha wird Donnerstag hier erwartet.
Loudo«, 4. Juni. Das Unterhaus setzte in der Abendsitzung die Debatte über daS von Mac Carthy beantragte Tadelsvotum Men die Regierung stegen des Vorgehens in Irland fort. Der Antrag wird mit 130 gegen 22 Stimmen abgelehnt. — Die beurlaubten Offiziere der in Irland stationierten Regimenter sind beordert, sofort zurückzukehren. 400 Mann Gardetruppen maschierten gestern von Dublin nach New-Pallas ab, um das dortige Kastell zu besetzen und die Ordnung herzustellen. Die Truppen sind beordert zu schießen, falls Widerstand geleistet werden sollte.
Petersburst, 5. Juni. Kaiserliche Ukase entheben den Kriegsminister Miljutin und den Generalgouverneur von Finnland Graf Adlerberg III. auf deren Bitten wegen ihrer zerrütteten Gesundheit ihrer Stellungen. Wannowski wird zum Kriegsminister, der Chef des Generalstabs Graf Heydn zum Generalgouverneur von Finnland ernannt. Ein kaiser- llcheö R-skripl verleiht dem Grafen Mlljutin die Porträts des verstorbenen und des jetzigen Kaisers, mit Diamanten auf der Brust zu tragen. — Vom 13. Juni sind die Zollgebühren pro Pud Jute 40 Kopeken, für Jutesäcke, Leinensäcke und grobe Emballagegewebe zwei Rubel, für Jute- dielenläufer, Hanf und dergleichen 50 Procent höher gegen den bisherigen Tarif. — Das „Journal de St. PeterS- bourg" erklärt die Meldung der Blätter, der frühere Finanzminister Abaza habe vor seiner Entlassung über das Vorhandensein einer erheblichen Anzahl falscher Kreditbillete — angeblich 10 Prozent des Gesamtumlaufs — einen Bericht erstattet, für vollständig unbegründet. Das Totale aller falschen Kreditscheme im Jahre 1880 habe 97,000 Rubel betragen.
Bukarest, 4. Juni. . Gradisteano interpellierte im Senate über die Donaufrage, der Ministerpräsident verlangte, daß diese Frage zuerst der Errninister auSeinander- setze. Boeresco rekapituliert die Angelegenheit wie dieselbe bei Schluß der letzten Session der Donaukommission ge- standen habe. Er fügt hinzu, daß die Regierung seitdem zur Ansicht gelangt sei, daß eine von der Donaukommission unabhängige Seitenbehörde, ob dieselbe aus drei oder aus vier Delegierten bestehe, selbst nach Aushören der Donaukommission gegen den Vertrag verstoße. Die von Oesterreich gemachten Konzessionen wurden von dem Exministerium als ungenügend betrachtet, jedoch habe letzteres in münd- lichen Verhandlungen in eine Spezialkommission, welche von der Donaukommission abhängig sei und in allen Streitigkeiten Deren Entscheidung anrufe, eingewilligt. Die Uebernahme des Präsidiums sei eine Frage drö Ueberein- kommens, aber kein Privilegium; eine dominierende Stimme dürfe es nicht haben. ES sei der Regierung jedoch nicht gelungen, die Mächte für diese Änstchttn zu Minnen. Der Ministerprästoent antwortet, er glaube, daß nichts kom- prornitiert sei, er verlange jedoch, um handeln zu können, das Vertrauen nicht tAti bet Majorität, sondern äitch der Minorität. Theodor Rosctti erklärte namens der Opposition, daß letztere in dieser Frage Vertrauen zür Regierung habe. Der Senat ging schließlich zur Tagesordnung über. — Auch in der Kammer wurde die Regierung gestern Über die Donaufrage interpelliert. Zonesen verlangte die auf die Vorlage bezügliche Korrespondenz mitgeteilt. Seitens der Regierung wurde eine Antwort auf Montag zugesagt. Die Meldung von einer unmittelbar bevorstehenden Reise des königlichen Paares ins Ausland bleibt unbestätigt.
