Nr. laa.
Marburg, Donnerstag, 26. Mai 1881.
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ametgen nimmt emgegen: Ht Expedition d.vlattes, taste d.Anuoneen-Bureaux von LH, Dietrich & So. tu Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Bögler in KraÄfurt a- M., Berlin, geistig, tote re.; Rudolf IUe ix Berlin, Krank.
furt a. M- rc.
Srscherut tügltch außer au den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „UluftrirteS rnnnt«a»»lOtt" durch die Expedition (Jto»14e Buchdruckerei) bezogen 3i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr)/^ JnfertionSgedühr für die gespaltene Leu« 10 Pf, * * Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf,, berechnet.
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MB* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die «xped. d. vberh. Zeitung.
Deutsche« Sketch.
•• Berlin, 24. Mai. Es wird der Regierung vielfach zum Vorwurf gemacht, daß ste angeblich durch verspätete Vorlagen den Abschluß der Arbeiten des Reichstags verzögere. ES wird hierbei übersehens, daß einerseits das öffentliche Bedürfnis doch in der Zeit der RchchStagSsession nicht stille steht, mithin Vorlagen, die früher nicht so dringend erschienen, in der Thal zu irgend einem Grade der Dringlichkeit gedeihen können. Es wich ferner übersehen, daß die parlamentarische Entwickelung selbst sowie äußere Umstände oft Vorlagen Hervorrufen, deren Erledigung mit dem gegenwärtigen Reichstage noch notwendig erscheint. ES ist besonders in dieser Beziehung auf mannigfache Anträge auS dem Reichstage selber htnzuweisen, bei denen die vorbezeichneten Verhältnisse ebenso Einfluß üben, wie bei Anträgen der Regierung. Der Vorwurf hätte übrigens mehr Berechtigung, wenn wirklich der Reichstag die bisherigen Vorlagen schon jetzt oder in naher Zeit durchberaten hätte; er verliert an Gewicht durch die jederzeit unerledigt bleibenden Vorlagen, bei denen nicht die späte Einbringung die Schuld der Verzögerung trägt. — Von der österreichisch-ungarischen Regierung ist neuerdings die s. Z. an Deutschland gerichtete Einladung zum Anschluß an die zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien getroffenen Vereinbarung wegen des Schutzes nützlicher Vogelarten zur Sprache gebracht worden. Es erscheint daher, wie der Staatsminister v. Bötticher in einer der letzten Sitzungen des Bundesrats vortrug, angezeigt, der in Gemäßheit des Beschlusies des Bundesrats vom 9. Mai 1877 in Angriff genommenen reichsgesetzlichen Regelung des Vogelschutzes Fortgang zu geben. Der vom Bundesrat im Jahre 1879 genehmigte Entwurf eines Gesetzes ist vom Reichstage nicht genehmigt worden, da derselbe einer Kommission überwiesen war, im Plenum wegen Schlusses des Reichstags aber nicht zur Beratung gelangte. ES wird daher zu erwägen sein, ob und eventuell inwieweit bei Wiedervorlegung des Gesetzes auf die in jenem Beschlüssen der Kommission bezw. den Anträgen enthaltenen
Der Dreibirkenhos.
Roman von August Butscher LFortsetzung.)
„Verloren!" rief der Schultheiß, „es fehlen noch 10.“ Auch die Uebeigen gaben das Spiel für dm Tiroler ver- lorm, der zur letzten Kugel griff, scharf visierte und dann warf.
„Acht um den König,“ rief der Kegeljunge und machte drei Purzelbäume hinter einander.
„Kranz!“ jubelten Alle, nur nicht der Birkenhofer. Noch zitterte der König, aber er stand, und der glückliche Sieger konnte 12 zu den vorherigen 20 rechnen. Der Sieg war zweifellos, obwohl ihn kaum Jemand begriff, am wenigsten der Sieger selbst, der blaß vor Ueberraschung dastand.
Lächelnd beglückwünschte ihn Frau von Bem, und Eva weinte heimlich in ihr Taschmtuch. Rur Sepp gewahrte es! — Die Schüffel mit den 160 Thalern stand neben seiner Cither, und in seinen Hut daneben hatte der Höhlenhofbauer die übrigen 72 Thaler mit großem Geräusch und einer dummstolzen Gönnermiene geschüttet.
