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fflnrfiurg, Donnerstag, 2. Juni 1881.

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-rs-ei-t tS^ich außer au den Weritagen »ach Gon». nn> Feiertag en. Preis für das Quartal mit der wdchentlichen Beilage3I»fhrtrtH kouutagSdlatt" durch die Orpcbitisn («och'scke Bnchdruckerei) b-rog-n 3fc «art, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 3 «art 50 Pfg^cl. Bestellgebühr)?- JnseMonSgebühr für die gespaltene Me 10 »f.

Für in der Expet ition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d- Anuoncen-Bureauk von ®. L- Daube 4 So. in Frankfutt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sch« Bu ch Handl, daselbst; Jnoalidendauk i» Berlin; D- LdirneS i» «derseld: 6. Schlotte i» Bremen.

Ins eigen nimmt emgegen. u( Expedition d.Blattes, kovied^Annoncen.Bureaur von Th. Dietrich L So. in Saffel und Hannover; Th. Rettich in Frankstltt aM.; Saaseußeiri & Bögler in sreRttutt a- Di., Berli», Zeipzis, »H ^d°!f Aoße 'M Lett.», 3tad-

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Bestellungen für den Monat J«ui der Merhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage Jllustrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

SM- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. vberh. Zeitung.

Deutsche» Reich.

Berlin, 31. Mai. DerNorddeutschen Allg. Ztg." zufolge leidet Fürst Bismarck seit einigen Tagen an rheu­matischen Schmerzen und ist deshalb genötigt, das Zimmer zu hüten, weshalb er auch an den Reichstagsverhandlungen in den letzten Tagen nicht teilnehmen konnte. Nach einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten sollen die Civilsupernumerarc vor bestandener Prüfung die Bezeichnung Civilsupernumerare führen. Nach bestandener Prüfung sind dieselben im Bureaudienst zu Eisenbahn-Bureau-Assistenten, im Stations- und Expeditionsdienst zu Eisenbahn-Stations- Diätaren zu ernennen. Die Militäranwarter führen vor bestandener Prüfung die Bezeichnung Eisenbahn - Bureau- Aspiranten im Bureauoienst und Eisenbahn-Stations-Aspi­ranten im Stations- und Expeditionsdienste; nach bestan­dener Prüfung sind dieselben zu Eisenbahn-Bureau-Assistenten bezw. zu Eisenbahn-Stations-Diataren zu ernennen. Die zur Deckung eines vorübergehenden Bedürfnisses aushilfs­weise Angenommenen sind als Eisenbahn-Bureau-Gehilfen bezw. Eisenbahn-Stations-Gehilfen zu bezeichnen. Die von dem ärztlichen Centralausschusse wegen Aufhebung des Selbstdispensierrechts der Homöopathen beschlossene Eingabe ist dem Fürsten Bismarck als Ministerpräsidenten zugestellt worden. Sie weist, wie die hiesige klinische Wochenschrift bemerkt, eingehend nach, daß die zu gunsten der Homöopa­thie erschienenen Ausnahmegesetzelediglich aus irrtümlichen Voraussetzungen hervorgegangen, mit dem Geiste der Medi­zinalgesetzgebung schlechterdings nicht in Einklang zu bringen und von höchst nachteiliger Wirkung sind. Durch das Selbstdispcnsierrecht der Homöopathen sei der Irrlehre Hahnemanns erst Dauer und Bestand verliehen, und mehr clls alles andere habe gerade die Homöopathie dazu beige­tragen, die Begriffe der Menge in bezug auf die Heilkunde und deren Vertreter zu verwirren und jeder anderen Art des Mediziualbetrugs Thür und Thor zu offnen." Die Bitte geht nun dahin, die Abstellung des beklagten Uebel- standeS zunächst in Preußen anzuregen, dann aber auf die verbündeten deutschen Regierungen einzuwirken, damit sie

Der Dreibirkeahof.

Roman von August Butscher

(Fortsetzung.)