Athen, 4. Jittii- Die Gesandten btt Mächte teilten gestern Communduros mit, daß die Mitglieder der Kommission zur Absteckung der griechisch-türkischen Grenze und zur Ausführung der Konvention bereits ernannt worden seien.
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Berlin, 4. Juni. Der „Reichsanzeiger" schließt einen der längeren Wirksamkeit des verstorbenen Ministers Grafen Fritz Eulenburg gewidmeten Nachruf mit den Worten: „Sein Name gehört der Geschichte an, seine Verdienste um das Vaterland sichern ihm eine Stelle unter den ersten Staatsmännern Preußens. Das Andenken an die edle Einfachheit und Liebenswürdigkeit seines Wesens wird allen, denen es vergönnt war, ihm persönlich oder düttklch Mer zu treten, unvergesien bleiben." — Der Reichskanzler hat unterm 31. v. Mts. an den Bundesrat den Antrag gelangen lassen, daß der bürch die Beschlüsie vom Mai 1879 und vom 14. April 1880 für den Umlauf der Reichs-" kassenschcine in Abschnitten zu 20 Mk. und 5 Mk. bestimmte Betrag von je 40 000 000 Mk. auf je 10 000 000 Mk. herabzusetzen und die Reduktion teils durch Umtausch gegen 50-Markscheine neuer Ausgabe, teils im Wege der alljährlich stattfindenbeu Einziehung von 3 659 320 Mk. in Reichskassenscheinen zu bewerkstelligen sei. Begründet wird bet Antrag durch en Hinweis auf die geringe Beliebtheit der zu reduzierenden Markscheine, die in Der Regel alsbald nach der Verausgabung toieoet zu dtN Kassen zurückzu- strömen pflegen. Die dagegen auszugebenden Reichskassenscheine von 50 Mk. würden im Gegenteil beim Publikum um so willkommenere Aufnahme finden, als das künftig für diese scheine zur Anwendung kommende Pflanzenfaserpapier einen wirksamen Schutz gegen Fälschungen bietet. Die Vorarbeiten für die Herstellung der Scheine ans solchem Papier sind so weit vorgeschritten, daß demnächst mit der Ausfertigung solcher Scheine und zwar zunächst zu 50 M. begonnen werden kann. — Hebet die Erklärung der national- liberalen Partei wird offiziös geschrieben: „Das gestern veröffentlichte natioiiallibürale Programm ist offenbar ein sehr wohlmeinendes Schriftstück, destomehr aber läßt es die ' Bestimmtheit der Auffassung gegenüber Den mannigfachen schwebenden Fragen vermissen.. Man kann daher von dieser Aeußernng nur geringen Einfluß auf die nächste Entwickelung erwarten. Die Entscheidung übet die wirkliche praktische Stellung bet Partei ist mit dieser Kundgebung nur vertagt." — Die Abgeordneten Bebel und Liebknecht demen- tieren die Nachricht, wonach sie für den Fall der Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Leipzig in der Schweiz ihren Aufenthalt nehmen wollen. Sie erklären, es falle ihnen nicht ein, Deutschland zu verlassen. — -fach den „Dresdener Nachrichten" werden Fritzsche und Vahlttich demnächst nach Amerika auswanderN. — Aus freikonservativen Kreisen verlautet, daß der Abg. v. Kardorff mit der Formulierung eines Vorschlages Mr Revision der Getränkesteuer beschäftigt sei. — Dr. Schliemann ist vom Magistrat zum Ehrenbürger von Berlin ernannt worden. Diese Ernennung wird der Stadtverordneten-Versammlung zur Zustimmung zugehen.
