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Marburg, Mittwoch, 25. Mai 1881.

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gnieigen nimmt emgegen: Ht Expedition -.Blattes, (0®ie d.Annoucen-Bureaux von Th. Dietrich & (Jo. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Kankfutt a.M.; Heeserchern & Vogler in

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Hnjeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b.Snnoncen-8utetnn von G. L- Daube * (Jo. in

Frankfurt a. M; JLgerffche Buchhandlung daselbstl; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin: fc. Thiene« in Ab«seld: S. Schlotte in Bremen.

Erscheint täÄich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wvchentlicken Beilaa, 31nWvivt#« hr* m.

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5ür m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Bestellungen für den Monat Juni der Bberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

938** Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Deutsche« Reich.

Berti«, 23. Mvi. Heute sind zwischen der Reichsregierung und dem Präsidium des Reichstags die Vereinbarungen behufs der weiteren Arbeiten des Reichs­tags getroffen worden. Hiernach wird man annehmen können, daß der Reichstag über Pfingsten hinaus seine Beratungen fortsetzen wird, um nach bett Pfingstferien namentlich in die dritte Lesung der bis dahin noch nicht erledigten Vorlagen einzutreten. Gestern hat der Staats­sekretär des Reichsamts des Innern, Staatsminister v. Bötticher, dem Kaiser über das Ergebnis der Verhand­lungen, welche behufs Abschlusses von Handelsverträgen Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn und der Schweiz stattgefunden haben, Vortrag gehalten. Die Vollziehung beider Verträge soll in den nächsten Tagen erfolgen. Es haben die Verhandlungen, wie ich gegenüber den verschie­denen pessimistischen Darstellungen schon früher konstatieren konnte, im Vergleich zu den früheren Beratungen ein er­freuliches Resultat ergeben. Mit beiden Ländern ist ein neuer Vertrag, der auf der Basis der Meistbegünstigung beruht, abgeschloffen worden, und zwar derjenige mit Oesterreich-Ungarn für den Zeitraum bis 1887 und der­jenige mit der Schweiz auf fünf Jahre. Nach der Voll­ziehung gelangen die Verträge zunächst an den Bundesrat, dem alsdann die Ueberweisung an den Reichstag obliegt. Der elsässische Reichstagsabgedrdnete Goldenberg hat bei der Debatte über die Geschäftssprache des Landesaus­schusses von Elsaß-Lethringen eine Rede gegen die Aus­schließung der französischen Sprache gehalten, welche an der Wirklichkeit nicht entsprechenden Behauptungen und Klagen über die reichsländischen Verhältnisse wahrlich keinen Mangel leidet. Unter anderem äußerte der von oppositionellen Zeitungen fälschlich als einer der maß­vollsten Autonomisten bezeichnete Abgeordnete in seiner Rede vom 30. April:Sie müssen nicht vergeffen, m. H>, daß unö sozusagen fast alle öffentlichen Aemter ver­schlossen sind, jedenfalls die höheren Funktionen." Wie der Unterstaatssekretär Dr. v. May in seiner Erwiderung w....... -nrrTH--7--.....-i ' .......

Der Dreibirkeuhof.

Roman von August Butscher (Fortsetzung.)

Beifällig nickte ihm Frau v. Bem zu, aber zum Tode erschrocken sah chn Eva an. Der Lehrer war zu ihm ge­treten und wollte ihn beschwichtigm, den Sepps Vorschlag war so ungehörig für den armen Burschm, so ungeheuer­lich, daß benen, bie ihm gut waren, für seinen Verstaub bangte.

Es herrschte lautlose Sülle, selbst ber Kegelbube war herbeigekommen, unb ber Wiener vergaß ganz, seinen offnen Munb zu schließen.

Unb mit was willst Du halten, Du blutarmer Tropf?" rief ber Schultheiß, in welchem Zom unb Mitleid mit einander stritten.

Ich stehe für ihn ein," entgegnete Frau v. Bem, in­dem sie wieder ihre Börse hervorzog.