Marie fuhr nach kurzer Ruhe fort, und ihr Blick wurde noch ätherischer und suchte wieder das kurze Stück­chen Himmelsblau, während sie sagte:

Und Blumen, Blumen mußt Du schaffen, Eva, ich will in Blumen schlafen, viel, viel Blumen. Und weiß will ich liegen in den Blumen, mit einem Kranz in den Haaren, nicht war, Eva, Du schaffst mir Blumen?"

Ihr Auge sah mit ängstlicher Spannung nach Eva, die wie unter der Matter seufzte.

Wenn es Gottes Wille ist, daß es wird, wie Du glaubst," preßte Eva endlich hervor,so will ich alle Blumen schaffen, die noch zu haben sind auf stundenweit; aber sprich nicht so vom Sterben, Du bttchst mir das Herz ab."

Sie sank auf den Stuhl am Fußende des Bettes, und ihr Kopf sank schwer auf vie Kante nieder. Leise rannen ihre Thränen aus den weißen Ueberzug, und krampfhaft bebte ihr Oberleib.

Du mußt Dich ttösten," sagte mild die Kranke, der es auch heiß und brennend in die Kehle stieg. Aber sie überwand sich und fuhr fort:

Es ist gesorgt für Dich und ihn, Eva, und es wird wohl auch wieder sonniger werden im Dreibirkenhof, wenn Du einmal fort bist und sicher bei einem Mann, der Dich nähren und schützen kann. Ich sehe es gut mit meinen kranken Augen, wie es bei meinen Brüdern steht, und bet' »och m der letzten Stund', unser Herrgott rnög's zum Guten wenden."

in demselben Sinne ihre Gesetzgebung einrichten. Zu § 13 des Unfallversicherungsgesetz ist von der konservativen Fraktion folgender Antrag eingebracht worden:Die Verstcherungs- prämie ist zu zwei Dritteln von dem Betriebsunternehmer, zu einem Drittel für diejenigen Versicherten, deren JahreS- verdienft über 1000 Mark beträgt, von dem Versicherten, bei den anderen von den Bundesstaaten aufzubringen, für deren Rechnung die Versicherunsanstalt verwaltet wird. Fünf Jahre nach Inkrafttreten dieses Gesetzes findet eine Revision der Bestimmungen über Aufbringung der Ver­sicherungsprämie statt. In der gestrigen Sitzung der Kreissynode Berlin-Cölln Stadt ist von dem Fabrikbesitzer Heckmanll folgender Antrag eingebracht worden:Die Synode richtet an den synodalen Hofprediger Stöcker die brüderliche Ermahnung, von seiner agitatorischen Thätigkeit in der Judenfrage als dem Amte eines evangelischen Geistlichen nicht angemeffen Massen zu wollen. Die Synode ging mit 26 gegen 23 Stimmen über den Antrag zur Tagesordnung über. Der Antragsteller sagte u. a.: Wohin cie Judenhetze führt, das beweisen uns leider die Vorgänge in Rußland. Stöcker bemerkte: Ich stehe in der Judenfrage nicht auf dem Standpunkte des Angriffs, sondern auf dem der Verteidigung. Gerade die Vorgänge in Rußland bestärken mich in meinem Vorgehen. Ich will durch mein Vorgehen gerade verhüten, daß solche Zu­stände wie in Rußland bei uns einmal Platz greifen. DieKreuzz itung" schreibt:Ob in Gambetta's eigentlicher Gesinnung eine Aenderung der Mäßigung eingelreten, darüber wird uns jedenfalls erst die Zukunft belehren, wie wir anderseits die rasch wechselnden Stimmungen in Frank­reich bei unserer Berechnung nicht außer Ansatz lassen dürfen. Unter allen Umständen gebietet die Vorsicht, auf den Mangel provocierender Aeußerungen in Cahors und auf den Gegensatz der dort gehaltenen Rede zu der in Cherbourg, welche ja auch noch neueren Datums ist, nicht etwa unsere gesamte Politik zu bauen. Wir fürchten sehr, daß, wenn wir uns einschläfern ließen, sehr bald Konse­quenzen hieraus gezogen würden, welche wir hinterher be­klagen würden."

