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Marburg, Dienstag, 24. Mai 1831

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Unrecht bezeichne man diese Partei als »ine des Fortschritts, sie trage immer noch ihren alten Zopf. Und aus welchen Elementen setzt sie sich zusammen? Zum größten Teil aus den Wirtshauspolitikern, welchen keine Maßnahmen oer Regierung genügen, welche an allem etwas auszusetzen haben und sich in ihrer Weisheit für unfehlbar halten. Diese Leute haben nichts gelernt und nicht« vergesien. Schon im Jahre 1848 hätten sie ebenso rationiert wie jetzt und trotz der vielen Zugeständnisse, die sie erhalten, trotz unserer ganzen freiheitlichen Gesetzgebung nehme das alte Lied kein Ende. Daß sich in ihrer Mitte einzelne geschickte Agitatoren befinden, sei wahr. ES sei aber wohl zu bemerken, daß diese über alles ihre schlechten Witze machten, alles bemängelten und mißkreditierten, pofitiveS werde niemals von ihnen vorgebracht. (Bravo I)

Redner kritisiert nunmehr unter lebhaftem Beifall die Agitationsweise der Fortschrittspartei an einem Aufrufe des Herrn Liebermann. Steuern wolle er nicht bewilligen, aber leisten solle der Staat Alles. Wo das Geld hergenommen werden solle, darum kümmerten sie sich nicht. Man müsse sich wundern, daß die Angriffe gegen das Militärbudget nachgelassen, vielleicht beruhe es auf dem Umstande, daß Frank­reich seine Ausgaben für Kriegszwecke um das Doppelte erhöht habe. Man müsse wohl bedenken, daß Alles, was für das Militär verausgabt würde, wieder unter unser Volk zurückflösie und alle Ankäufe für dasselbe bei deut­schen Handlungen vorgenommen würden. WaS würde eS für einen Erfolg haben, wenn plötzlich einige hunderttausend kräftige Arme in das Volksleben zurückströmten? Nichts, als ein ungeheurer Druck auf den Lohn und die Presse der Lebensmittel.

Was Herr Liebermann über die hohen Steuern und die daraus entspringende Auswanderung sage, sei unwahr. Erstens seien die 130 Millionen, auf welche dieser Herr Bezug nehme, Zölle und keine Steuern. Der Unterschied sei wohl zu merken. Und dann habe die Auswanverung ganz andere Ursachen. Wohl wanderten wohlhabende Leute aus, denn das Proletariat habe schon an und für sich keine Mittel, die Reisekosten zu decken. Wenn aber wirk­lich die politisch Mißvergnügten und Unzufriedenen auS- zuwandern beabsichtigen würden, so habe er nichts dagegen. (Lebhaftes Bravo!)

Auch werfe Herr Liebermann den Konservativen vor, sie könnten nicht Steuern genug bekommen. Als ob die Konservativen grade ein besonderes Vergnügen am Steuer­zahlen hätten. Das sei eine Behauptung, die kein ver­nünftiger Mann glauben werde.

Redner glaubt sodann noch einige Worte dem Tabaks- Monopol widmen zu dürfen. Wenn der Staat allen In­teressenten eine vollständig genügende und gerechte Ent­schädigung gebe und dafür Sorge trage, daß insbesondere der Arbeiterftand dieser Branche nicht zu sehr geschädigt

Brettes für den Cittonensepp, und da mußten die Birken- hofer auch dorthin den gleichen Satz wenden. Sie thaten es mit zorniger Eile.

Jetzt flog die Kugel hinaus. Alle Augen folgten ihr, und ein allgemeines „Ah„! erscholl als sechs Kegel wie mit einem Schlage wegsplittcrten. Der Kegelbube machte einen Purzelbaum und der Cittonensepp strich die sechs Thaler mit dem Fuße zusammen. Die Höhlenhofer nebst dem von der Wasserkandel ließen chren Satz ruhig liegen, obwohl sie gewonnen hatten.