Ich Habs gehofft, gnädige Frau," sagte der Cittonen- sepp mit bebender Stimme und die Kugel, die er be­reits in der Hand hielt, gitterte. Schon bereute er halb seine Unbesonnenheit.

Wenn es so ist, so können wirs zufrieden fein, sagte ber alte Birkenhofbauer und warf mit gewaltigem Ruck seinen Oberkörper zurück.

Wir habens, wir tonnens geben, Gott Lob! Wir hallen mit, und wenn Du verlierst, Sepp, und Du mußt verlieren, so kannst Du Dein Hemd vom Leib »erlaufen und betteln gehen, mich solls nicht kümmem!"

Auch er begann jetzt den kecken Burschen zu haffcn. Die Söhne waren mit dem Vater völlig enwerftanben, und ihre Augen brannten wie flackernde Kerzen hinüber nach

hervorhob, hat sich nun aber die Landesververwaltung von Elsaß-Lothringen bei jedem Anlaß bemüht, in zuvorkom­mendster Weise den Landesangehörigen den Eintritt in den Dienst zu erleichtern. Speziell in den letzten Monaten ist man dabei weit unter das Maß der Anfordermtgen heruntergegangen, welches für Anstellung unter elsaß-loth­ringischer Verwaltung durch die betreffenden Regulative festgesetzt ist. Die Zahl der im Lande geborenen Beamten im Allgemeinen ist übrigens keineswegs unbedeutend. Schon vor vier Jahren zählte man in der Landesverwal­tung unter 5585 Beamten aller Kategorieen 1657 aus Elsaß-Lothringen; bei den Reichs-Eisenbahnen gab eS im Etatsjahr 1877/78 unter 11199 Beamten nicht weniger als 5013 Eingeborene. Wenn nun von diesen nahezu 7000 Elsaß-Lothringem ein unverhältnismäßig geringer Teil den höheren Beamtenkategorieen angehört, so trifft dabei die deutsche Regierung keine Schuld. Der Grund davon liegt eben darin, baß trotz ber gebotenen Möglich­keit und trötz aller Erleichterungen nur wenige aus den gebildeten Klaffen der Bevölkerung sich um Stellen in der höheren Verwaltung bewerben. Diejenigen Eingeborenen welche nach dem Kriege im höheren öffenllichcn Dienste verharrten ober bemselben sich widmeten, haben, namentlich in ber ersten Zeit, seitens ber französischen Presse unb nicht selten auch seitens ber eigenen Landsleute Anfeindung und Verdächtigung genug erfahren was wohl Manchen abgeschreckt haben mag, ihrem Beispiele zu folgen. Uebrigens glaube man nicht, daß solche Klagen, wie die deS Herrn Goldenberg nicht auch zur französischen Zeit laut geworden seien vielleicht waren sie damals mehr berechtigt. So citiert dieGemeinde-Zeitung für Elsaß-Lothringen" aus Anlaß der Goldenberg'schen Rede einen Passus aus einer Broschüre, welche im Jahre 1832, also unter Der liberalen Julimonarchie zu Straßburg in beiden Sprachen erschienen. Derselbe lautet:Die Regierung scheint es darauf anzu­legen, das Elsaß wie ein erobertes Land zu behandeln. Warum zwingt sie dieser schönen Provinz, deren Sitten, Sprache und Gewohnheit, so ganz lokal sind, stets öffent­liche Beamte auf, die derselben fremd sind. Sollte das Elsaß bie einzige französische Provinz sein, welche baS dr- müügende Privilegium hätte, keinen einzigen talentvollen Mann für bas Verwaltungsfach aufweisen zu kön­nen? Daher kommt es aber, baß bie Elsässer sie sollten mit ben ihnen aufgedrungenen Beamten in gutem Vernehmen stehen, unb biefer Zwiespalt ist natürlich ihrem Jntereffe höchst nachteilig." Wie gesagt, vielleicht waren Klagen biefer Art damals mehr berechtigt als jetzt. Viel- leicht auch nicht! Vielleicht zeigten bie gebilbeten Klaffen des jetzigen Reichslandes damals ebensowenig Neigung zum höheren Verwaltungsdienst als jetzt, vielleicht zogen sie auch damals andere Berufsarten vor. Wenn man freilich heut­zutage nach Frankreich selbst hinüberblickt so sieht man dort

