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Marburg, Sonnabend, 28. Mai 1881.
xvi. Jatzrgaig
Lu eigen nimmt emaegen:
Srpedittoil d.Blatter, -osie d.Annoncen'Bnreaux von Th, Dietrich & So. in -affel und Hannover; Th. Dietrich in Kankfurt aJJl.; Ls-senst-in & Sagtet in Gurt a. M., Berlin. ZeiDliC- Siln ic.; Stabolf Pofit in Berlin, Fraol- fett e. SR. ic
(Olirrljtffifdic Zitmz
Anzeigen nimmt] entgegen die Lrpeditivn b.Btettd sowie d-Annoncen-Bureanr non 3. L- Daube 4 So. in Frankfurt a. M; JSger^sche Buchhandlung daselbst!; Hermann'sche vnchhandl. ♦ daselbst; Knaltdendanl in
Berlin; 88. Thiene- in Elberfeld: E. Schlotte in
Bremen.
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Die Fürsorge für den Handwerkerstand.
Die „Prov.-Corresp." schreibt hierüber: Es ist als ein wahrer Fortschritt zu begrüßen, daß jetzt fast allgemein die Thatsache anerkannt wird, wie der Handwerkerstand seit der Einführung der Gewerbeordnung mehr und mehr an innerem Halt verloren und seine Jnteresien hat vernachlässigen müssen, weil er der Stützen entbehrte, welche ihm eine gegliederte Ordnung und das durch äußere Einrichtungen gepflegte Gefühl der Zusammengehörigkeit hätte geben können. DaS Wohl der Gesamtheit litt darunter offenbar und die Klagen über die nachteiligen Wirkungen dieses Verhältnisses, die sich sowohl in den Leistungen, wie in den persönlichen Verhältnissen der Handwerker geltend machten, wurden allgemein erhoben, am meisten aber empfand der Handwerkerstand selbst die Folgen eines Zustandes, welcher ihm der sich immer mehr entwickelnden Großindustrie, wie dem sich breit machenden Pfuschertum gegenüber nicht den gehörigen Schutz und Halt bot und die Ehre und den gemeinsamen Geist deS Standes den auflösenden Tendenzen politischer und sozialer Natur mitleidslos preisgab.
Aus den Kreisen der Handwerker selbst kamen denn auch längst Bitten um Abhülfe der das Gewerbe untergrabenden und zerstörenden Verhältnisse, und von dieser Seite wurde als Mittel der Besserung unter Anderem eine Neugestaltung der Innungen und eine Neuregelung und gesetzliche Feststellung ihrer Befugnisse vorgeschlagen. Man überzeugte sich eben immer mehr, daß den Innungen für die Hebung des Kleingewerbes eine große Bedeutung beiwohne, weil sie allein eö möglich machen, daß mit den gemeinsamen Interessen auch diejenigen deS Einzelnen gefördert werden, und man hoffte, daß vor Allem, wenn das Handwerk nicht mehr sich selbst überlassen sei, auch daS Interesse des Einzelnen für daS Gewerbe sowohl wie für die Gesamtheit wachsen und sich beleben werde.
Aber den Klagen und Forderungen des Handwerks trat lange die Macht der damals fast unumschräntt herrschenden wirtschaftlichen Grundsätze entgegen, welche eine besondere staatliche Fürsorge für daS Wohl der Gewerbetreibenden
Der Dreibirkeuhos.
Roman von August Butschet lFvrtsehung.)
Sie ahnte freilich nicht, daß die Sttmmung deS jungen Tirolers nicht zum Singen und Spielen angethan war. Hätte sie von seinem stillen Gram, von all' dem was ihn bedrückte, gewußt, ihr gutes Herz hätte bm fröhlichen Wunsch nicht laut werden lasten.
Der Conzertmeister stimmte lebhaft bei, ebenso die meisten Bauern, die sich gleich herzudrängten. Lange sträubte sich der brave Bursche, besten Gedanken wieder draußen waren im Dreibirkenhofe bei seiner verblühenden Aster bei seinem verwelkenden Stern.
Eva bat mit ihren leuchtenden Augen und selbst Brinkmann stimmte in die Bitten ein, denn er ersah in dem Gesänge einen Blitzableiter für das Gewitter, das er vom Tische drüben deutlich hervorgrollen hörte. Endlich gab der Gedrängte nach, setzte seinen Hut mit der Aster und Goldtroddel - auf sein Kraushaar und sang, indem sein Auge in dm Abendnebel hinaussah, folgende Strophen:
„Es deckt sich der Nebel austs grünende Land
Und türmt vor die Sonne sich wie eine Wand, Die Wälder verschwimmen, es dunkelt der See, Die Wolke kriecht auf aus dem Thale zur Höh',
So ist mirs im Herzen, so dunkelt mein Blick,
So legt sich ein Schleier um mich und mein Glück, Die Sonne geht nieder von strahlender Höh', Der neblige Schleier heißt Kummer und Weh!"
