Rr. 119.
Mlaröucg, Sonntag, 22. Mai 1881.
XVI. «Iahrgasg
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jin,eigen nimmt emgegeu: »ir Expedition d.vlatte», .-»sie d-Annoacen-Bureau- von Th. Dietrich & So. i Raffel und Hannover; TI Dietrich in Frankfurt a.M. hgafenftd« & Bögler i Frankfurt a M., Berlii 8-ip»ig, Ski» tu; Sind» £a$t « Berlin, Front.
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Breme».
Hauptversammlung des konservative« Vereins für den Regierungsbezirk «asset am 18. Mai.
Vortrag deS Herrn Justizrat Dr. Grimm, Mitglied des Abgeordnetenhauses.)
Um sich darüber Klarheit zu verschaffen, was das Volk von der konservativen Partei erwarte, beabsichtige ich zu» nächst die Ziele dieser Partei darzulegen. Diese vermag man dann aber erst recht zu würdigen und zu erkennen, wenn man sich die politische Lage Deutschlands vor zehn Zähren vergegenwärtigt. Damals hat es allerdings konservative Männer, aber keine konservative Partei, besonders nicht in den neuen Landesteilen gegeben. Aus diesem Grunde hat sich Fürst Bismarck vornehmlich der damals übermächtigen und intelligenten liberalen Partei ange- schlosscn, ein Umstand der zu seiner notwendigen Folge den gänzlichen Bruch mit der konservativen Partei und im Jahre 1873 das beinahe vollständige Verschwinden der letzteren aus dem Reichstage herbeigeführt hat. Diese traurige Lage hat die Konservativen Deutschlands aus ihrer Lethargie ausgerüttelt und zunächst in kleinen Kreisen ist der Gedanke zum Durchbruch gekommen, die gesamten konservativen Elemente Deutschlands zu einer großen Partei zu vereinigen. Welchen Erfolg dieses Streben gehabt, davon gibt der jetzige Stand der Partei und das im Jahre 1876 zn Frankfurt entworfene Programm Auskunft, welches letztere die Grundlage und Basis der sämtlichen konservativen Einzelverbände geworden und mit seinem ernsten Dringen auf Beendigung des unglückseligen Kulturkampfes, auf wirtschaftliche und soziale Reform, mit seiner entschiedenen Forderung, die ganze liberale Politik zu beseitigen, eine Bewegung in unser Volk gerufen hat, welche bis jetzt in stetem Wachsen begriffen ist.
Mit Hohn und Spott wurde dieses Ziel der Konservativen von der liberalen Partei empfangen. Redner exemplifiziert diese Thatsache durch ein damals erschienenes Flugblatt der Marburger Profefforenschaft. Aber trotz aller Gegenzüge, trotzdem die liberale Phrase tief in das Volk hinetngedrungen und Wurzel geschlagen hatte, ist die Wahrheit, wie immer so auch hier zum endlichen Siege gelangt und im Jahre 1879 hat unser Hcssenland 9 Konservative und nur 2 liberale Abgeordnete gewählt. Und so ist es nicht allein in Hessen, sondern im ganzen Deutschland gewesen. Leider ist die Macht deS Liberalismus noch nicht genügend gebrochen, noch setzt derselbe sich einem gedeihlichen Schaffen der Konservattven entgegen. Im Kulturkampf hat man unter dem Namen der katholischen Kirche daS Christentum bekämpft, hat man das Christentum auS dem Staate gewiesen und damit eines der Hauptfundamente unseres ganzen staattichen Lebens verrückt. Wo nicht das Christentum und in seinem Gefolge die christliche Liebe herrscht, da tritt ein Chaos und das Wirken der zügellosen natürlichen menschlichen Neigungen und Leidenschaften
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Der Dreibirkeuhof.
Roman von August Butscher- (Fortsetzung.)
Der Birkenbauer lächelte, und der Höhlenbauer kraute sich hinter dem Ohre.