dem Kühnen, hinüber nach Eva, die, dem Weinen nahe, das Kleid der Fran von Bern gefaßt hielt. Diese aber lächelte unb spielte mit ihrer grünseidenen Börse, während der Conzertmeister bedächtig seine blaue Brille putzte. Die Höhlenhofer grinsten höhnisch.

Der Schultheiß hatte unterdeffen den Wirt herbeigerufen, der einen Teil des Einsatzes beschaffen mußte, denn so viel Geld trugen Vater und Sohn doch nicht bei sich. Ter Inhaber des Lerchenflügels brachte eine Porzellanschüssel, in die ber Einsatz eingezählt würbe. Es standen auf Seite der Birkenhofer unb der Frau von Bem 24 Thaler und das große Goldstück. 12 Thaler waren des Tirolers Ein­satz, von denen Frau von Bem 6 eingelegt hatte, und es mußte also die Letztere für die weiteren fünf Würfe ihres Schützlings 60 Thaler einlegen; die Birkenhofer zählten ebenfalls 60 Thaler ein, denen Fran von Bem noch ein Goldstück beifügte. Den Goldstücken gegenüber hätte der Cittonensepp eine gleiche Anzahl einlegen müssen, dies wurde aber einstweilen unterlassen, beim es war nachgerade allen klar, daß ber vornehmen Dame nichts baran lag, ihr Geld an ben armen Tiroler zu verlieren.

In der Porzellanschüffel lagen nun 144 Thaler blank und zwei Goldstücke im Werte von etwa 16 Thaler, sodaß über 160 Thaler auf dem Spiele standen.

Die Höhlenhofer waren zur Zeit völlig unbeachtet ge­blieben, wollten sich aber doch nicht ganz auf die Seite bringen lasten, unb ber Alte tief herausfordernd:

»Da liegen immer noch' 12 Thaler int Sand, ich setze auf 5 Kegel für den Cittonensepp fünfmal sechs, also 30 Thaler, wer will dagegen?"

Ich will," sagte der Dreibirkenbauer höhnisch; und im Nu hatten die beiben Kampfhähne jeber noch 30 Thlr.

nicht wenige ber ausLewanderten Elsaß Lothringer in ange­sehenen, einflußreichen unb einträglichen Amtsstellungen. Dieser Tage erst verstieg sich ein radikales Blatt sogar zu der Behauptung:Nous sommes gouvernes par des Alsaciens". In ber Fremde, losgerissen von ber Heimat, da gilt es boppelt, sich eine Existenz zu sichern, und die« wird den exportierten Elsaß - Lothringern von der dritten Republik auch nach Möglichkeit leicht gemacht.ES ist in neuerer Zeit wiederholt vorgekommen, daß Kandidaten des höheren Lehramts, welche vor ihrer etatsmäßigen Anstellung sich verheiratet hatten, nach erfolgter definitiver Bestellung es versäumt haben, ihre Ehegattinnen bei ber Allgemeinen Witwen-Verpflegungsanstatt einzukaufen. Diese Versäumnis hat in zweien zur Kenntnis des Kultusministers gekommenen Fällen bie betrfibenbe Folge gehabt, daß nach dem Tode ber betreffenben Lehrer bie Hinterbliebenen Witwen ohne jegliche Versorgung blieben. Um ähnlichen, baS Ansehen bes höheren Lehrerstandes unb bie Interessen seiner Angehörigen schwer schäbigenben Vorkommnissen vorzubeugen, veranlaßt der Mi­nister in einem Erlaß vom 17. Mai d. I. die Provtnzial- Schulkollegien, in jedem einzelnen Falle sich darüber zu ver- gewistern, ob ber vor feiner Bestellung verheiratete Kanbidat seine Ehegattin für ben Fall seines Tvbes gesichert hat. Wenn bies nicht geschehen, so soll das Provinzial - Schul­kollegium unter Beachtung ber Bestimmung ber Allerhöchsten Kabinetsordre vom 21. Oktober 1863 in geeigneter Weise darauf hinwirken, baß bieS geschehe. Im Falle einer Wei­gerung, bie Ehegattin sicher zu stellen, soll an ben Minister berichtet unb dessen Entscheidung eingeholt werben.