Wieder wie damals am Abend der „Schulzenehre" war der Sänger in den düsterstm Ton verfallen; die Saiten
nicht als im Interesse der Gesamtheit liegend erklärten und die sogenannte Freiheit derselben auch nicht nach der Richtung beschränkt wissen wolltm, daß der Staat den freiwilligen Bestrebungen nach Einigung und Ordnung des Handwerks störend zu Hülfe käme. Die Herrschaft jener kalten Grundsätze ließ es lange zu einer rechten Würdigung der in den Handwerkerkreisen wahrnehmbaren Bewegung nicht kommen. Es wurden zwar im Verwaltungswege den Gewerbetreibenden auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen mancherlei Handhaben geboten, welche den Zweck hatten, die Bildung von Innungen zu erleichtern; aber die bestehenden Gesetze machten es unmöglich, denselben einen bestimmten Inhalt und die für ihre Lebensfähigkeit nötigen Befugniste zu geben. Das Bedürfnis nach einer wirksamen Neugestaltung des JnnungSwesens und demgemäß auch nach Abänderung jener gesetzlichen Bestimmungen wurde dadurch in Handwerkerkreisen nur noch lebhafter empfunden.
Es darf wesentlich als ein Verdienst der konservativen Elemente (und zwar in diesem Falle ohne Unterschied der Konfession) angesehen werden, wenn die herrschenden Vorurteile gegen die Neubelebung der Innungen allmählich schwanden und nun die staatliche Fürsorge und Zustimmung deS Reichstages den Verhältnissen des Handwerkerstandes stch zugewendet hat.
Man hat die neulichen Bemerkungen über Fürst Bismarck als „Anwalt des kleinen Mannes" so deuten wollen, als sollten alle bisherigen Bestrebungen und Verdienste um die äußere und sittliche Hebung des Handwerker- uno Arbeiterstandes geleugnet und gering geschätzt werden. Das sei ferne: die Bemerkungen richteten sich zunächst nur gegen die Ausbeutung der Bauern und Arbeiter zu politischen Zwecken und gegen ihre Vertretung durch die „berufsmäßigen Parlamentarier, welche unter dem Einfluß deS parlamentarischen Getriebes ihr Augenmerk mehr auf Fraktion und Parteipolitik, als auf das Sinnen und Trachten nach den Mitteln und Wegen richten, welche geeignet sind, den berechtigten Klagen des Bauern- und Arbeiterstandes abzuhelfen."
Die Wiederbelebung der Innungen ist recht eigentlich eine That konservativer Kreise: auch im Reichstage ist wiederholt von dieser Seite für die Interessen der Handwerker eingetreten worden, jetzt, wie es scheint, mit Erfolg. Die Regierung, eingedenk ihrer stets anerkannten Pflicht der positiven Fürsorge für die Handwerker, hat die ihr durch die Resolutionen des vorigen Jahres seitens der Mehrheit erklärte Bereitwilligkeit freudig begrüßt und dem gegenwärtigen Reichstage eine Vorlage unterbreitet, welche eine Wiederbelebung der Innungen bezweckt, insoweit dieselbe mit den allgemeinen Grundlagen der Gewerbegesetz- gebung und mit der Wahrung der allgemeinen Jnteresien verträgltch erscheint
seiner Cither schienen schmerzlich zu stöhnen unter den gebrochenen Aeeorden. Er sang sein eigenes Herzeleid, das unwillkürlich rührt. So schön wie eben hatte er ftüher selten gesungen, weil er jetzt am innigsten sang.
Der Conzertmeister hatte beim ersten Tone von Sepps Tenor staunend aufgehorcht, und als die kurzen Strophen zu Ende waren, stand der kleine blaugebrillte Herr an des Tirolers Seite und rief begeistert: e
„Ein lyrischer Tenor ersten Ranges! Ich segne die Stunde, die mich Sie finden ließ!"
Frau von Bern nickte wie träumerisch dem Conzertmeister zu, während Eva mit verschleiertem Auge hinaussah ins Abenddüster, als suche sie das Glück, das dem Geliebten verloren gegangen.
Die Bauern begriffen kaum das Staunen der Städter; nur der Schultheiß grübelte über dm Sinn der gesungenen Worte.
„Jetzt noch ein heitter Ton, mein Lieber, zum Schluß," fuhr Herr Gutekunst fort; noch ein Lied aus Ihren Bergen, in die Sie nie mehr zurückkehren sollen, wmn es in meiner Macht steht, Sie zu halten!"
@in Lächeln erhellte da des Tirolers wehmütige Züge, und fast triumphierend sah er nach den Söhnen vom Dreibirkenhof hinüber, die mit Zorn und weinglühenden Ge- stchtern drohend herüberstarrten.
„Nun, so mags fein, Herr Conzertmeister," sagte er; „noch eins, aber die Ev' muß mitstngm, die paßt so gut zu meiner Stimme und hebt sie ordentlich."