Der Schultheiß war mehr erstaunt als entrüstet. Tiefer wühtte eS in den Herzen seiner Söhne. Jever von ihnen warf nun drei Thaler in den Sand, und der Cittonensepp mußte seinen Gewinnst liegen lassen, wollte er nicht als ein Feigling erscheinen. Der Birkenhofdauer warf nachlässig sechs weitere Thaler dazu, denen der Tiroler nichts entgegenzusetzen hatte. Er erbleichte. Eva war ebenfalls erblaßt und griff heimüch in ihre Tasche: die Tasche war leer!

Frau von Bern verstand jetzt genug von dem Spiele, daß sie wußte, um was es sich handelte. Angeregt von dem Wettkampf zog sie ihre Börse und rief dem Cittonen-

werde, so werde er bei der hohen Bedeutung des Tabaks als Steuerquelle, für die Eüssührung des Monopols stimmen.

Weiter wolle er noch eine speziell hessische Frage betr. daS Feld- und Forstpolizeigesetz berühren, die dereinst so vielen und unnötigen Staub aufgewirbelt habe. Nicht allein bezüglich des Sammelns von Beeren und Pilzen sei cs beim Alten geblieben, sondern es sei auch keine Be­stimmung in das Gesetz ausgenommen, die nicht früher in Hessen Gültigkeit gehabt habe, viele seien im Gegenteil fortgefallen.

Zum Schluffe wolle er die anwesenden Konservativen an die wichtigste Aufgabe der Partei erinnern, an da« treue Zusammenhalten und die Einigkeit. So leicht daS bei regierenden Parteien sei, [um so schweren falle eS den positiv schaffenden. Schließe man sich daher eng an die Agrarier, die Sozial-Konservativen, die Christlich-Sozialen an. Alle diese Vereinigungen seien die Ausflüsse und ver­schiedenen Seiten einer großen Idee, die in ihnen einen mannigfachen Ausdruck gewinne. Richter habe gesagt: Nieder mit den Pfaffen und Junkern! Vergelte man nicht Böses mit Bösem. Die Konservativen möchten den Ruf erheben: Mit unfern Geistlichen, die es treu mit der Kirche meinen, mit unfern Gutsbesitzern, ob adlich oder bürger­lich, mit unfern Industriellen und Handwerkern für unser tteue^deutsches Vaterland. (Lang anhaltender, lebhafter

Der Vorsitzende spricht hierauf dem Redner im Namen der' Versammlung herzlichen Dank für seinen Vortrag aus und erteilt zu dem 2. Punttc der Tagesordnung: die Vorbe­reitung der Reichstagswahl, Herrn LandgerichtSrat Göbel das Wort.

Redner legt in klarer und übersichtlicher Weise die Pflichten dar, welche die KonservaÜve Partei, bezüglich der nächsten Wahl zu übernehmen habe und begründet ein­gehend und herzlich den Vorschlag des Vorstandes die Organisation der konservativen Partei in gesetzlich zuläs­siger Weise über ganz Hessen und Waldeck auszudehnen. Der Entwurf dieser Organisation, welche in ihren Grund­zügen auf der Einsetzung von Deputierten in den einzelnen Landrätlichen Kreisen und von Vertrauensmännern für die einzelnen Ortschaften besteht, wird von der Versammlung gebilligt und nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Heldmann, Pfarrer Eckhard und Hoffmann, Lehrer Wiegand, Gutsbesitzer Nöll, die Landtagsabgeord­neten Hellwig und Zimmermann beteiligen, wird ange­nommen.

Nachdem ein Antrag des Herrn Pfarrer Eckhard, be­treffend die Bildung eines Fonds zu Preßzwecken, sowie die vom Vorstand beantragte Namensänderung, der zufolge der Konservative Verein hier den Namen: Konservativer Verein

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- na» Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Slutitrte» LonutagSilatt" durch die Expedition tikock'scke Buchdruckerei) bergen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 «art 50 Pfg/kvA Bestellgebühr)? -Jns^onSgebÜhr für die gespalten! Me 10 «sa Für in der Sxpel ition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werde» 25 Pf,, berechnet.