Der Citronensepp wollte daS Geschenk des Höhlenhofers zurückwcisen, aber da hals kein Widerstreben. Auch Frau von Bern weigerte sich, das was ste für ihn ausgelegt hatte, jetzt wieder zurück zu empfangen, indem sie heiter erklärte: „Ich war die unkluge Veranlasserin der Wette behalten Sie also den Siegespreis.“
Jetzt krachte der Böllerschuß, an den nur der Wimer als Präsident gedacht hatte, pnd dem Sieger wurde der mit Kränzen gezierte Hammel zugeführt. Dann wandte sich Sepp zu Eva, welche in seiner Nähe stand, und sagte tteuherzig und leise: „Ev', schau, den Hammel verehr' ich
Abänderungsvorschlägen Rücksicht zu nehmm sein möchte. Diese Angelegenheit ist den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Justiz zur Berichterstattung überwiesen worden. — Eine dem Oberpräsidenten der Provinz Westfalen seitens des Kultusministers gerichtete Verfügung in betreff der, Beschlagnahme von Kirchenbüchern und Siegeln, sowie der Etteilung von Kirchenbuchsauszügen in vakanten Pfarreien, ist auch den übrigen Oberpräst- denten zur Kenntnisnahme übermittelt worden. Diese Verfügung spricht aus, daß auch fernerhin an dem in dem Erlaß vom 21. Februar 1879 aufgestellten Gesichtspunkt festzrchalten ist, demzufolge solchen Kaplänen, welche nach ihrem ursprünglichen Auftrage zur Verwaltung des Pfarramts bei eingetretener Vacanz befugt waren, Kirchenbücher und Siegel zu belassen sind und die Erteilung von Kirchenbuchsauszügen zusteht. Ob ein derartiger Fall vorliegt, ist stets im besonderen Falle zu entscheiden, insbesondere hat der Artikel 5 des Gesetzes vom 14. Juli v. I. in dieser Beziehung eine Aenderung der Stellung der Kapläne nicht bewirkt, da er denselben, sofern sie nicht bereits vor dem zur Verwaltung des vakanten Pfarramts nach Lage des Falls berechtigt waren, die Vornahme derartiger Amtshandlungen nicht gestattet, welche die Absicht der Uebernahme des Pfarramts selbst zu erkennen geben würden. Als solche Amtshandlungen kennzeichnen sich die eigentlich pfarramtlichen Akte, also auch die Ertellung von Kirchenbuchsauszügen.
Berlin, 24. Mai. Die „Rordd. Allg. Ztg.“, den AuSfeldschen Antrag, daß zur Einbeziehung der Unterelbe in die Zollgrenze ein Gesetz erforderlich sei, besprechend, weist auf die entgegengesetzte, bereits im vorjährigen Beschlüsse ausgesprochene Ansicht des Bundesrats hin, dessen Recht keiner weiteren gesetzlichen Grundlage als des Artikels 33 der Verfassung bedürfe. Der Artikel schließt: „Wenn wir den Antrag in Zusammenhang bringen mit dem Anträge Richter-Karsten, so gemahnt es uns lebhaft an 1848, wo es üblich war, daß die Kammern und Landtage durch Resolutionen die Rechte der Regierungen in Besitz nahmen und ihren Willen uud ihre subjektiven Ansichten für geltendes StaatSrecht erklärten. Die Behauptungen, welche in den kombinirten fortschrittlichen Anträgen liegen, haben eine dezidiert revolutionäre Färbung, aber ste sind anachronistisch. Die verbündeten Regierungen werden ihre verfassungsmäßigen Rechte zu wahren wissen.“ Die „Norvd. Allg. Ztg.“ zweifelt nicht, daß die Regierungen in diesem Bestreben auf die Mehrheit des Reichstags rechnen können und daß nur bei den kombinierten Fortschritts- und Sozialdemokraten heute die Neigung gefunden werden könne, sich verfassungsmäßige Regierungsrechte durch revolutionäre PronunciamentoS anmaßen zu wollen. — Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich vor der heutigen Plenarsitzung dahin, am Freitag das Stempel- Dir, daß Du auch noch ein Andenkm an mich hast, wenn ich fort bin vom Dreibirkenhos und weit draußen in der Well; es wird so nimmer lang dauern, nach dem eben Vorgefallenen schon gar nicht, und wie es sonst stehl, weißt Du vielleicht besser als ich.“
Eva sah ihn mit einem Blicke an, in welchem Dank stiller Schmerz und sanfter Vorwurf sich mischten. Sepp fuhr fort:
„Du hast gar so viel gethan an der armen Kranken und thust es noch; das kleine Geschenk mit dem Hammel darfst Du nicht abschlagen, es würd' mich schier verdrießen, und das willst Du nicht. Also nimm ihn nur, und denk' eö sei zum Abschiev.“
In Evaö Augen standen zwei große Thränen. Sie sagte dann einfach, aber mit bebender Stimme! „Du bist so gut, Sepp, und ich nehm' Dein Andenken an, aber nicht zum Abschied, das wär' doch völlig gar zu traurig. Ich gönne Dir Dein Glück, das heut auf Dich geregnet hat, und mög' sich Alles zum Guten wenden für Dich — und mich," setzle sie schmerzlich hinzu.
Sie hatte fast zu viel gesagt, und errötend neigte sie sich auf bas bekränzte Tier und brach zwei Astern aus einem der Kränze, die eine steckte ste an ihre Brust, die andere gab sie dem Citronensepp mit den Worten: „Die Aster ist ein Blumenstern, ein letztes Geschenk vom Jahr'; mög' sie Dir Glück bedeutm für Deinen Weg, aus den ja auch die Himmelssterne scheinen!"
Sie wandte sich rasch,.währmd Sepp die.Aster an der Goldttoddcl auf feinen Hut befestigte.