„Ich habe dann", fuhr die Dame fort, „nicht nachgelassen, bis mich meine liebe Eva begleitete und mir als Führerin diente. Sie hat sich anfangs gesträubt, aber jetzt find wir doch alle glücklich hier und gedenken, einen kleinen Imbiß einzunehmen, wenn unsere Gegenwart Sie nicht stört."
„Durchaus nicht, im Gegenteil," sagte der Schultheiß verbindlich.
„Das ist wohl der Herr Advokat?" platzte der Höhlm- hofbauer wie eine Bombe in das Gespräch.
„Nein, mein Freund," erwiederte Frau von Bern, spöttisch lächelnd. „Das ist der Herr Conzertmeister Gitte- kunst 1"
Der Höhlenhofer brachte gleichfalls ein Lächeln zu Wege, aber ein einfältiges, unv nahm unaufgefordert an dem Tische der Angekommenen Platz, den der Wirt mit weißem Linnen bedeckt und mit einer Flasche Wein nebst Butter, Käse und Brot besetzt hatte.
Der Dreibirkenbauer setzte sich zwischen Frau v. Bern und Eva.
Der Citronensepp hatte nur von Ferne höflich gegrüßt, wurde aber von der vornehmen Frau auch au den Tisch genötigt was er nicht abschlagen konnte. Ebmso mußte fich der Lehrer Brinkmann beigesellen.
Die Bauern hatten sich tischweise gruppiert und saßen ttinkmd und rauchend umher. DaS Spiel hörte für den
ein, da herrscht der Kampf um das Dasein, wo der Mäch- ttge den Schwachen, der Kapitalist Den Kapitallosen unbarmherzig beraubt und in daS Eimd stürzt, da ist das trübe Wasser, wo die goloene Internationale ihre traurigen Fischzüge hält. (Beifall. Rufe: die Juden.)
Wenn man die Frage, waS das deutsche Volk von der konservativen Partei erwarte, richttg beantworten will, so hat man sich die Aufgabe zu stellen
1) die Wünsche deS deutschen Volkes zu erkennen und 2) diese Wünsche zu erfüllen.
WaS vor allem das deutsche Volk verlangt, daS ist die Wiederherstellung der christlichen Grundlagen unseres Staatslebens, das ist die Abstellung der vielen falschen Freiheiten, mit denen unser edles deutsches Volk so vielfach überschüttet und so traurig hinter daS Licht geführt worden ist.
Was zunächst die Großindustrie betrifft, so bestrebt sich die konservative Partei zum Schutze derselben mäßige Schutzzölle herbeizuführen, welche sie gegen die übermäßige Konkurrenz der Ausländer sichern und ihr die Verpflichtung aufzuerlegen, dem ihr in die Hände gegebenen Arbeiterstand eine gesicherte Existenz zu verschaffen.
WaS habe das Handwerk sodann dem Liberalismus zu danken? Seine alten, segensreichen und bewährten Institutionen seien ihm genommen, eine unbegrenzte Konkurrenz durch Hausier-Handel und Wanderlager gegen dasselbe eröffnet, das Großkapital drücke eS täglich mehr und mehr zu Boden und was das Schlimmste sei, die Grundbedingungen, etwas tüchtiges zu Urnen und zu leisten, seien dem Hanwerker genommen. Die alte tüchtige ehrliche Ge- innung, welche die früheren ehrsamen Handwerksmeister so ehr ausgezeichnet habe, sei verschwunden, sie müsse dem Handwerk wiedergegeben werden. (Beifall.) Dieses Ziel erreiche man aber nur durch lebensfähige und lebenskräftige Innungen.