„Ich setze gegen fünf Holz. Wer setzt mit mir oder gegen?"

daselbst; Mvclidendank in Berlin: «. Thiene« in Elberfeld; 6. Schlotte in Breme».

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Der Dreibirktvhvf.

Roman von August Butscher (Fottsetzung.)

„Ich wag's," rief der Cittonensepp aufspringend.

„Nicht ums Taschentuch," flüsterte er Brinkmann zu, der ihm einen erstaunten Blick zugeworfen, „nur wegen dem Uebermut von vorhin."

Eine allgemeine Bewegung entftanb. Fran von Bern nickte dem mutigen Tiroler freundlich zu, denn sie sah in seinem Entschluß eine Art RiUersdiensch Eva aber erbleichte, und doch freute sie sich halb über Sepps männlichen Stolz. Der Dreibirkenbauer war heftig aufgefahren, dann aber schmunzelte er spöttisch und ging mit den Uebrigen zur Bahn, die jetzt dicht umlagert war. Friedel und Johannes drängten sich in den Vordergrund, und aus ihren Augen sprühten Haß und erwartungsvolle Neugier. Eva stand gleichfalls hineingerissen in den Strudel, mit Frau von Bern, dem Conzertmeifter und dem Lehrer neben den Drei­birkenhofern.

Thomas Bitterle hatte feinen Platz hinter dem Tffch wieder eingenommen, schrieb und las dann mit seiner schrillen (Stimme, der er — nach feiner Meinung — ein vornehmes Näseln beigesellte:

„Vor dem Turnier erscheint Joseph Hofer, benamset der Cittonensepp, aus dem Passeyerthal in Tirol — auf Leben und Tod!"

Niemand lachte, denn die Aufmerksamkeit Mer war zu gsspannt.

Der Cittonensepp ergriff eine Kugel, und jetzt warf der Schultheiß einen blanken Kroiienthcller neben das Wurf­brett in den Sand und sagte ruhig:

Sogleich warfen Friedel und Johannes jeder einen Thaler zu dem ihres Vaters. Der Cittonensepp hatte also gegen sie drei Kronenthaler zu setzen. Er nestelte lange an seinem Lederbeutel, bis er die drei Kronenthaler kleiner Münze zusammenbrachte, was die Birkenhvfet höhnischem Lächeln begleiteten. Nun warfen anderseits die zwei Höhlenhofer nebst dem unterlegenen Bastian von ' Wasserkandel je einen Thaler auf die andere (Seite

sepp zu: „Sie erlauben doch, daß ich einftroeilen für Sie auslege." Mit diesen Worten warf sie sechs blanke Kronen­thaler zu den übrigen und ließ dann noch ein großes Goldstück zu dem Thalerhaufen fallen, indem sie sagte:

„Gegen fünf!"

„Wir alle gegen fünf!" riefen verwundert und trotzig Drei vom Birkenhof.

Allgemeines (Staunen, tiefe Sülle.

„Für den Cittonensepp auf fünf!" sagten nun die Höhlenhofer und der von der Wasserkandel, die ihren Ein­satz stehen gelassen hatten. Der Schultheiß mußte also auch dorthin noch sechs Thaler setzen DaS war etwa- Unerhörtes, und tiefatmend blickten Alle auf den Haufen Silberthaler und besonders auf das funkelnde Goldstück, das halb im Sande stak. Aus der Seite der Höhlenhofer standen also zwölf Thaler, auf der anderen aber vierund­zwanzig und das schöne Goldstück. Dem Cittonensepp schwindelte eS beim Anblick der Summe, die so nachlässig auf dem Sande lag. Wenn er verlor! — Er war ein so armer Bursche! — Er zauderte, seine Wangen glühten. Plötzlich schien er zu einem kühnen Entschluß zu temmen, sein Auge blitzte, und mit fester Stimme sagte er:

„Ich seh' schon, wo das hinziett; doch sei's drum! Hött also: Ich hab noch fünf Kugeln zu werfen und wette für jede Kugel auf fünf Kegel, aber so, daß die Würfe zusammengezählt werden müssen. Ich werbe also noch fünfundzwanzig Kegel haben müffen; wollt Ihr so roetten?"