Hambarg, 31. Mai. DerHamburger Korrespondent" hört, der Senat werde in der morgigen Sitzung der Bürger­schaft die in der Zollanschlußangelegenheit Hamburgs zu erwartende Vorlage noch nicht einbringen, da das vorliegende Material zu umfangreich fei, als daß es bis jetzt schon hätte bewältigt werden können.

München, 29. Mai. Der diesjährige Geburtstag des deutschen Kaisers hat, wie auö guter Quelle verlautet, zu einem Briefwechsel zwischen dem heiligen Vater und dem Kaiser Anlaß gegeben. Der heilige Vater hat dem Kaiser in warmen Worten seine Glückwünsche dargebracht, zugleich von neuem der Mission gedenkend, welche ihm dem Papste zur Wiederherstellung deS kirchlichen Friedens

Eva fuhr auf.Du mußt mirs verzeihen, Marie," sagte sie weich,daß ich keinem Deiner Brüder mein Herz hab' zuwenden können, und es wär' ja doch nicht gut ge­worden, vielleicht schlimmer, als es leider Gottes jetzt noch ist."

An das denk' ich nicht," war die Antwort MattenS; das Herz kann man nicht hinschenken wie einen Edelstein, oder verkaufen wie eine Ware; und die Rettung ist ja, so weit wie ichs übersehen kann, in Deiner und in seiner Hand."

Sieh den Ring da," flüstette sie, und ein Engels­lächeln verklärte ihr totbleicheS Gesicht,verspttch rnirs auf die Hand, daß Du ihn von mir tragen willst als Erbe und daß Du ihn anfehen willst, als wenn er ihn Dir selber angesteckt hätte als Pfand für den LebenSbund."

Mariens Auge blickte so fest, ja wie befehlend auf Eva, daß diese schweigend nickte.

Aber erst, wenn es vorbei ist," sagte die Sterbende fast laut und zog den Goldreif an die Lippen.Matthä weiß davon, und ihm werde ichs noch sagen, es kommt mir wie eine Ahnung, daß ich ihn noch einmal sehen kann in diesem Leben. Mein Vater muß mich gewährm lassen in der letzten Zeit, in der er mich noch hat. Er muß, er wird. Sage ihm, er möchte heraufkommen."

Die Kranke war in Aufregung gekommen, und ihr Auge belebte sich mehr als bisher. Eva ging schwankenden Ganges, die Schürze vor die müdgeweinten Augen gepreßt, hinunter in die Unterstube, und bald saß der Hofbauer tief eingebückt in dem Stuhle am Fußende. Ueber eine Viertel­stunde war er oben, uns als er wieder hinunterstieg, wollten ihm saft die Kniee brechen. Sein Gesicht war fahl, und kalter Schweiß feuchtete seine grauen Haarringel.

obliege. Kaiser Wilhelm hat in herzlicher Weise diese Wünsche erwidert und seiner Freude darüber Ausdruck g> geben, daß zunächst in den Diözesen Paderborn und Osna­brück eine geordnete Diözesanverwaltung wieder hergestellt ist, daran aber Vorschläge wegen einer analogen Regelung in den Diözesen Trier und Fulda geknüpft. Welche Stellung die römische Kurie zu dieser Anregung eingenommen hat, darüber ist noch nichts bekannt geworden, wohl aber wird man darauf rechnen dürfen, daß diesem direkten Meinungs­austausche zwischen den höchsten Trägern der weltlichen und der geistlichen Macht weitere Schritte einer gegenseitigen thatsächlichen Annäherung zur Anbahnung friedlicher Be- Ziehungen zwischen Staat und Kirche folgen werden.

Av-lims.