Und wie sehe es mit dem Stande der Grundbesitzer, sowohl der großen, wie der kleinen aus? Zum Dank der vielen Leistungen an den Staat habe man diesen alten Hort des Konservatismus mit unendlichen Steuern belastet. Da zähle in erster Reihe die Grundsteuer, die oftmals um so härter sei, je mehr eine Schulden- und Hypothekenlast auf dem Gute hafte. Dazu komme die Gebäudesteuer, bei welcher die Wohngebäude nicht nach dem wahren, sondern nach einem fingierten Werte zur Einschätzung gelangten, und schließlich die Klassen- bezw. Einkommensteuer. Dies seien aber nur die staatlicherfeits auferlegten Steuern, nun komme noch bas ganze Heer der Kommunalzuschläge, der Pfarr- und vor allem die Abgaben zu Schulzwecken, nebst den für den Grundbesitzer sehr hohen Stempelgebühren. Daß hier seitens der Konservativen Rat geschafft und vor allem Grund- und Gebäudesteuer beseitigt werden muffe, sei offenbar. ,
Augenblick auf, denn Männer und Bursche halten genug zu thun, die Fremden anzustaunen und von ihrem Gespräche etwas aufzufangen. Alle verwunderten sich darüber, wie der Citronensepp zu solch vornehmer Bekanntschaft kam, und dieser stieg sehr in ihren Augen.
Friedel und Johannes umkreisten anscheinend absichtslos den Tisch, an welchem Eva saß. ES hielt sie fest in dieser Kreisbahn wie die Planeten, die in scheuer Entfernung um die Sonne ziehen.
SAbst der Wiener hatte sich wieder hervorgewagt und fragte sehr kleinlaut bei dem Conzertmeister an, ob „Seine Excellenz" vielleicht auch ein Kegelspiel mitmachen wolle. Ein verwunderter Blick war die ganze Antwort. Der „Präsident" ging und versicherte den spöttisch grinsenden Bauern, da» sei Sitte bei so vornehmen Leuten, er kenne das von Wien her. —
Auf einmal bemerkte Frau von Bern im Lause des Gesprächs: „Aber daß ich ja nicht störend wirke bei Ihrem ländlichen Vergnügen, Herr Schultheiß. Ich sehe, daß das Spiel ruht; taffen sie sich doch ja nicht stören, ich würve selbst gerne zuschauen."
„Ich bin auch gespannt, einen derartigen Wettkampf anzusehen," sagte der Conzertmeister, indem er das brennende Ende seiner Cigarre noch ein Phänomen, und es staunt n auch alle Bauern über das sonderbare Ding, dem sie keinen Namen wußten. Nur „der Wiener" erklärte herablassend, daß er das, was sie eben bestaunten schon längst wieder vergessen habe. Er. stieg deshalb in der Achtung feiner Umgebung bedeutend, besonders da sich der herrschaftliche Kutscher, wohl etne verwandte Seele ahnend, an ihn anfchloß.
Der Schultheiß hatte inbeffen auf die Bemerkung der
Ich gehe nunmehr zu dem Stande der Arbeiter über. Die Schwindel- und Gründerperiode mit ihrer Ueberptv- duktion, mit ihren hohen Löhnen haben dem Arbeiter Be- dürfniffe gelehrts, die er nicht gekannt und auf die Dauer nicht zu befriedigen vermocht habe. Und später — ? habe man für den Arbeiter gesorgt, ihm geholfen? Im Gegenteil, erbarmungslos habe man ihn, wenn er nicht mehr zu brauchen gewesen fei, auf die Straße gewiesen und ihn der Sozialdemokratie in die Arme getrieben. (Beifall.) Ihm müsse die konservative Partei helfen und was der Liberalismus am Arbeiterstande gesündigt,-das habe die konservative Partei zu sühnen. Ihm, der sich nicht selbst schützen könne, ihn müffe man vor Unfall schützen, ihm müsse man ein gesichertes Alter bereiten, damit auch sein Lebenszweck und Ziel nicht nur dem Materiellen gehöre, sondern auch ihm Gelegenheit geboten werde, sich geistig zu bilden, und so den Lockungen der Sozialdemokratie erfolgreich Widerstand leisten zu können.
Dies seien so einige Ziele, deren Verwirklichung bett Wünschen des Volkes Rechnung trage, aber ich fühle mich veranlaßt, noch zwei weitere, hier in Frage kommende Momente hervorzuheben.