Berit«, 23. Mai. Der Handelsvertrag mit Oester­reich-Ungarn ist heute Vormittag, ber Hanbelsverttag mit der Schweiz wird heute Abend vollzogen. Die Ver­handlungen zwischen der Reichsregierung und dem Präsi­denten des Reichstags haben zu der Vereinbarung geführt, baß bie Arbeiten bes Reichstags. nach Pfingsten fortgesetzt werben. Prästbent Goßler wirb bem Hause Vorschlägen, am Donnerstag ben 2. Juni sich zu vertagen unb am 9. Ium die Sitzungen wieder aufzunehmen. Die z oeite Lesung bes Stempelabgabengesetzes wirb am Freitag biefer Woche, die des UnfallverstcherungsgesetzeS am Montag biefer Woche stattfinden. Nach ber Haltung des CentrurnS zu ur­teilen, wirb ber Antrag Ausfeld in ber Hamburger Sache, ber am Mittwoch auf Die Tagesordnung gestellt wirb, schwerlich zur Annahme gelangen. Der BunbeSrat nahm heute ben Antrag Sachsens, betreffenb bie Er­höhung beS Zolls auf unbedruckte Zeug- und Wolle- Waaren an. DieNorddeutsche" schreibt: Die Rede des Herrn von Bennigsen vom 5. Mai ist in der öffentlichen Meinung als eine Art von Absage gegen bie jetzige Regierung aufgefaßt worden und ihren damalige« Zuhörern hat sie in der Mehrzahl diesen Eindruck gemacht. ES muß das im Tone des Redners gelegen haben, denn in den Sand geworfen, fo daß jenseits jetzt auch 72 Thlr. lagen.

Unb noch was!" rief ber alte Höhlenhofer.Wenn ber Cittonensepp getot nt, so gehört all der Einsatz da sein, mir soll'S nicht darauf ankommen, wtt könnenS auch geben!"

Ja wohl," sekundierte der Höhlenlenz, ber für den Augenblick ben Flug durchs Fenster vergeffen zu haben schien unb .nur ben Birkenhofern Eins aufhängen wollte.

Jetzt war die Zeit zum Wurf gekommen, und Alles drängte sich ber Bahn entlang.

Sepp, ich bet für Dich!" flüsterte auf einmal eine zitternbe Stimme in bes Tirolers Ohr, dem vor Erregung der kalte Schweiß auf ber Stirne stand. Er wandte sich und sah in Evas angstvolles Gesicht. Ein dankbarer Blick war ihr Lohn.

Ich halt' Dir den Daumen," riefen mehrere Stimmen das sollte Glück bedeuten.

Sepp zielte, und die Kugel wirbelte hinaus.

Gefehlt I Der Vorderkegel steht noch. Dieser Fehlwurf bedeutete fast so viel als die Niederlage für den Citronm- sepp, denn jetzt sollte er in vier Würfen 30 Kegel nieder- strecken. Eine Art Wut ergriff ihn; ohne auf feine Um­gebung zu achten, warf er wieder, unb zwar 7 Stück. Der dritte Wurf lieferte sechs Kegel. Immer dichter traten bie Schweißperlen auf feine heiße Stirne, unb immer höhnischer wurde das Lächeln ber Birkenhofer: denn noch immer fehlten siebzehn Kegel, die in zwei Würfen fallen sollten.

Die fünfte Kugel folgte und klappernd stürzten sieben Kegel zusammen sieben, so viel und doch so wenig.

(Fortsetzung folgt )