Hannover, 29. Mai. Der sechste deutsche Schmiede- lllg, welcher gegenwärtig hier versammelt ist, nahm einstimmig folgende Resolution an: Der Schmiedetag erkennt in dem Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung bez. der Innungen, einen dankenswerten Schritt auf der Bahn zur Hebung oes Kleingewerbes und bedauert die Verstümmelung der Regierungsvorlage durch die Beschlüsse der zweiten Lesung im Reichstage. Sollen die Innungen für die Gewerbetreibenden Wert erhalten, so ist der § 100 e in der Kommissionsfassung, wonach unter gewissen Voraussetzungen nur Jnnungsmeister Lehrlinge zu halten befugt sein sollten, wieder herzustellen. Auch muffen hie Urteile der JnnnngSschiedsgerichte bei Streitsachen bis ;«r Höhe von 50 Mark endgültig fein. Ferner wurde beschlossen, beim Reichstage um Beseitigung der Privatärbeiten l» Militärschmieden zu petitionieren.
, Hamburg, 5. Juni. Der Senat begleitete die Veröffentlichung der Aktenstücke in betreff des Zollanschlufses wst der Erklärung, daß er seinerseits bereit ist, die vorbe- holtene Zustimmung zu erteilen, sobald auch die Bürger- ^ast ihm ihr Einverständnis ausgesprochen haben wird. Krner heißt es: „Die Verständigung ist im wesentlichen der Grundlage vollzogen, welche der Senat in Aussicht Knvmmen und den Vertrauensmännern im Voraus mit* tWeÜt hat. Der Senat ist überdies der Ansicht, daß eine lVerständigung unter günstigeren oder auch nur gleich gün- gwn Bedingungen, wie sie uns jetzt geboten Eden, weder Mher zu erreichen gewesen wäre, noch später zu erreichen Ml würde. Er hält deshalb die Erteilung der Vorbehalten Zustimmung für durchaus geboten uno zweifelt nicht, FB auch die Bürgerschaft bei eingehender Erwägung der Pnamtlage sich dieser Auffassung anschließen werde." I Mannheim, 5. Juni. Vor Beginn des Zuge« bei
Hessen-Nassau.
Marburg, 7. Juni. (Kriegerfest.) Begünstigt vom schönsten Wetter brachten gestern alle Eisenbahnzüge und alle Wege Krieger und Gäste, so daß Marbürg einem Wallfahrtsorte glich und die Erwartung, das Kriegerfest werde ein Volksfest werden, sich in überraschender Weise erfüllte. Trotzdem Jupiter pluvius sich am Nachmittage weniger gnädig zeigte, ging der Festzug, bei dem sich außer den erschienenen fremden Kriegervereinen fast alle sonstigen hiesigen Vereine beteiligten, und der mit seinem Fahnenwald einen recht guten Eindruck machte, ohne Störung durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt, begleitet und gefolgt von einer zahllosen Menschenmenge. Auf dem Kämpf- rasen angekomm.n, begrüßte das Mitglied des Verbands- Borstands, Herr Heinemann aus Kassel, in lebhafter Rede die Teflnehmer, schließend mit einem stürmisch aufgenommenen 3 maligen Hoch auf unfern allverehrten Kaiser. Nun entwickelte sich innerhalb des Festplatzes, den außerdem noch Jne nach Tausenden zählende Menschenmenge umwogte, ein fröhliches urgemütliches Treiben, zumal in den Bierhallen, da der .lange Weg und die Hitze anscheinend großen Durst erzeugt hatten; Kameraden, die sich, wer weiß wie lange nicht gesehen, trafen einander, Fremde lernten sich kennen, die Jugend tanzte und ließ sich auch durch den späteren kurzen Gewitterregen nicht lange stören. Kein Mißton störte die Freude, alles machte fröhliche Gestchtex und das zwischen 9 und 10 Uhr abgebrannte Feuerwerk konnte die allgemeine Lust nur steigern. Trotz der eingetretenen Kühle brach beinahe der neue Tag an, ehe die Letzten den Festplatz verließen.