Den zwei feindlichen Brüdern war dieser Vorgang nicht entgangen, und ste schossen Blicke des giftigsten Hasses auf den Cittonensepp.
steuergesetz und am Montag das UnsallversicherungSgesetz in zweiter Lesung zu beginnen und womöglich zu beenden. Der Reichstag dürste nach der Vertagung vom 2. bis 9. Juni noch etwa 14 Tage bis zum Schlüsse der Sesfion zusammenbleiben.— Die „Norddeutsche" bringt einen zweiten Artikel gegen Bennigsen, in welchem er gefragt wird, ob et Mittel kennt, die es möglich machen, mit einer anderen, zu jeder positiven Leistung unfähigen Partei wie die des Fott- schrittS zu regieren, ob er Mittel kennt, zwischen der natio- ualliberalen Partei und den Konservativen eine Verständigung herzustellen, welche irgend einer Regierung sichere und ständige Majoritäten gewähren könnte, so daß keine Schwankungm, kein „ewiges hin- und herschieben", keine „Unsicherheit" mehr stattfinde oder ob er das Rezept weiß, wie die CmtrumSpartei mit der Retchspolitik, so wie ste von der liberalen Partei verstanden wird, auSzusöhnen. Die „Nord- deussche" fürchtet, daß auch Herrr v. Bennigsen alle diese Fragen nicht zu seiner eigenen Befriedigung wird beantwotten können und daß er deshalb auf dem thatsächlich eingeschlagenen Wege, die Sttmmen seiner Freunde imGefolge der Fortschrittspartei abzugeben, der bestehenden Regierung ihre an sich schwierige Aufgabe zwar wesentlich erschweren, selbst aber den Weg zu ihrer Lösung nicht wird augeben können. — Aus Posen bringt die „Post" folgendes Telegramm: „An zwei Stellen find in vergangener Nacht geschriebene Plakate folgenden Inhalts angeklebt und von der Polizei sofort entfernt worden: „Tod den Juden. Bis Freitag 27. Mai, nachts 12 Uhr findet der Untergang und Tod sämtlicher Juden statt. Der Anführer A. W.“ Die Stadt ist in voller Aufregung. — Der Kaiser wird morgen das Diner bei dem Botschafter der ftanzöfischen Republik Grafen Saint Ballier einnehmen.
Göttingen, 21. Mai. Der Tumult ist verstummt, nicht mehr blinkt der blanke Säbel des eifrigen Polizei- kommissärs. Ruhig liegt das Städtchen wieder da, während stch auf den Flügeln der Druckerschwärze die Schreckensnachricht nach allen Richtungen der Windrose verbreitet. Der offene Widerstand hat sich freiwillig — nicht durch einschüchternde Drohungen, wie man von einigen Seiten zu behaupten beliebt — umgewandelt in Verhandlungen mit den zuständigen Behörden, deren Resultat so oder so für den späteren Besuch der Georgia Augusta nicht ohne Einfluß sein wird. Ein Gesuch der Studentenschaft liegt zur Unterzeichnung auf, welches dem Magistrat von Göt- tingen eingehändigt wird. Die Studentenschaft bittet darin nicht um Aufhebung der Polizeistunde, sondern darum, daß dieselbe nicht auf die geschlossenen Gesellschaften ausgedehnt werden möge, ferner wünscht sie, daß die Studmten in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag ohne irgend welche Einschränkung die Wirtshäuser besuchen dürfen. Zweitens wird die Studentenschaft einen Protest gegen die Art der Verhaftungen und die Behandlung der verhafteten Stu-
Der Kegeljunge sühne den Hammel auf Evas Weisung hinaus nach dem Dreibirkenhos; eS folgten ihm keine Segenswünsche, wie ste sonst der Bauer bei der Vermehrung seines Viehstandes empfängt.
An dem Miitelllsch saßen nun wieder die »origen Gäste. Frau von Bern war in heiterer Stimmung; der Schultheiß spielte den Gleichgültigen mit ziemlich vie Geschick und ließ die beißenden Anspielungen des Höhlenhofers unbeachtet.
„Was soll ich nur mit dem vielen Geld anfangen?“ sagte scherzend der Cittonensepp, indem er die gefüllte Schüssel bettachtete.
„Wissen Sie was?" enoieberte lachend die Frau von Bem, „leihm Sie mtt das Geld, ich werde es redlich verzinsen.“
„Mr soll es schon recht sein,“ war deS Tirolers halb- verwundeNe Gegmäußerung, „aber Sie brauchen doch das Geld nicht, gnädige Frau."
„Wer kann'S wissen!“ sagte sie lächelnd, riß ein Blatt aus ihrem Taschenbuche, und in einigen Augenblicken hatte Sepp seinen Schuldschein, und das Geld war in der Kutsche der etwas excmtrischen Dame untergebracht.
Die Bauem stießen sich an und kamen aus ihrer Verwunderung gar nicht wieder heraus, nur „der Wimer“, behauptete, daß er Sehnliches schon in Wim öfter gesehen habe.
„Und jetzt noch ein Lied!" rief Frau von Sern nach dem Citronensepp hinüber.
„Wenn man so glücklich gewesm ist, muß man dm Tag mit Gesang beschließen.“
(Fortsetzung folgt.)