Wie«, 31. Mai. Das Abgeordnetenhaus beschloß mit 203 gegen 58 Stimmen, in die Spezialdebatte über den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung einer böhmischen Universität in Prag, einzutreten, nahm den Gesetzentwurf mit dem von der Linken beantragten Amendement betreffs der wissenschaftlichen Sammlungen an uns lehnte den An­trag Granitsch auf obligatorische vollkommene Kenittnis der deutschen Sprache jedes auf der böhmischen Universität Studierenden, der in die öffentliche Praxis eintritt, ab.

Prag, 31. Mai. Ein Handschreiben be« Kaisers vom 30. Mai, an den Ministerpräsidenten gerichtet, anerkennt die Vorbereitungen Prags zu dem Empfange des Kronprinzen- Paares und bedauert, die Festlichkeiten namens deS Kron­prinzenpaares dankend ablehnen zu müssen, weil der Ge­sundheitszustand der Kronprinzessin nach dem AuSfpruche der Aerzte gerade jetzt eine besondere Schonung erheischt und ihr nicht gestattet, an anstrengenden und ermüdenden Feierlichkeiten teilzunehmen. Da aber daS Kronprinzenpaar wünscht, sich baldmöglichst nach Prag zu begeben, ordnet der Kaiser an, daß von dem feierlichen Einzuge deS Kron­prinzenpaares in Prag abzusehen sei und bei der Ankunft daselbst am 8. Juni jeder offizielle Empfang zu unter­bleiben habe.

Paris, 30. Mai. In seinen Reden in Cahors zeigte sich Gambetta, wie sein Mundstück, derVoltaire", heute besonders betont, sehr friedfertig, zurückhaltend, beruhigend und gab sich selbst den Anschein der Bescheidenheit. Ganz anders sollte aber nach dem ursprünglichen Plane fein Auftreten sein: er wollte in Cahors offen mit seinem Wahlprogramm auftreten und Europa seine Politik im In- und auch im Auslande vorlegen, sobald er die Gewalt übernommen Hobe. Deshalb beobachtete er zuerst auch eine Haltung, als wenn er schon daS Staatsoberhaupt wäre, und führte sein Cahvrser Blatt, der Rcpublicain du Lot, am Tage seiner Ankunft folgende stolze Sprache:Die ergebenste und thalkräftigste Bevölkerung des Lot und der angrenzenden Departements kommt nach CahorS, um Gam-

Er rief feinem Oberknecht und gab diesem einen kurzen Auftrag. Zehn Minuten später rollte ein zweispännigeS Fuhrwerk im sausenden Galop aus dem Hof an den drei windumrauschten Birken vorbei der Stadt zu.

Droben faltete die Kranke wie betend die wachsbleichen Finger, als sie das Rollen des Fuhrwerks vernahm. Dann schloß sie die Augen, und schwerer und schwerer hob sich die totwunde Brust. Eva und Matthä saßen wieder, die Hände in der Schürze gefaltet, an dem Sterbebette.

Draußen heulte der Schneesturm, und drinnen flackette das Lichtfünkchen wie der Hauch eines Sterbenden in dem kaltem Atem, der durch die bleiumgitterten Fenster den Weg fand.

Drei Stunden waren schon unter dem knarrenden Tick- tack der großen Schwarzwälderuhr verronnen. Die bleiche Kranke war immer schwächer geworden, und immer fester krampften sich ihre Finger um das kleine silberne Crucifix. Ihre 2lugen wanderten suchend nach dem Fenster, und der schon halberloschene Sinn des Gehörs schien mit der letzten Spannkraft nach außen zu horchen.

In der Stube war es totenstill, und doch warm mehrere Personen da. Der Dreibirkenbauer saß wie ge­brochen am untern Ende des Bettes, an dem Martha und Eva mit gefalteten Händen standen.

In der fernsten Ecke stand Johannes und drehte seinen Hut rastlos in den zitternde» Händen.

Sein Auge war ttocken, und seine Blicke flogen von der Kranken nach dem Fenster und von diesem nach dem großen Kachelofen, welcher Mariens Bttt gegen» über stand.

(Fortsetzung folgt.)