Marburg, 7. Juni. Des dritten Feiertags und des Kriegerfestes wegen bitten wir unsere Leser sich mit einer halben Zeitung für heute gefälligst begnügen zu wollen.
staffel, 4. Ium. Gestern verstarb hierselbst der frühere knrhessische Staatsrat und Finanzminister a. D. Dr. Karl . vvu Dehn-Nothfelser. ............. ,.s_ ....._____
Staffel, 4. Juni. Die Stichwahl trn ersten hessischen Reichstagswahlkreis findet am 10. Juni statt. Das Er- gebnis wird am 14. Juni, Morgens 9 Uhr, im Rathause zu Wolfhagen festgestellt.. y 1
Hauau, 4. Juni. Das Vermögen der hiesigen com- munalständigen Leihbank betrug am RcchnungSschluk 1880 ♦
^ark 35 Pfg. es hat sich im Jahr 1880 um 33119 Mk. 76 Pfg. vermehrt. Auf die Aktiva entfallen 3 336 524 M. 93 Pfg., auf die Passiva 2 805 844 M. 58 Pfg.
Ems, 4. Juni. Die Königin von Sacfifen ist um 11 Uhr nach Luxemburg abgereist.
Frauksurt, ,5. Juni. Gestern Abend wurde die elektrische Eisenbahn auf dem Ausstellungsplatze dem Betriebe übergeben. Dieselbe fährt von ihrer Einsteigestation am Aussichtsturm abgehend durch den von Herrn Siesmaver angelegten Berggarlen (Schwergege'nd), passiert auf ihrer ca 200 Meter langen Bahn verschiedene Tunnels, um schließlich wieder bei der Einsteigcstation anzukommen. Die eleganten Waggons nebst Lokomotive und die ganze elektrische Anlage wurde von der Firma. Siemens und Halske in Berlin unter Leitung des Physikers Herrn Dr. A. Nippold ausgeführt. Die ganze Anlagd läßt erwarten, daß Fachmänner sowohl wie Laien der Miniatur - Äsenbahn ihren ungeteilten Beifall nicht versagen werden.
Biebrich, 2. Juni. Bestossene Nacht wurde in das Bureau der Stadtkaffe eingebrochen, der Thäter bediente sich zur Ausführung seines Vorhabens einer entwendeten Leiter, legte diese im Hofe des Rathauses neben dem AcciS- gebäube an und drückte eine vorher, zur Verhütung von Geräusch, mit Lehm bestrichene Fensterscheibe ein, woraus derselbe in das Vorzimmer gelangte. Hieraus sprengte er mittelst einer gleichfalls entwendeten Maurerklammer Schubladen und Schränkchen, ohne seine Bemühungen belohnt zu finden. Der vorsichtige Beamte hatte seine Kasse im diebessicheren Geldschrank geborgen, welcher unberührt blieb. Unter Zurücklassung der Leiter und Klammer zog der bis jetzt unermittelt gebliebene Einbrecher wieder ab.
ggflel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a.M.; öaflfenftein L Bögler in
dem hiesigen Sängerfest brach ipt Gebäude der Weichgummi- Fabrikation der hiesigen amerikanischen Gummifabrik ein mächtiges Feuer ans. Das Gebäude ist vollständig im Niederbrennen und mehrere Nachbarhäuser sind stark beschädigt.
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(Harders Jahres-Uhren.) Wie staunenswert auch Die Fortschritte find, welche seit Huggens (f 1695) tn bet Urmacherkunst gemacht worden sind, so hat es doch bisher nicht gelingen wollen, Stand, oder Wanduhren von einfacher Konstruktton und allgemeiner BrauchbarkeÜ her- zuftellen, welche langer als 8 ober höchstens 14 Lage gehen. Der Grund davon lag darin, daß man ftfan Zuteiler aufzufinben wußte, der mit dem schwingenden P^del dieselbe Zuverlässigkeit gemein hat, vom Wio.-rstandd der
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition i. Blatte! sowie d. Annoncen-Bureank von ®. 2. Daube 16o. in ^gnnürta.3W; JLgerffche Buchhandlung daselbst»; tzermannffche Duchhandl. Haseidst; JuvaMendauk in
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