Eva nickte errötend. '
Sepp präludierte und begann das wohlbekannte Lied vom Bergsee, das er zuweilen an Sommeradenden auf der Bank unter ben brei Birken gesungen hatte:
Wenn auch nach dem bisherigen Ergebnis der Beratung nicht alle Wünsche und Hoffnungen des Handwerkerstandes erfüllt werden sollen, so wird derselbe doch hoffentlich in den Stand gesetzt, nach Maßgabe seiner eigenen Bereitwilligkeit und seines Eifers für fein Wohl die notwendigsten Einrichtungen zu treffen, welche geeignet sind, da« Gewerbe zu heben und einen Schutz gegen die ihm drohenden Gefahren zu bilden. Wenn die Innungen jedenfalls auch über ihren Kreis hinaus Einfluß auf das gewerbliche Leben und namentlich auf die Erziehung der Heranwachsenden lernenden Jugend üben, werden sie für den gesamten Stand heil- und segenbringend fein. Die demselben auferlegten neuen Pflichten sollen im Sinne der Vorlage teils durch neue Rechte, teils durch den Gewinn, welchen das korporative Leben für die Einzelnen mit sich bringt, reichlich ausgewogen werden, und es wird so nach der Absicht der Regierung und derer, die sie unterstützen, dem Handwerk die Möglichkeit gegeben, sich zu einem lebenskräftigen, gesunden Körper zu entwickeln, auf welchen die Gesamtheit mit Stolz und Befriedigung blicken tarnt.
Deutsche» Reich.
Berlin, 25. Mai. Der Kaiser nahm für Sonnabenq eine Einladung des Fürsten Bismarck zum Diner an. — Der Flügeladjutant Graf Lehndorff ist zum Generallieute- nant ernannt worden. — Den Meldungen der Blätter gegenüber, daß die deutsche Regierung aufgefordert worden sei, in der tunesischen Angelegenheit die Vermittelung zu übernehmen, ist die „Nordd. Allg. Ztg." in der Lage, zu erklären, daß von keiner Seite der deutschen Regierung ein derartiger Antrag gemacht wurde und daß ein etwaiger Antrag in dieser Richtung abgelehnt worden wäre.— Der „Reichs-Anzeiger" publizierte folgenden Allerhöchsten Erlaß an den Kultusminister: „Auf Ihren Bericht vom 27. v. M. genehmige Ich hierdurch die Berufung einer außerordentlichen Synode zur Beratung einer Kirchengemeinde- unb Synodal-Ordnung für die evangelisch-reformierte Kirche in der Provinz Hannover. Indem Ich Ihnen dir von Mir vollzogene Verordnung, betreffend die Zusammensetzung und Zuständigkeit der für die evangelisch-reformierten Gemeinden der Provinz Hannover zu berufenden außerordentlichen Synode nebst dem derselben vorzulegenden Entwurf einer Kirchen-Gemeinde- und Synodalordnung für die reformierte Kirche der Provinz Hannover anbei zugehen lasse, beauftrage Ich Sie> die Zusammenberufung der Synode alsbald zu veranlassen und über das Ergebniß ihrer Beratungen demnächst weiter zu berichten. Dieser Mein Erlaß und die Verordnung vom heutigen Tage, betreffend die Zusammensetzung und Zuständigkeit der außerordentlichen Synode, sind durch die Gesetzsammlung zu veröffentlichen. Wllhelm." Im Anschluß daran wird die Verordnung, betreffend die Zusammensetzung und Zuständigkeit der für
Die Luft ist hell, der See ist klar, Mein Schatz muß niederschanen, Ich steh' bei ihm und seh' fürwahr Die lieblichste der Frauen!
Und „„Holdioh, wer ist die Maid?"" '■ So fragt sie schlau herüber, „Das ist dein Bild, doch du, mein Freud', Du bist mir zehnmal lieber!" Holdioh!
'„„Und ist's mein Bild, so hol's heraus ' Und nimrn's in deine Stuben,""
„Da sieh hinab, mit Haaren krauS y* Siehst du noch einen Buben. , Und Holdioh, er kommt dir nah Und kann sogar dich küssen, Drum werden wir zum Bilde da Nicht 'nuntersteigen müsien!" Holdioh!
Das Liebchen bewegte sich in heiterer, fast neckischer Weise, unb es waren bie zwei kernfrischen Stimmen beim letzten „Holdioh" in raschen Terzengängen in jdie höchsten Töne hinaufgewirbelt, so daß sie sich in ihrer ganzen Fülle unb Schönheit entwickeln konnten.
DeS Conzertmeisters Augen strahlten, und fast hätte er Sänger und Sängerin umarmt
„Welche Acqnisition wären diese herrlichen Stimmen für unser Theater und für meine Konzerte," murmelte er.
Der Wagen war unterbeffen vorgefahren, unb Brinkmann atmete leichter auf bei bem Gedanken, daß ein Streit verhütet worden, als plötzlich vom andern Tisch ein sogenanntes „Trutzlied" erscholl.
(Korlj-tzuug folgt.)