Er sah erregt im Kreise umher; der Dämon des Spieles hatte ihn völlig erfaßt, und er sah nur Silber und Gold vor seinen äugen.

^Fortsetzung folgt)

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sOfsrt a M., Berlin,

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«-teigen nimmt entgegen: HeflfcptMtie» d.Blatte«, [geie d-Annoncen-Bmeaur gos Th. Dietrich & 6o. in Mel und Hannover; Th.

Him-tversamml««g des konservative« Vereins für »en Regierungsbezirk Kassel am 18. Mai.

(Vortrag des Herrn Justizrat Dr. Stimm, Mitglied des Abgeordnetenhauses.)

(Schluß.)

Nicht minder wichtig sei die Reform in wirtschaftlicher Beziehung und auf dem Gebiete des Steuerwesens, die Fürst Bismarck mit seltener Energie und Ausdauer inau­guriert habe. Der Schwerpunkt derselben beruhe in der Beseitigung der direkten Steuern und Deckung der hieraus erwachsenden Ausfälle durch die Zölle und indiretteu Steuern. Ein guter Anfang sei schon gemacht, hoffe man, daß auch das Ende gut werde. Den Konservativen sei eS zu danken, daß der bereits im vergangenen Jahre an die Einzelstaaten abgeführte Uebcrschuß der Zolleinnahmen zu einem dauernden Steuererlasse geführt habe. Allerdings habe auch die Fortschrittspartei für sich diese Ehre in An­spruch genommen, aber nicht das Wohl des Volkes habe sie zu einem Eintreten für einen dauernden Nachlaß be­wogen, sondern ein taktischer Zug, ein Wahlmanöver, wie mehrmals ausgesprochen worden, sei das Motiv zu dieser für die Fortschrittspartei sonst unverständlichen Handlungs­weise gewesen. Mit bezug auf diesen Umstand habe dazumal das Witzwort cirkuliert: Richter habe mit der Peitsche knallen wollen, sich aber selbst um die Ohren geschlagen. (Heiterkeit) Wir Konservativen würden dem Kanzler un­entwegt auf diesen neuen Bahnen seiner Wirtschaftspolitik folgen und es sei ein Moment von größter Wichtigkeit, daß man sich gerade in dieser Beziehung mit dem großen Slaats- mainte Deutschlands einig wisse.

Es genüge aber für die Konservative Partei nicht, nut die Ziele zu kennen, sondern sie habe auch die heilige Pflicht dieselben mit aller Entschiedenheit zu verfolgen und zur Vollendung zu führen. Wie Parlamente in Deutschland nun einmal zusammengesetzt seien, vermöge die konservative Partei das allein nicht, sondern sei immer mehr oder we­niger auf die Hülse der anderen Parteien angewiesen.

Vorerst seien die Sozialdemokraten gänzlich auszuscheiden, dieselben seien ein krankes Glied im Organismus des Staates, von ihnen habe man nichts zu hoffen und zu erwarten, als endgültige Besserung.

Auch auf die Nationalliberalen sei kein rechter Verlaß. Man habe allerdings gegenwärtig nicht viel mehr von ihnen zu hoffen oder zu fürchten, da ihre Reihen bedenklich zu­sammengeschmolzen seien und sogar die letzten Getreuen übet die Zahl der Mißerfolge, welche sie in ihrer politi­schen Laufbahn zu verzeichnen hätten, bedenklich geworden wären. Redner hoffe, daß auch dieser Partei endlich einmal die Augen über die falschen Ziele aufgehen möchten, welche ste sich gesteckt habe.

Die enragiertesten Gegner bet Konservativen finde man in den Reihen der Seeessionisten und Fortschrittler. Mit

Anzeige» nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Amwncen-Buremq von e. L- Daube 16c. tn

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