Das eine sei der unglückselige Kulturkampf. Wer, wie ich, die Entwicklung der Leidenschaften grade bei dieser Frage in den Parlamenten gesehen habe, dem erscheine der Weg, welchen die Regierung eingeschlagen, der einzig richttge. Nicht durch eine augenblickliche Revision, die alle schlummernden Leidenschaften wieder wach rufen werde, sondern zunächst durch eine Zeit der Ruhe werde und müsse man den Frieden allmählig anbahnen. Durch die ihr erteilten Vollmachten vermöge die Regierung die schroffsten Härten zu mildern und nach und nach eine versöhnliche Stimmung zu wecken. Sei diese erst vorhanden, dann sei es an der Zeit, die allgemein als hart und ungerecht erkannten Bestimmungen 'ihrer gründlichen Revision zn imterzichm. (Schluß folgt.)
Deutsche» Reich.
*• Berit«, 20. Mai. Nachdem im Jahre 1874 vom Abgeordnetenhause die erste Rate für ein auf den Grundstücken der ehemaligen Kgl. Eisengießerei in der Jnvalidenstraße zu errichtendes Gebäude für das landwitt- fchaftliche Museum und das landwirtschaftstche Lehrinstitut bewilligt war, welcher Bewilligung in den nächsten Jahren weitere Summen bis zur Gesamthöhe von 2527 000 M. folgten, wurde der Bau im Jahre 1876 unter der Leitung des Kgl. Baurats Siebe begonnen unb ist nun Im Wesentlichen vollendet. In bem Gebäude ist die ganze obere Etage zu den Zwecken des landwirtschafllichen Instituts bestimmt. Schon die räumliche Vereinigung des Museums und des Lehrtnstituts in einem Gebäude mußte den Gedanken einer organischen Verbindung beider Anstalten nahe legen und für eine solche Verbindung sprachen auch in der Frau von Bern erroiebert, daß das Spiel eigentlich zu Ende sei, da fein Sohn Johannes Sieger unb ohne Wettkämpfer geblieben wäre. Der Citronensepp schüttelte aber zornig den Kopf. Nun winkte ber Dreibirkenbauer seinem Johannes herbei, ber, bie Pelzmütze in der Hand, verlegen näher kam unb dabei nach Eva hinschielte. Sie sah ihn kaum, sie sah nur Einen — unb tiefer bemerkte sie kaum. Der Schultheiß konnte nicht umhin, bei der Vorstellung seines Zweitgeborenen anzubringen, daß ber Sohn beS HöhlenhoferS besiegt worden fei, unb leiser fügte er bei, indem er mit der Pfeifenspitze nach dem feindlichen Nachbar zeigte, daß er ihn in ber Waldgeschichte ebmso auszustechen hoffe. Der Höhlenbauer glaubte nun zur Steuer ber Wahrheit erläutern zu müssen, daß Friedel, ber Erbe deS DreibirkenhofS von feinen eigenen Sohn aus bem Felde geschlagen worden sei, was bie Aufmerksamkeit ber Frau von Bern auf dm Gmanntm lentte, bet büfter nach dem Tische hinüberstarrte.
„Ich meine," sagte ber Schultheiß, man sollt' jetzt ben Böller loslassen, es zeigt sich boch Keiner, ber meinem Johannes das Wasser bieten tarnt 1"
»Die gnädige Frau könnt' aber erschreckm von dem Knall," meinte ter alte Höhlenhofer, der doch auch etwa« sagen wollte.
„Nein, nein, meine Nerven sind nicht so schwach," lächelte Frau v. Bern, „aber Sie jagen da eben, daß noch geworfen «erben könne. Wer wagt eS, RitterSmanu ober Knapp?" rief sie fröhlich.
„Mein feibene« Taschentuch bem Sieger!" — Sie schwenkte bas Tuch lustig im Kreise.
iSottfetmnfl folgt.)